Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-10-12 · 42 (12.10.1906) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
42 (12.10.1906)
Date
1906-10-12
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3021656-3021699--15825-3040612
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

Seite 712 Dr. Bloch's Wochrnschrrfl. Nr. 42 zu vollenden. In der Tat fand ich in der rue de Vienne einen Monumentalbau, ein Prachtvolles, auf einem großen Platze gelegenes viereckiges Gebäude, das in seinem Innern noch nicht vollendet ist und an den Tempel der rue de la Victoire in Paris erinnert. Auch die Synagogen Orans sind äußerlich als solche nicht erkenntlich. In Tlemcen sah ich zum erstenmale eine hebräische Inschrift an einer Synagoge in der rue de la Synagogue. Der Tempel bot nichts Merkwürdiges. Das Interessanteste an all diesen Synagogen waren die prachtvollen silbernen Ampeln, welche große, mit Oel gefüllte Kristallbecher trugen. Auch einige antik Vorhänge von besonderer Schönheit wurden mir gezeigt. Ich muß annehmen, daß auch Tlemcen eine verhältnismäßig zahlreiche jüdische Einwohnerschaft besitzt, denn als ich eine sehr ftequentierte Straße passierte, fiel mir ein eigentümlicher Lärm auf: aus einem niedrigen Hause drangen zahlreiche helle Kinderstimmen, die sich durch einen besonderen, eintönigen Singsang bemerkbar machten: es war die hebräische Schule. Auf unseren Ausflug nach Sebdou kehrten wir in einem kleinen Gasthof ein. dessen Besitzer Franzose ist. Ein maurisches, etwa 14 jähriges Mädchen fesselte meine Aufmerksamkeit, und der kleine Kellnerjunge machte den Dolmetsch in meiner Unterhaltung mit demselben. „Der Junge spricht wohl sehr gut arabisch," meinte ich zu unserer Wirtin. „Je le crois bien, pnisqu’il estjuif,“ antwortete fie zu meiner großen Ueberxaschung, und als ich sie fragte, ob denn Juden hier ansässig seien, replizirte fie, nicht sehr erbaut: „Oh, il n’y a que qa.“ Diese Antwort reizte meine Neugier, und ich machte mich auf den Weg, die Juden Sebdous ausfindig zu machen. Ich mußte nicht weit gehen, und bald sah ich in einer in der Nähe der Kirche gelegenen Straße zwei jüdische Frauen, an dem charakteristischen schwarzseidenen Kopftuch erkennbar. Hier griff ich einen Jungen auf und lud ihn ein, mein Führer zu sein. Meine Frage, ob er Jude sei, bejahte er schüchtern und kleinlaut, und gab auch sonst nur ausweichende Antworten, offenbar aus Furcht. Dann gelangten wir zur Synagoge: ein ebenerdiges Häuschen, eine niedrige Tür und zwei schmale Fenster. Sie war leider versperrt und der Schlüssel im Besitz des abwesenden Rabbiners. Meine Frage, ob der Rabbiner hebräischen Unterricht erteile, wurde verneint, auch Gottesdienst fände nur Freitag und Samstag statt. Als ich mich über die sonstigen Funktionen des Rabbiners erkundigte, gab der Junge die charakteristische Antwort: „II tue les boeuf et fait le commerce!“ Den Stoßseufzer der Gastwirtin aber fand ich nicht gerechtfertigt, denn in dem kleinen arabischen Dorfe, das bald durchquert ist, bemerkte ich nur wenig jüdische Einwohner. Trotzdem mag unsere Wirtin keine Judensresserin sein, da sie ja den jüdischen Kellnerjungen, der aus den patriarchalischen Namen „Abraham" hört, in ihrem Gasthof beschäftigt. Im übrigen leben, wie es scheint, in allen algerischen Städten und Dörfern zerstreut Juden, und wenn ich einem auf dem Schiffe laut geführten Tischgespräch einiger in Algier wohnenden Franzosen Glauben schenken darf, gibt es in Algerien nur eine einzige Stadt, die judenrein ist, denn einer dieser Herren Pries die Schönheit dieser Stadt — ihr Name ist mir leider entfallen — indem er dieselbe mit den Worten bekräftigte: „Et puis, il n’y a pas de jnifs.