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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-12-07 · 49 (7.12.1906) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
49 (7.12.1906)
Date
1906-12-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sette 830 Dr. Blocb s Mocdens ntn. ist, so liegt der Beweis darin, daß die Württemberger fortwährend Land hinzukaufen und gerade in der letzten Zeit wieder eine neue Kolonie angelegt haben und im Begriffe sind, eine» zweite auf schon angekauftem Boden am Tiberiassee zu begründen. Es wäre ein Leichtes, auch von den jüdischen Kolonien solche Beispiele zu entlehnen, aber ich kenne leider die Neigung unserer Stammesgenoffen, sich nur durch das überzeugen zu laffen was Leute anderen Stammes getan, respektive gesagt haben. Ich will nur anführen, daß in Mikweh Israel, der Ackerbauschule der Alliance Jsraelite bei Jaffa, im vergangenen Jahre (1905) der Sesam sünszehnfache Erträge und der Weizen die neunfache Aussaat erbracht. Natürlich ist nicht alles Land so fruchtbar wie das geschilderte; es gibt große Strecken Bergland, die für Getreidekultur unbrauchbar, wohl aber für Wein und besonders für Olivenbau geeignet sind, während ein kleiner Teil des Landes, die sogenannte Wüste Judäa, auch für diese Kulturen ungeeignet ist, vielleicht aber doch später für neu einzuführende, in der Dürre lebende Pflanzen, z. B. Agaven Kaktus rc. brauchbar sein wird. Bon hervorragender Fruchtbarkeit ist das Jordantal, das nicht nur wie im Altertum herrliche Dattelpalmwälder, sowie Myrrhen und Weiderandbäume ernähren könnte, sondern wenn es rrst der Bewässerung durch das Jordanwaffer erschlossen sein wird, auch für die wertvollsten Kulturen, Baumwolle und Zuckerrohr, in höchstem Maße geeignet ist. Noch jetzt erinnern daselbst die verfallenen, primitiven Zuckerrohrmühlen an die vergangene, hohe Kultur dieses schönen, wenn auch heißen Erdstreifens. Im Osten der Jordanseite hingegen, im sogenannten Transjordauien, wo sich jetzt zahlreiche Herden von Rindern und Schafen sammeln, da ist das eigentliche Getreideland Palästinas, dort könnten sich wie im Altertum unabsehbare Weizen- und Gerstenfelder erstrecken bis zum fernen Osten, wo jetzt die Hedjasbahn erbaut ist, die vielleicht schon in wenigen Jahren das heilige Mekka mit Konstantinopel verbinden wird. W stlich davon schiebt sich noch ein Gürtel Weideland ein zwischen dem Getreideland und der Wüste, teils für Rinder, teils für Schafe und Angoraziegen geeignet, jedoch ließe sich hier auch sehr lohnend die Zucht edler, arabischer Pferde betreiben, ja selbst Straußenzucht dürfte dort in nicht zu ferner Zeit rentabel sein. Das jetzt hauptsächlich zum Getreidebau verwertete Land der E b e n e n C i S j o r d a n i e n s ist eigentlich zu wertvoll hiefür, das heißt nicht in Anbetracht der jetzigen Landpreise, sondern im Hinblick auf die bestmögliche Rentabilität, die aus dem Lande zu erzielen ist. Es ist eigentlich zum Gartenland prädestiniert, dort wird sich dereinst ein Orangenbaum an den anderen reihen, soweit es der Stand des Grundwassers erlaubt. Wo derselbe zu tief ist, werden Mandeln, Aprikosen, Rosinen, Feigen die Ebene bedecken oder riesige Olivenhaine, welch letztere zwar erst spät Ernten geben, aber den langen Zinsverlust durch ihre wertvollen Erträge, durch die Zwischenkulturen und durch ihre alle anderen Fruchtbäume weit übertreffende Lebensdauer wieder ausgleichen. Geben doch die Oelbäume dort noch im Alter von 300 bis 400 Jahren Erträge, ja man kennt Exemplare, die über 1000 Jahre alt sein sollen. Daß die Erträgedieser Baumkulturen diejenigen des Getreidebaues weit übersteigen, ersehen Sie daraus, daß man augenblicklich bei Mandelbaumkultur mit 8 Perzent, bei Orangenpflanzungen mit 15 bis 20 Perzent Dividenden rechnet; im letzten Jahre haben selbst minderwertige Orangengärten 15 Perzent ergeben. Die Rentabilität der Olivenkultur läßt sich schwer berechnen, weil sie so lamgsam steigt, immerhin kann man in späteren Jahren eine Verzinsung des hineingesteckten Kapitales mit 10 bis 15 Perzent fast mit Bestimmtheit annehmen, ja selbst Verzinsungen mit 20 bis 30 Perzent sind nicht selten. Nur der Weinbau macht gegenwärtig eine Krisis durch, da die Kultur der Rebe im letzten Jahrzehnt in schnellerem Tempo