Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 6 (8.2.1907)
- Date
- 1907-02-08
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Veite 98 Dr. Llocb's MocbenscbrlN. Nr. 6 im Rahmen seiner Zeit" beweisen. Eines seiner bedeutendsten Werke ist die „Bibel für junge" (1877 und 1878), welche die „letzten Jahrhunderte von Israels Existenz als Volk" behandelte. Großes Aufsehen erregte im Jahre 1880 ein zwischen chm und dem Oberrabbiner Tal in Amsterdam geführter wissenschaftlicher Streit über eine schwierige Stelle im Talmud; eine Keucht dieses Streites war die 1881 erschienene Schrift „Evangelium und Talmud vom Standpunkt der Sittlichkeit verglichen". Im Jahre 1883 hielt er auf dem sechsten Orientalistenkongreß einen äußerst interessanten Vortrag über den „Ursprung der Blutbeschuldigung gegen die Juden". Professor Oort war auch ein fleißiger Mitarbeiter der in Leiden herausgegebenen cheologischen Zeitschrift. Argentinien als Ziel europäischer Auswanderung. Der bekannte Forschungsreisende Dr. Wilhelm Ballen tin hielt am 23. Jänner im Deutsch-Brasilianischen Verein in Berlin einen Vortrag über die Bedeutung Argentiniens für die deutsche Auswanderung. Dr. Vallentin ist einer der besten Kenner Argentiniens, wie überhaupt Süd-Amerikas, und seine Ausführungen dürsten wohl auch für diejenigen Kreise von Interesse sein, die sich mit dem Problem der jüdischen Auswanderung befassen, zumal in Argentinien sich bekanntlich eine große Anzahl blühender jüdischer Kolonien der Jewish Kolonisation Association befindet. Wir entnehmen den überaus interessanten, lehrreichen Ausführungen das Folgende: „Argentinien ist das zweitgrößte, aber in vieler Hinsicht das wichtigste Staatswesen Süd-Amerikas. Als Dr. Vallentin Argentinien kennen lemte, war er überrascht durch das, was er dort vorfand. Ueberall herrscht der Großbetrieb, die Massenproduktion; das giü für Viehzucht und Ackerbau, auch für Handel, Gewerbe und Industrie. Nur durch verkehrte, oberflächliche Berichte vom Hörensagen entstehen die falschen Vorstellungen von Argentinien. Das Land ist ungefähr 5'/-mal so groß wie Deutschland. Es umfaßt 3 Millionen- Geviertkilometer mit nur hlj2 Millionen Einwohner. Von * diesen entfällt 1 Million auf Buenos- Aires, eine weitere Million auf die übrigen Städte des Landes, so daß nur 3ya Millionen auf das Land entfallen. Und diese 3'/a Millionen tatsächlich produzierender Einwohner schaffen die Massenproduktion in Ackerbau und Viehzucht, mit der heute schon Argentinien auf dem Weltmärkte in Wettbewerb tritt. Im Jahre 1893 betrug Deutschlands Ausfuhr nach Argentinien 44 Millionen Mark, Deutschlands Einfuhr aus Argentinien 41 Millionen. Zehn Jahre später hatte sich dieses Bild schon wesentlich verschoben. Deutschlands Ausfuhr nach Argentinien belief sich 1903 auf 68 Millionen, Deutschlands Einfuhr aus Argentinien auf 107 Millionen, und 1905 stieg der Wert der Einfuhr Deutschlands aus Argentinien auf 336l/2 Millionen! Das heißt: Deutschland bezieht aus Argentinien für einige hundert Millionen Naturerzeugniffe, hat aber dort keinen genügenden Absatzmarkt für seine Jndustrieerzeugnisse. Dieser ließe sich aber schaffen, wenn die deutsche Auswanderung dahin gelenkt würde, denn dadurch würde für unseren Ausfuhrhandel das Absatzgebiet naturgemäß erweitert werden. Andere Staaten, wie Nord-Amerika, England, Belgien, Italien haben dies längst erkannt und sind eiftigst bemüht, den Absatzmarkt dort zu erobern. Argentinien umfaßt zufolge seiner räumlichen Ausdehnung Landstriche aller klimatischen Abstufungen. Für die deutsche Auswanderung kämen in Betracht die mittleren und südlichen Gebiete zwischen dem 38. und 50. Breitengrad. So verschiedenartig wie das Klima ist auch die Bodengestaltung. Ackerland, Weideland, Wasser, Wald sind an den Süd- und Ostabhängen der Cordilleren in reichem Maße