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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-08-31 · 35 (31.8.1906) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
35 (31.8.1906)
Date
1906-08-31
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Dr. Bloches WochrnfrlrriN. Nr. 35 <MU '“^IMJl .ilfjffl Sette 594 etwas dazu gekommen, was Asriel jetzt anstarrte. Es waren die fünfunddreißig Jahre, die über der Stadt lagerten. Asriel Stroon empfand wie Asrielke „Dreizehn" empfunden hatte. Das war der Spottname feiner Knabenzeit gewesen. Doch jetzt erinnerte er sich wieder, daß er Hausbesitzer der Mottestreet sei, und er war nun der Fremde in seiner Vaterstadt. Ha, er hätte ja alles kaufen können, was da zu sehen war! Er könnte alle reichen Männer dieses Ortes in den Schatten stellen! Und er erinnerte sich, daß es eine Zeit gab, wo er der Aermste dieses Städtchens gewesen. Das war ein Triumph! He! Wo sind Eure Mächtigen von jener Zeit? Zora Latotzky, Reb Lippe, Reb Nochum? Ob sie wohl noch am Leben sind? Fünfunddreißig Jahre sind es her, daß Asriel es als eine Ehre betrachtet hatte, ihnen am Laubhüttenseft den Palmenzweig zu reiche". Und jetzt?! Heraus mit Euren Börsen, Ihr Stolzen, messet Euer Vermögen mit dem Asriels, des Hechlers, wenn Ihr es wagen könnet. Sein Herz schwoll frohlockend. Ach und doch! Der Teufel hol's, etwas nagte und schmerzte Asriels Herz. Er blickte Prawly an und seine Seele trauert um Prawly, um das vor fünsunddreißig Jahren,. in dem er bekannt war als ein übermütiger, streitsüchtiger Handwerker, als ein armer Teufel, der von Schwarzbrot und Hering lebte. Mit den bekannten Menschen aus seiner Jugendzeit ging es ihm etwas anders, als mit dem leblosen Prawly. Wenn er mit ihnen sprach, erinnerte er sich und es waren manche jüngere Leute da. in deren Gesichtern er ihre Eltern erkannte. Aber manches Gesicht war schwer zu erkennen. „Schmulke!" schrie er plötzlich auf, als er eines alten Mannes ansichtig wurde, den er erst vor einigen Monaten gesehen zu haben glaubte. Aber Schmnlke war nicht mehr der fröhliche, junge Bursche von ehedem. Er hatte einen weißen Bart und sah verfallen aus. Aber wie stark Asriels Herz klopfte! Die fieberhafte Tätigkeit, die er während der fünfunddreißig Jahre, da er nicht in seiner Heimat war, entwickelte, hatte ihn gegen den Schritt der Zeit unempfindlich gemacht. Kürzlich hatte er zu seinem Erstaunen gehört, daß die Worte „alter Mann" auf ihn angewendet wurden. Aberdamals war ihul die schreckliche Tatsache nicht mit so grausamer Klarheit, nicht mit so überzeugender Kraft vor Augen getreten, wie jetzt durch Schmulkes Anblick. Und Schmulke ward ihm zum Spiegel. „Schmulke, Engel des Todes!" rief er aus (es war ihm unwillkürlich dessen Spottname in Erinnerung gekommen) und sank dem einstigen Jugendfreund um den Hals. Schmulke war verlegen. Es war ihm der längst vergessene Spitzname jetzt unangenehm und er hätte sich von dieser Umarmung am liebsten befreit; aber Asriel war der Stärkere von beiden und er hörte nicht auf, ihn an sich zu drücken, ihn zu umarmen, zu liebkosen. Dann erblickte er Tante Sarah Rachel, die Asriel als nicht mehr junge,, doch tätige, kluge Geschäftsfrau verlassen hatte und die er nun als einen alten Beinerhausen und kindisch geworden wiederfand. „Kennt Ihr mich denn nicht mehr. Tante?" fragte er sie. Sie antwortete ihm nicht und bewegte nur murmelnd die Lippen. „Ist es denn möglich, daß Ihr Asrielke nicht mehr erkennt, Asriel, der Euch so oft Weintrauben aus dem Laden gestohlen hat?" „Sie versteht überhaupt nichts mehr," flüsterte Asriel voll Verzweiflung. (Fortsetzung folgt.) Neue Bücher. Sitzungsbericht der kaiserl. Akadentie der Wissenschaften in Wien, philosophisch-historische Klaffe: Band CLIir., VI. Das Schriftwort in der rabbini scheu Literatur. Prolegomena von Dr. V. Aptowitzer. (Vorgelegt in der Sitzung am 14. März 1906.) In Kommission bei Alfred H ö l d e r k. u. k. Hof- und Universitäts-Buchhändler, Wien 1906. Briefkasten. Aesthetiker. Nim endlich ist die Befreiung Deutschlands vom jüdischen Joche gelungen, die große Tat ist geschehen. Im Bade Sanerbrunn hat die Direktion das Tragen des Kaftans in den Kuranlagen verboten. Wotans Einauge hat scbon längst zornig auf diesen langen, unbeschmttenen Nock der Beschnittenen geblickt. Bis jetzt hat .zwar der Grundsatz gegolten, daß man sich aus eigene Faust und Verantwortung ganz nach Belieben anziehen konnte und wem es nicht recht war, der konnte — cs sich anders machen. Kleiderordnungen hat es mir zusammen mit dem Fanstrecht des Mittelalters gegeben. Außerdem braucht niemand jemanden anznschauen, der ihm nicht gefällt. Ob einem ein potnifcher Jude in serdenen Kaftan mit Pajes besser gefällt