Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 47 (23.11.1906)
- Date
- 1906-11-23
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 47 Llocv's MwcvenscvrM. Seite 803 Neue Bücher. Bericht des Borstandes der Israelitischen Kultnsgemeinde in Wien über seine Tätigkeit in den Jahren 1904 und 1905. Wien 1906. Kriefkapen. Dr. M. G. in B. Sie haben recht mit dem Hinweis darauf, daß das Gebot vom Vogelneste (Y. Mos., XXII. 6, 7) nach älteren Kommentaren, wie Namb a n und Sforno, auch die Tendenz eines Schutzes der Gattung beinhaltet, und dieser Zweck ist nicht minder ethisch. „Ein jüdischer Leser". Als Nachtrag zu der Briefkastennotiz an dieser Stelle in der letzten Nummer schreibt uns Herr Dr. M. L., daß mit Sicherheit nur von der Verheiratung des Apostel Petrus gesprochen werden kann. Daß Paulus, der übrigens kein direkter Jünger Jesu war, verheiratet war, ist nicht bewiesen. Die Stelle in seiner erften Epistel an die Korrulher IX, 5 läßt sich nicht als Beweis dafür anführen. Aeltere Klrchenhistoriker und auch Renan (4.68 Apotres ob 5 p. 86) behaupten freilich, daß auch der Apostel Philipp verheiratet war; aber es scheint dies, wie schon von Anderen bemerkt wurde, auf einer Verwechslung des in der Apostelgeschichte XXI. 8, 8, erwähnten Philippus, der „einer von den Sieben wur", (gui erat de septern) mit dem Apostel zu beruhen. Bei Juden war das frühe Heiraten üblich. Wie kommt es also, daß die meisten Apostel unverheiratet waren? Auf diese Frage eiuzugehen, ist hier nicht der Ort. S. Fried in P. Der 18. Juli 1888 war der 10. Ab 5648. Der 21. Jänner 1903 war der 22. Tcweth 5663. Josef Löwinger, Wilhelmsburg. Ihre gelehrten Mitteilungen werden dann Verwendung finden, wenn die Frage noch einmal zur Diskussion gelangt. Die Judenbibel. Im Hause Vergani wurde eine Doppelhochzeit mit großem Pomp gefeiert. Warum auch nicht? Wir haben es ja, wir können es tun. Wenn man sich auch anfangs mit Obligationen kümmerlich freite» mußte, erwies sich endlich der Antisemitismus als ein brillantes Geschäft, und Herr Vergani, der aus der Gegend von Stein nach Wien kam, während so viele seiner Parteigenossen den umgekehrten Weg zurücklegen, wurde reich und kann nun fest einmal in die eigene Tasche greifen. Zu sinnigem Andenken wurde bei der Hochzeitstafel jeder Braten mit einem echten Ritualmordmesser, das schon dreimal benützt worden war, angeschnitten, zur Erinnerung daran, wem eigentlich das Haus Vergani seine Blüte zu danken habe; zur Rechten des Hausherrn saß Pesak, links der Wachtmeister Klenovec. Schneider hatte ein Telegramm geschickt, worin er bedauerte, das Menu nicht mu einige frisch geschossene Juden vermehren zu können, und Wimverger hatte koste ifret die Syphons geliefert. Rur ein Mißton störte die glänzende Feier und diesen brachte merkwürdigerweise der katholische Priester ln seiner geistlichen Rede. Er gebrauchte nämlich fast ausschließlich Zitate aus dem Alten Testament, als hätte er niemals die vielen giftigen Artikel im „Deutschen Volksblatt" gelesen, die von Schmähungen gegen das Alte Testament strotzten, das „Judenbibel" genannt wurde und oas alle guten, lies antisemitischen Christen aus Schule und Haus hinauswerfen sollten. Unglückseliger! Muß sich denn wirklich das Alle Testament in jeden