Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 37 (14.9.1906)
- Date
- 1906-09-14
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Sitte 626 2)u jsiocd lUocDcnöcbriu Nr. 67 Festschrift der jüdisch-akademischenFerialverbindung „Emunah", Bielitz. Herausgegeben anläßlich dee Feier des XX. semestralen Bestandes. Im Selbstverläge der Verbindung. Bielitz im September 1906. KriefKaKerr. „Mannheit". Zn einer Kabine Ostendes hat ein Antisemit folgendes Klapphorn auf die Wand gekritzelt: „Zwei Juden sprangen über Bord Der Eine ging unter, der Andere schwamm fort Ich will's hoffen Daß Beide sind ersoffen." Eine sehr geistreiche Dame hat hierauf Untenstehendes geantwortet : O Freund der Menschen und Semiten Will Dir nicht lesen die Lewiten, Doch würdest Du selbst ersaufen im Bade, Bei Gott< es war' um Dich nicht schade. Und zappelst Du draußen in Angst und Qnal, Sag' selber, ist's nicht ganz egal. Ob Du, wenn die Flut Dich von dannen reißt, Jessus Maria oder Schma Jisroel schreist? L. M. Elias Pascha, der Chefarzt der türkischen Marine und Arzt des Sultans, ist Jude. Elias Pascha bat den Rang eines Admirals. M. B. Wir danken sehr für das Interesse, das Sie unserem Blatte entgegenbringen. Wir konstatieren nebenbei, daß wir ausdrücklich einen deutschen Kurort bezeichneten, wo den Juden das Kastantragen verboten wurde. Ihre sonstigen Erfahrungen werden Sie gewiß veranlassen, sich beim Aufsuchen eines Badeortes vorerst genau zu erkundigen, ob sich dort antisemitische Frechheit breit macht. F. L. Die Liste der hohen französischen Offiziere in den antisemittschen deutschen Blättern war sehr unvollständig. In der französischen Armee dienen 8 Generäle: Säe, Hinstin, Abraham, Levi- Alvarös, Brisac, Valobregue, Frankfort, Naquet, Laroque. ferner drei Generalärzte.- Aron, Widal, Lemant, endlich der General Auscher, Chef-Ingenieur und Direktor der Marine-Jngenieur-Akademie. M. Fried, Pöstyan. Der Jahresbericht wird gratis versendet. Wien, VIII., Der neu ernannte kaiserliche Rat Ernst Bergani ist tatsächlich der Ehrenbürger von Mühldorf und Obligationenbesitzer Ernst Bergani, Herausgeber des „Deutschen Volksblattes". Daß er seine Ernennung der Freundlichkeit irgend einer Behörde zu verdanken hat und daß sie in der Burg nicht einmal bemerkt wurde, steht für jeden Einsichtigen fest. Welche Verdienste ihm zur Auszeichnung verholfen haben, ist wahrscheinlich für ihn unerfindlich. Daß er Außerordentliches znr Verhetzung der Bevölkerung beigetragen hat? Oder daß fein Verdienst immer groß war? Die Verleihung der Auszeichnung heißt übrigens Achtung! Sie deutet den Kurs an, den man in gewiffen Aemtern zu nehmen gewillt ist. Lainz. Daß sich Lueger im Versorgungshause den Nachruhm versorgte und ein Monument errichten ließ, entspricht ganz den allgemeinen Wünschen. Man wollte ihn ja längst schon in Stein haben. Er ist übrigens einer der ganz Wenigen in der Partei, bei welchen es solche Enthüllungen gibt. Bei den anderen gibt es nur Enthüllungen ä la Dolejs, Schneider rc. Manche Leute finden es für ganz sinnig, daß man Lueger schon bei Lebzeiten unter die Pfründner stellte. Er hat sich das gewiß verdient. Von Partei wegen sollte nur noch eine ewige Räucherpfanne für das Denkmal gestiftet werden. Dann wäre das Portrait erst ganz ähnlich. D. F. Stadtrat Wesselsky hat allerdings mit seinem offenen Briefe sensationell gewirkt, in welchem er darlegt, daß der Gemeinderat sich nicht im mindesten um den Ausschuß zur Bekämpfung der Kohlennot kümmerte. Wundert sie das? Man könnte schon belehrt sein über die sozialpolitische Indolenz und Stümperei, die im Rathaus herrscht. Die Großschlächterei war wieder nur eine Gelegenheit, einige Parleigünstlinge unterzubringen und ist elend verkracht. Die Blumen in den vielen neuen Gärten werden den Sumpfgeruch der Christlich-Sozialen nicht bannen, und die vielen Bogenlampen nicht ihre geistige Finsternis. Fiume, Auch in den Distrikten der Kroaten und Italiener ist Pogromstimmung. Es ist nichts zu verwundern dabei, wenn auch anderswo geschaffen und gemordet wird als in Rußland. Europa hat cs einmal geduldet, daß der Stärkere den Schwächeren ungestraft an Leib und Leben schädigen kann, und wir haben es bereits in einem Artikel ausgeführt, daß der Pöbel aller Länder dieses glorreiche Beispiel nachabmen wird, ohne sich in einen störenden Unterschied zwischen Juden und Nichtjuden einzulaffen. Es waren und sind die Pogrome für die europäischen Regierungen nicht Angelegenheiten eines fremden Staates, in die sie sich nicht einmischen dürfen. Es darf nie und nimmer geduldet werden, daß die Grundlagen eines Staates, Recht und Gerechtigkett, mtt bewaffneter Hand umgestoßen werden. Das'ist ein böses Beispiel, das leicht in der ganzen Welt Nachahmung fUtbet. Nach Anchialos in Bulgarien