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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-02-15 · 7 (15.2.1907) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
7 (15.2.1907)
Date
1907-02-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 7 Dr. Bloch’s Kahrzamg XXIV Zentralorijan für die gesamten Ilnteressen des Judentums. Wien, 15. Februar 1907. LrscLeint jeden FreLtng. Brief-Adresse: MUen. IX/i, Werggasse 39. Telegramm-Adreffe: ZSlcxD's Mlo<Lenscbrttt. Mtien. Inhalt: Leitartikel: Aufruf. — Zur Kandidatenfrage. — Mar Samuel als Arzt. — Korrespondenzen: Eine Ungerechtigkeit bei der Rothschild-Trauung. Rücktritt des General-Schiffsüau-Jngenieurs Popper. Die XXXIII. Generalversammlung des israelitischen Tempelvereines für Wieden-Margareten in Wien. Das innerösterreichische Distriktskomitee des Verbandes Zion. Schule zur Ausbildung jüdischer Krankenpflegerinnen. Brünn. Olmütz. Prag. Aus dem letzten Jahresbericht des amerikanischen General-Einwanderungs- Komnnssärs. - Vermischtes: Kranzablösungsspenden rc. Vortragszyklus aus jüdischer Geschichte. Wien. Wohltätigkeitsvorlesung. Jüdischer Schulderem für den IX. Bezirk. Jüdische Toynbeehalle, XX., Othmargasse 46. Bildungsheim der Jüdischen Toynbeehalle, XV., Herklotzgasse 21. Moses Mirsky, der zwölfjährige Wundersänger. Heiterer Künstlerabend. Aufnahme von skrofulösen Kindern. Wohltätigkeits-Akademie. Israelitischer Humanitätsverein zur Ausstattung heiratsfähiger Mädchen. Verein jüdischer jugendlicher Arbeiter Wiens. Wien-Ottakring. Wien-Floridsdorf. Eger. Prag. Innsbruck. Pisek. Postelberg. Hilfsverein der deutschen Juden. Nagyszombat. Neumark. Zürich. Hannover. Breslau. Straßburg. New-Aork. Pisa. Frankfurt a. M. Leipzig. Paris. London. — Feuilleton: Ueder die Grenze. — Literatur. — Neue Bücher. — Briefkasten. — Inserate. *---« Bezugspreis für Besterrrirh: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Äür's Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 „ Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petitzetle 24 Heller. •-ft 9-8 A. k. Postsparkassen-Nmt Clearing-Verkevr Mr. 810.976. Redaktion und Administration: Wien IX/1, ÄSerggasse Mr. 39. ^Clcfo» Nr. 14.847. ©-ft Aufruf. In der ernsten und sicheren Voraussicht, dass in dem neuen Abgeordnetenhause des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechtes mehr als je vorher für die österreichische Judenheit die Notwendigkeit sich herausstellen wird, wenigstens einen einzigen Abgeordneten im Parlamente zu besitzen, welcher mit den Fachkenntnissen und dem historischen Wissen auch ein hinreichendes Talent und den energischen Willen verbindet, Angriffe auf das Judentum, auf unsere Religion, auf unser Schrifttum, auf unseren Namen und unsere Ehre überzeugend zurückzuweisen. hat sich über Anregung einer Reihe geachteter, jüdischer Wähler des ersten Wahlkreises im II. Wiener Bezirk, unter Führung des Gefertigten, ein Komitee gebildet, mit der Aufgabe, den ehemaligen Reichsratsabgeordneten Dr. Josef Bloch, Schriftsteller io 'Wien, für die bevorstehende Reichsratswahl in diesem Wahlkreis zu kandidieren. Von der gleichen Ueberzeugung durchdrungen und von dem gleichen Streben geleitet, haben uns die tatkräftigste Unterstützung zugesichert die Herren: Kais. Rat Dr. 8. Krüger, II., Lilienbrunngasse 2 M. U. Dr. Isidor Braun, Obmann des Vereines für Kurbedürftige, II., Grosse Stadtgutgasse 7 M. U. Dr. Ad. Herzfeld, II., Praterstrasse il Moriz Rosenblatt, Obmann des Vereines »Nächstenliebe«, II., Obere Donaustrasse 101 Elias Weiss, Vorst, d. Bethausvereines »Montefiore«, II., Schmelzg. 