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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-10-12 · 41 (12.10.1906) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
41 (12.10.1906)
Date
1906-10-12
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 692 Dr. Llocv's MocvenscbrlN. Nr. 41 gemeinde entfaltete und welche Verdienste er sich besonders um die Herstellung und Erhaltung der Ordnung in dieser seiner engeren Gemeinde erworben hat. Es war im Jahre 1876, als die vor wenigen Jahren neu entstandene Kultusgemeinde Sechshaus, welche zeitweilig eine Filiale der Kultusgemeinde Wien gewesen war, sich in ärgster Deroute befand, die Verhältnisse vollkommen zerfahren waren und Uneinigkeit, gegenseitige Verhetzungen, mitunter auch eigennützige Bestrebungen die Gemeinde an den Rand des Abgrundes brachten. Damals wandten sich aller Augen auf den in dem Bezirke hochangesehenen Gottlieb Taussig. Ein Sanierungskomitee, an dessen Spitze er damals trat, stellte die Ordnung in der Gemeinde her. Mit kräftiger Hand hielt er die auf die Zerstörung dieses aufkeimenden Gemeinwesens gerichteten Bestrebungen nieder. Seine unermüdliche Tätigkeit vom Jahre 1876 bis zum Jahre 1892, während welcher er zum Obmanne dieses Sanierungskomitees und zum Präsidenten der Gemeinde gewählt und immer wiedergewählt wurde, bildet ein Ruhmesblatt in der Geschichte dieser Gemeinde und findet sich niedergeschrieben in einer lesenswerten Monographie des ehemaligen Oberkantors und Gemeindesekretärs Leopold Stern. Mit der Uebernahme der Vorortegemeinde Sechshaus in den Verband der Gemeinde Wien trat er in den Kultusvorstand der letzteren ein und widmete deren Angelegenheiten eine unermüdliche, höchst dankenswerte Tätigkeit. Der Kultusvorstand wird dem Dahingeschiedenen ein ehrendes Angedenken bewahren. — Der Präsident verfügt unter Zustimmung der Versammlung, die sich zum Zeichen der Trauer von den Sitzen erhoben hat, die Einverleibung der Trauerkundgebung in das Protokoll. Im Präsidialberichte teilt der Vorsitzende mit, daß der Vorstand eine Einladung zu der am 16. September 1906 stattgehabten Einweihung eines neuen Tempels in Prag erhalten und am Tage der Eröffnung telegraphisch seine Glückwünsche zum Ausdrucke gebracht habe. Die Eröffnung dieses von der Meisterhand des in der Sitzung anwesenden Kollegen Baurat Wilhelm Stiaßny geschaffenen Gotteshauses habe sich zu einer erhebenden Feier gestaltet. Der Präsident erwähnt weiters des in den gestrigen Journalen veröffentlichten Aufrufes des „Jüdischen Kolonisationsvereines" an die jüdische Bevölkerung und empfiehlt den Verein der allgemeinen werktätigen Unterstützung. Vertreter Dr. Maximilian Steiner und Genossen stellen nachstehenden Dringlichkeitsantrag: „Seit wir zuletzt hier versammelt waren, sind Hunderte unserer Glaubensgenossen hingemetzelt, tausende Familien ins Elend gestürzt worden und es hat nicht den Anschein als ob die alle Schrecken des Mittelalters übertreffenden Katastrophen ihr Ende gefunden hätten. Dem gegenüber ruhig an die Beratung unserer Gemeindeanzelegenheiten zu gehen, halten wir für unzulässig. Selbst der Wurm, der getreten wird, krümmt sich, und wir sollen schweigend und regungslos verharren? Es müsse doch mindestens noch einmal versucht werden, einen Zusammenschluß der jüdischen Großgemeinden — sei es Oesterreichs, sei es Europas — zustandezubringen, um die Regierungen zu irgend einer Intervention zugunsten der russischen Juden zu bewegen. Die Schmach dürfen wir nicht über uns ergehen lasten, daß wir passiv bleiben, wenn der Vernichtungskrieg im Osten fortdauert. Sohin beantragen wir: Es werde ein ögliedriger Ausschuß eingesetzt, welcher über eine Stellungnahme in Sachen der russischen Juden beraten und diesbezügliche Anträge stellen soll." Diesem Anträge wird stattgegeben und in das Komitee die Herren: Dr. Maxim. Steiner, Baurat