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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-10-05 · 40 (5.10.1906) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
40 (5.10.1906)
Date
1906-10-05
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 40 Dr. Dtocd's Mocdenscorrrr. Seite 679 in derselben Nacht srattfindende Bestattung getroffen wurde. Obzwar die Meldung vom Tode des Rabbi außerhalb von Sadagora noch nirgends hingedrnngen sein konnte, wurde die Menge der Trauernden ununterbrochen größer; man kann getrost die Behauptung ausstellen, daß, abgesehen von den aus Rußland, Rumänien, Galizien und der Bukowina zugereisten orthodoxen Juden, ganz Sadagora auf den Beinen war. Sie kampierten im Freien, auf den Straßen, im Hofe oder in den vielen Gemächern des Schlosses. Um halb 3 Uhr früh fand das Leichenbegängnis statt. Aus den geöffneten Fenstern der Rabbinerwohnung hörte mau das Wehklagen der weiblichen Mitglieder der Friedmannschen Familie, die nach den rituellen Vorschriften am Leichenbegängnisse nicht teilnahmen, dazwischen waren die Ausrufe der Geldsammler m vernehmen, zu denen ein förmlicher Zudrang herrschte; jeder wollte in dieser Stunde für seine sündige Seele Buße tun. wie es bei den Orthodoxen und speziell bei Rabbinern bei solchen Anlässen Brauch ist. Die Feier der Bestattung selbst nahm einen ungemein raschen Verlauf. Nachdem der Leichnam des Verstorbenen aus dem Wohnhause heransgetragen war, bewegte sich der Trauerzug, an dessen Spitze die Leiche des Rabbi von seinen Treuesten aetragen wurde, in den Morgenstunden zum Friedhof, wo mit der größten Schnelligkeit die Beerdigung vorgenommen wurde. Daß sich hiebei die früber geschilderten Szenen im verstärkten Maße wiederholten, ist selbstverständlich, wie es gleichfalls als selbstverständlich hingenommen werden wird, daß am offenen Grabe die aufs höchste gesteigerte Leidenschaft der Menge keine Grenzen mehr kannte. Die sechs Söhne des Verstorbenen, darunter auch der jüngste, neunjährige, verrichteten die vorgeschriebenen Gebete, dann folgte das Zeremoniell des Zerreißens der Kleider, und es kollerten die ersten Schollen ins Grob. Der Rabbi hinterläßt eine Witwe und neun Kinder, sechs Söhne und drei Töchter, von denen zwei verheiratet und die jüngste, ein achtjähriges Mädchen, mit einem Verwandten der Czortkower Linie verlobt ist; fünf der Söhne sind verheiratet und wohnen im Schlosse, der jüngste, ein neunjähriges Bürschchen, ist gleichfalls mit einer Enkelin des Czortkower Rabbi verlobt. Während der letzten Tage sind im Rabbinerhause 5000 Depeschen aus allen Weltteilen eingelaufen. Vermischtes. Jahresbericht der Israel. Knaben- und Mädchenschule in Brody für die Jahre 1903—1906. Die widrigen Verhältnisse in den Vorjahren machten es unmöglich, das fünfzigjährige Gründungsjubiläum der 1854 entstandenen Schule begehen zu können. Auch war die Herausgabe regelmäßiger Jahresberichte unmöglich. Nun sind aber die Hindernisse aus dem Wege geräumt und die Anstalt geht unter der Direktion ihres erfahrenen Leiters, k. k. Gym.-Prof. i. R. Dr. Leopold H e r z l. weiter daran, nach den modernsten Fortschritten der Pädagogik den jüdischen Kindern die notwendigen Kenntnisse beizubringen und ihnen in jeder Weise den Weg ins Leben zu ebnen, wie sie es schon an Tausenden getan hat. Besondere Verdienste um die Anstalt erwarben sich das Kuratorium der Baron H i r s ch-Schulstistung in Wien, Herr David Ritter von G u t t m a n n, der Gründer der Schule David H o r o w i tz in Wien, Herr em. Schulinspektor Leo Herzberg-Fränkl, die Schulinspektoren Präsident der Kultusgemeinde und der Handelskammer Lazar Bloch, kais. Rat Herz Feuerstein, Gemeinderat Dr. Bernh. Groß, Gemeinderat Sigm. L i f s ch i tz, Kommerzialrat Dr. R i t t e l, Landtagsabgeordneter O. S a l a, ferner durch Unterstützungen die A l l i a n c e in Wien, Familie N i r e n st e i n und die Herren Dr. H. K o l i s ch e r, Dr. E. B y k sel. A. und Fischel Landau. Der Lehrkörper wies in diesem Jahre 21 Personen aus. Unterrichtet wurden 543 Knaben, 589 Mädchen in Religionslehre, Hebräisch, Polnisch, Ruthenisch, Deutsch, Rechnen, Schreiben, Zeichnen, Religionslehre, Handarbeit, Gesang. Aus