Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 46 (16.11.1906)
- Date
- 1906-11-16
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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Nr. 46 Dr. JBiocD s Mwcdenscvnn. SrUe 787 als Petrus seine Gattin zum Tode führen sah, habe er sich darüber sehr erfreut wegen ihrer Berufung zu Gott und wegen ihres Hingehens in die Heimat, sodann habe er ihr ermutigend und tröstend zugerufen Meine Liebe, gedenke des Herrn! So war die Ehe der Heiligen beschaffen, so vortrefflich war die Gesinnung der durch die innigste Liebe miteinander Verbundenen." Das ist alles richtig. Allein nicht durch sie, durch die Tätigkeit dieser Männer ist das Christentum Weltreligion geworden, sondern durch die Wirksamkeit jener, welche, von allen Familienbanden losgelöst, in Ehelosigkeit lebten, in der Mlssionstätegkeit den einzig gottgefälligen Beruf gesehen haben. Und daß im Evangelium vielfach dem Stand der Ehelosigkeit der Vorzug gegeben wird, läßt sich kaum bestreiten. F. G. . „Ich dulde keine Schwarzseher." Diese Devise des deutschen Kaisers bildete eine direkte Anerkennung des Judentums, denn schon auf dem ersten Blatte der Bibel findet sich der Optimismus mehrmals ausgesprochen und jene Philosophen, welche den Pessimismus predigen, wie Schopenhauer rc., erweisen sich auch zugleich als Antisemiten; ebenso huldigt der Buddhismus in seiner Weltflucht und Weltverueinung der Schwarzseher« und von hier ging er auch ins Evangelische oder Ehrlstentum über — wo die Erde als Jammertal betrachtet wird, dem man so rasch als möglich den Rücken kehren muß. Selbst Koheleth, der Prediger der Pessimismus, gelangt nicht zum Nirwana — Welt- und Menschenverleugnung — sondern er st-.llt als Lebensprinzip den Grundsatz auf, in der Jugend das Leben zu genießen, sich jedoch vor Augen zu halten, daß wir dereinst vor Gott Rechenschaft abzulegen haben über unser Tun und Lassen — und sein Schlußfazit des Lebens ist die weise Lehre: „Fürchte Gott und beobachte seine Gebote"; denn das ist der ganze Mensch! Damit Dich Gott segne in allem, was Du tust, gebietet die heilige Schrift. Selbsttätigkell und Arbeit sind znm Segen der Menschheit geworden und diese optimistischen Prinzipien müssen wir im Kampfe ums Dasein auch in kritischer Zeit »esthalten zum eigenen Wohle und zur Ehre unseres Volkes. M. K., Rio d. I. Besten Dank für freundliche Ermunterung. Besten Gruß. F. Die Wahlen in den dritten Wahlkörper des Gemeinderates von Budweis sind nur der Anfang vom Ende. Es ist nur mehr eine Frage der nächsten Zeit, wann auch die beiden anderen Wahlkörper in die Hände der T,chechen fallen werden, und dann werden es die Inden vuter zu büßen haben, daß sie den Deutschen so lange ihren Besitz erhalten halfen. Nach unseren Informationen haben die Juden bei allen bisherigen Wahlen eine entscheidende Rolle gespielt. Sie waren es, welche die Majorität von 200 Stimmen zugunsten der Deutschen bisher erhalten haben. Dafür wurden sie von den Tschechen fauansch boykottiert. Und die Dankbarkeit der Deutschen? Es bildeten sich eine Schönerer-Gruppe und eine Gruppe der deutschen Volkspartei, mehrere deutsch-antisemitische Vereine und ein deutsch-antisemitisch.s Wochenblatt wurde herausgegeben, das jede Woche etwas Neues von. der Gemeinheit der Juden verkündete, welche sich äs facto für die Deutschen heroiich aufopferten. Ot. Wie wir hören, sollen die Berichte