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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-02-08 · 6 (8.2.1907) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
6 (8.2.1907)
Date
1907-02-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 6 Dr. Bloch’s Jahrgang XXIV Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums. Wien, 8. Februar 1907. Lrscbelnt jeden Freitag. - Brief-Adresse: Mien. IX/if JSerggasse 39. Telegramm-Adresse: Llocb's Mocvenscbrltt. MUen. ®---n Bejugeprcia für : Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Ikür's Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 „ Anzeigen: Die 4mal gespaltene Peltkzetle 24 Heller. O-ft Ä--« B. ft. postlparftassen-Arnt Gleartng-Werftebr Nr. 810.976. Bebahtinn und Administration: »int IX/1, JBerggasse Nr. 39. Telefon Nr. 14.847. S-ft Inhalt: Leitartikel: Za den Reichsratswahlen. — Die Verhaftung russischer Flüchtlinge in Alexandrien. — Adam in Sünden. — Jahrmarkt des Lebens: Henryk Glycenstein. Berner über Judentum und Christentum. Eine alte jüdische Festung in der Krim. — Korrespondenzen: Hochzeit im Hause Rothschild-Wertheimstein. Tätigkeitsbericht der Damen'ekt o > des Wiener Schwimmkli b „Austria". Zweite allgemeine jüdische Gesellschaftsreise nach Palästina. Eine Plauderei vom Lande. Zehn Jahre Kultu- Vorsteher in Cssek. Breslau. Berlin. Die konfiszierten Papiere der Pariser Nuntiatur. Amsterdam. Argentinien als Ziel europäi'cher Auswanderung. — Vermischtes: Wien. Vortragszyklus aus jüdischer Geschichte. Poale-Zion. Jüdische Toyndeehalle, XV., Herklotzgasse 21. Generalversammlung des Vereines „Die Brüder". „Verein rur Bekleidung und Unterstützung armer alter Männer israelitischer Konfession zu Wien". Humanitärer Verein zur Unterstützung jüdischer Knrbrdürftiger in Wien. Wien. Mödling. Baden Trebitsch. Oderberg. Agram. Köln. — Feuilleton: Russische Juden iu New-Aork. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Z« den Deichsratstvahlen. Der alte ideale Gedanke des Parlamentarismus schläft schon längst im Untersberg bei den anderen Marchendmge.i und wird von den Raben des Barbarossa bewacht bis zu seiner Auferstehung in tausend Jahren. An seiner statt herrscht eine giftige Fälschung. Wenn es heißt, es werde wieder ein Parlament zusammentreten, so ist damit nicht gesagt, daß Vertreter der Nationen Zusammenkommen, um mit liebendem Herzen für den Fortschritt, die Größe, die Kultur des Reiches und das Glück seiner Bürger im gerechten Einverständnis zu sorgen; es steht vielmehr in Aussicht, daß zum Schaden der blutig erstrittenen verfassungsmäßigen Freiheit Vertreter kämpfend -x Gruppen sich einfinden, um vom Tische der Allgemeinheit möglichst viel für sich und ihre Umgebung davonzutragen. Das Faustrecht allein ist ihnen maßgebend. Kein günstiger Zustand für die Juden, welche auf die moralische und geschriebene Gesetzlichkeit angewiesen sind. Ihnen droht schwere Gefahr. Durch eigene Schuld! Drei winzige Monate trennen uns nur mehr von einem welthistorischen Ereignis für Neu-Oesterreich, das von den Inden mit lautem Schnarchen begrüßt wird. Sie schlafen, sie wollen sich iu contumaciam verurteilen lassen, wie der juristische Fachausdruck für jemanden lautet, der zu seiner Verhandlung vor dem Richter nicht erscheint. Verurteilen lassen zur hilflosen Ausbeutung, Beschimpfung, Knechtung. Wogegen Heine und Börne und das ganze junge Deutschland wetterten und wodurch schließlich die Deutschen zu ihrem Elend auch noch den verdienten Spott der ganzen Welt erleben mußten, die Schlafmützigkeit und Uneinigkeit ist bei den Juden derzeit auch vorhanden, und diese Tatsache muß zum selbigen jämmerlichen Ende führen wie im Heiligen römischen Reich deutscher Nation. Nur daß leider zu einer Aenderung von Jena bis Sedan bei uns nicht Jahrzehnte zur Verfügung stehen. Nicht ein Weckruf, ein Donuerschlag müßte für uns das Signal sein, damit wir endlich zu einer Schlacht rüsten, bei der es sich um unser Wohl und Wehe, um unsere Existenz handelt, in der kein Pardon gegeben wird und von der uns die Dauer eines Faschings scheidet. Ein doppelt lustiger Karneval mag das für die Antisemiten werden. Sie werden ihren Wählern ungehindert Brot und Unterhaltung auf Kosten der Inden schaff n. Denn die Juden rüsten nicht. Sind sie etwa, diese ewig Hoffnungsfreudigen, so leichtsinnig, weil sie glauben, daß sie unter Umständen in einer späteren Gesetzgebungsperiode werden Nachträgen können, was sie für die jetzige versäumt haben? Allein wenn die drohenden Entwürfe rumänischer Färbung angenommen sein werden, so wird keine Deputation den Verlust au Recht wieder zurückholen. Dürfen wir weiters unsere Saumseligkeit damit entschuldigen, daß der Liberalismus der anderen Parteien uns behüten werde, etwa der der SozialdemokratcnoderderFortschrittlichen?Wenndiese auch des besten Willens wären, so macht sie ihre geringe Zahl ohnmächtig. Hat man aber nicht Beweise genug, daß der Vorwurf, eine „Judeuschutztruppe" zu sein, der > efürchtetste ist im politischen Leben Oesterreichs? Wir wissen seit anno Toback, daß das Wort Freisinn in Oesterreich frei ist seines eigentlichen Sinnes. Da haben z. B. die „Freisinnigen" Mährens Sonntags iu Brünn die Humanität und Glaubensfreiheit in mannigfachen Reden und Wahlaufrufen gepriesen. Das ist feiner Speck, mit dem jüdische Mäuse in die Urne gelockt werden sollen — man verzeihe diesen freisinnigen Ausdruck; wie aber der Jude Dr. F i s ch l, eine Säule der Freisinnigen, bei seiner Partei eine Reichsratskandidatur anmeloete, wurde ihm ziemlich ohne Blume bedeutet, man könne einen Juden im Reichsrat nicht brauchen. Liberal sind bei uns die Wahlagitatoren, die Parlamentarier nimmer. Verlassen können sich die Juden nur auf sich selbst. Nur sie allein können die berufenen Wächter entsenden, welche jedem Angriffe aus Ehre und Leben ihrer Stammesgenossen jederzeit mutig und ohne Bedenken entgegentreten werden. Das wird leider sehr oft nötig sein. Radikalismus der Gemeinheit ist zu erwarten, das Meisterwerk Hansens am Franzensriug wird sehr wahrscheinlich die Bühne eines tollen antisemitischen Theaters sein, in welchem Trauerspiele für die Juden aufgeführt werden. Mit großer Furcht halten wir die freudige Hoffnung der Christlich-Sozialen auf eine Periode der Herrschaft für berechtigt. Geßmann und Axmann bereifen sogar die Bukowina, Ernst Schneider, der große Parlamentarier, hält in Krakau und Lemberg Versammlungen ab. Die Zahl ihrer neuen Mandate schätzen sie auf die hundert und sie werden zweifellos als die stärkste deutsche Partei mit dem Ansprüche

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