Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 4 (25.1.1907)
- Date
- 1907-01-25
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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Nr. 4 Dr. Vlocb's Mocbenscbritt. Seite 71 Religionswissenschaftliche Bolksbibliothek des Judentums, herausgegeben von Dr. I. Goldschmidt- Ossenbach. Heft 1: Das Judentum in der Religionsgeschichte der Menschheit von Rabbiner Dr. I. G o l d s ch m i d 1, broschiert Mk. 1.—. I. Kauffinann, Verlag. Frankfurt am Main 1907. Briefkasten. L. H. Pogrom ist ein russisches Wort und heißt zu dnitsch etwa Ausschreitungen (Exzesse und Plünderung). Seit dem Jahre 1880 werden mit großer Regelmäßigkeit von den russischen Behörden Ausschreitungen gegen die Inden hervorgelnfcn. Infolgedessen hat das Wort Pogrom allmählich d:e Bedeutung von „Exzessen gegen die Juden" erhalten — Hooligan ist der Name einer irischen Verbrecherfamilie. Der Prozeß gegen diese Verbrecherfamilie erregte weil über Irland und England hinaus ungeheures Aufsehen. Seit dieser Zeit Öcit: man Verbrechen solcher Art, Plünderern, Räubern usw. den Namen Hooligan beigelegt. Da die russische Sprache das „H" nicht kennt, so wird im Russischen daraus Ebooligan oder Kooligan gemacht. Buda Die ungarische Unabhängigk ilspartei, in der es so stark antrsemitelt, hätte nach den letzten Ausfübrungen des Abgeordneten Lengyel wohl allen Grund, ans ihre eigene Moral aufzupasseu, statt sich über die jüdische irgendwie aufzuregen. Denn in der Hitze des politischen Kampfes fließt die Butter von Polonyis Kopf in Strömen, aber seine Partei, die antisemitischen Unabhängigen, beeilte sich lange, sie wieder abzuwischen. Polonyi selbst war, je nach Bedürfnis, schwach liberal oder stark antisemitisch, er wäre ganz gewiß der Lueger Ungarns geworden, wenn ihm das etwas genützt hätte, und dem „Deutschen Volksblatt" in Wien tut es gewiß heute schon leid, ihn seinerzeit als Judenstämmling angegriffen zu haben. Wir Juden können übrigens dem schönen Schauspiel in Budapest mit Ruhe zuschauen, wo waschechte Arier alles das wirklich anfführen, was man uns fälschlich vorwirft. Fr. i. T. Die Antisemiten in Deutschland drüben haben in ihrem Wahlaufrufe den Judenpunkt säuberlich ausgelassen. Im Reich kann man offenbar nicht mehr mit Glück auf die Dummheit der Leute spekulieren wie bei uns und die Antisemiten haben sich vor dem deutschen Publikum schändlich genug blamiert, daß sie leise, ganz leise auftreten und mit neuen Schlazworien agitieren muss n. Sie rufen diesmal nur zum Kampfe gegen die Sozialdemokratie mtf, um deren erbitterte Gegner, die Bürger, auf diele Art einzufaugen. Es gebt halt nichts über die antlsemitische Ehrlichkeit, die man uns beibringen will. G. F. Es ist noch nicht zwei Monate her, daß im Wiener Gemeinderat noch gegen die Fleischhauer die drohende Zerschmeltererfaust gehoben wurde, die aber aus Butterteig war, wie sich nachträglich herausstellt. Die Großschlächterei wird den Fleischhauern mit Stumpf und Stil überlassen, die Verwaltungstalente der christlich-sozialen Partei haben sich als ebenso großartig erwiesen, wie ihre Ehrlichkeit gegen die Bevölkerung. Mit etwas gutem Willen wäre doch die Großschlächterel wenigstens ohne Verlust zu halten gewesen. Denn da doch die meisten Fleischhauer reich werden, hätte sich doch eine Unternehmung, um deren Verkaufsprodnkte sich die Leute reißen, bei ihrer verbilligten Kroßregie sebr leicht behaupten können und jedenfalls wären die Fleischer in ihren maßlosen Steigerungsgelüsten gehindert und bedroht gewesen. Nun ist die Bevölkerung wieder ihren Ausbeutern übergeben worden, dieser christlich-soziale Schwindel ist zu Ende, Hütter und Lueger küssen sich nach einem Kampfe, dessen Kriegskosten die Wiener zahlen werden. Denn „auf das Publikum überwälzen" werden ja die Getreuen Hütters die Uebernahmskosten der Großschlächterei. Der schöne Kars wird sicher wieder flöten „kauft nur bei Christen", ohne den Nachsatz hinzuzufügen, „wenn euch die Fleischer und alle anderen etwas übriggelaffen haben, denen ich euch durch jede mögliche Unterdrückung der freien Konkurrenz, durch meine glorreiche Gewerberettung ausgelieferthabe". Wie dumm müssen die Leute sein, die solchen Schwindlern Gefolgschaft leisten! M. Nau. in