religiösen Akt hineindrängen? Echt jüdische Zudringlichkeit l M. R. in B. Wurde bereits von anderer Seite uns vorher mitgeteilr. Zur Beachtung. Vor uns liegt die in sehr barscher Form abgefaßle (die Erziehung anderer Leilte kümmert uns nicht) offene Postkarte des Geichaftsyauses F. Günther in Aue-Schottwien mit folgendem Inhalt: „An RaftaUe Rostbach. Oswtecim. Antwortlich Ihrer Zuschrift teile Ihnen mit, daß ich an (sie) das gelobte Land trializien keine Waren sende, insbesondere mit Juden nicht arbeite." Hoffentlich wird die Absicht des zielbewußten Geschäftmannes ihm von Juden in vollstem Maße erleichtert. A. St. Die Bombe, die mit soviel Vorsicht in der Peterskirche explodierte (sie lag unter einem Baugerüst, auf welchem am Sonntag keine Menschen waren, in einem abgelegenen Teil des Schiffes und nur ein bißchen Schwarzpulver brannte harmlos ab, während dünne Drahtstifte ruhig am Boden der Schachtel blicbcr) wird keine andere Wirkung haben, als den klerikalen Anlisemitlsmus zu entzünden. Schon standen Artikel über dieses beliebte Thema in den betreffenden Blättern. Wek konnte so frevelhaft sein, in der ersten Kirche der Christenheit Bomben zu werfen, die nur durch ein besonderes Wunder keinen Schaden anrichteten.? Nur Anarchisten oder Freimaurer, diese Schützlinge der Juden. Kinder, spielts den Luegermarsch, in der Peterskirche ist eine Bombe explodiert! Wieder einer. Wir können uns auf entrüstete Dementis gefaßt machen. Einer von den Christlich-Sozialer hat wieder die Parteikrankheit bekommen; von den ihm anvertrauten Geldern fehlen einige tausend Kronen. Aber es steht fest, daß man den Betrag sofort ersetzen wird, daß die offizielle Dementierfeuerspritze wieder reinigende Fluten üoer die Sache schüttet und nach acht Tagen wird man es vom Rathausturm offiziell dem dummen Kerl von Wien verkünden: Dies Kind, kein Etigel ist so rem! Der Mann, um den es sich handelt, ist der Adoptivsohn des Stadtrates und Obmannes des gemeinderätlichen Bürger« klubs Vinzenz Wessely, der zugleich Obmann der Fragncrgenossenschaft st. Ferdinand Adam Wessely war früher Schauspieler, aber in der Nepotenpartei genügte seine Vorbildung durchaus, um ihn nicht nur zum Sekretär der Fragnergenossenschaft, sondern auch gleich zum Direktor des städtischen Steuer- und Wahlkatasters zu machen. Das nennt mau doch wirklich ein frevelhaftes Spiel mit Steuerträgern treiben, wenn mau gewesenen Schauspielern solche wichtige Posten für erste Fachmänner zuteilt. Aber abgesehen davon, fehlten plötzlich der Fragnergenossenschaft 6000 Kronen. Niemand kann sich es erklären, wie das geschehen konnte. Nickt einmal Vergani. Aber als städliicher Kakasterdirektor mußte der Günstling seines Adoptivvaters doch verzichten nnd als Sekretär auch. Wenn er noch micht genug beisammen hat, mag er zur Bühne zurückkehren. Denn bei den Christlich-Sozialen hat er das Schauspielen sicher nicht verlernt. Auf mehrere Anfragen. Eingesendete Novellen werden bei uns innerhalb zweier Wochen geprüft. L. M. L. in O. Die Verhältnisse in dieser Beamtenschaft werden wir demnächst scharf beleuchten. Wir sammeln jetzt Material. Israelitische Kultnsgemeinde Wien. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien verlautbart hiermit, daß am 4. Februar 1907 aus der Leopold Wölfischen Armenst ist ring, a) 2400 K — in Beträgen von je 40o K. an sechs verschämte, in Wien wohnhafte Arme jüdischer Konfession, und zwar Familien Väter oder Witwen, b) 2400 K — in Beträgen von je 400 K - an sechs in Wien wohnhafte, arme Kleingewerbetreibende jüdischer Konfession, zur Verleihung gelangen. Jnsoferne arme Personen israelitischer Konfession den Nachweis erbringen, mit dem am 4 Februar 1906 in Wien verstorbenen Stifter Herrn Leopold Wolf selig oder seiner Gattin Frau Sophie Wolf, geborne Bunzel, verwandt zu sein, haben dieselben, auch wenn sie nicht in Wien wohnhaft sein sollten, bei der Bewerbung um einen Stiftplatz den Vorzug vor allen andern Bewerbern. Als Verwandte des Stifters Herrn Leopold Wolf und seiner Gattin Frau Sophie Wolf, gebornen Bunzel, sind in Hinsicht auf diese Stiftung diejenigen Personen a u z u s e h e n, welche in ehelicher Deszendenz von den Großeltern des Stifters oder seiner Gattin abstammen, und mit dem Stifter, beziehungsweise seiner Gattin nicht entfernter als im sechsten Grade der Seitenlinie verwandt sind. Dem Ermessen des Vorstandes bleibt es überlaffen, einschreitenden Verwandten, welche sich in gemeinsamen Haushalte befinden, zusammen einen oder mehrere Stiftplätze zu verleihen. Tie mit dem Geburts- und Armutsscheine — bei Gesuchen von Witwen, beziehungsweise Gewerbetreibenden, mit dem Totenscheine des Gatten, beziehungsweise dem Gewerbescheine versehenen Gesuche sind bis längstens 13. Dezember 1906 im Einr>.ichungsprotokolle der israelitischen Kultuegemeinde Wien, I, Seitenstettengasse 4, I. Stock, woselbst Gesuchsvlankette unentgeltlich abgegeben werden, zu überreichen. Die ihre Verwandtschaft mit deni Stifter oder d. ssen Gatiin behauptenden Einschreiter haben sich mit dem Armutszeugnisse und mit dem dokumentarischen Nachweise, daß und in welchem Grade sie mit dem Stifter Herrn Leopold Wolf selig oder dessen Gattin Frau Sophie Wolf, geborne Bunzel, verwandt sind, auszuweisen. Auszüge aus den Geburts-, Traurings- und Sterbematriken der israelitischen Kultusgemeinde Wien sind als Gesuchsbelege nicht erfo-derlich; es genügt vielmehr die genaue Angabe der betreffenden Daten. Nicht entsprechend belegte Gesuche werden nicht berücksichtigt. Der Vorstand der i'raclitffchen Kultusgemeinde Wicu. Konkurs. In dem Spitale der israelitischen Kultusgemeinde Wien, XVIII., Währingergürtel 97, gelaugt an der chirurgischen Kranke uabteilung die Stelle eines 11. Seknndararztes mit 1. Jänner 1907 zur Besetzung. Der Jahresgehalt betlägt K 1400.—. Ausserdem erhält der Sekundararzt freie Wohnung und Verpflegung iu der Anstalt. Bewerber müssen an einer österr. Universität promovierte und zur Praxis berechtigte Doktoren der gesamten Heilkunde sein, haben praktische Verwendung auf einer chirurgischen Klinik oder Krankenabteilung nachzuweisen und dürfen das 35. Lebensjahr nicht überschritten haben. Die näheren Bestimmungen können im Sekretariate der israel. Kultusgemeinde eingesehen werden. Mit den Personaldokumeuten, Studien- und Verwenduugszeugnissen belegte Gesuche sind bis spätestens 15. Dezember 1906 in dem Einreichungsprotokolle der israel. Kultusgemeinde Wien. I., Seitenstettengasse 4, L, Stock, zu übergeben. Der Vorstand der israel. Kultnsgemeinde Wien.