Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 1 (4.1.1907)
- Date
- 1907-01-04
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Gelte 10 Dr. Bloch-S Wochenschrift. Nr. 1 hat. Wie sehr ihm die Pflege der jüdischen Literatur am HerzenW lag, beweist der Umstand, daß er als reicher Kaufmann und» Gutsbesitzer kein anderes Vergnügen, keine andere ZerstreuungH kannte, als Tag und Nacht, im Sommer und im Winter an |- seinem Schreibtische zu sitzen und immer neue Schätze aus dem % Bergwerke der alten Midraschim in gangbare Münze umzuprägen. Mehr als dreißig größere Werke in diesem Fache hat er, zumeist auf eigene Kosten, ediert und zum größten Teile verschenkt. Dabei gab es weder in der Gemeinde, noch im Lande eine größere Institution, bei der er nicht mitberaten und mitgewirkt hätte. Er war seit 35 Jahre Mitglied der Gemeinderepräsentanz, er war Handelskammerrat, Zensor der Oesterreichisch'Ungarischen Bank, Kurator der Religionslehrer- Bildungsanstalt, Kurator und Schöpfer der Gemeindebibliothek. Zu seinem Begräbnis hatte sich die Elite der Intelligenz ohne Unterschied der religiösen Richtung zusammengefunden. Nach der religiösen Feier im Sterbehause bewegte sich der Leichenzug, an deflen Spitze die Knaben und Mädchen des israelitischen Waisenhauses mit umflorter Fahne schritten, zum Friedhofe. Der hohe Schneefall hinderte nicht hunderte von Wagen und Maflen von Fußgängern, den verehrten Patriarchen zur letzten Ruhestätte zu geleiten. In der Leichenhalle sprach zuerst Se. Ehrwürden Rabbiner Leib Braude Worte der Verehrung und Anerkennung im Sinne der orthodoxen Richtung. Hierauf hielt Se. Ehrwürden Herr Oberrabbiner Dr. Caro einen herzergreifenden Nachruf Anknüpfend an die drei Bezeichnungen des Königs Salomo ,ttt feierte er den Verklärten als Friedensfürstcn in seinem Wirken in der Gemeinde, als Gottesfreund in seinen privaten und Familienbeziehungen und als Sammler in seiner literarischen Bedeutung. Die Rede des Präsidenten der Kultusgemeinde Herrn Dr. Schaff machte durch ihren warmgehaltenen und die Verdienste des langjährigen Kollegen im Amte in rührender Weise würdigenden Ton einen tiefen Eindruck auf die Hörer. Im Namen des Humanitätsvereines nahmen Rabbiner Dr. Guttmann und im Namen aller Verehrer der jüdischen Literatur Herr Dr. Samuel Rappaport tiefgefühlten Abschied von dem Verklärten. Alle Reden aber klangen in dem Gefühle aus, daß wir von der irdischen Hülle Salomon Bubers Abschied nehmen, seine Werke aber das Andenken seines Namens lebendig erhalten werden durch viele Jahrhunderte. Agram. Am 24. v. M. feierte der langjährige Präsident der hiesigen Gemeinde Josef Siebenschein seinen siebzigsten Geburtstag. Dieser Tag bot der Gemeinde Veranlassung, ihren rührigen und verdienstvollen Führer mit besonderer Ehrenbezeugung auszuzeichnen. Der Jubilar war seit 1864, als er im dreißigsten Jahre stand, Mitglied des Gemeindeausschusses, von 1873 bis 1681 Präsident der Gemeinde, dann nach einer zehnjährigen Unterbrechung von 1891 bis heute. Er bekleidet also diese Stelle nahezu ein Bierteljahrhundert und ist der große Aufschwung, den die Agramer israelitische Kultusgemeinde während dieser Periode genommen hat, unlöslich und innig mit seinem Namen und seiner erfolgreichen Wirksaoikeit verknüpft. Die finanzielle Konsolidierung der Gemeinde, der Bau des Gemeindehauses