Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 43 (26.10.1906)
- Date
- 1906-10-26
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 43 Dr. Bloch's Wochrnfttzrist. Seite 731 Kaiser Franz Josephs-Ferienheim in Tischnowitz- Borkloster. In den Sommermonaten dieses Jahres waren in den Rekonvaleszenten-, Herzkranken- und Skrophulosenkolonien des Kaiser Franz Josephs-Ferienheim zu Tischnowitz, Petrau, Austerlitz und Darkau 588 Schützlinge untergebracht, die mit anansehnlichen Gewichtszunahmen und in erheblich gebessertem Gesundheitszustände zurückkehrten. Seine Bestrebungen in Bezug auf die Vervollkommnung der hygienischen Einrichtungen in den Kolonien hat der Vereinsvorstand auch in diesem Jahre erfolgreichst fortgesetzt. Unterstützt wurde er in diesen Bemühungen durch die Firmen : S. M e st n i tz u. Sohn. R a u d n i tz, durch Spende eines Staubsaugeapparates „Atom"; Delphin Filter u. Kunststein-Fabrik durch Spende eines Filtrierapparates; The Perolin Fabrikation P. B r i ck re. rc. Die Schenkungen dieser Firmen haben ihren Zweck nicht nur erfüllt, sondern sich als ganz ausgezeichnete Produkte der heimischen Industrie erwiesen. Die Errichtung eines Seehospizes für jüdische Kinder, deren dringliche Notwendigkeit wir in einer der nächsten Nummern eingehender beleuchten werden, bildet gegenwärtig den Gegenstand ernster Beratungen des Vereinsvorstandes. Karlstadt. Sonntag den 7. d. M. fand hier im Sitzungssaale der Israel. Kultusgemeinde eine zahlreich besuchte Versammlung behufs Gründung eines Tempelchorvereines statt. Herr Advokat Doktor I. Reiner begrüßte Herrn Knltusvorsteher Sanitätsrat Doktor Stern, sowie die erschienenen Damen und Herren mit herzlichen Worten und begründete die Wichtigkeit dieses Vereines. Nach längerer Debatte wurde die provisorische Vereinsrepräsentanz gewählt, und zwar Präsidentin: Frau Marie Reiner; Vizepräsidentin: Frau Therese A s ch k e n a z h; Kassier: Herr Siegfried Kramer; Archivar und Schriftführer: Herr L. Blau; Technischer Leiter: Herr Oberkantor David Weisel; Ausschußmitglieder: die Fräuleins Fischl, Josefoviö, Hochsinger, Deutsch, Hauptfeld. Die Mitgliedsbeitr'äge wurden mit K 6.- und K 4,— jährlich festgesetzt. Karlstadt. Sonntag den 14. d. M. fand im hiesigen Tempel die Trauung des Fräulein Irma Kramer mit Herrn Viktor Au sch. Gutsbesitzer statt. Die Trauungsfunktionen versahen Herr Rabbiner Dr. Schick und Herr Oberkantor David M e i s e l. Freiwaldau. Herr Julius L i ch t w i tz, Brauereibesitzer und langjähriger Tempelvorsteher, feiert am 13. November in selten körperlicher als auch geistiger Frische mit seiner Gattin Amalie, geb. Schlesinger, das Fest der goldenen Hochzeit. Tabor. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Doktor N. Weißlovie forderte in seinen Predigten am Jomkippur und Schemini-Azeres zur kräftigen Unterstützung des jüdischen Kolonisationsvereines in Wien auf. Infolgedessen sind von Mitgliedern der hiesigen Kultusgemeinde 544 Kronen eingegangen. Von diesen wurden zehn Kronen zur Unterstützung zweier durchreisender jüdischer, russischer Familien verwendet, der Rest wurde dem oberwähnten Wiener Verein übermittelt. Galgoez. Eine überaus große Trauerversammlung — darunter auch viele Christen und auswärtige Gäste — hatte sich am 15. d. M. zur Beerdigung des einige Tage nach seiner Rückkehr aus Karlsbad, wo er Heilung von einem schweren Magenleiden suchte, am Sahbat Bereschit 13. Oktober, hier verblichenen Herrn Franz Wallach eingefunden. Auch die Schuljugend rückte mit einer Trauerfahne in Begleitung des Lehrkörpers aus, um in Max Wallach den gewesenen Schulausschuß und ihren eifrigen Förderer zu ehren. Väterlicherseits war er ein Neffe der rühmlichst bekannten Philanthropen Adolf und Anthony Wallach in New-Aork (Letzterer schon vor 1V- Jahren gestorben) und mütterlicherseits entstammte er einer gelehrten Rabbinerfamilie, weiland Rabbiner Dr. Samuel Back in Prag-Smichow war der Bruder seiner Mutter. Die Trauerredner, Herren Oberrabbiner Josef R o s e n f e l d und Bernhard Deutsch, ein Verwandter des Heimgegangenen, schilderten in ergreifenden Worten den ideal angelegten Charakter des Verblichenen, der mit außerordentlicher Liebe am Judentum hing, mit allen Opfern für die Gemeinde und die jüdische Gemeinschaft sorgte und sich selbst der jüdischen und allgemeinen Gelehrsamkeit bis zum letzten Momente widmete. Breslau. Unsere Mitarbeiterin Frau Regina N e i s s e r erhielt aus dem großherzoglich-badischen Kabinet einen Dank Ihrer königlichen Hoheiten des Großherzogs und der Großherzogin für einen zu Höchstderen goldenen Ehejubiläum verfaßten und in der Zeitschrift „Mode und Haus" veröffentlichten Festartikel. Berlin. Der Hilfsverein der Deutschen Juden hat eine hochherzige Spende erhalten. Es find ihm 10.000 Mark zur Verfügung gestellt worden mit der Bestimmung, daß dieser Betrag insbesondere unseren Glaubensgenossen in Rußland zugute kommen soll. Der edle Spender dieses Betrages ist Herr Gustav Levinstein in Berlin, der sich schon häufiger in großherzigster Weise humanitär betätigt hat. Berlin. Der Privatdozent an der hiesigen Universität, Herr Dr. Josef H o r o v i tz, ein Sohn des Herrn Rabbiners Dr. Horovitz in Frankfurt a. M., hat einen Ruf als Profeffor des Arabischen an die muhammedanische Universität Aligarh (Indien) zunächst auf zwei Jahre angenommen. Feuilleton. Der importierte Dränligam. Roman ans dem Ghetto von Newyork. Aus dem Englischen übersetzt. (Fortsetzung.) X. Kapitel. Am folgenden Morgen begab sich Asriel in die Louvalk- Synagoge, um dem Gottesdienst beizuwohnen. Er hatte nicht das Herz, seinen gewöhnlichen Andachtsplatz zu besuchen. Hier hoffte er, in Erfahrung zu bringen, wie Schaya den Tag zuvor verbracht hatte. Zu seiner Bestürzung erfuhr er, daß der Bräutigam seiner Tochter hier seit Wochen nicht gesehen worden war. Asriel hielt mit sich selber Rat und nahm sich vor, den jungen Mann zu befragen. Er zweifelte jetzt nicht mehr, daß Reb Tzalels Behauptungen wahr seien, selber er kränkte sich nicht mehr. Es war nicht mehr Schaya; es war nicht mehr der Bräutigam seiner Tochter; es war nicht der Jlui, den er importiert hatte — es war ein Appicores. „Wie konnte ich, Asriel Stroon, so einen Streich spielen?!" Und er lechzte mit haßerfüllter und detektivartiger Leidenschaft danach, Schaya bei einer ernsten Uebertretung des Mosaischen Gesetzes zu erwischen. Asriel besuchte alle Synagogen, wo der junge Mann hätte den Talmud studieren sollen, erfüllt von dem Rachegefühl, wie er ihn wegen seiner Pflichtversäumnis zur Rede stellen werde. Aber so oft seine glühenden Erwartungen sich erfüllten, empfand er statt Triumph das übermächtige Gefühl der Niederlage. „Du bist betrogen, Asrielke — weh Deinem dummen Einfall, weh!" quälte er sich selbst in seinen Anfällen von Wut. „Aber die Cholera soll ihn ergreifen. Ich werde ihm schon zeigen, wie man Asriel Stroon betrügt." Er kam bald dahinter, daß Schaya mit seinem früheren englischen Lehrer oft zusammen kam. Asriel konnte den nächsten Sabbath nicht erwarten, wo er die Beiden Zigaretten rauchend oder schreibend erwischen werde. Aber es kam alles früher. Am kommenden Tag verfolgte Asriel den jungen Mann bis in die Clintonstreet, wo dieser sich in das Haus begab, in dem sein Freund zwei Dachstübchen bewohnte. Asriel stellte sich vis-ä-vis auf und starrte zu den Fenstern hinauf, ohne jedoch etwas zu sehen. Bald war er des Wartens müde und ging nun nach Haufe zurück, wo er sich in ohnmächtiger Wut des verletzten Stolzes auf sein Bett warf.