Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 41 (12.10.1906)
- Date
- 1906-10-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3020846-3021656-3021698--15797-3040583- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Ur. 41 Dr- Bloch’s Jahrgang 11111 ♦ Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums. Wim, 12. Oktober 1906. - LrsiDetnt jeden Freitag. H Brief-Adresse: MUen» IX/1. Kerggasse 39. Teleqramm-Adreffe: VlocD^s Mlo<Denscbritt. Wlieu. Inhalt: Leitartikel: — Moderne Selbsthilfe — Etwas vom „Polnischen Inden". — Entdeckung des wilden Urweizens in Palästina. — Korrespondenzen: Plenarsitzung des Kultusvorstandes. Zur Kultuswahl. Die Rückkehr zur früheren Konfession. Brünn. Karlsruhe. Berlin. Lemaan Zion. Israel Zangwill über seine Pläne. London. Schreckensnachrichten aus Sibirien. Die Bilanz der Pogroms. Eine jüdische Deputation aus Siedlce bei Stolypin. Das Judenmassakre. — Vermischtes: Wien. An alle jüdischen Eltern und Kinderfreunde. Vom jüdischen Handwerk. Wien. Brünn, Laibach, Rosenberg, Neustadtl, BudweiS, Prag. Zionistische Bürgerversammlung in Vinkovce. Das Ritualmordmärchen spukt wieder. Pisek, Abbazia, Berlin, München. — Feuilleton: Der importierte Bräutigam. - Reue Bücher. — Briefkasten. — Inserate. o 1 W Verussprri« für Vrstrrrrirh: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Äür» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 „ Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petitzeile 24 Heller. *-* 3-& K. ft. Postsparftaffen-Nmt Glearlng-lDerftebr INr. 810.976. KBbafttion und Administration: 1V i r n lX/l, Werggasse Mr. 39. 14.847. «-* Aufruf! Das Hinmorden jüdischer Volksmassen scheint in Russland nicht aufhören zu wollen. Immer wieder liest man, dass wehrlose Greise, unschuldige Kinder unter grausamen Qualen vernichtet werden, dass vertierte Menschen Leib und Leben jüdischer Mädchen und Frauen in Verbrechens, her Gier zerstören. Weit und breit keine Hilfe! Wohl sucht man der Not des Augenblickes zu steuern; es sollte jedoch mehr geschehen, als die Gabe des rasch verflüchtenden Mitleids zu bieten vermag. Wir wollen dem verfolgten Juden seine dauernde Zuflucht gründen; wir wollen in Palästina an schon bestehende und gedeihlich arbeitende jüdische Kolonien neue Heimstätten für Ackerbauer und Gewerbetreibende angliedern, ein Streben, das uns mit den „Palästina-Kolonisationsvereinen“ der ganzen Welt verbindet. Dort sollen unsere unglücklichen Stammesgenossen endlich nach blutiger Verfolgung, nach jahrtausendelanger Unrast ein sicheres Heim, eine dauernde Heimat finden. Hier handelt es sich nicht um Zukunftsideen, nicht um Parteifragen. Hier gilt es, rasche und dauernde Hilfe zu organisieren. Wir wenden uns daher an alle Edelgesinnten; wir ersuchen jeden, der noch einer Empfindung des Mitleids zugänglich ist und unschuldige Menschenbrüder vom drohenden Untergange retten will; wir flehen alle jene an, denen die Ehre unseres Stammes am Herzen liegt, treten Sie unserem „Jüdischen Kolonisationsvereine“ bei! Beitrittserklärungen und Geldsendungen erbitten wir uns an das Sekretariat, 11/3, Gredlerstrasse 9.*) Das Zentralkomitee des Jüdischen Kolonisationsvereines Baurat Wilhelm Stiassny Emil Horner Dr. Sigmund Zins Kais. Rat Leopold Sachs Hofu. Gerichts-Advokat Licco Adutt, Dr. Josef Bloch, Prof. Dr. 8. Ehrmann, Oberrabbiner Dr. Moritz Güdemann, David Ritter von Gutmann, Dr. Edmund Kohn, Baurat Oskar Marmorek, Prof. Dr. Josef Pollak, Richard Rappaport, Rabbiner Dr. Adolf Schmiedl, Ignaz Schiff, Heinrich (York) Steiner, Präsident Dr. Alfred Stern, Dr. Bela Taussig, Hofrat Siegmund Taussig. Moderne Selbsthilfe. Im vorstehenden Aufruf des Jüdischen Kolonisationsvereins in Wien sind einige Sätze aus der Antwort enthalten, die wir Juden unserem Schicksal geben. Wir werden zu unrecht verdammt, einen ewigen Kampf zu führen, in welchem wir alles verlieren, sogar die Ehre, soweit sie uns von anderen zugemeffen wird. Lassen wir den Globus vor unseren Augen rollen, so bemerken wir fast keinen Fleck, wo für uns Juden die weiße Fahne weht. Eine Handvoll unserer Brüder mag da und dort, an der mittelländischen Küste, in Italien und der Türkei etwa, das typische jüdische Glück genießn, welches darin besteht, daß den Glücklichen größere Schmerzen erspart bleiben. Diese Allzuwenigen im bergenden Hafen verschwinden aber vollständig vor dem brandenden Meer, das die Judenheit in unseren Tagen darstellt. Was immer sich umwälzend erneuert, die jüdische Politik bleibt dieselbe. D>r Dreibund des Judenhasses, Rußland, Rumänien und Galizien, kommt nicht nur nicht aus den Fugen, sondern verfolgt seine empörenden Ziele immer energischer. Im benachbarten Deutsch- *) Hin ordentliches Mitglied zahlt jährlich mindest 5 K. ein immerwährendes Mitglied einmal für immer mindest 250 K und ein Stifter einmal für immer mindest 2000 X