Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 22 (1.6.1906)
- Date
- 1906-06-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3021656-3021679--15459-3040226- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
S?etle 366 Dr. Liocv s MocvenscvrtN.!Ur. 22 richt praktisch eingerichtet und geordnet. Diese nunmehrige zweite Ausgabe ist mehr für den Hausgebrauch berechnet, mit vielen einleitenden und begleitenden, stimmungsvollen Gebeten bereichert, ebenso mit einem deutschen Anhang, enthaltend die Uebersetzung der zur Erbauungslektüre für Kranke geeigneten Psalmen, denen ja auch bekanntlich in der Liturgie des ganzen Jahres und namentlich während der Wachnacht im Hoschana Rebba ein großer Raum zugewiesen ist, ebenso in anderen Zeitereignissen. Möge uns bald ein Hoschana Rebba zuteil werden! —n. I. Rabbinowicz: Fall und Erhebung. Piersons Verlag. An seine drei Erzählungen aus dem russischen Dorfleben hat Rabbinowicz einen Roman aus dem russischen Volksleben gereiht, der wieder beweist, welch feiner Psycholog der Verfasser ist, wie er es versiebt, uns ein Bild von jenem fremdartigen Volke zu entwerfen, über welches man doch so viel schreibt und spricht und das doch so wenig verstanden wird, ein Bild, welches von den Geistesheroen Rußlands nicht prachtvoller, nicht deutlicher hätte entworfen werden können. Der Verfasier läßt sich in keine ermüdenden Schilderungen ein; die Beschreibung tritt zurück und macht dem Dialoge Platz, der, wenn er kunstvoll durchgeführt wird, eine eigenartige Wirkung auf den Leser ausübt. Und das gerade kann Rabbinowicz mit einer solchen Gewandtheit, daß man die Personen zu hören und zu sehen glaubt. Es zeigt sich dies gleich im Anfänge seines Buches, in welchem er uns das Tun und Treiben russischer Pferdediebe schildert. Wer den Roman lediglich zum Zeitvertreibe liest, dem werden diese Gespräche gewiß gefallen, wer aber tiefer in das Buch eindringt, dem wird diese auf dem eisten Blicke so naiv scheinende Unterhaltung weit mehr bieten, sie wird ihm die russische Volksseele öffnen; denn in dieser Gesellschaft von Dieben ist die russische Gesellschaft selbst personifiziert und man kann deutlich in den einzelnen Personen die Schichten des russischen Volkes erkennen. Rabbinowicz ist jedoch auch Tierpsycholog, der es weiß, uns Dinge, die ganz alltäglich sind, in einer reizvollen Art zu erzählen. Hier finde ich wiederum in dem Verhältnisse des Menschen zum Tiere das Verhältnis der Teile des russischen Volkes zu einander dargestellt. Das politische Leben Rußlands bildet eben den dunklen Hintergrund, aus dem sich um so schöner das große Leben hervorhebt, das der Verfaffer in der ihm eigenen Weise in bunten Farben schildert. Welche Fülle an Charakterdarstellungen, welchen Reichtum an psychologischen Aufgaben bietet dieses Werk! Dabei drängen sich uns die Darstellungen durchaus nicht auf, sondern wir werden vielmehr angeregt, uns die Charaktere selbst zu zeichnen, deren Umriffe der Verfasser mit einigen Strichen andeutet. Der Roman bietet uns also nicht nur an und für sich viel, sondern fordert uns dadurch, daß er der Phantasie freien Lauf läßt, auf, nachzudenken und uns in die Probleme zu vertiefen, die der Verfasser mit geschickter Hand in den Gang der Handlung einstreut. Lensor. Neue Bücher. 