Marmorek, kais. Rat Leopold Sachs, Dr. Markus Spitzer und Baurat Wilhelm Stiaßny gewählt. Der vom Bureau erstattete Bericht betreffend die Vorstandswahlen wird zur Kenntnis genommen. Als Wahltage werden festgesetzt: Für die Wahl durch die Gesamtheit der Wahlberechtigten Sonntag, der 2. Dezember 1906; für eine eventuelle engere Wahl: Sonntag, der 9. Dezember. Für die Wahl durch die Höherbesteuerten: Dienstag, der 11. Dezember; für eine eventuelle engere Wahl: Donnerstag, der 13. Dezember. Zu Mitgliedern des Bethausvorstandes für die Bezirke XVII«. und XIX. werden im Sinne des Vorschlages der Vertrauensmänner nachstehende Herren ernannt: David Müller, Josef Rostig, Jakob Renner, Ignaz Simon, S. I. Stern, Dr. Ignaz Winter und Albert Schwarz. Nach Erledigung von Personal-Angelegenheiten wird die Sitzung um 2 Uhr nachmittags geschlossen. Zur Kultuswahl. Löbliche Redaktion! Wir bitten Sie, nachfolgende heute überreichte Eingabe in Würdigung der Wichtigkeit des Gegenstandes in Ihrem wertem Blatte abzudrucken: „Dringend wegen sonstiger Frustrierung dieser Eingabe. Löbliches Vertreterkollegium! Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien hat in der „Wiener-Zeitung" publiziert, daß die Wählerliste für die diesjährigen Wahlen zur Einsicht in der Kultuskanzlei aufliegt und Reklamationen innerhalb 14 Tagen vom 3. Oktober d. I. schriftlich daselbst einzubringen sind. Nun wurden Stimmen laut, jene Fristbestimmung sei dahin auszulegen, daß schon am 17. Oktober die Frist abläuft. Wenn jedoch erwogen wird, daß in die Zeit vom 3. bis 17. Oktober nicht weniger als vier Jomim Towim und zwei Sabbate fallen, an welchen Tagen (nebst den Sonntag- Nachmittagen) in der Kultusgemeindekanzlei überhaupt nicht amtiert wird, daß also die Einsichtnahme der Wählerliste, diese Voraussetzung jeder Reklamation, nur an 8 beziehungsweise 7 Tagen möglich wäre, wenn ferner erwogen wird, daß die gleichen Verhältnisse wegen der stets im Herbst stattfindenden Wahlen immer wiederkehren, dann ist es klar, daß unter den in der h. a. Publikation genannten 14 Tage nur Werktage gemeint sind, und sohin die Reklamationsfrist erst am 23. Oktober abläuft. Wir bitten daher, die Richtigkeit dieser unserer Auffassung zur allgemeinen Darnachachtung durch die unverzügliche amtliche Publizierung in der dieswöchentlichen Nummer der Wiener jüdischen Blätter zu bestätigen. Bei diesem Anlässe sei uns gestattet, auf einen schweren Uebelstand der bisherigen Wahlen hinzuweisen, den zu beheben es diesmal noch Zeit ist: Die Kultuswähler des II. und XX. Bezirkes sind, je nachdem ihr Familienname mit einem der Buchstaben A—K oder aber L—Z beginnt, durch die Wählerliste der Wahlsektion Tempelgasse oder aber Leopoldsgasse zugeteilt. Es ist offenkundig, daß dieser Modus eine arge Belästigung der Wähler bedeutet, die zum Beispiel oft aus der Pratergegend an dem Wahllokal Tempelgasse vorbei zum Wahllokal Leopoldsgasse oder aber von der Brigittenau her an dem Wahllokal Leopoldsgasse vorbei zum Wahllokal Tempelgasse wählen gehen müssen. Dieser die Wahlbeteiligung stark schädigende Uebelstand würde auf die einfachste Art dadurch behoben, daß die Wähler des Bezirksgerichtssprengels.Leopoldstadt I (links der Taborstraße) dem Wahllokal Leopoldsgasse und jene des Bezirksgerichtssprengels Leopoldstadt II (rechts der Taborstraße) dem Wahllokal Tempelgasse zugewiesen werden. Durch die Arbeit weniger Stunden kann die geschriebene Wählerliste zur Drucklegung in obskizziertem Sinne bereitgestellt werden. Für das zionistische Wahlkomitee: Dr. Paul Weisengrün m. p. Dr. Egon M. Zweig m. p. Hiezu sei noch bemerkt, daß die in dem Wahlstatut vorgesehene vierzehntägige Reklamationsfrist, als zum Schutze der Wählerschaft statuiert, natürlich nur ein Minimum darstellt und im Bedarfsfälle ohneweiters verlängert werden kann.

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