“ In Oran lernte ich einen jungen Kaufmann kennen, Besitzer eines bedeutenden Geschäftshauses. Er hat ein warmes Herz für das Judentum, und sein zahlreiches Personal wird an sämtlichen jüdischen Feiertagen fteigelaffen. Er hat im Verein mit Gefinnungsgenoffen einen jüdischen Turnverein gegründet, da ein Zusammengehen mit dem oranesischen Turnverein nicht mehr möglich war. „Wir haben," sagte er mir, „diesen Turnverein gegründet, um das Judentum zu heben. Der jüdische Soldat soll ob seiner schlechten Haltung nicht mehr verlacht werden. Wir wollen in Oran ein gesundes, kräftiges Judentum erziehen. Und es ist uns geglückt. Unsere Soldaten haben sich im französischen Heere Achtung verschafft, und der Champion beim Oonconre de Gymnastique International in Bordeaux 1904 war unser Vorstandsmitglied B . . ." . Im großen Ganzen habe ich in Algerien den Eindruck gewonnen, daß die Juden auch in diesem märchenhaft schönen Land, wo die Natur alle Gegensätze zu mildern scheint, trotz politischer Gleichberechtigung der alte Haß verfolgt und daß dieselben trotz Freundschafts-Beteuerungen auch noch heute von Franzosen und Arabern angefeindet werden. Vermischtes. Kranzablösungsspenden zugunsten der Chewra-Kadischa in Wien I., Seitenstettengaffe 4 für arme kranke Glaubensgenoffen. Anläßlich des Ablebens des sel. Saul Pineles: Von Etka Herzig und Broncia Koller K 30.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Hermann Hofmann: Von Bernhard Hofmann und Fran X 50.—, A. Fanto und Frau 20.—, Friedrich Fanto 30.—, Dr. Robert Fischer 10.—, David Fanto K 20.—. Zusammen X 130.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Auguste Lichten st ern: Von Dr. Lichtenstern und Frau X 10., Emanuel Kraus 25.—, Josef Kraus X 25.—. Zusammen K 60.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Sigmund Schlesinger: Von Dr. Sigmund Hoffmann X 25.—, Moriz Haßberg 20.-, L. Vitali X 20. —. Zusammen X 65.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Julius Engel: Von A. W. K 20.-. Anläßlich des Ablebens des sel. Bernhard Brunner: Von Auguste Brunner X 10.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Leopold Frankl: Von Wilhelm Kohn und Familie K 4.—. Anläßlich des Adle ens der sel. Rosa Süß: Von Wilhelm Reumann X 4.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Emilie Lichten st ein: Von Arthur Kohn K 5.-, Albert Jellinek X 40.-. Zus. X 45.- . Anläßlich des Ablebens der sel. Rosalia Freund: Von Dr. Arnold Ascher X 10.-. Anläßlich des Ablebens der sel. Johanna Weinmann: Von Charlotte Herz! X 6.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Therese Wortmann: Von Moriz Nagel X 6.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Anna Löw: Von Bertha Löw X 20.—. i Anläßlich des Ablebens des sel. Emil Herzka: Von Major Franz Grünbaum X 25.—. Anläßlich des Ablebens des sei. Dr. Moriz Mo dry: Von Familie Teweles-Thieber X 10.— , Bertha Ehrenfeld 10.—, Marie Cohn 10. , Josef Dukes 10.—, Anna Plachte X 10.—. Zusammen X 50.-. Anläßlich des Ablebens des sel. Gustav Blumberg: Von Pauline Bergmann X 20.—. Otto Bergmann 20.—, Jacques und Theodor Kantor X 10.—. Zusammen X 50.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Jakob Rabinowitsch: Von Franz Josef Fleischmann X 3.—, Sigmund Koperl 10.—, Sigmund Schleider X 10. . Zusammen X 23.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Leopold Forchheimer: Von Alfred Winterberg X 10.—, Generaldirektor Max Hahn X20.—. Zusammen X 30.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Dr. Hermann Hertzka: Von Moriz Münz X 20. —. Ludwig Klein 20.—, Emanuel Podiebrad 20.—, Adolf und Hermine Fleischmann X 10.-. Zusam. X 70.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Arnold Friedjung: Von Dr. Alexander Kohn und Frau X 10.—, S. Herzka X 3.—. Zusammen X 13.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Betti Tandler: Von Max Tandler X 10.—, Leopold Schick X 3.—. Zusammen X 13.—. Wien. (Zu den Wahlen in den Kultusvorstand.) Der Vorstand der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, die Initiative zur Bildung eines Wahlkomitees für die bevorstehenden Neu- und Ersatzwahlen in den Vorstand der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde zu ergreifen. Die Konstituierung des Wahlkomitees findet Samstag den 20. d. M. statt. Wien. Die „Oesterreichisch-Jsraelitische Union" veranstaltet Donnerstag den 25. Oktober 1906 im großen Saale des Hotel Guth II., Stefaniestraße 14, eine Oeffentliche Vereinsversammlung mit folgender Tagesordnung: 1. Mitteilungen des Vorsitzenden. 2. Bericht des Rechtsschutz-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.