56. Jahresbericht der Religions-Unterrichts- Austalt I der Synagogen-Gemeinde über das Schuljahr 1905/1906, erstattet von dem Dirigenten der Anstalt Rabbiner Dr. Rosenthal. Die Häufung der Synonyma, eine Schwierigkeit beim Uebersetzen der Gebete. Von Rabbiner Dr. Immanuel Deutsch. Breslau 1906. J««g Juda« Zeitschrift für unsere Jugend. VI. Jahrgang. Prag, 25. Mai 1906. (1. Siwan 5666.) Nr. 18. Verantwortlich für die Redaktion: Oberlehrer Siegmund Springer, Obmann des israelitischen Landes-Lehrervereines in Böhmen. Herausgeber: Filipp Lebenhart, Prag, Stefansgasse Nr. 630, II. Stock. Inhalt: Zum Wochenfest. — Schebuoth. — Die Pflege des Mundes in zehn Geboten. — Die Schule. — In den Sefirotagen. — Die Reise um die Erde. — Wie groß ist der Bodensee. — Das gesprochene und das geschriebene Wort. — Wien—Kairo (Fortsetzung). — Rätsel. — Zum Uebersetzen. — Auflösungen. — Goldene Worte. — Briefkasten. — Jung Judas Plauderecke. — Für die Eltern. — Inserate. Briefkasten. G I. In Petersburg war eine Versauimlung der „echten Russen". In derselben gab Fürst Wolkonski als Merkmale, um Juden zu erkennen, an: Die Nase und die Haare. Eine Dame rief ihm zu: „Nach Ihrer Nase, Herr Fürst, ist es ein Wunder, daß Sie zu dieser Versammlung zugelaffen wurden." So hat die Dame dem Fürsten öffentlich eine „Nase" erteilt, obwohl er schon mit einem sehr langen Riechorgan behaftet ist. „Brimannus der Jüngere." Die geschmackvolle Art der Auseinandersetzung zwischen dem Häuptling des Cabarets „Nachtlicht" und dem Herausgeber der „Fackel", die beide durch Ueberspanntheit Spannung zu erregen suchen, brachte ekelerregende Aeußerungen des jüdischen Antisemitismus der Dekadenten. Herr Kraus, der laut Geburtsschein, nicht Taufschein, in Jiein in den Bund Abrahams ausgenommen wurde, hat dem Herrn mit dem bestrittenen französischen Namen Henry nachgesagt, er sei ein rumänischer Jude und man könne deshalb nicht mit ihm verkehren. Monsieur Henry wieder schimpfte in höchster Aufregung den Herrn Kraus einen schmutzigen Juden. Die Herren nrögen nun ohne Widerspruch das volle Recht haben, einander alle Gemeinheiten zu sagen, aber Herr Kraus, dieser angebliche Vorkämpfer von Schönheit, Wahrheit und Recht nimmt einen erbärmlichen Standpunkt ein, wenn er das Judentum, diese Summe aus Kultur und welthistorischem Heldentum als ein Schimpfwort gebraucht, wobei er niemanden verächtlich macht und erniedrigt als sich selbst. Denn kein Liebäugeln mit den Antisemiten, wie er es liebt, wird den Fehler seiner Geburt wieder ausmerzen. Die Verachtung, die er dem Judentum beweist, fällt auf ihn selbst zurück, er hat sich bei dieser Ohrfeigengeschichte selbst eine moralische Ohrfeige gegeben. Es wäre Zeit, daß der große Kämpfer gegen die Charakterlosigkeit nun gegen sich selbst loszieht, denn jeder qalizische oder rumänische Jude hat mehr Charakter als er. Diesem Herrn Henry mit dem Ueberbrettl wird man wohl auch die Possen bald austreiben, ob er nun jüdischer oder christlicher Antisemit ist. Bis jetzt hat er meistens Juden zu Gästen gehabt. Sie werden sich von den Ereignissen wohl belehren lassen. Dann kann der Herr Henry ein ebanson vom verlassenen Hanswurst dichten und es beim „blauen Luchsen" vortragen. Der öffentliche Skandal dieser Angelegenheit sollte vor allem eine ernste Mahnung für die zahlreichen jüdischen Antisemiten sein, von denen es leider viele gibt. Es ist eine blödsinnige Manier eingerissen, das eigene Nest zu besudeln und das Wort Jude, der man selber ist, beschimpfend