9 Jakob Weiss, Vorsteher d. UnterstützungsVereines »Montefiore«, II., Obere Donaustrasse 81 Simon Buchwald, Vorsteher der Talmud-Thora, II., Rembrandtstr. 18 S. Spinner, Kaufmann, II., Kaiser Josefstrasse 36 Julius Philipp, Kaufmann, II., Obere Donaustrasse 61 Wolf Pappenheim, Vorsteher des isr. Bethauses, II., Gr. Schiffgasse, II. Kl. Pfarrgasse I Max Wagner, Kaufmann, II., Glockengasse 23 Josef Saphir, Klavierfabrikant, II., Praterstrasse 34 I. M. Belf, Vorst, d. Ver. »Beth Israel«, II., Herminengasse 14 David Kolieb, Vorst, d. Ver. »Beth Israel«, II., Gr. Schiffgasse 24 Das Komitee hat beschlossen, zur Förderung dieser Kandidatur eine Versammlung gleichgesinnter Wähler für Montag den 18. Februar d. J., abends 8 Uhr, im grossen Saale des „Hotel Guth“, II. , Stefaniestrasse 14, einzuberufen. An alle, welche in Erkenntnis der Wichtigkeit dieser Kandidatur für die Interessen der jüdischen Gesamtheit und die Ehre des jüdischen Namens unser Unternehmen zu unterstützen geneigt sind, ergeht hiermit die Einladung, bei dieser Versammlung sich einzufinden. Der Obmann des Wahlkomitees: Dr. Josef Winternitz, Hof- und Gerichtsadvokat, II., Praterstrasse 13. Zur Kandidatenfrage. Warum der Liberalismus in Böhmen so rasch und gründlich abgewirtschaftet hat? Das bat andere Ursachen als dieselbe Tatsache in Wien, wo ein Einschlag von faulem Fatalismus und überreizter Neuerungssucht ewig wechselnde Stimmungen und Gesinnungen erzeugt. Da oben in Böhmen sind nicht die kleinen Geister zuhause, die es lieben, Napoleon in Unterhosen zu betrachten und zu verspotten, sondern tüchtige Leute, die ernste Sachen ernst behandeln und wissen, daß moderne Politik den Wachdienst des Bürgertums über seine Freiheiten bedeutet. Diese Leute sind treu und gutherzig, unter ihnen wohnen Juden, denen gegenüber man nur einen nationalen Antisemitismus predigen konnte und keinen wirtschaftlichen, weil sie wirkliche, faßbare Gründe für eine Feindschaft niemals boten. Alle diese günstigen Umstände wurden von den deutschliberalen Führern frevelhaft verscherzt und vertrödelt, indem sie eine sinnlose und willkürliche politische Regierung im Prager Kasino einrichteten. War die Zeit der Wahlen erschienen, so kam in so eine deutsche Kreisstadt irgend ein herzlich unbekannter Herr angeradelt, der dem Bürgermeister den amtlichen Auftrag der Parteileitung überbrachte, ihn als Kandidaten aufzustellen, die notwendigsten Besuche bei Wahlmachern abstattete und im großen Saal des deutschen Vereinshauses den eisernen Vorrat von deutschliberalen Phrasen auskramte. Der Bürgermeister hob dann die Peitsche und trieb der Wähler breitgestirnte, glatte Scharen zum Urnenfüllen. Bis eines schönen Wahltages die Wähler sich nicht mehr treiben ließen. Aus dem einfachen Grunde, weil die Sendlinge des Prager Kasinos sich im Parlamente als Karpfen im Hechtteiche erwiesen hatten. Weil sie schwach, matt und wertlos waren, das Volk aber nach tüchtigen Vertretern seiner deutschen Interessen rief. Als solche erwiesen sich die deutschen Radikalen. Ihr Sieg wäre nicht nötig gewesen. Denn die wenigen, wirklich brauchbaren Vertreter der liberalen Partei (luens a non lucendo) behaupten sich noch heute. Die sonstigen Erwählten des Zeutralwahlkomitees wurden aber von den Erwählten des Volkes zu den wärmenden Oefen des Prager Kasinos zurückgeschickt. Das zur Lehre für diejenigen, welche jetzt und für

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