Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 1 (4.1.1907)
- Date
- 1907-01-04
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1 Dr. Llocb s Mocvenscvrm. Sette 13 Mit Befriedigung konstatiert der Vorsitzende den günstigen Stand des Vereines und die segensreiche Wirksamkeit desselben und schließt die Versammlung mit dem Appell, es möge jeder in seinem Kreise für den Verein agitieren, damit er zu höheren Zielen gelangen könne. .Holleschau. Am 30. Dezember fand in unserer Stadt ein Wohltätigkeitskonzert statt, welches einen glänzenden Verlauf nahm. Ein zahlreiches distinguiertes Publikum hatte der Einladung Folge geleistet. Der Abend wurde von Fräulein Elsa Fall aus Holleschan eröffnet, welche Hildachs „Lenz" sang und wegen des anmutigen Vortrages lebhafte Anerkennung fand. Stud. Walter Knopf besorgte verständnisvoll die Klavierbegleitung. Hierauf trat Herr Oberkantor Karl Schlesinger aus Olmütz auf und sang Schuberts „Doppelgänger" und Schumanns „Jemand". Der Sänger fand hier Gelegenheit, seine außerordentlich schöne Stimme und vollendete Vortragsweise wirkungsvoll zur Geltung zu bringen. Stürmischer Beifall lohnte diese Leistung. In Herrn Ludwig Minder fand Herr Schlesinger einen diskreten feinfühlenden Klavierbegleiter. Sehr schön war das von Herrn Oberkantor Schlesinger, Herrn Berthold Adler, Herrn Leo Hersch und Stud. Emil Schlesinger vorgetragene Quartett „Präludium" von O. Rieding. Nach einem von Fräulein Fall und Herrn Schlesinger ausdrucksvoll gesungenen Duett aus „Lohengrin" gab es frenetischen Beifall. Hierauf trug Herr Berthold Adler aus Olmütz Schumanns „Träumerei" auf der Violine vor. Er spielte mit Temperament und erntete für seinen Vortrag lebhaften Beifall. Als der Höhepunkt des Abends ist das von Herrn Schlesinger vorgetragene „Lied des Bajazzo" von Leoncavallo anzusehen. Der schmetternde Ton erregte ungeteilte Bewunderung. Im weiteren Verlaufe des Konzertes ist erwähnenswert Fräulein Falls einschmeichelnder Vortrag von Loewes „Spirito santo“. sowie ein entzückend gesungener Walzer; ebenso die von Herrn Schlesinger herrlich vorgetragenen Lieder von Schubert. Der reiche Genuß, welchen dieses Konzert bot, wird noch lange im Angedenken der dankbaren Zuhörerschaft bleiben. Das Reinerträgnis fiel dem Olmützer Freitischvereine und dem Holleschauer Frauenvereine zu. Brünn. (Die kommenden Reichsratswahlen.) Anläßlich der Reichsratswahlen .findet im Laufe des Monats Jänner in Brünn eine Konferenz der mährischen Juden statt, um zu den Wahlen, respektive Kandidaturen in den einzelnen Wahlbezirken Stellung zu nehmen. Klattau. In der letzten Sitzung des Kultusgesamtvorstandes wurden unter anderen folgende Beschlüsse einhellig gefaßt: Der Gehalt der Oberlehrer Moses Berka und Alex. Baum wurde definitiv um je 100 Kronen pro anno erhöht und den Genannten die Anerkennung für ihre ersprießliche Tätigkeit ausgesprochen. Dem Lehrerpensionsfonde wurden für das Jahr 1906 50 Kronen gewidmet. Die innere Renovierung des Tempels wurde ins Auge gefaßt und zu diesem Zwecke ein Komitee gewählt. Dem langjährigen Vorstandsmitglied? Herrn Moritz Brumme!, Lederfabrikanten, der nach Pilsen übersiedelt, wurde Dank und Anerkennung gezollt. Bei dem Festmahle, das Herr Rabb. Dr. S. Br et anläßlich der glücklichen Geburt eines Söhnchens veranstaltete und an dem der Gesamtvorstand sowie der Lehrkörper teilnahm, wurden gespendet für das Ausmalen des Tempels von den Herren: Dr. S. Bret 100 X, vom Zündwarenfabrikanten A. Löwy 100 X, vom Kaufmann I. Fe i gl 100 X, vom Lederfabrikanten M. Brumme! 100 X, vom Lederfabrikanten H. Singer 100 X; außerdem wurden für den Lehrerpensionsfond 15 X, für den Fraueuverein 20 X gesammelt. Der hiesige isr. Chor- und Geselligkeitsverein wählte in seiner letzten Generalversammlung abermals Herrn Rudolf Fleischer, Getreideexporteur, zu seinem Obmanne, Herrn MUDr. N. Reiser zum Obmanne des Vergnügungskomitees und Herrn Fritz Laschansky zum Kassier. Die Chanukagruppe des genannten Vereines, an deren Spitze die Herren Heinrich Laschansky und Ignatz Lederer verdienstvoll wirken, versah heuer 13 arme Kinder mit vollständigen Anzügen und Schuhbekleidung. Am 29. Dezember veranstaltete der obige Verein einen Unterhaltungsabend, der sehr besucht war und höchst animiert verlief. Die gesanglichen und musikalischen Leistungen übertrafen alle Erwartungen. Die Produktionen einer jugendlichen Sängerin, des Fräuleins I. Gelobter, riefen einen wahren Beifallssturm hervor, ebenso die vom Herrn Oberkantor N. Grünwald vorgetragenen Lieder. Es ist unmöglich, aller Mitwirkenden zu gedenken; nur die Leistungen der Frau Wilhelmine S ch l e i ß n e r und des Dirigenten Herrn Dr. N. Reiser, der ebenfalls über eine herrliche Stimme verfügt, seien noch hervorgehoben. Kurz und gut: es war ein vergnügter, genußreicher Abend. A. B. Der Verein „8o!il!arno8o B. B." in Krakan verlautbart hiermit, daß er ein Jnformationsburean für jüdische Auswanderer eröffnet hat. Dieses Bureau wird schriftlich und mündlich (im Lokale des Vereins „8o1!