zu gebrauchen. Dieses Vorgehen ist eine paradoxe Lumperei, der sich alle anständigen Juden, welche ihren Stamm, ihre Geschichte und ihre Ehre Hochhalten mit allen Mitteln entgegensetzen sollten. Hoffentlich genügt diese Mahnung für alle jene, welche nur gedankenlos einer Unsitte folgen. K. F. Also ist doch endlich einmal dem Lueger ein Witz gelungen, nachdem er schon seit Jahren nur mehr gefaselt hatte. Unwillkürlich, das ist selbstverständlich. In einer Rede beim Martinelli- Jubiläum sagte er . auf der Bühne des Deutschen Volkstheaters, er fühle sich etwas unsicher auf dem Platze, auf dem die Schauspieler zuhause sind. Seit wann denn? Lueger ist doch groß geworden, weil er mit solcher Sicherheit die verschiedensten Rollen gegeben hat, weil er jede bestehende Gesinnung künstlerisch zum. Ausdrucke brachte. Alles ist er gewesen, nur kein Charakterdarsteller. Sein .ausgezeichnetes Talent im Vortäuschen hat ihm schließlich die Regie der riesigen Komödie eingebracht, die sich christlichsoziales Regime nennt. Wie fühlt er sich denn dann im Rathaus? Wahrscheinlich auch schon unsicher. W r. Diese Kunst des „Deutschen Volksblattes", einen Bericht vom Grund aus zu fälschen, ist denn doch schon zu bekannt und alt, als daß sie jemand wundern sollte. Beim Stürme auf das Parlament, bei welchem die christlichsozialen Abgeordneten so krampfhaft bei den Handels- und Gewerbetreibenden nach Popularität haschten, hat der Abgeordnete Schuhmeier, der einzige Mutige, die konfiszierte Fahne der Demonstranten der Polizei wieder weggenommen. Man feierte auch ihn und nicht Lueger, der sich patzig machte, als Ruhe eingetreten war, und sich unaufgefordert an die Spitze der Demonstranten stellte. Der Name Schuhmeier wird im „Deutschen Volksblatt" nicht einmal erwähnt. So ehrlich spielt man Volksretter. H. F. Jüdische Inserenten des „Kikeriki" vom 27. Mai 1906 sind zu notieren: Jndustriewerk für Chemie I. R u s s o; Amerikanisches Schuhwarenhaus Fasse!; W. Bergel, Weinhandlung; Ab. Jg. Mauthner, Brauerei. F. L. Trotzdem die zirka sechs Millionen russischen Juden bloß von zwölf Deputierten aus ihrer Mitte vertreten sind und auch diese beiweitem nicht die besten Kräfte repräsentieren, über welche sie verfügen, so machen diese wenigen sich bereits vorteilhaft bemerkbar. In der Kommission von dreiunddreitzig Mitgliedern, die den Adreßentwurf ansarbeiteten. befanden sich drei Juden: die Herren Winawer, Scheftel und Dr. Fraenkel. Unter den Anträgen, die von der Reichsduma in den wenigen Tagen ihres Bestehens bereits angenommen wurden, befanden sich solche der jüdischen Deputierten Winawer, Jolos und Ostrogorsky. Nach alledem zu urteilen, dürften die glaubensgenössischen Abgeordneten eine zu ihrer Anzahl unverhältnismäßig beträchtliche Rolle spielen. Hungaricus. In dem Inhalt des Blattes der vorigen Nummer bereits richtig gestellt. Cyp. Die Griechen wehren sich gegen die von der englischen Regierung geförderten Ansiedlungen von Juden auf Cypern. Sie bezeichnen diese in eigenen Versammlungen als wirtschaftliche Gefahr, obwohl die Juden sich lediglich dem Ackerbau zuwenden wollen. Was eine eventuelle Einmischung in den griechischen Handel betrifft, so erinnern wir uns an ein orientalisches Sprichwort: Von drei Konkurrenten in einer Gasse geht zuerst der Jude zugrunde, dann der Grieche und es bleibt der Armenier. B Z. Sie finden Adressen in unserem Inseratenteil.