oder ein d-cker Kurdirektor mit Smoking und Glatze ist vollständig Geschmacksache. Um die löbliche Direktion kennen zu lernen, oder zu einem sonstigen Vergnügen sind die polnischen Juden in den Kurort nicht gekommen und es ist neben der Erbärmlichkeit und Dummheit auch noch eine erbärmliche Feigheit, arme kranke Menschen, die sich nicht belfen können, zu molestleren. Den Herrn Kurdirektor kann es einen Pfifferling kümmern, ob ein langer Nock Ueberzieher heißt oder Kaftan. Unter einem Ueberzieher, welcher von der Kurtaxe polnischer Juden bezahlt worden ist, steckt sehr oft ein aufgeblasener Dummlopf, was bei einem Kaftan so ziemlich ausgeschlossen ist. Witzling. «Da die christlich-sozialen Diebe eine äußerst seltene Spezies sind" — jo zu lesen im „Deutschen Volksblatt" anläßlich der Defraudation des christlich-sozialen Sekretärs einer Krankenkassa. Wie sich der Obligationenbesitzer die Seltenheit vorstellt! Alljährlich machen die Wiener Antisemiten gruppenweise Ausflüge in die Strafanstalt Stein, bei welcher die Rückkehr erst nach Monaten erfolgt. Wer von ihnen ein Kaffenamt besitzt, dem wachsen während der Amtsstunden die Finger. Der Prozeß der Landeseijenbahnveamien war die vorletzte Kraftprobe christtich-so.ialer Ehrnchkeit und eS wird dafür gesorgt, daß die parteimäßige DesrcmdaNonsorduung regelmäßig eingehalten wird. Die unendlichen Fälle christlich-sozialer Diebereien hält Herr Vergant für selten; ini selben Sinne ist das „Deutsche Volksblatt" selten verlogen, selten betrügerisch, selten schwindelhaft. B. Die christlich-sozialen Blätter werden nun bald das tausendmalige Jubiläum der tausendmal nachgewiesenen Lüge feiern, daß die russische Revolution ein ausschließliches Werk der Juden ist. Da fetzt sich so ein gesinnungsloser Tintenknti her, spornt seine Phantasie durch Aussicht auf Zeilenhonorar an und füllt den Raum zwischen Odessa und Warschau mit erlogenen jüdischen Moritaten an, wonach er sich stolz „Spezralkorrespondent aus Petersburg" unterschreibt. Es wundert uns nur, daß er nicht auch schreibt „die Bomben wurden nur ans jüdisch-religiösen Gründen geworfen und die Nihilisten feien eigentlich nur verkappte Nitualmörder. Uederhaupt findet der ganze russische Freiheilskampf keine Gnade vor den Augen der antisemitischen Zuhälter des Feudatismus und Klerikalisnins, die von dem Getde aus Schlössern und Klöstern unterstützt werden, weil sie sich bestreben, die Zeit zurückzuführen, wo der Küster in der Schule mehr beoeutet als der Lehrer und der Korporal mit dem Haslinger die Bürgerschaft regiert. Rathaus. Sie fragen, wieso es kommt, daß niemand von der Stadtvertretung bei der stierttchen Uebergabe der Bernhard Pollackjchen KmderpaviUons anwesend war, obwohl dadurch dem auch von Lueger sehr beklagten Spitalmangel in Wien mit riesigen Mitteln bedeutend abgeholfen wurde. Eme Kritik über den Anstand der EhnstUch-Soztalen wollen wir nicht erst eiuteiten, weil das Resultat bet jedermann feststeht. Vielleicht hätte man Vertreter geschickt, wenn man ein Irrenhaus gebaut hätte, — das wäre.dann eine Panetangelegenheit gewesen. ILmil Nruspiet. Uever die Anstalt in Petsncz, Komilat Gömör, welche uns unbekannt ist, fomiteii wir eine Auskunft ntchl erhallen. tzie. M. Das katyotljche Zentrum tm Deutschen Reiche hat keine so starke antiseminsche Note wie unsere Klerikalen, und dre erklärten Antisemiten darin zählen zu den Ausnahmen. Aeußerungen der Toleranz gab es auf dem Katholikentage in Essen genug und sie dürfen geglaubt werden. Das ist eben die Frucht der Stellung als Minorität in protestantischem Gebiete und der Erkenntnis, daß die Freiheit aller die Freiheit der einzelnen Konfessionen bedeutet. K. L., IV. -Lez Der Mann im jüdlschen Eastend von London war kein Wunderrabdr sondern ein ganz gewöhnlicher Betrüger, der mit Erfolg auf den Aberglauben der Leute spekulierte, Liebestränke verkaufte und hypnotisierte. Er erhielt seine wohlverdiente Abstrafung von den ordentlichen Gerichten._ Jüdisch akad. Verbindung „Jvria". Kommilitonen! Seit langem ist sich die zionistische Studentenschaft der Aufgaben bewusst, die ihrer gemeinsamen Arbeit harren, seit langem ihrer Pflicht, durch stramme Organisation ihre brachliegende Kraft zu heben. Reue, in das jüdische Volksleben tief eingreifende Ereignisse haben zumal oie mährisch-schlesische Studentenschaft vor neue Aufgaben gestellt. Beruht doch die zionistische Organisation Mährens und Schlesiens zum allergrössten Teile aus studentischen Korporationen. Deshalb sieht sich die jüd.-akad. Verbindung „Jvria"—Wien veranlaßt, für Samstag den 8. September d. I., 11 Uhr vormittags, im Strastmannscheu Bräuhaussaale nach MährischOstrau eine

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