äainose", Zielona 10/11.) Auskünfte und Ratschläge erteilen in allen Fragen, die die Auswanderung betreffen. So in Bezug auf Reiseroute und -Kosten, in Bezug auf die ökonomischen Verhältnisse, die in den einzelnen Jmmigrationsländern herrschen, sowie in Bezug auf die in diesen Ländern bestehenden sanitären Vorschriften usw. Es wird jedoch mit allem Nachdruck hervorgehoben, daß Geldunterstützungen auf keinen Fall gegeben werden. Pisek. Fräulein Jda Spitz, Tochter des Präses der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde Herrn M. Spitz, hat sich mit Herrn Max S t i n g l aus Marienbad verlobt. Breslau. Den MachsikeThora-Verein, der jeden Samstag eine ansehnliche Zahl von Thorafreunden in seinem Hörsaal vereinigt, in dem abwechselnd die ehrwürdigen Herren Dr. Deutsch und Pinczower Vorträge über den laufenden Wochenabschnitt abhalten, beehrte diesmal Herr Dr. D. S p i e g e l, der hier im Talmudlehr- Verein wirkt, mit einem solchen Vortrag. Herr Dr. Spiegel verstand es, viele schwierige zugleich aber sehr interessante Midraschstellen meisterhaft zu erklären. Die Anwesenden, die den großen Saal dicht füllten, hörten mit Spannung die Ausführungen an und zollten reichsten Beifall. Eine jüdische Kunstausstellung in Czernowitz. Die jüdisch-akademische Verbindung „Zephirah" in Czernowitz plant die Veranstaltung einer jüdischen Kunstausstellung in (i^ernowitz. Die Leitung der genannten Verbindung hat sich bereits mit maßgebenden jüdischen Kunstkreisen behufs Ueberlassung von Kunstwerken in Verbindung gesetzt und wendet sich jetzt an die bemittelteren Juden der Bukowina wegen Unterstützung der sicherlich mit Freuden zu begrüßenden nationalen Veranstaltung. Hamburg. Herr Dr. Robe l-Leipzig ist zum 2. Gemeinderabbiner von Hamburg gewählt worden. Herr Dr. Nobel gehört bekanntlich zu den ersten gesetzestreuen Rabbinern in Deutschland, die sich mit ihrer ganzen Persönlichkeit in den Dienst der zionistischen Idee gestellt haben. Er ist zur Zeit Vorsitzender des Misrachi. Ulm. Bei der am 18. Dezember 1906 vollzogenen Wahl eines Landtagsabgeordneten ist mit großer Stimmenmehrheit Herr Doktor Mayer gewählt worden. Seit der Verleihung des Wahlrechtes an die Juden Württembergs im Jahre 1863 ist bisher nur ein Glaubensgenoffe, Herr Hofrat Dr. Eduard von Pfeifer-Stuttgart, zum Abgeordneten gewählt worden. In Stuttgart war der Sozialdemokrat Redakteur Haymann siegreich. Jassy. (Voranzeige.) Der verdienstvolle Vorkämpfer des jüdischen nationalen Gedankens Herr Dr. Karl Lippe in Jafsy feiert am 13. März den 50. Jahrestag seiner Promotion zum Doktor der gesammten Heilkunde, am 5. Juni seine goldene Hochzeit. Die Loge B'nai Brith wird beides als Doppeljubiläum an einem passenden Datum feiern. Auch sind noch von anderer Seite Ueberraschungen für den Jubilar geplant. Feuilleton. Geschichte eines Ueeeines. Von Nathan S a m u e l y. (Lemberg.) Es mögen so an die zehn Jahre daran sein, daß wir, alle Komiteemitglieder des Vereines „Der Wächter", zusammentraten, diesmal, sozusagen als Leichenschaukommission, um den Tod des armen Wächters zu konstatieren und die Bestattung zu besorgen. Schon seit einigen Jahren früher führte der arme nunmehr zur Ruhe gegangene „Wächter" eine sieche, quäl volle Existenz, besonders seit dem Tage, da auf einmal mehrere wichtige Mitglieder von ihm abgefallen sind, um in ein besseres Jenseits überzugehen, nämlich zum Gemeindevorstand, zu dem sie schon seit lange her sich hingezogen fühlten. Ja, einmal bekam er solch einen gewaltigen Stoß, daß wir ihn rettungslos verloren glaubten, und das war wieder an jenem Tage, an welchem sein Oberhaupt von ihm abgefallen ist, um ebenfalls in jenes bessere Jenseits überzugehen, wo es bis zum heutigen Tage ein schöneres und höheres Dasein führt; aber wir wendeten jedesmal verschiedene Wiederbelebungsversuche au und brachten ihn wieder zu sich. Es war aber kein Leben mehr zu nennen, sondern ein Siechtum, eine langanhaltende Agonie. Diesmal aber war es von uns allen festgestellt, der „Wächter" sei tot, maustot, kein Aederchen rührt sich mehr iü ihm, ja,