Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 26 (29.6.1906)
- Date
- 1906-06-29
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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Seite 440 Dr. Vlocb's MocbenscLrM. Nr. 2g Jungbunzlau. Am 23. d M. besichtigte Se. Exzellen- Herr Dr. Forscht auch die Wirkwaarenfabrik der rühmlich bekannten Firma „Eisler u. Fuchs". Am Eingänge des reich dekorierten Fadriksgebäudes wurde Se. Exzellenz von dem Mitchef dieser Fabrik, Herrn Friedrich Eisler, ehrerbietigst empfangen und durch die weiten Fabriksraume geleitet. Der Minister sprach sich über die zweckmäßige Einrichtung dieses Etablissements, sowie über die verschiedenen Erzeugnisse desselben sehr lobend aus. Bemerkt sei noch, daß diese Firma nicht nur zahlreiche Arbeiter in der Fabrik selbst, sondern eine noch viel größere Anzahl von Arbeitskräften in der Umgebung beschäftigt und so eine segensreiche Quelle für die Existenz des Arbeiterstandes bildet. Die Herren Eisler und Fuchs besitzen nebstdem ein großes Kurz- und Wirkwaarengeschäft in ihrem eigenen Hause auf dem Altstädter Ringplatze, woselbst auch das Fadriksckomptoir untergebracht ist: Straßmtz. Zur Renovierung der Synagoge ihrer Heimatsgemeinde Straßnitz haben in anerkennenswerter Pietät weitere Beiträge geleistet die Herren : Dr. Mor. Siebenschein, Wien, IV., Belvederegasse 24, Kronen 25. —; Leopold Siebenschein, Wien, VII., Westbahnstraße 60, 25.— und Leopold Eisenmann in Brünn IO.—. Die Renovierungs- und Adaptierungsbauten wurden berefts in Angriff genommen und da erst ergibt sich die unabweisbare Notwendigkeit, unvorhergesehene Reparierungen und Neubauten herzustellen, die den ursprünglichen Kostenüberschlag zu Lasten der Kultusgemeinde um bedeutende Beträge überschreiten. Die x. t. Straßnitzer Jndigenaten, die zu dem heiligen Zweck (siehe „Oesterr. Wochenschrift" Nr. 17 vom 27. April d. I.) ihren Obolus noch nicht geleistet, werden daher höflichst gebeten, ihre edlen Beiträge ehestens giftigst zugehen zu lassen dem den wackeren Straßnitzern für ihre pietätvollen Spenden wärmstens dankenden Kultusvorstande. Deutsch-Brod. Während des Aufenthaltes Sr. Majestät des Kaisers am hiesigen Bahnhose wurde auch Herr Rabbiner I. Singer und eine Deputation des hiesigen Kultusvorstandes vom Herrn Bezirkshauptmann dem Kaiser vorgestellt. Der Kaiser fragte den Rabbiner, wie groß die Kultusgemeinde sei; uls er ihm dies beantwortete, fragte der Monarch: „Sie sind schon lange hier?" worauf der Rabbiner erwiderte: „24 Jahre, vor 7 Jahren ward mir das hohe Glück zuteil, an dieser Stelle von Euerer Majestät mit einer Ansprache allergnädigst beehrt werden." Darauf erwiderte der Kaiser: „Es freut mich, Sie wieder zu sehen". Uug.-Brod. In unserer altehrwürdigen Gemeinde verschied der jüdische Talmudgelehrte Reb Perez Klein im Alter von 94 Jahren. Sein Leichenbegängnis wurde mit den ihm gebührenden Ehren begangen. Der Sarg wurde von Ausschußmitgliedern der Kultusgemeinde in den schwarz drapierten Tempel getragen. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Jung hatte eine schwere Aufgabe, zumal der Verblichene in seiner Bescheidenheit sich jeden Nachruf schriftlich verbeten, sich selbst die Grabschrift geschrieben hatte, auf welcher bloß sein Name und der seiner verstorbenen Eltern zu stehen habe, und daß er einer der jüngsten Schüler des Chacham Sofer in Preßburg sei. Se. Ehrwürden Herr Dr. Jung erwirkte, daß die Hinterbliebenen, sein Schwiegersohn Herr Adolf Hahn aus Ung.-Ostra, Bruder des Regierungsrates Ritter v. Hahn, und die Verwandten eine Perez Klein- Stiftung gründen werden, deren Zinsen am Sterbetage an den besten Schüler der hiesigen Volksschule zu verteilen sind, welcher im Hebräischen den besten Fortgang aufweist, mit Ausnahme der Kinder des jeweiligen Rabbiners. Er hielt eine ergreifende Leichenrede, wie selbe lange nicht gehört wurde. Königftadtl. An dem feierlichen Empfange Seiner Majestät in Podiebrad beteiligte sich auch die israelitische Kultusgemeinde Königftadtl, und zwar die Herren Emanuel Grimm und Emanuel Klein mit dem Rabbiner Herrn Heinrich Weil aus Chlumetz ' als Rabbinatsverweser der israelitischen Kultusgemeinde Königftadtl. Seine Majestät