vorhanden. Die Pampa (-Fläche oder Flachland) nimmt den größten Teil des Landes ein und umfaßt in ihrem südlichen Teile Patagonien. Sie ist mit einem wunderbar ftuchtbaren Alluvialboden bedeckt. Noch vor 30 Jahren galt die Pampa für völlig ungeeignet, auch nur . einen Sack Getreide hervorzubringen, und heute ist Argentinien -dank seinen vorzüglichen Wasserverhältnissen, die ohne große Mühen und Kosten eine künstliche Bewässerung ermöglichten, das erste Getreideland der Welt. Je nach dem Klima und der natürlichen Gestaltung des Landes richtet sich in dessen einzelnen Teilen die wirtschaftliche Ausnützung. Ueberall aber ist Viehzucht vorhanden und das beste Viehzuchtland sind die Pampa und Patagonien. In den letzten Jahren hat Argentinien den Schwerpunkt seiner wirtschaftlichen Tätigkeit verschoben und ist aus einem Viehzuchtland zum Ackerbauland geworden, was kulturell einen Fortschritt bedeutet. Im Jahre 1891 gab es drei Millionen Hektar angebauter Fläche, 1905 aber schon 13. Davon entfielen 1901 eine, 1905 aber schon fünf Millionen Hektar auf den Anbau von Weizen. Bald wird Argentinien das größte und beste Weizenland der ganzen Welt sein. Der nördliche Teil Argentiniens ist für Plantagenbau geeignet, der mittlere und südliche Teil sind das beste Feld für den europäischen Ansiedler. Die Verkehrsverhältnisse haben in der letzten Zeit großen Aufschwung genommen. Aber alle Eisenbahnen gehören englischen Gesellschaften, ausgenommen eine einzige, die französischen Ursprungs ist. Vermischtes. Vortragszyklus aus jüdischer Geschichte. Donnerstag den 14. Februar 1907, präz. 728 Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architekten-Vereines, I., Eschenbachgaffe 9, ein Vortrag des Herrn Dr. Gustav K a r p e l e s aus Berlin statt. Thema: „Humor und Liebe in der hebräischen Poesie". Eintritt frei. Wien. (Israelitischer Bethaus-Verein „Volker t", II., Fugbachgasse 7.) Am 27. Jänner a. c. wurde in dem Bethause, II., Fugbachgasse 7, die 30. ordentliche Generalversammlung abgehalten, bei welcher folgende Herren in den Vorstand gewählt wurden: Herr Adolf S ch r a m e k, Obmann; Herr Elkan Bauer, Obmannstellvertreter; die Herren Ignatz Reiser, Schriftführer; Julius Beck, Schriftführerstellvertreter; Josef Fischer, Kassier; S. H o f f m a n n, Simon Wessely, Kontrolore; Wilh. B a nd l e r, Josef Werner, David K o h n, Bethausvorsteher; Sal. B e ck, Beruh. Fischer, Herm. Kaiser, Jg. Freundlich, Mor. I e ll i n e k, Jakob Singer, Heinrich G a s s n e r, Bernh. P i ck, Allsschußmitglieder. Wieu. Der Israelitische Tempelverein für den IV. und V. Bezirk, Wien, V/I., Margarethenstraße Nr. 73, veranstaltet die 33. ordentliche Generalversammlung Sonntag den 10. Februar 1907, 10 Uhr Vormittags. Wien. (Trauung.) Sonntag den 10. Februar d. I. um halb 3 Uhr nachmittags findet im israelitischen Tempel, XV., Turnergaffe 22, die Trauung des Fräulein Elsa Fuchs, Tochter des Herrn Jakob Fuchs, mit Herrn Philipp Porges statt. Wien. (Verlobung.) Fräulein L i l i F i s ch l, Tochter des Herrn Julius Fischt, Chefs der Mühlenbauanstalt gleichen Namens, hat sich mit Herrn Med.-Dr. Ernst Augst ein, Badearzt in Marienbad, verlobt. Wie«. Die akademische Verbindung „Kadimah" veranstaltet am 13. Februar 1907 im Ballsaale des Hotel „Bayerischer Hof", IL, Taborstraße, einen Kommers ad hon. ihrer A. H. A. H. mit anschließendem Tanze. Beginn 9 Uhr. Regiebeitrag 2 K. Familienkarte 5 K. Soireetoilette. Wien. (Veranstaltung des Wiener zionistischen Frauenvereines.) Sonntag den 10. Februar findet im Bösendorfer Saal eine Vorlesung statt, deren Erträgnis dazu bestimmt ist, für die Hinterbliebenen Kinder der in Rußland gemordeten Juden ein Waisenhaus in Palästina zu errichten. Es werden lesen: Richard B e e r-H o fm an n, Felix Salten, Arthur Schnitzler und Jakob Wassermann. Karten bei A. G u t m a n n.