Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 49 (7.12.1906)
- Date
- 1906-12-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 49 Dr. Bloch’s Jahrs««, XXIII Zentralorgan für die gesamten Unteressen des Judentums. Wien, 7. Dezember 1906. — Lrscbeint jeden Freitag Brief-Adresse: Mlen, IX/j» Verggasse 39. Telegramm-Adresse: Llocb's Mocbenscbrttt. Mien. »---« VeMKaprris füc Vestrrrrixtz: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Äiir'« Sxxsland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Anzeigen: Die 4mal gespalkene Penkzeile 24 Heller. %-* U. h. Poll|'parha|fi'n-Hntt Cleartng-lDerfteb'r Nr. 810.976. Bebafttion und Zkdministr.Nion: Wien IX/1, Kerggasse Nr. 39. Telefon Nr. 14.847 Inhalt: Leitartikel: Wähler! Glaubensgenossen! — Ueber die Zukunft Palästinas. — Hilferufe an die Qeffentlichkeit. — Der Herr im Justizniinisterium. — Jahrmarkt: Ueber eine interessante Judenstelle der mittelenglischen Literatur. Körperhabitus der Juden. — Korrespondenzen: Wahlen in den Vorstand der Wiener israelitischen Kultusgemeinde. Statistik der Bibliothek der israelitischen Kultusgemeinde. Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis. Ob rrabbiner Schreiber gestorben. Oderberg. Rzeszow. Enthüllungen über die Veranstalter von Pogroms. Petersburg. Bukarest. — Vermischtes: Vortragszyklus aus jüd.scher Geschichte. Wien. Aufruf. Spenden zugunsten der Opfer der Judenverfolgungen in Rußland. Jüdische Toynbeehalle. Verein zur Hebung der Gewerbe. Jahrmarkt für Groß und Klein. St. Pölten. Neu-Raußwtz. Tabor. Pisek. Olwütz. Kultenterg Vag-Beßtncze. Köln a. Rl,. London. Hamburg — Feuilleton: Chajiml beim Melamed. — Literatur. — Neue Bücher — Ni'ti^en. — Briefkaftru. — In-erete. Mahler! Glaubensgenossen! Bei der am 2. Dezember stattgefundenen Wahl in den Kultusvorstand haben zwei von den unsererseits aufgestellten zwölf Kandidaten die absolute Majorität nicht erlangt und kommen deshalb in die engere Wahl. Es tritt somit an uns die Notwendigkeit heran, nochmals zur Urne zu schreiten und bei der am 9. Dezember stattfindenden engeren Wahl den Sieg unserer Liste zu vollenden. Ehre und Pflicht gebieten uns, den Kampf geeint und entschlossen zu Ende zu führen und zu diesem Zwecke bei der für Sonntag den 9. Dezember von 9 bis 2 Uhr in denselben Wahlorten und, Sektionen wie bei der Hauptwahl erfolgenden Stichwahl unseren Kandidaten den Herren: Adolf Schramek, Kaufmann, II., Novaragasse 21, und Kommerzialrat Leopold Simon, Kaufmann, I.. Freifingergasse 1 neuerlich unsere Stimmen zuzuwenden. Wähler! Wir erwarten, daß bei diesem zweiten Wahlgange alle Freunde einer stetigen, fortschrittlichen Entwicklung unseres Gemeindelebens ihre Pflicht tun werden! Das Zentral-Wahlkomitee: Dr. Leopold Koh n, Präsident. Dr. Herrmann F i a l l a, Vizepräsident. Siegfried Fleischer, Schriftführer. Herrmann Beck, Gottlicb Bettelheim; Dr. I. S. Bloch, S. Brod, Kommerzialrat Eduard Doctor, Dr. Leo Ehrenteil, Julius Granichstädten, Direktor Alexander Hecht, S. Heit, Adolf Hofmann, Jakob Jaiteles, Osias Juer, Jakob Kann, Ignaz Klein, Anton Koretz. kaiserl. Rat Adolf Lichtblau, Jakob März, Dr. Alexander Mintz. Samuel Mohr, Heinrich Neufeld, Doctor Jakob Ornstein, Wilhelm Pappenheim, Moritz Pick, Jakob Ripper, Dr. Ernst Rosenthal, Regierungsrat Dr. Julius Schlag, Karl Seligmann, Salomon Simon, Samuel Steiner (Tonwarenfabrikant, Bellariastraße), Leopold Trebitsch, kaiserl. Rat Ignaz Wilhelm, Dr. Ignatz Winter, Albert Winterberg, Dr. Josef Winternitz, Julius Wolf, Donat Zifferer. Ueber die Ankunft Palästinas. Vortrag, gehalten im „Jüdischen Kolonisattonsvereine zu Wien" am 91. November 1900, von Prof. ©. Warburg *) (Schluß.) Was die Eignung Palästinas betrifft, so ist Ihnen allen bekannt, daß es noch immer Leute gibt, die es für ein gottverlassenes, wegen der Kreuzigung Christi verfluchtes Gebiet halten; diese Ansicht war früher allgemein verbreitet und gab zu den verschiedensten Hypothesen Anlaß, wann der Fluch von dem Lande genommen werden würde. Die Eifrigsten meinten, das Land werde bis zum jüngsten Gericht verflucht bleiben, andere meinten, der Zeitpunkt werde dann eintreten, wenn alle Juden zum Christentum bekehrt sein werden, aber es gab auch solche, die behaupteten, das Land werde erlöst werden, wenn das Türkenjoch abgeschüttelt sein werde oder gar, wenn die Juden aus einem Volke von Händlern und Wucherern in ein Volk von Ackerbauern im Lande ihrer Väter umgewandclt sein werden. Allen diesen Hypothesen wurde aber der Boden entzogen durch die Forschungen der Gelehrten und die Erfahrungen der ersten Siedler. Diese zeigten, daß das Land überhaupt nicht verwüstet sei, daß es, richtig behandelt, gute, zuweilen sogar glänzende Erträge abwirft, und daß es selbst klimatisch zu den begünstigteren Teilen des Mittelmeergebietes gehört. Besonders find es die englischen Experten, Sir Charles Marren, Sir Charles Wilson und der schon erwähnte Colonel Conder, die, während sie in vieljährigen Reisen Palästina durchforschten, Gelegenheit genug hatten, das Land auch in wirtschaftlicher Beziehung allseitig zu studieren. Einmütig gelangten sie zu dem Urteil, daß das Land durchaus tauglich sei zur Kolonisation. Was diese Gelehrten und Militärs durch Erkundungen herausfanden, das haben die deutschen Kolonisten, die württembergischen Templer, die seit 1868 im Lande weilen und mehrere blühende Dörfer anlegten, praktisch erprobt. Wenn der Bürgermeister Jung einer dieser Kolonien im Jahre 1902 veröffentlicht, daß man in guten Jahren vom Hektar an Weizen 2500 bis 3000 Kg., an Gerste 2000 bis 2500 Kg., an Mais 1500 Kg., an Durrha 1200 bis 1500 Kg. und an Kartoffeln 10.000 Kg. erzielte, so wird jeder, der etwas von Landwirtschaft versteht, zugeben, daß es recht befriedigende Resultate sind, und wenn es erst eines Beweises bedarf, das dies nicht eitle Prahlerei