Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 37 (14.9.1906)
- Date
- 1906-09-14
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 620 Dr. Bloch's Wochrnfchrrfk. Nr. 97 werde, den er umsomehr au empfangen habe, weil jener ihm sehr wichtige Dokumente und Aktenstücke vorlegen werde. Der Herr, so wurde dem General mitgeteilt, heiße Urbanovski, sei aber trotz des polnisch klingenden Namens kein Pole und stehe in inniger Beziehung za Krusevän. dem bekannten Urheber des Pogroms in Kischenew. Kurz nach dem Empfange dieser Verständigung meldete sich Urbanovski bei General Sikalow und wurde auch vom General sofort empfangen. Urbanovski verblieb eine geraume Zeit hindurch in dem Privatbureau des Generals und konferierte mit diesem ohne Zeugen ganz allein. Kaum war Urbanovski in Siedlce eingetroffen, wurden unter dem Militär Flugschriften und Proklamationen verteilt, in welchen die Mitglieder des „Bundes" und des „P. P. S." (Polnische sozialistische Partei) als Vaterlandsverräter, Volks- und Russenfeinde bezeichnet wurden. All die Flugschriften und Proklamationen waren mit der Unterschrift „Das Komitee der wahrhaft ruffischen Männer" unterzeichnet Gleichzeitig mft Urbanovski traf auch eine große Schar verdächtiger Individuen in Siedlce ein, die an den Pöbel auf den Markchlatzen und an die in der Umgebung der Stadt wohnende polnische Bauernbevölkerung Hetzreden hielten, in welchen die Jlwen für die ärgsten Feinde des Zaren und des Volkes ausgeschrieen wurden, in welchen immer betont wurde, die Juden haben das Unglück auf das heilige Rußland heraufbeschworen, die Juden sind schuld daran, daß die Bauern arm sind und darben. „Juden töten", so hieß es in einer solchen Brandrede, „ist keine Sünde. Seht, was euere Landsleute in Kischenew und Bialystok gemacht haben! Juden haben sie getötet, und damit die Feinde des heiligen Rußland. Es ist ein gottgefälliges Werk, wenn ihr die Juden ausrottet". Die polnische Bauernbevölkerung schenkte aber den Agitatoren — Männer der „Schwarzen Hundert!" — kein Gehör: „Wir wissen schon, was recht und gut ist! Uns werdet ihr zu keinem Pogrom bringen" — antworteten sie auf die Hetzreden. Auch der Pöbel i» der Stadt schien auf die Ideen der Männer Urbanovskis nicht reckt eingehen zu wollen; es gelang zwar den Agitatoren, einige für sich p gewinnen, aber der größte Teil hielt sich von ihnen fern. So stand denn den Leuten Urbanovskis, wollten sie ihr Vorhaben, einen Pogrom gegen die Juden zu veranstalten, keine andere Bevölkerungsklaffe zur Verfügung als das Militär. Ihre ganze Kraft setzten sie nun ein, um das Militär für sich zu gewinnen, und dies gelang ihnen auch um so leichter, weil der Obmann des Komitees der „Wahrhaft russischen Männer" in Siedlce ein Soldat iß: der Kommandant des dort garnisonierenden Dragoner-Regiments, Oberstleutnant Tischanowsky. Dieser und viele seiner Offiziere kamru den Agitator»'» zu Hilfe; die Stimmung unter den Soldaten gegen die Juden wurde immer erregter und heftiger. Der „Bund" unter der „P. P. S.", die natürlich von dem Treiben der Abgesandten der „Schwarzen Hundert" Wohl unterrichtet waren, affichierten ihrerseits Kundgebungen, in denen sie die Bevölkerung auf das Treiben der Agitatoren' aufmerksam machten und versüherten, daß sie keinerlei Anlaß zu einem Pogrom geben werden. Sie forderten auch die Arbeiter, die gerade den Streik organisierten, auf. ja nur weiter zu arbeiten und so auch den Schein einer geplanten Bewegung zu verhüten, die von ihren Feinden sicherlich als revolutionäres Treiben bezeichnet, mit einem Pogrom leamwortet würde. Die Soldaten überfielen Arbeiter, die nach getanem Tageswerke ruhig ihren Heimweg antraten; vergebens, die Arl eiter reagierten nicht. Juden, Männer und Frauen, wurden auf der Erraffe mißhandelt — vergebens, sie flüchteten sich, allein auch sie reagierten nicht Urbanovski und ftine Helfershelfer sahen nun ein, daß d^ierart der Pogrom nicht gelingen werde und beschloffen daher die Ausgabe folgender Proklamation: ..Soldaten! Die Zeit ist nun da, wo Ihr zeigen sollt, daß Euer Eid, den letzten Blutstropfen für den Zar und Rußland zu opfern, ein treuer ist. Der Thron ist in Gefahr! Ihr muffet dem Zaren helfen, Ihr müffet zeigen, daß es noch in Rußland Männer gibt, die den Thron stützen, sich für den Zaren und seine Familie opfern. Die jüdischen Revolutionäre, die ganz Rußland überschwemmt haben, die gar mächtig sind wollen dieser Tage wiederum einmal beweisen, daß die Macht in Rußloi d iu ihren Händen