von den Wahlen in der allgemeinen Kurie für den mährischen Landtag, deutscher Kataster, in Wlener Blättern wesentlich gefälscht sein. Die meisten Kandidaten waren nämlich nicht deutsch-freiheitlich, worunter man deutschliberal versteht, sondern alldeutsch. In Ostrau wurde der Alldeutsche Freister gegen den liberalen Gegenkandidaten mit überwältigender Majorität gewählt. Man sieht also, was der Liberalismus wert ist, auf den die Juden dieses Wahlkreises schwören. Ueberall ist zu bemelkcn, daß der schärfste Radikalismus Trumpf ist und daß die Deutschen aus Dankbarkeit für dte jahrelange Gefolgschaft der Juden fast ausnahmslos Antisemiten wählten, well sie keine Hilfstruppen mehr brauchen. Am bedeutungsvollsten ist wohl für uns der Umstand, daß die Klerikalen in den tschechischen Bezirken viele Siege, überall aber große Teilerfolge errangen. Wie wird das erst in den Ländern werden, dle nicht nach dem Kataster geteilt sind. Unsere Vorahnung vom zukünftigen Parlament ist sehr schwarz. Sk. Die Christlich-Sozialen erfreuen sich sehr deutlich der hohen Protektion einer hohen Regierung. Geschickte Demagogen! Nachdem sie sich anfangs mit Gezeter gegen die Wahlreform gesperrt hatten, haben sie rasch umgesattelt, seitdem sie spürten, wie der Wind aus der Hofburg und aus dem Volke wehe, und jetzt tuen sie so. als hätten sie das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht erfunden. Dafür dürfen sie sich jetzt einen eigenen Landmarjchall aussuchen. Abt Schniolk, der in Ergebenheit gegen die Luegergarde erstarb, war ihr noch nicht genug christlich-sozial-radikal und so wird denn mit Genehmigung der Regierung Prinz Loisl vom Luchsen die Präsidentenglocke schwingen, wenn er sich nicht gerade auf einer Judenjagd befindet. So hat nun auch der schwarze Prinz seinen Tron, de. von Barrierestöcken gestützt wird. N. B. Das Bramarbasieren der Wiener Christlich-Sozialen gegen Fleischhauer und Fleischteuerung war eitel Geflunker und Spiegelfechterei, wie jetzt deutlich wird. Keine einzige von den vielen vorgeschlagenen und angetragenen Maßnahmen wurde tatsächlich durchgeführt. Wie sollte man auch jetzt vor der Wahlreform etwas tun. was die ländlichen Wähler reizen könnte! Offenbar glaubt man, die städtischen Wähler seien die dümmeren, da sie ja die Luegergarde gewählt haben, trotzdem sie sie genau kennen und mit denen könne mau «rach B.lieben verfahren. Die klugen Landleute aber dürfe man nicht reizen. Sn. in U. Die Leute, die jetzt in Spanien Revolution machen, sind dieselben Antisemiten, die überall vom Anarchismus der Juden predigen. IX. B. Der Bezirk Alsergrund hatte nach der ursprünglichen Wahlkreiseinteilung überwiegend jüdische Bevölkerung. Damals ging er bis zur Währingerstraße. Jetzt reicht er bis zur Alserstraße und der ganze Krankenhausblock kam dazu. Wie jetzt die Verhältniffe der Juden stehen, wissen wir nicht. Konkurs. Der Vorstand der israelitischen Kiütnsgemeinde Wien vei- Iautbart hiemit, dass das Morlz Freiherr von Königswarter’sche Stipendium im Spitale der israelitischen Knltnsgemeinde mit dem Betrage von 8W Kronen auf die Dauer eines Jahres zur Verleihung gelangt. Kompetenzberechtigt sind an einer österreichischen Universität promovierte uud zur Piaxis berechtigte Doktoren der Medizin israelitischer Konfession. Der Stipendist hat wäh end des Genusses des Stipendiums im Spitale der israelitischen Kultusgemeinde Wien nach Bestimmung