ausgedehnt wurde, als die Zunahme des Absatzes entsprach. Manche Kolonisten ersetzen daher ihre Weinberge jetzt durch Mandel- und andere Kulturen. Die Gesamtmenge des in Palästina von den jüdischen Kolonien produzierten Weines zirka 60.000 Hektoliter, ist aber zu gering, als daß man ernste Befürchtungen für die Zukunft zu hegen braucht. Wenn erst die Weinbau treibenden jüdischen Kolonien ebenso wie die deutschen Dörfer daselbst ihre eigenen kleinen Keller haben werden und also unabhängig sind von den beiden Riesenkellern in Rischon le Zion und Zion Jacob, die Baron Rothschild gebaut hat und die jetzt den Kolonisten übergeben worden sind, so wird sich schon der Absatz genügend heben, zumal ein Teil des Weines zu einem sehr guten Kognak destilliert wird und ein anderer Teil jetzt, nach der in Ungarn üblichen Methode bereitet, als vollwertiger Tokayer inden Handel gelangt. Auch neuere Kulturen, wie der Tabakbau, die Anpflanzung von Geranien, Erdnüssen rc., scheinen sich zu bewähren, ferner hofft man auch den früheren bedeutenden Baumwollenbau des Landes wieder beleben zu können, und die Seidenkultur dürfte dereinst hier eine ebenso bedeutende Rolle spielen wie am Libanon, welches von Beirut allein für 22 Millionen Francs Seide jedes Jahr exportiert. Die Viehzucht ift, wie im ganzen Orient, noch sehr rückständig, was sich aber bei rationeller Wirtschaft machen läßt, das zeigen die Deutschen in Savona bei Jaffa, die sehr gute Einkünfte vom Milchverkauf beziehen, und die gleiche Erfahrung macht ein deutscher Landwirt in Konstantinopel. Trotzdem das Unternehmen kaum ein Jahr besteht, ist die Milch schon so beliebt, daß beiweitem nicht das gewünschte Quantum geliefert werden kann und ein Schweizer Konsortium im Begriffe steht, ein großes Aktienunternehmen daraus zu machen. Wir haben bereits schon das große, aber in Palästina noch ziemlich brach liegende Feld der I n d u st r i e betreten. Großbetriebe gibt es bisher nur recht wenige in Palästina, außer den beiden großen Weinsabriken, vor allem eine von einer jüdischen Gesellschaft betriebene Oelfabrik in Lydda, eine gleichfalls in jüdischen Händen befindliche Maschinenfabrik, respektive größere Reparaturwerkstätte in Jaffa, eine Reihe Mahlmühlen, zum Teil auch von Juden geleitet, respektive ihnen gehörend, einige von Deutschen betriebene kleine Bierbrauereien, Seifenfabriken, eine Zementwarenfabrik, ferner sehr primitive, meist Arabern gehörende Webereien, Töpfereien, Gerbereien, Färbereien. Jüdischerseits wird jetzt eine Spinnerei, Weberei und Seifenfabrik geplant. Man sieht, hier ist noch ein großes Feld vorhanden und die Entwicklung der benachbarten Stadt Beirut zeigt, daß sich auch in industrieller Beziehung im Orient, selbst unter der türkischen Herrschaft, noch vieles machen ließe. Was den Handel Palästinas betrifft, so ist er durchaus nicht unbedeutend. Import und Export beträgt je zirka 28 Millionen Franc« jährlich, das heißt fast 47 Francs, per Kopf der Bevölkerung, Wenn man bedenkt, daß allein die Umgebung von Jaffa für 8 Millionen Francs Orangen produziert und daß in wenigen Jahren allein von den jüdischen Kolonien fast 1 Million für Orangen eingenommen werden, so kann man sich ein Bild machen, wie erst der Export sein wird, wenn alle vorhandenen Ebenen Westjordaniens in Gartenland umgewandelt sein werden. Jaffa ist bisher der Haupthandelsplatz, namentlich für den Import, da von dort aus das wenig produzierende, ' aber viel konsumierende Jerusalem versorgt wird. Diese Stadt bezahlt nämlich ihren Verbrauch im Wesentlichen mit den Wohltätigkeitsgeldern und frommen Gaben, der ganzen Welt; es wird dort durch die jüdische Chalukah allein jährlich eine Summe von zirka 4 Millionen Francs der Stadt Jerusalem zugesührt und noch weit größer sind, die Beträge, die zur Erhaltung der Klöster, Missionen und wohltätigen Anstalten ins Land kommen, eine Summe, die man auf jährlich 15 Millionen Francs bewertet. Die südliche Küstenstadt Palästinas, Gaza, ist vor allem der Hafen eines großen Getreidegebietes, von wo namentlich die schöne Gerste der dortigen Ebenen ausgeführt wird; einem Export von 8 Millionen Francs steht in Gaza eine Einfuhr von nur 3 Millionen Francs gegenüber. Der dritte große und

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