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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-08-24 · 34 (24.8.1906) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
34 (24.8.1906)
Date
1906-08-24
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 34 Dr. Wlocb's ^ocbenscbrit't. Seite 575 Ko:ikrlrslmös4ireibuttli für die rreu zu errichtenoci, öffentlichen Apotheken tu Fricdvvcrg und Niklasdorf im politischen Bezirke Freiwa'-dan (Schlesien). Behufs Verleihung der Personalbefuguis für die neu zu errichtenden Apotheken \n den zwei oben genannten Gemeinden wird hiermit der Konkurs ausgeschrieben. Bewerber um die Apothekenkonzession haben ihre mir 2 Kronenstempel versehenen Gesuche bis 1. September d. I. bei der k. k. Bezirkshauptmannschaft in "reiwaldan einzubringeu. Ais Gesnchsbeilagen werden gefordert: 1. Tauf¬ oder Geburtsschein. 2 Wodlverhaitungszeugnis. 3. Zdcimalsweii'. 4. Tirozinalzenfinis. 5. Magisterdiplom mit Bestätigung der fünfjährigen Servierzeit. tt. Nachweis über genügende materielle Mittel zur Errichtung der Apotheke. 7. Nachweis über dne bisherige Verwendung im Apothekendienste, eventuell über besondere Qualifikation. 3. Ein Revers, daß der Bewerber zur persönl-chen Betreibung der Konzession sich durch mindestens zehn Ja'are verpflichtet. Bewerber, die eine im Konknrswege erworbene Apotheke vor Ablauf von zehn Jahren veräußert haben, werben, insofern sie nicht hierzu durch ci:.- getretene, von der politischen Behörde als stichhäl'.rg anerkannte Gründe veranlaßt wurden, nicht berücksichtigt. Kroatisch-Kreuz. Am 14. d. M. fand in Bihaü (Bosnien) eine Tempeleintveihung statt und unser Rabbiner Dr. M. Engel hielt die Einweihungsrede, welche ungeteilten Beifall gefunden hat. In diesem Tempel beten Spaniolen und Oesterreicher zusammen; darin bildet die Bihaoer Gemeinde eine Ausnahme, denn in allen bosnischen Gemeinden sind Spaniolen und Oesterreicher in 2 Lager geteilt; mit Ausnahme Bihae gibt es überall in Bosnien einen spaniolischen und einen österreichischen Tempel. An der Tempelfeier nahmen alle Behörden teil. Der Präses der Kultusgemeinde M. Rechnitzer übergab den Schlüssel dem dortigen Kreisvorsteher Baron Redvie und dieser übergab den Schlüssel unserem Rabbiner Dr. Engel mit der Bitte, daß er den Tempel öffne und ihn einweihe. Abends fand ein Konzert statt und es wurde sehr viel gespendet. Unser Rabbiner Dr. Engel hielt die Abschiedsrede im alten Tempel in kroatischer und die Einweihungsrede in deutscher Sprache. Feuilleton. Zer importierte Krantigam. Roman aus dem Ghetto von Ncwyork. Aus dem Englischen übersetzt. Flora war allein in dem rückwärtigen Empfangszimmer das als Boudoir eingerichtet war. Sie saß im Schaukelstuhl neben dem Kamin und war in die Lektüre von „Klein Dorrit" vertieft. Ihre hübsche, mädchenhafte Gestalt war in ein warmes, schmiegsames Gewand gehüllt, dessen wohltuende Wärme im Vereine mit der interessanten Novelle sie mit dem triumphierenden Gefühl, nicht in dem draußen wütenden Sturm sein zu müssen, erfüllte. Nach und nach brach die Dämmerung herein und ein melancholisches Grau erfüllte den Raum. Zwielicht schlich in sichtbaren Wellen ins Zimmer. Das trübe Licht, die angenehme Wärme in dem behaglichen Raum, dazu die Stimmung des Buches versetzten Floras Gedanken in ferne Welten. ° Sie war das einzige Mädchen ihres Kreises, das sich mit Dickens, Thakeray und Scott befaßte, im Gegensatz zu ihren einstigen Schulgenossinnen, deren einzige literarische Nahrung „Das Familienblatt" und „Die Hausfrauenzeitung" bildeten. In Floras Zimmer stand ein Pianino und eine kleine Bibliothek. Sie war hübsch und schlank gewachsen. Ihr längliches, elfenbeinfarbiges Gesicht, von einer Fülle von nachtschwarzem Haar umrandet, war immer durch ein halb schelmisches, halb nachdenkliches Lächeln belebt. Wenn sie in ihr natürliches, herzliches Gelächter ausbrach, schienen ihre dunklen Angen flehend, klagend. Ihre Nase, die ein wenig