des Spitalsdirektors ärztliche Dienste zu leisten Der Stipendist hat ausser dem genannten Barbeznge Anspruch auf die Beistellung der Mittagskost im Austaltsgebäude. Bei zufriedenstellender Verwendung kann der Bezug des Stipendiums verlängert werden. Die näheren Bestimmungen können im Sekretariate der Knltnsgemeinde eingeseheu werden. Die mit den entsprechenden Persoualdokumenten, Studien- und Verwendungszeugnissen belegten Gesuche sind bis längstens 30. November 1906 im Einreichungsprotokolle der israelitischen Kultusgemeinde Wien (I., Seitenstettengasse 4, I. Stock) zu übergeben. Wien, 4. November 1906. Der Vor&tand der isr. Kultusgemeiude Wien. Oberradbiner Fanny Güdemann-Stiftungfür Kranke weiblichen Geschlechtes. Der Vorstand der israelitisch n Knltnsgemeinde in Wien bringt hiemit zur Kenntnis, daß mit den Zinsen der obigen Stiftung per K 80. - am Sterbetage der scl. Frau Fanny. Güdemann d. i. am 6. Schebat (21. Jänner 1907), ein oder zwei israelitische Kranke weiblichen Geschlechtes betritt werden. Die Bewerberinnen haben ihre diesfällinen Gesuche, mit einem Armnts- und einem Krankheitszeugnisse versehen bis 30. November 1000 tut Einreichnngsprotokolle der israelitischen Knltnsgemeinde I, Seitenstettengasse 4. I. Stock, woselbst auch Gesn'bsblankette unentgeltlich behoben werden können, während der Amtsstundeu zwischen 9 und 12 Uhr vormittags zu überreichen. Auszüge ans den Matriken der israelitischen Kaltusgemeinde Wien sind als Gesuchsbelege nicht erforderlich, es genii.it vielmehr die genaue Angabe der betreffenden Daten. Auf nicht enlsprechend belegte oder verspätet überreichte Gesuche wird keine Rücksicht genommen. Moriz Perles'sche Wohltatig?eits-Widm»»g. Der Vorstand der israelitischen Knitnsgnneinde Wien gibt hiemit bekannt, daß die J.rhreserträgnisse dieser Widmung per K 410. in Beträgen von mindestens K 50.— zur Verleihung gelangen. Anspruchsberechtigt sind verarmte jüdische Familien, welche durch das plötzliche Ableben des bisherigen Ernährers (gleichgiltig ob Sclilaganfall, Gewalttat, Krieg oder Nnglückssall, Selbstmord a-'sgeschlossen) aus geordneten Berhätlmsfen in die drückende Rot genmzt wurden. Es bildet hiebei kemen U>nersch?ed, ob der plötzlich v rnorvene Ernährer das Haupt oder nur ein Mitglied der Familie war Unter den Bewerbern »m oiefe Widmung genießen, das Zntreffen der oben angeführten Bestimmungen vorausgesetzt, Personen, welche in direkter Linie von dem Wtdmungserrichter Herrn Moriz Perles oder deffen Gattin Frau Agnes Perles, geborene Schiller abstam'nen oder bis zum 5. Grade der Seltenverwandtschaft des WidmungSerrichlers oder deffen Gattin angehören, den Bor mg. Bewerber um diese Widmung haben ihre mit den Nachweisen der Armut, des Todes des Ernährers und ihrem Geburtsscheine, sowie eventuell mit dem Nachweise der Verwandtschaft mit dem Widmnngserrichter oder dessen Gattin versehenen Gesuche bis 30 November 1006 im Einreichungs- Protokolle der israelitischen Knltnsgemeinde, Wien, I., Seitenstettengaffe 4, I. Stock, woselbst auch Gesu'.sblankette unentgelt.ich erfolgt werden, in den Amtsstnnden zwischen 9 und 13 Uhr vormittags zu Überreichen. Auszüge aus den Matriken der israelitischen Kultusgemeinde Wien erscheinen als Gesuchsbelege nicht erforderlich, vielmehr genügt die genaue Angabe der betreffenden Daten. Nicht entsprechend belegte oder verspätet überreichte Gesuche werden nicht b-rückffchtigt.