geruhte den Herrn Rabbiner mit einer Ansprache auszuzeichnen. Reichenberg. Beim Cercle am Reichenberger Bahnhof sprach der Kaiser auch die Deputation der israelitischen Kultusgemeinde an und erkundigte sich über die Verhältnisse der Judengemeinde. An den Rabbiner Dr. Hoffmann richtete der Kaiser die Frage, ob und seit wann Reichenberg eine Synagoge besitze und wie groß seine Gemeiüde ist. Dr. Hoffmann antwortete, die Gemeinde sei in stetem Aufschwünge begriffen, was der Kaiser mit Genugtuung zur Kenntnis nahm. Prag. (Verleihung.) Der Kaiser hat dem Großindustriellen und emeritierten Präsidenten der Prager Handels¬ und Gewerbekammer Herrn Gottlieb B 0 n d y das Komturkreuz des Franz Joseph-Ordens mit dem Sterne verliehen. Die hohe Auszeichnung wurde Herrn Bondy für die Herausgabe des bedeutsamen Werkes, welches wir in der letzten Nummer der „Oesterr. Wochenschrift" besprochen haben. Eger. (Ausgrabung alter jüdischer Grabstein e.) Bei den Kanalisierungsarbeiten in der unteren Schmeykalstraße, wo ehemals das alte Obertor stand, stieß man in einer Tiefe von fünf Metern auf eine große Anzahl jüdischer Grabsteine aus dem Anfänge des 14. Jahrhunderts. Die meisten sind noch gut erhalten, andere aber wieder zum großen Teile verwittert. Eger hatte bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts eine starke Judengemeinde, die in dem sogenannten „Judenhofe" nächst der Brudergaffe (heute ganz verbaut) eine Synagoge und einen Friedhof hatte. Zu Ostern 1350 brach hier eine Judenverfolgung aus, bei welcher die Juden vertrieben wurden. Die Grabsteine des demolierten Friedhofes wurden allem Anscheine nach zu Bauherstellungen verwendet und gelangten so auch an die jetzige Fundstelle. Die Egerer israelitische Kultusgemeinde wurde von dem Funde durch das städtische Bauamt verständigt und die Grabsteine sollen, soweit sie historischen Wert haben, im Egerer städtischen Museum, die anderen aber auf dem israelitischen Friedhofe oder beim Tempel aufbewahrt werden. Literatur. Asseeurazioni Generali in Triest. Es liegt uns vor das von der Afficurazione Generali veröffentlichte Buch „Die Rechnungsgrundlagen der k. k. priv. Assecurazioni Generali in Triest" (Selbstverlag der Gesellschaft, Buchdruckerei des österr. Lloyd, 154 Seiten stark, Preis 30 Kronen). Dieses zu besprechen und zu beurteilen, muß man vor Allem selber Studien im Versicherungsfach getrieben haben. Wo hätte man sich diese Kenntnisse erwerben sollen? Im Gymnasium, auf der Universität etwa? In unseren österreichischen Gymnasien hat man zu meiner Zeit fleißig grammatische Formeln in Versen auswendig gelernt, sogar gewissenhaft klassische Philologie getrieben, von modernen Sprachen so viel wie nichts. Geschichte, speziell die Daten der römischen, griechischen Völker, mußte man sehr genau gekonnt haben, von modernen Staaten, von der Verschiebung einzelner Provinzen, von der Regelung verschiedener Länder, von den Kämpfen, Einrichtungen der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts keine Ahnung. In deutschen Mittelschulen ist in dieser Beziehung ein entschiedener Fortschritt zu verzeichnen. Abgesehen davon, daß ein „Maturant" einen guten Ueberblick hat über alle Einrichtungen der modernen Staaten, ist auch dafür gesorgt, daß er ein gutes Verständnis für Kunstgeschichte und womöglich auch für Musik hat. Zur Vervollkommnung der Schule gehört aber noch viel mehr. Soll nicht auch der Sinn fürs praktische Leben einigermaßen ausgebildet werden? Ich greife nur einen Fall, ein Beispiel hervor. Das Versicherungswesen, sei es das staatliche, das private, von den vielen Abzweigungen, wie Leben, Haft, Unfall, Hagel, Feuer, Leibrente rc. abgesehen, ist nirgends berücksichtigt, in keiner Schule gewürdigt. Ich habe während meiner Studien ungefähr darüber was vernommen — aber nicht von dem wohltuenden Einfluß der Versicherung — im Gegenteile, wenn man von einem jungen Manne, der seinen Studien nicht obliegen wollte, von einem verkrachten Offizier, von einem verschuldeten Adeligen hat sprechen hören, hat man halt gesagt: „Der kann nur noch Versicherungsagent werden." Mit diesen Begriffen bin ich aufgezogen worden, in meinen Universitätsjahren habe ich mich dafür auch nicht