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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-01-25 · 4 (25.1.1907) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
4 (25.1.1907)
Date
1907-01-25
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 4 Dr. Blocb’s Mocdenscdrttr Seit« 07 jtur festgesetzten Stunde. In der Berichterstattung des präsidierenden Obmannes gipfelten dessen Ausfiihrungen dahin, daß dieser Verein, dem die überaus schwere Pflicht obliegt, in einem solch verarmten Bezirke, wie es der 20. Bezirk ist, das Elend und die schwerdrückende Not, wenn auch nur im geringen Maßstabe, zu lindern, nicht die richtige Unterstützung genießt, weshalb er an dem weiteren Fortbestand dieses Vereins zweifelt. Er sowohl als auch seine sämtlichen Kollegen im Vorstande sind wohl sehr gerne bereit, ihre opferwillige Tätigkeit dem für diesen Bezirk sehr nottuenden Verein so wie bisher auch fernerhin angedeihen zu lassen, welches aber nur in dem Falle geschehen könnte, wenn die verehrten Vereinsmitglieder durch Ausübung ihres Einflusses in ihren Bekanntenkreisen in den breiten Schichten der besser situierten jüdischen Bevölkerung Wiens dem Vorstande unterstützend zur Seite stehen würden. Herr Sekretär Dr. Josef Kohn, Herr Lehrer Isidor Oehlla sowie Herr Hermann Plaschkes, welche sich zum Worte gemeldet hatten, hoben in ihren Ausführungen beinahe in gleichem Sinne hervor, daß es, den Rechenschaftsbericht vor Augen habend, mit dem Vereine, welcher in dem letztabgelausenen Verwaltungsjahre die ansehnliche Summe von 4582 K an Unterstützungen verausgabte, denn doch nicht so arg steht, allerdings für diesen so sehr verarmten Bezirk beiweitem nicht hinreichend erscheint, keinesfalls aber etwas der Berechtigung Raum gibt, an dem weiteren Fortbestände dieses Vereines zu zweifeln. Die Redner beantragten weiter, daß dem Gesamlvorstande mit ihrem verehrten Herrn Obmann Schreiber an der Spitze für die musterhafte, ersprießliche Leitung dieses Vereines die vollste Anerkennung zum Ausdrucke gebracht und das Absolutorium erteilt werde, was auch stimmeneinbellig angenommen wurde. Hierauf wurde zur Wahl geschritten und erschienen per Akklamation die Herren Adolf Schreiber, Hermann Kohn, Theodor Rubitschek, Isidor Politzer, Julius Reich. Josef Brunner. Ignaz Körner, Berthold Kaiser, Philipp Sigmund Frömmer als wiedergewählt und Jakob Kohn und Bernhard Pollak als neugewählt. Wien. (Spende.) Von' Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Uscher Brettholz in Triest haben wir Kr. 172.— erhalten mit der Bestimmung, diesen Betrag der „Israelitischen Allianz" für durchwandernde Russen, die sich irgend einem Handwerk widmen, zu übergeben. Wien. Sonntag den 27. Jänner 1907, 11 Uhr vormittags, findet im Zeremoniensaale des Tempels, IX., Müllnergasse 21, die 7. außerordentliche Generalversammlung des „Frauenhort", israelitischen Frauen-Wohltätigkeits-Vereines im Bezirke Alsergrund in Wien, statt. Antisemitische Frechheit. Die Herren Jzso Pfeiffer aus Budapest, Kerepesi ut 10, und Johann Messinger aus Budapest samt Frauen, die eine Vergnügungsreise nach Paris rc. machten, erzählen, daß fie in Frankfurt a. M. unglückseligerweise im „H o t e l K ö l l n e rh o f" abstiegen. Dort fanden fie auf den Stiegen plakatiert: „Jüdische Besuche verbeten!!" im Lift: „Juden ist der Aufenthalt im „Köllnerhof" untersagt!! Das verdient öffentlich gebrandmarkt zu werden. Brünn. (Verlobung.) Fräulein Elsa Heller, Tochter des Herrn Oberkantor Josef Heller in Brünn, hat sich