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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-02-01 · 5 (1.2.1907) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
5 (1.2.1907)
Date
1907-02-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 5 Dr■ Bloch’s Jahrgang XXIV Zentralorgan für die gesamten Unteressen des Judentums. Wim, 1. Februar 1907. LrsiLelnt jeden Freitag. Brief-Adresse: THUien, IX/jf Werggasse 39. Telegramm-Adresse: Llocb's Wlocdenscbritt» Mlien. Inhalt: Leitartikel: Ein gefährliches Wort. — Jahrmarkt des Lebens: Der Fall Hilsner und der Prozeß contra Deckert. Polnische Juden, Sabbath- und Sonntagsruhe. Moritz Steinschneider. Eine Hypothese. — Korrespondenzen: Aus der öffentlichen Sitzung des israelitischen Kultusvorstandes. Die Einschreibungen bei der Pester Chewra-Kadischa. „Bezalel". Berlin. Barbareien am Tage der Wasserweihe. Der amerikanische Kontraktarbeiter-Paragraph. Brasilien. — Vermischtes: Kranzablösungsspenden rc. Vortrag von Dr. M. Grunwald. Schulfragen. Wien. Jüdische Toynbeehalle. Moses Mirsky. Rosenfeld- Abend. Wohltätigkeits-Akademie des Brigittenauer Israelitischen Wohltätigkeitsvereines. Das österreichische Herrenhaus. Erster Wiener jüdischer Turnverein. Die jüdischen Kinderhorte. Eine allgemeine jüdische Gesellschaftsreise. St. Pölten. Klattau. Jamnitz. Pohrlitz. Neusandez. München. — „Die Augen für Amerika". — Feuilleton: „Heimkehr." — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. »—„-m Vexugsprria für Vrstrrrrirh: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Äür's Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 „ Anzeigen: Die 4mal gespaltene Pelitzeile 24 Heller. »- -- « »-:-Ä B. ft. Pofisparftssfen-Arnt G1 e a r i n g - ID e r ft e b r IRr. 810.976. Redaktion und Administration: Wien IX/1. JBerggasse IRr. 39. Telefon Nr. 14.847 ©-* Gin gefährliches Mort. Graf Adalbert Sternberg hat es gesprochen. Man kennt diesen feudalen ohne Land aus dem Wahlkreis hinterwärts von Königgrätz. Er verschwindet nie im großen Troß der Debatteredner im Parlament, von deren dürren Argumenten die Tagesblätter einen dürren Auszug bringen, eine Fleißaufgabe für besonders gewissenhafte Leser. Sternberg — man muß Graf dazu fügen, sonst könnte der Unglückliche schmachvoll für einen Juden gehalten werden — hat dafür gesorgt, daß keines seiner Worte unter den Tisch des hohen Hauses falle. Dazu nahm er den Faden seiner Rede nicht vom Zwirnhäudler, sondern vom Seiler und er plauderte nicht gerade wie ein Kindermund. Im Prinzipe macht das nichts. Nicht der Ausdruck, sondern Gedanke und Absicht machen den Kavalier. Man darf diesen Wilden, wie er der Parteistellung nach genannt werden will und dem Benehmen nach genannt werden darf, höher einschützen, als es die allgemeine Meinung billigt. Bis sein galoppierendes Temperament in Trab fallen und er es lernen wird, nicht um jeden Preis anzugreifen, sondern an der richtigen Stelle, wird er vielleicht eines jener wertvollen Elemente der Politik werden, welche durch ihre kraftvolle Lebendigkeit dafür sorgen, daß nirgends etwas einschläft und versumpft. Bis jetzt heißt aber in Graf Sternbergs Mund kommen gebissen werden, und auch wir Juden bekamen unsern Teil. Aus einem wenig feudalen und kavaliermäßigen Grunde. Die Herren Abgeordneten des Parlamentes, welches so lange in Agonie lag und vor dem Sterben so prächtig auflebte, benahmen sich vor dem Scheiden wie Kinder vor der Zeugnisverteilung, wo sie darnach streben, sich im günstigen Lichte zu zeigen. Eine Zeugnisverteilung war es; die Ausweise waren in den Reichsratsberichten der Blätter enthalten und die Noten werden in den kommenden Wählerversammluugen verlesen. Da ist nun ein Hauptgegenstand, aus dem österreichische Parlamentskandidaten jetzt geprüft werden, der Antisemitismus, und um in dieser wichtigen Beziehung gut zu entsprechen, hat Graf Sternberg die Juden gewaltsam in die Debatte gezogen, in welcher über die staatlichen Gehaltszulagen an Priester verhandelt wurde, und hat für seine Wiederwahl einen Teil eines besseren Menschen geopfert, indem er ungerecht und unwahr folgenden antisemitischen Anwurf gegen die Juden richtete: „Redner möchte jetzt auch ein Wort an die Juden richten, die bisher einen ungeheuren Kampf gegen jede Form des Glaubens geführt haben. Es sei keine Frage, daß hinter allen antiklerikalen Parteien als treib?nde Kraft die Semiten zu finden sind. Die Juden tun daran unrecht, ebenso wie es ein Unrecht ist, den Rassenhaß zu predigen. Die Juden haben ein großes Interesse daran, das Christentum zu schützen, weil der erworbene Besitz der Juden nur durch das Christentum gesichert werden kann. Die Antiklerikalen sind noch viel wildere Antisemiten als die Christen es sein können. Redner möchte dem Judentum ans Herz legen, den Kampf gegen das Christentum aufzugeben." Die vorstehenden Sätze sind ein kräftig Sprüchlein, um die Logik auszuränchern. Denn Graf Sternberg verurteilt den Rassenhaß bevor er ihn predigt. Nehmen wir jedoch alles in allem, so ist darin der Vorwurf ausgesprochen, daß die Juden einen Kampf gegen das Christentum führen, einen eifrigen, fanatischen Kampf. Wenn diese Worte nicht die Christen zu Widerstand und Feindschaft aufrufen, dann ist die Zeit schon vor der Schwelle, in welcher der Löwe mit dem Lämmchen weidet und sich von Butterblümchen nährt. Die Ausführungen des Grafen Steruberg sind konzentriert jener Jargon der Lüge, durch dessen Einführung in Oesterreich das „Deutsche Volksblatt" und sein Kreis groß geworden sind, sind eine böswillige Erfindung, die für das jüdische Leben viele Jahrhunderte ein böser Fluch gewesen und der nicht oft und nicht scharf genug widersprochen werden kann. An einer Seite der Frage haben die Apologetiker des Judentums unzählige Federn stumpf geschrieben. Sie haben in Bänden, welche eine Bibliothek füllen könnten, bewiesen, daß in unserer Religion auch nicht der Schalten einer Feindschaft gegen das Christentum besteht. Daß alle die Vorwände, welche Inquisition und Kreuzzüge, deutsche Judenverfolgungen und russische Pogroms, gegen die Juden gerichtete Bullen der Päpste, Edikte der Kaiser und Gesetze der Politiker für ihre Grausamkeiten aus unserem Ritus holten, Lügen seien, von Lügen geboren und mißbraucht von Lügnern. Hier ist nicht der Raum, ein geistliches Redeturnier

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