Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 30 (27.7.1906)
- Date
- 1906-07-27
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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©eitt 510 ii)i. JBlocü'ö ÜClOcDcnscDnri, >Jtr. BO zwischen den Major Targe und den Hauptmann des ersten Detachements, stellt. Wie im Trauni versunken, steht er regungslos da. Major Targe ermutigt ihn durch einige freundliche Worte. Man sieht den Brigadegeneral Gillain, welcher Paradeuniform tragt, erscheinen und die ergreifende Zeremonie, welche die Zivilgäste aus den Fenstern des ihnen angewiesenen Salons beobachten können, nimmt ihren Anfang. General Gillain pasfirt rasch die Front der Truppen, grüßt die Offiziere, und nachdem er um das ganze Rechteck herumgegangen, stellt er sich in die Mitte des Hofes und zieht den Säbel. „Die dekorierten Offiziere!" ruft Oberst Bounarzel. Zwei anwesende d karierte Hauplleute treten aus Reih und Glied und postieren sich hinter dem General. Ihm gegenüber stellen sich die neudekorierten Majore Dreyfus und Targe auf. Neues Trompetensignal erschallt und verklingt. Dann wendet sich der General inmitten der größten Stille mit lauter Stimme an die beiden Majore mit den Worten : „Im Namen des Präsidenten der Republik und kraft des mir zustehenden Rechtes dekoriere ich Sie mit dem Orden der Ehrenlegion." Er berührt hierauf mit dem Säbel dreimal die Schultern der beiden Dekorierten und während die Trompeten schmettern, umarmt er Major Targe und Major Dreyfus und legt ihnen ihre Ordensinsignien an. Als der weiße Schnurrbart des Generals, der Dreyfus auf beide Wangen küßte, das Angesicht des Rehabilitierten berührte, ergriff eine starke Bewegung alle Anwesenden. Aber die Szene währte nicht lange. Einige Zuschauer im Hiutergrunde rufen: „Hoch die Republik! Hoch die Armee!" Dann hört man auch den Ausruf: „Es lebe Picquart!" und Picquart, den man am Fenster des ersten Stockwerkes gewahrt, entgegnet: „Nein, nein, es lebe Dreyfus!" Und wieder wird „Hoch die Wahrheit und Gerechtigkeit!" „Hoch die Armee!" gerufen. Frau Dreyfus war während der Zeremonie tief bewegt und vergoß Tränen. Die Parade ist indessen noch nicht ganz zu Ende. Während der General mit den Majoren Targe und Dreyfus in der Mitte des Hofes verblieb, erfolgte das Kommando zum Defilieren : „Vorwärts, Marsch!" und unter Fanfarenklang deflliert vor ihnen die Kolonne unter Anführung des Obersten Bounarzel. Als die letzte Abteilung abgerückt war, trat der Oberst vor und salutierte vor dem General, der ihm die Hand drückte. Der General konversierte noch mit Dreyfus und Targe und zog sich sodann zurück. Alle Anwesenden eilten nun auf Dreyftls zu und beglückwünschten ihn. Unter ihnen befand sich auch der Generalprokurator Baudoin, der die Rufe „Es lebe Dreyfus!" mit flehentlicher Stimme unterbrach: „Nein, meine Herren, ich bitte darum. Er ist tief ergriffen und kann kaum sprechen." Als Dreyfus' junger Sohn jetzt in seine Arme eilte, brach er in Tränen aus. Unmittelbar hierauf verließ Dreyfus in Begleitung seines Sohnes und Bruders im offenen Wagen das Gebäude der Militärschule. Draußen harrte eine beträchtliche Menge, welche durch Hüteschwenken „Hoch die Gerechtigkeit!" rief. Dreyfus dankte stumm mit einer Handbewegung. * * * Der frühere Kriegsminister Andre hat in einem an den gegenwärtigen Kriegsminister Etienne gerichteten Schreiben vorgeschlagen, Dreyfus eine weitere Genugtuung zu getvähren, indem man ihm vor den versammelten Truppen der Pariser Garnison im Namen der Regierung einen Ehrensäbel überreicht. Reue Bücher. XlU. Jahresbericht der Jsraelitisch-Theologtscheu Lehranstalt in Wien für das Schuljahr 1905/1906. Voran geht: Der galiläische ’Am-ha’ Ar4s des zweiten Jahrhunderts. Beiträge zur inneren Geschichte des palästinischen Judentums in den ersten zwei Jahrhunderten. Von Prof. Dr. A. B ü ch l e r. Verlag der Israelitisch-Theologischen Lehranstalt, Wien 1906. Kriefkasterr. I. B. Julius Rodenberg stammt aus der Stadt Rodenberg, Hessen-Nassau. Dort wurde anläßlich seines 75. Geburtstages eine Gedenktafel für den Dichter Julius Nodenberg (Julius Levi), dem bekannten Herausgeber der „Deutschen Rundschau", feierlichst enthüllt. K. Alfred Beit stammt aus Hamburg, war unverheiratet und gehörte einer ursprünglich jüdischen