kommt nun Fiume in Ungarn. Die Geister, die Rußland rief, wird Europa nun nicht loS. I. F. in Linz. Ein zweiter Verein solcher Tendenz ist uns unbekannt. S. R., Teplitz. Für diese Nummer zu spät. P. F. in S. Der andere Bericht war bereits im Satz, als Ihr Schreiben eintraf. Dr. Adolf Sacks'sche Stiftung für Herz- und Aorta-Kranke. Der Unterzeichnete Vorstand verlautbart hiemit, daß aus den Sliftungserträgnissen der obigen Stiftung per 8300 Kronen a) Jahresunterstützungen für das Jahr 1307 im Betrage von je 600 Kronen für Herz- und Aorta-Kranke zur Verleihung gelangen und daß b) der nach a) unveiteilte Rest der StiftungSinleresfen von Fall zu Fall an ebensolche Kranke verteilt wird. Anspruch auf diese Stiftung haben bedürftige Personen, ohne Unterschied des Geschlechtes,,des Standes und der Religion, welche mit hochgradigen Herz- und Aorta-Krankheiten behaftet sind, an Kongestionen gegen den Kopf leiden und infolgedessen ihren Beruf aufgeben müssen. Ledige Männer haben den Vorzug. Die ungestempelten Gesuche sind bls 30. September 1906 im Emreichungsprotokolle der israelitischen Kultusgememde Wien. I., Seitensteltengasie 4, 1. Stock, woselbst auch Gesuchsblankette unentgeltlich behoben werden können, während der" Allltsstunden zwischen 3 und 12 Uhr vormittags zu überreichen und müssen mit nachfolgenden Beilagen versehen sein: 1. Einem amtsärztlichen Zeugnisse über das mit Kongestionen gegen den Kopf verbundene Herz- und Aorta-Leiden des Gesuchsstcllers und über den Einfluß, welchen dieses Leiden auf die Berufsfähigkeit des Kranken auSübl; 2. einem glaubhaften Nachweise über die Armut des Bewerbers, woriii auch das Alter und das Einkommen der Eltern, Geschwister, eventuell der Kinder wahrheitsgetreu anzugeben ist; 3. mit Dokumenten über Geburt und Zuständigkeit. Die Unterstützung von 600 Kronen wird auf das Jahr 19u7 verliehen und in vierteljährigen gleichen. Dekursivratcn, deren erste am 1. April 1907 fällig wird, uusbezahlt, gegen Beibringung entsprechender Belege, daß die Bedürftigkeit und Berufsunfählgkeit des Stifttmgs fortdauen. Bei unverändert bleibenden Verhält nisfen haben Bewerber, welche bereits im Genussr dieser Stiftung st ehe n, in der Regel den Vorzug. Auszüge aus den Matriken der israelitischen Kultusgemeinde Wien sind als Gesuchsbelege nicht erforderlich; es genügt vielmehr die genaue Angabe der betreffendcn Daten. Nicht emsprechend belegte oder verspätet überreichte Gesuche werden nicht berücksichtigt. Sigmund und Regiue Kauders'sche Heirat- Ausstattungs- Stiftung für mittellose jüdische Braute Aus der obgenannten Stiftung sind am 26. November 1906 bei Jahreserträgnisse per K 240.— vor allen Anderen an Verwandte des Itlflerijchen Ehepaares Herrn Sigmund KauderS und dessen Gattin Frau Megine gev. Schlesinger (in erster, zweiter und dritter Linie), an Verwandle der Familten Dr. Anton Kauders aus Körmend,. Ungarn, und Johanna Woif, verehelichten Kauders aus Elsenstadt, Ungarn, Josef Schlesinger aus Tyrnau, Ungarn, und Johanna Neubrunn verehelichte Schlesinger aus Trencsiu, Ungarn, (in erster und zweiter Lime) und in Ermanglung von Bewerberinnen der vorgenannten Kategorien an nach Wien zuständige, bezw. in Wien geborene und bis zur Zeit der Bewerbung daselbst wohnhafte Bewerberinnen, endlich m letzter Linie an Bewerberinnen österreichischer oder ungarischer StaatSangehörigteit, ohne Rücksicht auf Zuständigkeit und Wohnort zu verleihen. Die Gesuche fiui> mit dem GeburlSicyeine, dem Mitteltosigkeitsodrr Armutszeugnisse, dem Slttenzeugmsse, sowie dem Nachweise des Brautstandes zu belegen; Bewerberinnen welche das Vorzugsrecht der Verwandtschaft geltend machen wollen, haben diesetbe dotumentarisch nachzuwellen; Bewerberinnen, welche nach Wien zuständig sind, haben die Wiener Heimatsberechtigung, in Wien geborene endlich den Umstand, daß sie bis zur Zeit der Bewerbung m Wien domizilierten, mu dem Meldzeltet zu belege,l. Die Ueberreichuug der ordnungsgemäß belegten Gesuche hat bis' längstens 30. September 1000 rm Elnreichungsprotokolle der israelitischen Kultusgemeinde Wien, 1. Seitenstettengasie 4, I. Stock, woselbst auch Gesuchsblankette unentgeltlich behoben werden können, während der Amtsstunden von 9 bls 1z Uhr vormittags zu erfolgen. Bewerberinnen, welche sich vor der Verleihung der Stiftung verehelichen, werden des Bezugsrechtes verlustig. Auszüge aus den Matrtten der israelitischen Kullusgemeinde Wien sind als Gesuchsbelege nicht erforderlich, es genügt vielmehr dre genaue Angabe der belreffenden Daten, Nicht entsprechend belegte oder verspätet überreichte Gesuche werden nicht berücksichtigt. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien. Danksagung. Für die freundlichen Glückwünsche von Nah und Fern danken herzlichst Rabb. Dr. D. Feuchtwang und Frau.