Wien, III. Die Hungersnot in Spanien ist chronisch. Brotkrawalle wie die jetzigen kommen alle Jahre vor. Es liegt wie ein schwerer Fluch auf dem Lande, von dem neulich einer seiner Politiker sagte, der leiseste Ruf des Volkes über seine Not wäre ein Revolverschuß. Eni Prediger könnte'sagen, daß ein Drobwort vom Sinai hier zum historischen Ereignis würde. „Ich werde rächen die Sünden der Väter an ihren Kindern und Kindeskindern bis in ferne Geschlechter." Die Verzweiflungsrufe gemarterter Juden hallen nun als Notschrei des Hungers von den Lippen der Nachkommen von den Peinigern der Inquisition. Th. i L. Nichts gezogen. N. R. Sie finden eine solche Firma, die Prospekte verschickt, im Inseratenteil unseres Blattes. M. P. in I. „Israel. Allianz", I., Weihburggasse 10. „Galizischer Hilfsverein", Wien, IX., Berggasse 4. „Jka" in Paris, 2 ras Pasgnier. — Vorlage der Statuten. Politische Agitation nicht erwünscht. Jglau. Uns unbekannt. H. St. Wien Für diese Nummer zu spät. Kundmachung. Es wird hiemit zur Kenntnis gebracht, daß ausschließlich die nachbenannten Verkaufsstellen für Koscherfleisch unter der besonderen Aufsicht des ehrwürdigen Rabbinates der Kultusgemeinde stehen: Im I. Bezirke II. .. Ignaz Weinstein 41. Lipschütz »Alexander Fuchs Ignaz Gerstl Nathan Lustig Ignaz Reiß Wilhelm Schäfer Julius Gold Seitenstettengaffe 3; Krummbaumgasse 2; Untcre Augartenstraße Malzgasse 5; Leopoldsgasse 49; Leopoldsgaffe 3t; Adamsgaffe 20; Viadukt 42; Johann Fleischhacker Schönbrunnerstraße 15; „ II. II. „ II. .. II. „ III. , ., III. „ V. ix. XIV I XVI.' " „ XVIII. „ XX. „ Nur für die hier genannten Verkaufsstellen übernimmt das ehrwürdige Rabbinat die Verantwortlichkeit in Betreff des Kaschrus. S. Burghäuser Ernst Fuchs Franz Rieder Sigmund Kornmehl Ignaz Reiß Bindergasse 6 Sechshauserstraße 35; Hofferplatz 10; Gentzgasse 9; Klosterneuburgerstr. 10 a. Der Vorstand der israel. Kultusgemeinde Wien. Kundmachung betreffend die Privatisten-Prüfungen. Die Privatisten-Prüfungen aus israelitischer Religion für Schüler (Schülerinnen) an Volks- und Bürgerschulen finden für das I. Semester des Schuljahres 1906/7 nach folgender Einteilung statt Für Schüler (Schülerinnen) wohnh.i. Bez. Tag und Stunde der Prüfung I Ort der Prüfung I I., IL, XI. XX. SonMag 3-Febr.l „„„ „ : i p10 ■> I., Seitenstettengaffe 4, (Parterre links) III.—X. und XIX. für Bürgerschüler Freitag I.Febr. '/*•&— y45h Montag 4. „ 2—'/,4„ Freitag 8. „ 7.4—7.5 „ für Volksschüler Montag 18. Febr. 2— 7,4 h Freitag 22. „ 7.4-7.5 „ Montag 25. „ 2 - 7,4 „ I., Seitenstettengaffe 2 (II. St. Religionsschule) XII.—XV. i Sonntag, 1? Febr. 12—l h 24. „ 12-1 h XV., Turnergasse 22 (Gemeindehaus) XVI. u. XVII. Mittwoch 20. Februar von 7*4— 745h XVI., Hubergaffe 8 (Gemeindehaus) XVIII. Sonntag 3. Febr.l von 7,11 j| XVIII., Schopenhauer- „ io. „ j bis 12 h j straße 39 (Gemeindehaus) Die Prüfungstaxe beträgt X 6.— und wird im Vorhinein an der Kasse der israelitischen Kultus gemeinde, I., Seitenstettengaffe 4, oder bei der entsprechenden Amtsleitung im XV., XVI. oder XVIII. Bezirke zwischen 9 und 12 Uhr vormittags entrichtet. Die Quittung ist dem Examinator vorzulegen. Der im I. Semester gelöste Erlagschein über die Prüfungstaxe gilt auch für das II. Semester des laufenden Schuljahres. Der Vorstand . der israelitischen Kultusgemeinde Wien la meinem Verlage beginnt zu erscheinen: Religionswisssnschaftliohd Yolksbibliothek des Judentums, herausgegeb.v. Sr.-Babb. Dr.J Goldschmidt,Offenbach a.M. Die „Religionswissenschaftliche Volksbibliothek des Judentums“ beabsichtigt, in zwanglos erscheinenden Heften, in populärer Darstellung, die Wahrheit über das Judentum, wie sie sich von einer vorurteilsfreien Wissenschaft aus gesehen darstellt, zu verbreiten. Sie will diese Aufgabe durch die Mitarbeit von Gelehrten, die dem gleichen Ziele eustrehen, lösen. Der Preis der in Druck und Papier vorzüglich ausgestatteten Publikation soll Mk. 1.— für das elegant broschierte Heft tunlichst nicht übersteigen. Heft 1 der Publikation : 3,3 Das Judentum in der Religionsgeschichte der Menschheit von Babbiner Dr. J. Goldschmidt ist soeben erschienen. Prel* Mk. 1.—. Ausführlicher Prospekt steht auf Verlangen gerne gratis und franko zu Diensten. I. Kaufmann’s Verlag, Frankfurt a. K.