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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-12-21 · 51 (21.12.1906) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
51 (21.12.1906)
Date
1906-12-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 51 Dr■ Bloch’s Jahrgang nill Zentralorgan für die gesamten Unteressen des Zudentums. Wim, 21. Dezember 1906. — JBrscbeint jeden Zfreitag. ii Brief-Adresse: Wlien. IX/1» Lerggasse 39. Telegramm-Adresse: Älocb’s TKHodbenscbrtft, Wlien. «---« Vrxugsprris für Vrstrrrrich: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Äür's Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 „ Anzeigen: Dis 4mal gespaltene Petitzetle 24 Heller. *-- »---S N. ft. Poflsparftajsen-Aml Gleartng-lDerftebr Nr. 810.976. Eibahlion und Administration: Wien IX/1, 3Berggasse Nr. 39. Telefon Nr. 14.847 e-* Inhalt: Leitartike l: Jüdische Apologetik. — Nicht Weihnachten — Chanuka! — Die Zentralisation des Armenwesens. — Zur Frage des Armenwesens. >— Jahrmarkt: Eine Reminiszenz an christliche Toleranz gegen — Christen. — Das Ritualmordmärchen im Konversationslexikon. — „Parech". — Korrespondenzen: Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchen- und Arbeiterinnenheim. Landesgerichtsrat Dr. Emanuel Weber. Preßburg. Lemberg. — Vermischtes- Wien. Hebräischer Klub. Channkaseier lm israelitischen Mädchenwaisenhause in der Ruthgasse in Döbling. Chanukafeier in der israelitischen Versorgungs-Anstalt. Jüdische Toynbee-Halle. Wien-Floridsdorf. Wiener Synagogensänger-Verein. Krakau. Lmz. Bulschowitz. Andrychau. Ung.-Brod. Zionistischer Verein „Jeschurun", Troppau. Brünn. Teschen. Györ. Bodenbach. Qlmütz. Budapest Zunz-Stiftung. Stanislau. Washington. — Feuilleton: Chastml beim Melamed. — Briefkasten. — Inserate. „Indische Apologetik. Von Dr. Moritz Güdemann, Oberrabbiner in Wien." VII. Die Zukunftsidee des Judentums. (Schluß.) Immer deutlichere Gestalt nimmt die messianischeZukunftsvorstellung an, je tiefer wir in der Reihenfolge der Propheten hinabsteigen. Wie bei Micha und Jesaja zum Zeichen des allgemeinen Friedens die Schwerter und Speere in Pflug-? scharen und Winzermesser umgewandelt werden, so ver-' schwinden bei Zacharja, um auch hier die Wiederkehr desselben Zukunftsbildes hervorzuhebeu, „die Wagen aus Ephraim und die Rosse aus Jeruschalajim, und der Kriegsbogen wird vernichtet, und er verkündet Frieden den Völkern; und seine Herrschaft geht von Meer zu Meer, und vom Strom bis an die Enden der Erde." „Und der Ewige wird König sein über die ganze Erde, an diesem Tage wird der Ewige einzig und sein Name einzig sein." Dies ist bei diesem Propeten die kurze Zusammenfassung des Zukunftsbildes, dessen Größe in seiner Einfachheit beruht. Am eingehendsten verbreitet sich über die einstige Zukunft die dem Jesaja angeschlossene Reihe von Prophezeiungen, in denen der messianische Beruf, den das jüdische Volk selbst auszuüben hat, in dem farbenprächtigsten Gemälde dargestellt wird. Die Botschaft, die dieser Prophet dem Volke verkündet, lautet: „So spricht Gott der Ewige, der erschaffen die Himmel und sie ausgespannt, die Erde ausgedehnt mit ihren Sprößlingen, der Odem gibt dem Volke auf ihr, und Lebenshauch denen, die aus ihr wandeln. Ich, der Ewige, habe dich berufen zum Heile, und deine Hand gefaßt und dich gebildet und dich eingesetzt zum Bunde für das Volk, zum Lichte von Nationen, vlinde Augen zu öffnen, herauszuführen aus dem Kerker den Gefesselten, aus dem Gefängnishause die Bewohner der Finsternis. Auf daß man-erkenne vom Aufgange der Sonne und vom Niedergang, daß nichts ist außer mir, ich bin der Ewige und keiner noch. Wendet euch zu mir, auf daß ihr gerettet werdet, alle Enden der Erde, denn ich bin Gott und keiner noch. Bei mir schwor ich, Heil ist aus meinem Munde gegangen, ein Wort, das nicht zurückkehrt, daß mir sich beugen werde jedes Knie, schwören jede Zunge. Nur bei dem Ewigen, spricht man von mir, ist Heil und Macht; zu ihm werden kommen und sich schämen alle, die wider ihn entbrennen. Und die Söhne der Fremde, die sich dem Ewigen anschließen, ihm zu dienen und den Namen des Ewigen zu lieben, ihm Knechte zu sein, jeder, der den Sabbat wahret, daß er ihn nicht entweihe, und die festhalten an meinem Bunde, sie werde ich bringen nach meinem heiligen Berge, und sie erfreuen in meinem Bethause, ihre Ganzopfer und jMre Schlachtopser werden gnädig ausgenommen auf meinem ^Altäre, denn mein Haus soll ein Bethaus genannt werden ''für alle Völker." So zieht sich, entsprechend den Worten des R. Jochanan, daß alle prophetischen Weissagungen aus die Zeiten des Messias hinzielen, durch den gesamten Prophetismus, zu dem auch die mehr oder minoer deutlichen Hinweisungen in den anderen heiligen Schriften hinzuzunehmen sind, die Zuversicht einer die Völker verbrüdernden Zukunft. Ein Gott und Eme Menschheit. Dieses erste Wort des allen Kanons ist auch sein letztes. Dieser Weltfriede ist auch die Weltreligion. Das ist die einzig richtige Antwort auf die Frage nach der Stellung Israels zu diesem Problem. Der Nationalismus hat den Unlverjalismus aus sich erzeugt, und wenn auch der erstere nicht untergeht, sondern in der Vorstellung eines persönlichen Messias seinen Ausdruck findet, so hat er doch nichts Trennendes, Abstoßendes an sich, er tritt hinter den universalistischen Gedanken der allgemeinen Menschenverbrüderung zurück, und so wenig die Verwirklichung dieses Gedankens die Aushebung der Familie und der menschlichen Individualität in sich schließt, so wenig konnte er die Selbstbehaiiptuug Israels zunichte machen, die gerade die endliche Herbeiführung jener Zukunft vorbereiten soll. Dieses ist das messianische Weltbild des Prophetismus und der jüdischen Religion überhaupt. Unzweideutig zeugt von dem Bestand und der Vertiefung der alle Menschen eiulchließendeu meffianischen Zukuuftszuversicht während des talmudischen Zeitalters das für den Musiaf-Gottesdienst des Neujahrsfestes festgesetzte und von dem mehrgenaunten Rab (gest. 347) mit höchst bedeutsamen Einschaltungen versehene Hauptgebet. Der Charakter und die Bedeutung, ja selbst der Name dieses Festes, bezüglich dessen in der Tora nur das Datum und

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