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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-10-05 · 40 (5.10.1906) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
40 (5.10.1906)
Date
1906-10-05
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 40 Dr. Mock's Mo<Dens<LrM. Seite 681 Feuilleton. Der importierte Bräutigam. Roman aus dem Ghetto von Newyork. Aus dem Englischen übersetzt. (Fortsetzung.) VII. Kapitel. Am kommenden Sabbath brachte . Asriel vom Tempel den Rabbi und ein Dutzend alte Talmudisten mit. Er ließ sie mit Wein, kaltem Fisch, Pasteten und jenen Bäckereien bewirten, deren Zubereitung Tamara so ausgezeichnet verstand. „Lechajim, Herr Stroon, Lechajim, Schaya," sagten die Gäste und ergriffen ihre Gläser. „Lechajim," lautete die allgemeine Antwort. „Gott segne den Bund und lasse Sie hundert und zwanzig Jahre leben," sagte Reb Mendele, ein kleiner, dicker Mann mit roten Pejis, und langte dabei nach einem Sabbathkuchen. „Und er gewähre ihnen Kinder, die Sie in den Gesetzen Gottes erziehen mögen zu rechtschaffenen Menschen," sagte ein Dritter, der gerade einen Bissen Fisch an der Zinke seiner Gabel hielt. „Und Schaya soll stets ein Ben Thora (Kind der Gesetze) bleiben und nimmer ermüden, sie zu studieren," kam es wieder von einem anderen. „Das ist der Punkt," brach ein Chorus von bedächtig kauenden Mäulern aus. „Aber wo ist eigentlich die Braut?" frug jemand „Sie muß sich zeigen." „Das ist wahr," sekundierte Reb Mendele. „Heraus mit ihr! Und die Töchter Israels kommen tanzend herbei," zitierte er. „Und was sagen Sie. Blick an junger Mann und betrachte das Mädchen, daß Du Dir erwählt hast. Richte Deine Blicke nicht nur auf die Schönheit, sondern — — —"er brach errötend ab. Der Rest der zitierten Stelle ist wie folgt? „Lege Wert auf eine gute Familie (sagt das Mädchen zum jungen Mann) denn das Sprichwort sagt: „Falsch ist die Grazie, eitel ist Schönheit. Eine Frau, die gottesfürchtig ist, sei gepriesen!" „Erröte nicht," sagte der Rabbi zu Schaya, obgleich es diesem nicht eingefallen war, zu erröten. Er war in Anspruch genommen, die verschiedenen Pasteten und Torten — nie hätte er sichs träumen lassen, daß er solche essen werde — durchzukosten. Flora befand sich in ihrem Schlafzimmer, diesem selbstgewählten Exil, seit der ihr aufgedrungene Bräutigam im Hause war. Ihr Vater war gütig und aufmerksam zu ihr und nannte Schayas Name nie vor ihr. Doch sie wußte, daß er unwiderleglich auf dieser Heirat bestehe und sie dachte in ihrer Verzweiflung an Selbstmord. Konnte es möglich sein, daß ihre geliebten Träume von dem Doktor, dem eleganten Gentleman, der immer im Wagen ausfährt, ganz vergeblich waren? Und konnte es denn möglich sein, daß sie die Frau dieses unbeholfenen Provinzlers werden könnte, der nicht wußte, wie er einer Dame die Hand reichen sollte, wie er eine Verbeugung zu machen habe, der kein einziges Wort aussprach, ohne es mit diesen schrecklichen Gebärden zu begleiten oder seine Seitenlöckchen zu drehen. O, was möchten ihre Freundinnen sagen? Sie hatte oft über die Bräutigams ihrer Freundinnen die Nase gerümpft und jetzt sollte fie sich mit dieser frommen Seele verloben! Und doch war sie in ihrem Innern gar nicht davon durchdrungen, daß er ein tölpelhafter Bauer sei. Wenn er ihr beim Nachtessen gegenüber saß, konnte fie sich manchmal nicht enthalten, ihn anzulächeln. „Liebe Flora, ich habe mit Dir zu sprechen," hörte fie ihres Vaters Stimme an ihrer Tür. „Lass mich, Papa, ich habe