und der Schule, der Ausbau der Gemeinde- Institutionen (Chewra-Kadischa, Schule, Gemilus-Chesed, Frauenvereln. literarischer und Mittelschul-Verein), deren einige während seiner Präsidentschaft gegründet wurden und die insgesamt mit der Gemeinde zu einem organischen Ganzen zusammenwuchsen, die Vereinigung mit der orthodoxen Gemeinde sind die Hauptmomente seiner 25jährigen Wirksamkeit, die vom Grundsätze: Erstarkung und Entwicklung, beseelt war. Mit seltenem Eifer hat er neben dem großen Ziele der Verwaltung der Gemeinde die vielen kleinen Pflichten des Präsidenten erfüllt, als Muster eines guten Juden bei jeder Gelegenheit voranleuchtend. Soll es nicht als besonderes Lob hervorgehoben werden, daß er in unserer Zeit, da so oft über die Abnahme des Tempelbesuches geklagt wird, keinen Sabbat dem Gottesdienste fernblieb, jeder Veranstaltung der Gemeinde-Institutionen beiwohnte, niemals durch seine Abwesenheit glänzte? Dabei wirkte er auch im öffentlichen Leben und entwickelte eine besonders geachtete und gewürdigte Tätigkeit im städtischen Gemeinderate, dem er seit dem Jahre 1873 angehört, ungeachtet der verschiedenen politischen Gestaltungen, die dieser während 30 Jahren dnrchgemacht hat. Für die Gesamtheit der kroatischen Judenschaft trat Siebenschein nämliche schon im Jahre 1873 ein bei Schaffung des Gesetzes über die Emanzipation, aber besonders setzte er alle Kräfte für die Einheit des kroatischen Judentums ein. Die reichlich verdiente Anerkennung wurde dem heute noch rastlos tätigen Jubilar in zahlreichen Ansprachen entgegengebracht. Es waren an Deputationen erschienen: das Rabbinat, in dessen Namen Oberrabbiner Dr. H. Jakobi die Verdienste des Jubilars würdigte, [ber Gemeindeausschuß mit dem I. Vizepräsidenten k. u. k. Hofarchitekten L. Hö'nigsberg als Sprecher an der Spitze, während der II. Vizepräsident Architekt Dr. K. Gold m a n n die schön ausgefahrte Adreffe vorlas; die Lehrer, geführt vom Universitätsprofessor Doktor D. Segen; die Gemeindebeamten, deren Glückwünsche Oberkantor I. Rendi verdolmetschte; die Vertretung der Chewra mit dem Präses I. Alexander; der Frauenverein, geführt von der Präsidentin Hermine Weiß; der literarische Verein, in dessen Namen Profeffor Dr. G. S ch w a r z das warme Interesse des Jubilars für die jüdische Wissenschaft hervorhob; endlich der Mittelschul-Verein. Zum Andenken an die Verdienste des Jubilars stiftete der Gemeindeausschuß einen Siebenschein-Fond. Möge es viele solche Männer in Israel geben! Prof. Dr. G. Schwarz. London Das Schekeltag-Meeting des Jewish Workingmen- Klub wurde unter riesiger Beteiligung abgehalten. Es waren zahlreiche Telegramme und Begrüßungsschreiben eingelaufen, darunter ein Schreiben Max N o r d a u s. Nordau läßt sich wie folgt vernehmen: „Die Verwirklichung der zionistischen Idee verlangt das Vorhandensein zweier Tatsachen, der Geneigtheit des Sultans und der Mächte auf der einen Seite, der Bereitschaft und der Bereitwilligkeit des jüdischen Volkes andererseits. Die erste Vorbedingung zu schaffen, hängt nicht von uns ab. Wir können zwar unsere Sache vor den Sultan und die Mächte bringen, aber wir können sie nicht zwingen, unsere Wünsche zu erfüllen, und wir müssen uns daher in Geduld fassen bis zu einem Augenblick, der uns günstig ist. Aber die zweite Bedingung kann durch unsere Bemühungen erfüllt