der Mayer-Kallirschen Stipendienstistung (Vermögen 64.432 X) werden zwei Techniker mit je 100 X beteilt, der Rest wird für Lehrlingsausbildung verwendet (Leiter Herr Alex. Nirenstein). Dr. Bernhard Groß verwaltet den Schulkinder-Bekleidungsfond, dessen Budget jährlich 2061 X betrug. Gespeist wurden im letzten Jahre umsonst in der Brodyer israelitischen Volksküche 112 Kinder mit einem Aufwand von 1213 X. Der Armen - bücherfond (Vermögen 4000 K) hat im letzten Jahre 396 X verausgabt. Der Lehrerpensionsfond besitzt ca. 163.000 X. Außerdem hängen mit der Anstalt zusammen: Moses Kallirsche Prämienstiftung für austretende, weiter studierende Schüler (10—20 X pro Kopf), die Nathan Ritter v. Kallirsche und Heinrich Nirensteinsche Vorschußkasse für Lehrer (Vermögen 800 X) und die Schulbibliothek. Die Anstalt erfreut sich des größten Ansehens der Stadt und weitere Blüte ist ihr bei ihrer segensreichen Wirksamkeit herzlich gewünscht. Die deutschen Kolonialskandale. Zu den schneidigen Reden deutscher Junker im preußischen Landtage gegen die russischen Juden, von denen man fürchtet, sie könnten jüdischen Geist nach Berlin bringen, paßt folgende vielsagende Notiz: Die „Freisinnige Zeitung" bringt einige weitere Mitteilungen zu den Kolonialskandalen. Nach der Angabe des genannten Blattes sind auch in Togo, das bisher für eine Musterkolonie gegolten hat, arge Mißbräuche vvrgekommen. Es liegen gegen eine ganze Reihe von Beamten im Schutzgebiete Togo äußerst schwere Anschuldigungen vor, die ein überaus trauriges Licht auf die Verhältnisse gerade in dieser Kolonie werfen Die „Freisinnige Zeitung" kommt ferner auf den Fall des ehemaligen Gouverneurs von Togo, Horn, zurück, der einen Neger zu Tode gemartert hat, und teilt mit, daß gegen Horn das Disziplinarverfahren nunmehr endlich förmlich eingeleitet worden und daß der zur Zeit in Berlin aus Urlaub weilende Assessor Schlettwein vom Gouvernement Togo mit der Voruntersuchung betraut worden ist. Weiter erwähnt die „Freisinnige Zeitung", daß in dem gerichtlichen Verfahren zweiter Instanz der seinerzeit als vertretender Staatsanwalt figurierende Assessor Krücke gegen den Gouverneur Horn fünf Jahre Zuchthaus beantragt hatte! Das Gericht verurteilte Horn lediglich zu einer Geldstrafe. Ein Aufruf für die Opfer von Siedlee Von dem Hilfskomitee zur Unterstützung der Opfer des Pogroms in Siedlee geht uns aus dieser russischen Stadt ein Ausruf zu, in welchem zu Geldsammlungen für die Witwen und Waisen der Getöteten, sowie für die bei der Siedlcer Katastrophe vom 8., 9. und 10. September d. I. verletzten Personen aufgesordert wird. Der Ausruf wendet sich „an alle, die Menschen sind, an alle, in deren Herzen die heilige Flamme der Menschenliebe, der Gerechtigkeit und Brüderlichkeit nicht ausgelöscht ist'', und trägt neben der Unterschrift des Rabbiners Amulik die des Ortspsarrers Xaver Scipio, des Stadtprüsidenten Korsak, der Rechtsanwälte Stanislaw Sunderland und Chrzanowski und der Bankiers S. B. Mintz und Orzel und Neugoldberg. Spenden sind an das Hilfskomitee in Siedlee zu Händen des Vorsitzenden, Rechtsanwaltes Stanislaw Sunderland, oder auch an die israelitische Kultusgemeinde in Warschau, Grzybowskastraße Nr. 26 8 zu senden. Die Paläftinareife der Zionisten. Mit gespanntem Interesse sieht man in zionistischen Kreisen der jüdischen Gesellschaftsreise nach dem Heiligen Lande entgegen, welche, vom Zionistischen Zentralverein in Wien,IX., Türkenstraße 9, veranstaltet, am 22. Oktober von Wien und am 23. Oktober von Budapest abgeht. Es haben sich zahlreiche hervorragende Gesinnungsgenossen, viele mit ihren Damen, zur Teilnahme an dieser herrlichen Reise gemeldet, deren Genuß noch dadurch gehoben wird, daß die Gesinnungsgenossen in Constanza, Konstantinopel, Jaffa, Jerusalem, besonders aber in den Kolonien der Reisegesellschaft einen herzlichen, festlichen Empfang bereiten werden, welcher sich besonders in den Kolonien zu je einem kleinen jüdischen Volksfeste ausgestalten wird. Es dürste sich kaum eine Gelegenheit mehr treffen, diese herrliche, genußreiche Reise zu so mäßigen! Preise und so guter Bequemlichkeit mitmachen zu können.

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