mit Herrn Dr. Leopold Stern, Sekretariats-Konzipist der israel. Kultusgemeinde in Wien, verlobt. Troppau Der jüdisch-literarische Verein in Troppau hielt vor Kurzem seine diesjährige Generalversammlung ab, welche zugleich den Abschluß seines zehnjährigen Bestandes bildete. Die hiebei erstatteten Referate der einzelnen Vsreinsfunktionäre ergaben ein höchst erfreuliches Bild von der ersprießlichen Tätigkeit des Vereines, der „die Hebung des jüdischen Selbstbewußtseins und die Pflege edler- Geselligkeit" sich als Ziel gesetzt hat. Nach Ueberwindung mancher Schwierigkeiten und Anfeindungen steht der Verein jetzt innerlich gekräftigt und nach außen achtunggebietend da und kann anderen jüdischen Gemeinden als Vorbild nur bestens empfohlen werden. Jeden Monat wird mindestens ein Vortrag jüdisch-geschichtlichen oder literarischen Inhaltes veranstaltet, für welchen sich immer ein aufmerksames Auditorium findet. So wußte im Oktober Herr Dr. Kohut aus Berlin mit seinen Ausführungen über „die namhaftesten Humoristen Deutschlands in der Gegenwart" den Vereinsmitgliedern eine angenehme Stunde zu bereiten, indem er scharfumrissene Bilder von Stettenheim, Kaliscb, Ludwig Bauer und manchem anderen skizzierte. Im November hatten wir das Vergnügen, den als glänzenden Redner wie nicht minder als Schriftsteller weithin bekannten Herrn Rabbiner Dr. Thon aus Krakau als Vortragenden begrüßen zu können. Vor einem überaus zahlreichen Auditorium aus allen Kreisen der Judenschaft Troppaus verstand es der Redner, in farbenreicher, blendender Darstellung mit seinen „Streifzügen durch die neuhebräische Literatur" die jetzigen geistigen Strömungen des jüd'schen Ostens, dem die Westjuden im allgemeinen fremd gegenüberstehen, vor Augen zu führen. Gefesselt durch Form wie Inhalt des Vortrages mußten die Zuhörer den Intentionen des Redners folgen und dürfte so mancher der Anwesenden seine bisherigen Vorstellungen vom jüdischen Geistesleben im Ostjudentum korrigiert haben. Im Dezember war es Herr Rabbiner Dr. Dienemann aus Ratibor» der in seinem Vortrage über das „Judentum im ersten vorchristlichen Jahrhundert" ein höchst anschauliches Bild von allen Strömungen, kulturellen unp sozialen Verhältnissen des jüdischen Volkes in diesem Zeitraum entwarf und insbesondere die vielfach nach nichtjüdischen Quellen auch bei Juden vorhandenen falschen Anschauungen über die Pharisäer richtig zu stellen Veranlassung fand. Neben dieser allgemeinen Tätigkeit entwickelt der Verein in seinen Sektionen noch eine ganz besondere Wirksamkeit. So erwies sich die neugegründete Gruppe „Lesezirkel", welche ihren Teilnehmern die neuesten Erscheinungen auf dem Gebiete schöngeistigen Schaffens vermittelt, als besonders von den Damen kräftigst gefördert. Die Männer der Turniektion versammeln sich allwöchentlich zweimal auf dem Turnboden. Das Turnen ist allen Teilnehmern zum unentbehrlichen Bedürfnis geworden, immer neue Mitglieder schließen sich der Turnsektion an, die hier besser gedeiht, als mancher selbständige Turnverein. Jeden Sonntag Vormittag versammeln sich zahlreiche Mittelschüler im Vereinslokale, um unter ständiger Führung und Leitung in Vorträgen und Diskussionen ihr jüdisches Wissen zu bereichern. Und der Sonntag Nachmittag steht die kaufmännische und dem Gewerbe ungehörige jüdische Jugend an demselben Orte, wo nach Alt einer Toynbeehalle den Anwesenden zunächst ein Vortrag gehalten wird, worauf Damen aus allen Streife« unserer jüdischen Bevölkerung in liebenswürdigster Art eine selbst bereitete