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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-07-06 · 27 (6.7.1906) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
27 (6.7.1906)
Date
1906-07-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 27 Dr■ Bloch’s Iahrg««gUlli Zentralorgan für die gesamten linteressen des Judentums. Wien, 6. Jnli 1906. — JE röchet nt jeden Freitag. — Brief-Adresse: Miten. IX/1, Lerggasse 39. Telegramm-Adresse: SJlocb’s tMocbenscbritt. Mtten. O-Ä K. ft. Postspsrftassen-Amt Tkearing-Verkebr Mr. 810.976. Rrdsktion und Administration: Wien IX/1, ÄSerggasse Mr. 39. Telefon Nr. 14.847. ö-* 3-« Vezugspreis für Vesterrrirtz: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Äür's Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 „ Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petitzeile 24 Heller. n-» Inhalt: Leitartikel: Wer verroht Oesterreich? — B o m Jahrmarkt des Lebens: Amtlicher Bericht über die Massakres in Bialystok. Tolstoi über die Judenmassakres. Die Plagen Egyptens Eine Kundgebung im englischen Parlament. Dr. Straucher gegen Dr. Kramarsch. Diese Inden! Israelitische Erziehungsanstalt Ahlem. Die Ankunft der Juden in Basel. Judentaufen in Basel. Zur menschlichen Urgeschichte. — Korrespondenzen: Juden im österreichischen Heere. „Aktionskomitee zur Unterstützung hilfsbedürftiger Hausierer in Wien." Wiener Kredit- und Borschutz-Verein. Zur Affäre Heller. Krakau. Die rumänische Reise Dr. Luegers. Im Verein für Volkskunde zu Berlin. Auf Befehl des Wachtmeisters. Die Lösung des Dreifus-Geheimnisses. Juten in Italien. Juden am Hofe des Königs. New-Iork. Panik in New-Uork. — Vermischtes: Wien. Restaurateur Guth gestorben. Tempelspenden. S.penden zu gunsten der Opfer der Exzesse in Bialystok. Bisenz. Juden als Soldaten. Mähr.-Weißkirchen. Zur Kaiserreise - in Mähren. Das Leichenbegängnis des Dr. Byk. Teltsch, Troppau, Kuttenberg, Leitmeritz, Straßnitz, Moskau. Hilfsverein der deutschen Juden. — Feuilleton: Pogrom. — Literatur. — Nene Bücher. Briefkasten. — Inserate. Mer verroht Oesterreich? Skandal — Schurkerei — Schandkerle — Bestien — Kanaillen — Schufte — Hunde — lausbübische Tat — Schurke — elend — erbärmlich — niederträchtig — ehrlos — Byzantinische Kreaturen — Hundegesindel verdammtes — elende Bagage — entartete Gesellen — von Jauche stinkend — Schmach und Schande — byzantinische Kriecher — Speichellecker — erbärmlich — schändliches Verbrechen — Volksverräter — rote Hunde — schwarzgelbe Lakaien — Vertreter von Plunzensee — feige Streber — schurkisch — roter Schuft — rote Gaunerbande — rot - schwarz - gelbe Kanaille — Strizzi — Diebskommnnisten. Diese reizenden Blüten deutscher Kultur sind ein oberflächlicher Auszug aus einer fruchtbaren Viertelstunde, welche der beflügelte Geist der Alldeutschen unter Schönerers Führung in einer der letzten Parlamentsdebatten hatte. Es handelte sich um die Entfernung der Bismarck-Tafeln in Gablonz, die man selbstverständlich abgeuommen hatte, um den von Gablonz eingeladeneu alten Kaiser nicht zu beleidigen. Deutsche Ritterlichkeit hätte sich gar zu schön erwiesen, wenn man den hohen Gast mit einer Erinnerung an 1866 begrüßt hätte. Aber will denn jemand mit den Alldeutschen sachlich diskutieren? Wollen sie mit jemand anderem sachlich diskutieren? Das Geld des Herrn Schönerer und die kolossale Praxis im Verleumden und Beflegeln, mit der sie jeden Gegner verscheuchen, genügen ihnen, um ihren Besitzstand zu erhalten und nach wie vor durch ihr öffentliches Auftreten jedem Staatsbürger flammende Röte der Scham vor der gesamten Kulturwelt ins Gesicht zu treiben. Sie bilden dabei ein edles, geistiges Bruderpaar mit den Christlich-Sozialen, welche auch nicht wenig und nicht kleine Schiebkarren voll Kot zusammenführen, um daraus ihre politische Tribüne zu erbauen. Die oben vorgeführte Blütenlese aus der Flora der Pfütze könnte ebenso gut ein Auszug ans einer der Debatten im Parlamente sein, in welcher die Getreuen Luegers den Chor der Naschmarktweiber machten und die Sammler von Schimpfwörtern mit einer langen Liste von Ausdrücken erfreuten, welche in einem halbwegs gebildeten Menschen Unwohlsein erregen. Wie der Herr so der Knecht, der sich auch als Bauernknecht fühlt. Die Artikel und Notizen der zugehörigen Presse strotzen auch von dieser Sudelkunst der deutschen Sprache, der Germanistik der Roheit. Diese beiden Parteien haben Gegner und Gegner müssen gleiche oder bessere Waffen haben. Daher kommt es, daß auch sonst noch viele gute Sitten verdorben wurden, und so kommt es, daß ans dem österreichischen Parlamente der Herbst und Giskra, auf das Europa hiuhorchte, um zu lernen, ein Parlament geworden ist, ans das Europa hinhvrcht, um sich zu amüsieren und seinen Spott zu üben. Oesterreich wird blamiert, und was noch viel schwerer wiegt: die anständigen Elemente ziehen sich angewidert vom politischen Leben zurück und überlassen das Feld den Leuten, welche ihre geistige Jämmerlichkeit hinter dem Getöse ihrer Roheit verbergen. So kommt es, daß ein gedeihlicher Fortschritt nicht erzielt werden kann. Niemals werden die angeblichen Politiker, deren Lebensbedingung die Feindschaft ist, die notwendige Völkerversöhnung zulassen, niemals wird der richtige Weg von den Leuten gefunden werden, die nichts sind als Hetzer. Woher aber dieses Maffenanftreten wertloser, dünkelhafter . schreiender Elemente, welche mit der Freiheit spielen, weil sie den Parlamentarismus wertlos machen, woher die unerträgliche Art, welche die Tüchtigen und die Tüchtigkeit von der wirklichen Anwaltschaft wirklicher Volksinteressen vertreibt? Das erste Erscheinen des „Deutschen Volksblattes" war der Wendepunkt, von dem aus die Entwicklung unserer öffentlichen Verhältnisse immer schneller nach abwärts führte. Auch früher hatte es politischen Streit in allen Gattungen gegeben und die Gegner haben einander nicht etwa geschont. Aber das „Deutsche Volksblatt" darf sich rühmen, kolossale Sensation mit seiner Neuerung gemacht zu haben. Ganz Oesterreich, mit Ausnahme des tiefen Pöbels, war ganz einfach starr über die Ausdrucksweise dieser Kotipritze. Es war ein Schlammausbruch aus einem fürchterlichen Morast, der sich über Oesterreich wälzte und gar viele Kulturen der Kultur rettungslos vernichtete. Wer noch etwas Menschentum sich bewahrt hatte, starrte entsetzt aus dieses Bl tl, das vorgab, das führende Organ des christlichen Volkes zu

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