werden und nur durch unsere. Wir können uns ans den historischen Moment vorbereiteu, der früher oder später kommen wird und kommen muß. Wir müssen uns vorbereiten, und darum ist es unsere Pflicht, die zionistische Organisation und ihre Organe nach unseren besten Kräften zu unterstützen. Wenn der große Ruf erschallen wird: „Israel! Stehe auf!" müssen wir in der Lage sein, einer wie der andere antworten zu können: „Wohlan! Wir sind bereit!" Bologna (Italien). Das Leichenbegängnis des Senator S a n g u i n e t t i, der sich durch umsichtige finanzielle Tätigkeit ein großes Vermögen erworben hatte und als großherziger Menschenfreund bei^ast ollen Anstalten, die dem Wohle der Stadt oder der Provinz dienen, beteiligt war — entweder saß er im Vorstande der Institute oder war einst selbst ihr Begründer — gestaltete sich zu einer groß' artigen Kundgebung der gesamten Provinz. Dem Leichenzuge voran schritt ein Bataillon Infanterie, Abteilungen von Gendarmen und Infanterie waren an den Straßenübergängen postiert, nm den langsam vorüberziehenden Zug vor jeder Störung zu schützen. Die Geschäfte batten meist für die Stunde des Leichenbegängnisses geschlossen, ganze Schulen und Vereine beteiligten sich an der Beerdigung. Man zählte im Zuae 42 Fahnen von Bologneser oder provinzialen Korporationen. In 50 Kutschen wurden die prachtvollen Kränze, gegen 160, dem Leichenwagen nachgefahren. Sämtliche staatlichen Behörden der Provinz, die Munizipalität von Bologna, die Universität, das Generalkommando waren bei der Feier vertreten. Auf dem Friedhofe von Bologna, auf den sich nur die nächsten Angehörigen begaben, hielt der Oberrabbiner Alberto Orvieto eine von poetischer Begeisterung getragene Rede, die die Tugenden und die Religiosität des Toten feierte. Die großen Verdienste des so früh Verschiedenen — Sanguinetti hat kaum 50 Jahre erreicht — wurden auch ehrend in einem Telegramm hervorgehoben, das der König von Italien durch seinen Minister an die Hinterbliebenen richtete. Chicago. (Amerikanische Kolonisations- Gesellschaft.) Die am 22. Mai mit 20 Millionen Dollars gegründete American Colonization Company in Chicago, 88 East Washington Street, hat es sich zur Aufgabe gesetzt, die europäische Auswanderung von den großen Städten des Ostens abzulenken und nach den großen Staaten zu leiten. — Vorläufig ist eine Million Acres gutes Farm- und Holzland reserviert. Es wird nicht unter 40 Acres pro Familie abgegeben. Der Acre kostet 7—12'/- Dollar; die erste Anzahlung muß mindestens V4 in bar betragen, der Rest ist in 5—10 gleichmäßigen Jahreszahlungen bei Kperzentiger Verzinsung abzuzahlen. Schon beim Kaufe von nur 40 Acres verpflichtet sich die Company, ein Freihaus auf dem Lande des Käufers zu bauen. Das Haus, aus Brettern gut und warm gebaut, ist 16 zu 24 Fuß groß und 13 Fuß hoch. Es hat ein gutes Dach, guten Fußboden, gute Fenster und Türen. Für einen Auswanderer, der sich mit einer Familie von 5 Personen mit Erfolg ansiedeln will, werden ca. 500 Rubel genügen nach Abzug der Land- und See-Passage. — Die beste Zeit zur Auswanderung ist die jetzige. Die Leute werden von der American Colonization Company mit Empfehlungsschreiben nach New-Iork und Chicago versehen und an letzterem Platz von den Beamten der Company in Empfang genommen, die sich in jeder Beziehung der Leute annehmen und für ihr