Kopfschmerzen." „Oeffne, ich werde Dich nicht aufessen." Im Grunde genommen, brannte fie darnach, das leidige Thema mit ihrem Vater zu besprechen, damit er ihre Ansicht erfahre. In dieser Abficht öffnete fie die Tür. Doch Asriel bat fie in so demütiger Weise, daß sie ganz ratlos dastand. „Ich bitte Dich, meine Tochter, verkürze mir meine Tage nicht," bat er mit übernehmendem Eifer. „Es bleibt mir nur mehr eine kurze Lebensfrist, ich ahne es — und der Allmächtige hat mir eine Hilfe geschickt, daß ich als rechtschaffener Jude sterben kann. Willst Du mir diese rauben? Willst Du mir diese Schande vor Gott und den Menschen antun? Seine Worte waren so verschieden von seinem ganzen Wesen, daß Flora die Empfindung hatte, als ob er wirklich um sein Leben bitten möchte. Sie war verwirrt und tief gerührt und ehe sie wußte, worum es sich handle, stand fie in dem Speisezimmer unten. „Gut Schabbes, Flora," begrüßte die ehrwürdige Gesellschaft fie. „Gut Schabbes," gab sie zurück, wobei fie sich anmutig verbeugte und errötete. „Möge Dir die Gesellschaft angenehm sein, und wenn es Gott gefallen wird, werden wir bald bei Deiner Hochzeit sein." sagte einer der Anwesenden. Flora errötete stärker. Einigen der Talmudisten gelüstete es danach, aus Kosten des Brautpaares Witze zu machen, doch das würdevolle Benehmen der eleganten, jungen Dame schnitt jede Absicht dieser Richtung ab, so daß die gelehrten, alten Herren ihre Geister in anderer Art zum Ausdruck brachten. Es entspann sich ein Disput zwischen Schaya über einige Talmudaussprüche und deren verschiedene Kommentare. „Sag uns einige Pschetel (einige Gedanken)", sagte Reb Mendele zu Schaya. „Ja, das sollen Sie," sagten die anderen. „Ihr zukünftiger Schwiegervater bewirtet uns mit irdischer Kost und Sic sollen uns mit Worten des Gesetzes regalieren." Schaya, deffen Gesicht ebenso glühte wie das Floras, blickte auf das Tischtuch, als er zitierte: „Keine Ablenkung von der Mahlzeit." „Worte des Gesetzes sind keine Ablenkung", widersprach Reb Mendele. Der Kommentar fügt zu: „Auch nur das Zitieren des Sprichwortes über das Schweigen während der Mahlzeit." Schaya sagte es widerstrebend, ohne die Augen vom Tischtuch zu erheben; „Nun, die Vorschrift ist ein Wort des Gesetzes, nicht wahr? Es bedeutet, daß sich das Verbot auch auf die Worte des Gesetzes bezieht." Abgesehen von seiner Verlegenheit hatte der Wundergelehrte keine Lust, sich in Gegenwart der modernen, jungen Dame in eine talmudische Diskussion einzulaffen. „Warum habet Ihr fie zitiert," frug Reb Mendele in aggressiver Weise. Er bezog sich dann auf zwei andere Stellen, als Beweisgründe seiner Behauptungen. Schaya bewies ihn wiederum die mangelhafte Stichhältigkeit seiner Beweisführung. Sein rotbärtiger Gegner wickelte sich aus seiner Niederlage durch eine angenommene Heiterkeit heraus, indem er vorgab, alles das nur gesagt zu haben, um Schaya zu einer Offenbarung seiner Beredtsamkeit und seiner geistigen Macht zu veranlassen. Und kaum hatte er sich von diesem Angriff zurückgezogen, so wagte er schon einen zweiten. Auch die anderen Talmudisten beteiligten sich. Es wurde eine hitzige Schlacht. Aber Schaya blieb gelaffen, trotzdem ein halbes Dutzend älterer Talmudisten gegen ihn kämpfte und er parierte ihre Schläge mit größter Ruhe. Flora nahm mit wachsendem Jntereffe an dem Kampfe teil. Sie verstand zwar kein Wort von der Kontroverse. Für fie war es ein Wettkampf mit allen Eigentümlichkeiten des

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