kühn war. gab dem Ganzen ein pikantes Aussehen und stimmte zu ihrer ganzen Haltung. Vor einem Monat hatte Flora in demselben Hanse der Mottestreet, in dem sie geboren und das ihres Vaters Eigentum war, ihren zwanzigsten Geburtstag gefeiert. Kürzlich hatte ein Heiratsvermittler zum erstenmale im Hause vorgesprochen und hatte sich über einen jungen, jüdischen Arzt in Lobeshymnen ergangen. Doch der alte Stroon hatte ihm in seiner unverblümten Art die Rede kurz abgeschnitten; er wolle sein Kind an einen gottessürchtigen Kaufmann verheiraten, aber nicht an einen Mann, der der ungläubigen Wissenschaft angehöre und der glatt rasiert sei. Allerdings war es Floras geheimste Sehnsucht, die Frau eines Doktors zu werden. Doch in ihren Kreisen kam bei einer ehelichen Verbindung niemand anderer in Betracht als ein Kaufmann. Biele ihrer Freundinnen, gebürtige Amerikanerinnen, hatten Kaufleute geheiratet, einfache Burschen, die nicht sehr viel gelernt hatten und deren fehlerhaftes Englisch ihren Bräuten anfangs unerträglich schien. Flora konnte es sich nicht vorstellen, daß auch sie so einen Mann heiraten solle. Sie hatte sich daran gewöhnt, ihre Umgebung als Hintergrund zur Erhöhung ihrer eigenen Persönlichkeit zu betrachten. Und sie sehnte sich nach einer feineren Atmosphäre, als es ihre gegenwärtige war, das ihr vorschwebende Ideal war ein amerikanischer Gentleman, wie man sie nur im oberen Stadtteil sah. Als das Wort „Doktor" dem Munde des Heiratsvermittlers entschlüpft war, griff es Flora mit Wonne aus. Zu jener Zeit — anfangs der Achtziger-Jahre — war eine solche Heirat im New-Aorker Ghetto etwas ganz ungewöhnliches. Flora stellte sich einen glattrasierten, jungen Gentleman vor, der eine goldene Brille trug und in einem eleganten Buggy fuhr. Dieses Bild hatte sich bei Flora zu einer fixen Idee herausgebildet. „Ich werde nur einen Doktor heiraten", sagte sie in gewähltem Englisch. Sie vermied es sorgsam, grammatikalische Fehler zu machen, „das würde sich für eine Doktorssrau nicht schicken". Doch wie wird es ihr gelingen, den Widerstand des Vaters zu besiegen? Asriel Stroon war niemals der Mann gewesen, der nachgegeben hat. Aber Flora war ihres Vaters Tochter und sie konnte es sich nicht anders vorstellen, als daß ihr Entschluß früher oder später zur Ausführung gelangen müsse. Floras Gedanken schwebten gerade in dieser Richtung, als sie ihres Vaters Stimme im unteren Speisezimmer hörte Heute hatte er Jahrzeit nach seinem Vater. In früheren Jahren hatte er sich damit begnügt, an diesem Tage im Bethaus das Kaddischgebet verrichten zu lassen. Heute aber hatte er den Tag fastend und betend verbracht, hatte eine Kerze im Tempel anzünden lassen und für den Verstorbenen Kaddisch sagen lassen. Es beunruhigte Flora, ihren alten Vater den ganzen Tag fastend zu wissen, und froh darüber, seine Stimme zu hören, lies sie schnell mit ihrem Buch in der Hand zu ihm. „Kommst Du gerade aus dem Tempel, Vater?" frug sie ihn voll Zärtlichkeit in englischer Sprache. „Ist das Fasten abgetan?" „Es ist nicht so leicht mit Ihm abgetan, Tochter," gab er aus Jüdisch zurück und blickte zum Himmel hinan. „Man kann Ihm nicht genug dienen." „Beeile Dich, Tamara," ries sie dann in der Richtung der Küche. „Du wirst doch heute abends nicht mehr Tefillim legen, Papa?" „Warum nicht? Kostet es Dich zu viel?" „Ja, es kostet - Deine Gesundheit. Du bist schwach und hast schon genug gebetet." „O, man kann nie genug beten. Es ist nicht wie mit Erdäpfelsuppe, von der kann man bald genug haben." „Tamara, ist es jetzt an der Zeit, das Fasten zu beenden?" fragte er nach längerer Weile. „Sie können Ihre Hände schon waschen. Das Nachtmahl ist fertig", erklang die sympathische Stimme der Haushälterin. Der alte Stroon legte seinen braunen Hut ab und bedeckte seinen Kops mit einem Sammtkäppchen. Als sich seine robuste, mittelgroße Gestalt in die Küche bewegte, um die

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