Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 39 (28.9.1906)
- Date
- 1906-09-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 39 Dl*■ Bloch’s Jahrgang XX11I Zentralorgan für die gesamten Unteressen des Judentums. Wien, 28. September 1906. Lrscbelnt jeden zfreltag. m Brief-Adresse: Miien, IX/I. Kerggasse 39. Telegramm-Adresse: Llocb's MloebenscdrM» WUen. Inhalt: Leitartikel: An Mr. Theodor Roosevelt, Bürger und Präsident der Vereinigten Staaten. — Ein honetter Zahler. — Jahrmarkt: Die erdichtete Großrabbiner-Rede. Vor hundert Jahren. Jetzt amtierende jüdische Minister aller Länder. Israel in Egypten. Ein Achtundvierziger. Rußland und Europa. — Korrespon denzen: Wien, Prag, Linz, Petersburg, New-Aork. Ein jüdischer Politiker gestorben. — V e r m i s ch t e s: Kranzablösungsspenden rc. Wien. Die russischen Waisenkinder. Der Jahresbericht des Vereines zur Unterstützung armer kranker Israeliten in Wien pro 1906 Spenden für die Opfer der Judenmassakres in Rußland. Brünn. Jubiläum eines Fabrikanten. Budapest. Drohobyez. Prag. Kattowitz. Jüdische Kosaken. London. Petersburg. New-Dork. — Feuilleton: Unethanne taukef. Der importierte Bräutigam. — Neue Bücher. — Briefkasten. — Inserate. »---« Vr;ugsprris für Defirrrrich: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 „ Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petitzeile 24 Heller. »-* »-S K. ft. Postsparftaffen-Nrnl Lleartng-verkebr Mr. 810.976. Redaktion und Administration: Wien IX/1, Derggasse Mr. 39. Telefon Nr. 14.847- ©-* Wir ersuchen unsere geschätzten Abonnenten um rechtzeitige Einsendung der lausenden Abonnements gebühr, damit dir Zusendung des Blattes keine Unterbrechung erleide. Zur Einsendung der Beträge wolle man fick der beigeiegien Postenlagsohein« bedienen. Die Administration der ..Oesterr. Wochenschrift". An Mr. Theodor Roosevelt- Kärger und Präsident der Vereinigten Staaten. Herr Präsid ent! Im Gange Ihres Lebens vereinigten sich äußeres Glück und innere Kraft, um unseren Söhnen das nachahmenswerte Beispiel eines großen Mannes zu geben. Nicht das bedächtige Streben eines geschmeidigen Beamten brachte Sie auf Ihren hohen Platz, sondern mutige Taten im Kriege und glänzende Fähigkeiten im Frieden machten Ihnen so stolzen Ruf im Vaterlande» daß die sorgsame Wahl patriotischer Bürger niemand Besseren finden konnte als Theodor Roosevelt, um ihm die schwersten Sorgen des Reiches aufzubürden. Seit dieser Zeit ist kein Wort und keine Tat von Ihnen bekannt geworden, die nicht den lautesten Beifall geweckt hätte. Sie haben stets und immer das Richtige getrosten, um Amerika, welches nicht nur eine Zuflucht für unsere Armen bedeutet, sondern auch eine Zuflucht für die europamüden Hoffnungen auf wahre Freiheit, jung und lebensstark zu erhalten. Was schon Börne sagte, gilt noch jetzt für die Geschlechter, die mit der Hydra europäischer Vorurteile kämpfen, der immer neue Köpfe voll Wahnsinn Zuwachsen: „Wir wenden gerne den Blick von den engen Fußpfaden, den Bächlein und dürren Gebüschen unserer Heimat ab und wenden ihn auf Amerikas Riesenströme und unermeßliche Wälder voll lockender Blüten und Duft." Roosevelt hat alles getan, damit die Statue der Freiheit im Hafen von New-Aork in der ganzen Welt sichtbar bleibe, die Fackel drohend erhoben gegen Tyrannen und leuchtend für die Freiheitskämpfer. Ueberall belebend, alles überwachend, ohne Bückling vor der ewigen Macht des Geldes und der Laune des Augenblickes, eiferte er nach dem Macaulay'schen Ideal vom Staate: Daß aus der glücklichen Vereinigung gesetzlicher Ordnung und Freiheit die allgemeine Wohlfahrt erwächst. Das alles aber fände vielleicht noch Platz im Buche der Geschichte, wo ihr Griffel getreu den Spuren des Tages folgt. Aber auch auf ihrer Ehrentafel, wo die großen Taten eingezeichnet sind, steht nun der Name Roosevelt. Ihrer Kraft war es beschieden, Herr Präsident, das Angesicht der Erde nach Ihren Wünschen zu formen, als Sie in jenen Tagen von Portsmouth den Frieden zwischen Japan und Rußland nach jenem blutigen Ringen in der Mandschurei zustande brachten. So viel Mütter, als Soldaten im Felde standen, alle Menschen, welche die Menschenliebe kennen, schickten Ihnen dafür heiße Segenswünsche. Aber man muß trotzdem fragen, ob die Welt mit diesem Frieden ein Geschenk von großem und dauerndem Wert erhielt. Denn Japan führte den Befreiungskrieg Europas. Unser Erdteil wurde bis vor Mukden von dem nordischen Riesenreiche wie von einem Alp gedrückt. In jeder Beziehung. Geschreckt vom Rufe: Rußland kommt! gaben die Bürger seufzend ihr blutig erworbenes Geld für Heereswaffen, drillte man unsere Soldaten bis zur Abenddämmerung, damit sie dem unausbleiblichen Verzweiflungskampf gewachsen seien. Unter der Last des gegen Rußland bewaffneten Friedens brachen die Völker fast zusammen. Aber noch mehr und Schlechteres. Gerade gegenüber von Amerika und seiner Freiheit thronte Rußland und der Zarismus. Da sah man einen Herrscher, der sich von keiner Verfassung beschränken, in keiner Laune hindern ließ, dessen Reich stöhnte und gehorchte, man sah Beamte, deren jeder der Zar seines Wirkungskreises war. man sah ein Volk, das man durch unmenschliche Grausamkeiten dahin gebracht hatte, froh zu sein, wenn man ihm das Leben schenkte statt der Freiheit. Das war ein Anblick für alle Götter der Finsternis, ein sehnsüchtig erstrebtes Ziel für