vereinigt isi. Und da wollt Ihr schweigen? Wollt gleichgiltig zuschauen? Soldaten! Brüdei! Verteidigt das heilige Rns land und seinen Selbstherrscher! Gebet nicht zu, daß die Macht, die dem Zaren gehört, von jüdischen Revolutionären usurpiert werde. Die Juden hier bei uns in Siedlce wollen ein Blutbad unter lÄrch anrickten. Soldaten! Wenn Jbr den ersten Schuß, der von jüdischer Seite fällt, hört, schlaget die Juden nieder, mordet und tötet sie!" Ein ^Ksnt xrovoeataur feuerte in der Nacht vom L. auf den 10. einen Schuß ab und der Pogrom begann. Vermischtes. Kranzahlösungsfpenden zugunsten der Chewra-Kadifcha I., Seitenstettengaffe 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens des sel. Theophile Knepler: Von G. Knepler, Jnsp i. P. X 8.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Ignaz Lustig: Von Frau M. L. K 10.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Samuel Mittler: Von I. König X 10.—, Josua König 10.—, David Weiß X 10.—, Zusammen K 30.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Josef Paunzen: Vo» Hermann Fischer X 10.—, S. Dietrichstein 10.—, Karl Grünhut und Frau >0.—. Armin Jungmann und Frau, Budapest 10.—, Sigmund Neuspiel 10 —, I. Pernstein, Brünn 10. , Alfred und Ella Abt 4.—. Moriz Pannzen 40.—, Sigmund Paunzen K 20.—. Zus. K 124.- . Anläßlich des Ablebens des sel. Ignaz Schwoner: Von Pauline Schwoner X 10. - Anläßlich des Ablebens des sel. Ignaz Sonnenschein: Von Os. Kirsch, München X 20.—, M. Rothstein 10.—, Josef Sonnenschein 10.—, Isidor Elias K 20.—. Zusam. K 60.' . Anläßlich des Ablebens des sel. Felix Eigner: Von Dr. Rudolf Kaufmann X 20.—, Alfred Tauber, Vag-Ujhely 20.—. Philipp Adler 20.—, Jenny Engelmann, Vag-Ujhely 20.-, Jacques Kellermann 20.—, Minna Taußig 20—, Hugo Taußig 20.—, Regina Herzl X 20.—. Zusammen X 160. . Anläßlich des Ablebens des sel. RudolfKohn: Von Paul Herschel X 10.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Jakob Straßer: Von Adolf Müller und Frau X 20.—. Anläßlich des 'Ablebens der sel. Bertha Fleischmann: Von Rudolf Porges X 10.—, Johanna und Jda Schwarz 20. , Saum Fleischmann 10.—, vom Personale der Fabrik Fleischmann K lo.-. Zusammen K 50.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Karoline- Bauer: Von Bernhard Weiß K 5.-, Leo Steiner X 10.— . ZusammenX 15.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Leopold Mayer: Von Familien Heit, Trebitsch, Reinitz, Dr. Treulich X 20.—, Gottlieb Schnabel X 10.—. Zusammen X 30.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Hofrat Prof. Dr. I. N e umann v. Heilwart: Von Leop. Pollak Edl.v Parnegg X,50.—, Alexander, Rosa und Aladar Schreiber X 30.—. Zusam. X 80.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Ignaz Ehrenfeld: Von Karl und Sigmund Ehrenfeld X -'0.— . Anläßlich des Ablebens des sel. Dr. Arnold Wilhelm: Von Julius Neumann X 40.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Charlotte Grünspan: Von Familie Tandler X 10.—. Anläßlich des Ablebens des sei. Leon Widrich: Von Alexander Lukas K 20.-. Anläßlich des Ablebens des sel. L. A. Amigo: Von Brüder Reff X 10.-. Anläßlich des Ablebens des sel. Dr. Gustav Ritter v. Schlesinger: Von Familien Dr. Schlesinger, Berlin und Oppeln X 10. . Anläßlich des Ablebens des sel. Karl Weiß: Von Hermann Eltbogen X 10.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Gottlieb Taußig: Von Verein zur Ausspeisung armer Schulkinder in den Bez. XII.—XV. X 10, Familie Leopold Landeis 10.—, Familie S. Eisenberger 20.—, Ludwig Spiegler X 30.—. Zusammen X 70.—. Gratulation anläßlich des VXI-Festes. Einem seit Jahren eingebürgerten Brauche folgend, laden wir unsere p. t. Leser ein, Neujahrsgratulationen durch kurze Anzeigen in der „Oest. Wochenschrift" an Stelle der bisher üblichen Art dieser Gratulationen erstatten zu wollen. Die Einschaltung solcher Anzeigen erfolgt in der nächsten Nummer unseres Blattes gegen Einsendung einer Spende von mindestens K 3.— zugunsten der C h e w r a - Kad i s ch a Wien, I., Seitenstettengasse 4. Letzter Termin zur Einsendung solcher Anzeigen 17. September 1906. Spenden zugunsten der Opfer der Judenrnassakres in Rußland. Bei der „Israelitischen Allianz zu Wien" sind ferner an Spenden eingegangen: Wien: Dr. E. Münz, Hof- und Gerichts- Advokat X 20.—, Ed. Reinhald & Co. X 10.—, Franz Dostal (durch die Kültusgemeinde) X 8.—, Cäcilie Hofmann X 2.—. B u d a p e st: I. Mann X 40.-. T e l t s ch: Teltscher jüdische Jugend X 40. Triest: Flaminio Viterbo (für Waisenkinder) X 85.81.