Jause verabreichen. Bei Spiel und Gesang und anderweitiger Unterhaltung bleiben dann diese vom Geschicke wenig Begünstigten glücklich und zufrieden noch lange beisammen. Bringt so das BereinSleben den an der Spitze Stehenden mancherlei Mühe und Arbeit, so gewährt es aber auch viel innere Befriedigung und Genugtuung und sei darunl allen Gleichgesinnten zur Nachahmung empfohlen. Innsbruck. Mit Entschließung vom 18. Dezember 190S von Sr. k. k. Apost. Majestät wurde Herr Rabbiner Sagbar zum k. k. Feldrabbiner II. Klaffe für das Landw.-Jnft.-Reg. Nr. 14, laut Verlautbarung des Landwehr-Verordnungs-Blattes Nr. 1 vom 4. Jänner ernannt. Fünfter Vortragsabend des jüdisch-nationale« Literaturvereines „Zerubabel" in Birovitiea. Am 16. d. M. hielt Se. Ehrw. Herr Dr. Max Engel in unserem Literaturverein eine Vorlesung über das Thema „Die Frau im Judentum". Da ihm ein guter Ruf als Redner und Vortragender vorausgeht und er sich durch einige wohlgelungene Ueberfeyungen des Hebräischen ins Kroatische in unserem Lande sehr populär gemacht hat, mar schon vor Beginn des Vortrages der Rechnitzer'sche Lesesaal bis auf das letzte Plätzchen gefüllt. Gegen bald 9 Uhr abends eröffnete der Vorsitzende des Vereines, Rabbiner Dr. Kaufmann, die Sitzung, indem er den interessanten Gast auf das herzlichste bewillkommte. Er hielt darauf dem jüngst verstorbenen jüdischen Gelehrten Salomon Buber, den der Redner in eine Reihe mit Luzatto, Rappaport und Zunz stellt, einen sehr warmen Nachruf. Zum Zeichen der Trauer erdob sich die Versammlung von ihren Sitzen. Hierauf betrat Herr Dr. Engel die Tribüne, um über das angekündigte Thema seinen Bortrag zu halten. In fast einstündiger Rede führte uns der Vortragende jüdische Frauengestalten vor. die einen eigenartigen Zauber auf uns ausllbten. Stürmischer Beifall lohnte die Ausführungen des Vortragenden. Es wurde dann eine Debatte über den Vortrag eröffnet, an der sich die Herren: Dr. Kaufmann, Gemeindevorsteher Julius Reich, Anton Morgenstern, Leopold Herrnheiser und Frau Jakob Kraus beteiligten Der Verein beschloß, einen speziellen Salomon Buber- Abend zu veranstalten, an welchem Salomon Buber als jüdischer Literat und Mensch ausführlich behandelt werden soll. Roszahegy. Bei der Konstituierung des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde in Roszahegy am 20. Jänner 1907 wurden gewählt die Herren: Jakob Klein als Präses, Jakob Fuchs als Vizepräses, Dr. Bernhard Policzer als Präses der Schulkommission, Jakob Fischer als Kassier. In den Tempelvorstand wurden gewählt die Herren: Samuel Grusbak und Adolf Roth. Als Distriktsrepräsentanten wurden gewählt die Herren: Jakob Klein. Dr. Bernhard Policzer und Jakob Glasner. Das Budget pro 1907 beträgt 18.000 Kronen. Den drei Lehrern wurde ein Teuerungsbeitrag von je 160 Kronen votiert. Gisset. Am 13. d. M. fand die Generalversammlung deS hiesigen israel. Frauenvereines statt. Die Einberufung erfolgte diesmal aus einer traurigen Veranlassung. Durch den jähen Heimgang unserer langjährigen, allverehrten Präsidentin Frau Rosalie Reiß ward ihre Stelle verwaist. Frau Dr. Hei ß. die junge sympathische Gattin unseres neuen Rabbiners, widmete der edlen Verblichenen einen warmempfundenen ergreifenden Nachruf. Sie gedachte der unermüdlichen Tätigkeit, der aufopfernden Liebe, mit der die Verewigte stets die Agenden des Vereins leitete, deren mildtätiges Herz so unendlich viel Gutes stiftete und deren Andenken in der Geschichte unseres Vereines

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