Famlie an. Der Stadt Hamburg widmete er großartige Stiftungen. L. A. Jüdische Feldarbeiter finden sich zahlreich in Galizien, so z. B. werden auf der Gutsherrschaft Szolominice viele Juden als Feldarbeiter beschäftigt. Die Gutsverwaltung hat sich über die Tüchtigkeit der jüdischen Feldarbeiter wiederholt lobend ausgesprochen und den Wunsch geäußert, eine größere Anzahl von Juden für diese Arbeiten anzuwerben. I. Daß die Männer des Vatikans für die Unschuld des Alfred Dreyfus nunmehr eintreten, ist belanglos. Sie hätten vor fünf Jahren einer solchen Ueberzeugung Ausdruck geben sollen, wenn es ihnen ernst um die Sache der Gerechtigkeit ist. „Lermanivim." Der Verstorbene, Emil B o d e ck, ist ein ehemals vielgenannter antisemitischer Agitator iu Berlin und Begründer mehrerer „deutscher Wirtshäuser". In dem ihm gewidmeten Nachruf der „Deutschen Hochwacht" heißt es: „Bodeck hat sich auch um einzelne antisemitische Führer wackere Verdienste erworben und wohl seine persönlichen Jnreressen dabei arg vernachlässigt, so daß er trotz hoher Einnahmen aus dem Geschäfte stets in Geldsorgen war. Daher mußte er es erleben, daß seine erste Frau ihn verließ; sie wollte die Sorgen nicht mit ihm teilen. Seine zweite Gattin wurde die älteste Tochter des Rektors Ahlwardt. Fast schien es, als solle dem braven Manne nun ein sonnigeres Schicksal beschieden sein — da erkrankte er, und zwar so bedenklich, daß sein Schwiegervater glaubte, ihn in einer Nervenheilanstalt unterbringen zu müssen. Hier ist er denn begraben geblieben, obwohl unter seinen zahlreichen Freunden niemand daran glanbeu wollte, daß seine Absonderung nötig sei. Er ist gestorben als ein Opfer seiner Vaterlandstreue!" Das klingt ja recht niedlich! „Moravta". Ueber die Stellung der Juden in Mähren hat der Abgeordnete Dr. Groß aus Olmütz in der Sitzung des Wahlreformausschusses vom 21, Juli ein Bild geboten und eine Schilderung gegeben, die einigermaßen parteipolitisch gefärbt ist. Der Abgeordnete Dr. Groß sagte: „Die Juden haben überwiegend auch dort, n o sich die Vertretung in tschechischen Händen befindet, treu zur deutschen Sache gehalten, und wenn eine Verminderung der jüdisch-deutschen Wähler platzgreift, so geschieht dies deshalb, weil die Juden infolge des Boykotts von seiten der Tschechen ihre Existenz nicht mehr finden können und auswandern." Soweit Herr Dr. G roß! Allein in Wahrheit war der Abfall der Juden vom Deutschtum eine Folge des „deutschen Antisemitismus". Gerade die wüste Judenhetze der sich national gebärdenden Deutschen hat es jedem Juden, der einen letzten Funken Ehre besaß, unmöglich gemacht, für die Deutschen zu stimmen und sich als Deutschen zu bekennen. Den Haß der Tschechen hätte er ertragen, seit zwei Jahrtausenden haben wir gelernt, für eine Ueberzeugung die schwersten Opfer zu bringen. Allein der deutsche Antisemitismus belehrte erst die Juden, daß sie, wenn sie den Deutschen in Mähren Heerfolge leisten, eine lächerliche tragikomische Figur spielen. Garantterlnarurechtes feinstes------ pflanzenfcL Feit. kosnOmn» EISE Widmung Heinrich Klinger 1902 Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien gibt hiermit bekannt, daß am 1. Oktober d. I. die Jahreszinsen im Betrage von L 400.— der oben genannten, von dem gewesenen Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde Wien, Herrn kais. Rat Heinrich Klinger, anläßlich seines am l. Oktober 190j stattgehabten 70. Geburtsfestes. gegründeten Widmung an zwei der Unterstützung würdige Handels- oder Gewerbetreibende jüdischer Konfession zur Verleihung gelangen werden. Die mit dem Nachweise über den Betrieb eines Handels- oder Gewerbe-Unternehmens, dem Armutszeugnisse und dem Geburtsscheine belegten Gesuche sind bis 15. August 1006 im Einreichungsprotokolle der israelitischen Kultusgemeinde Wien, I. Seitenstettengasse 4, I. Stock, woselbst auch Gesuchsblankette unentgeltlich behoben werden können, während der Amtsstunden zwischen 9 und 12 Uhr vormittags zu überreichen. Auszüge aus den Matriken der israelitischen Kultusgemeinde Wien sind als Gesuchsbelege nicht erforderlich und genügt die genaue Angabe der betreffenden Daten. Nicht entsprechend belegte oder verspätet überreichte Gesuche werden nicht berückchsitigt. Wien, 15. Juli 1906. Der Vorstand der israel. Kultnsgenieiudc Wen.