Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 22 (1.6.1906)
- Date
- 1906-06-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 22 bemerklich zu machen. Das ist eine allgemein menschliche Schwäche, keine tunesische und keine jüdische Eigenheit. Wer plötzlich zu einer ungleich besseren Situation aufsteigt, wird in der Regel solche Schwäche zeigen. Im vorliegenden Fall ist sie nicht ohne Gefahr, denn der konkurrierende Italiener ist sparsamer und bleibt in seiner Sphäre. In den Straßen von Tunis steht man zuweilen einen Luxus, den sich in Europa die Reichen nicht gestatten. Doch nicht der Reichtum ist hier so groß, sondern die Putzsucht. Es gibt Glaubensgenossen, die monatlich 100 oder 120 Franks Einkommen haben und ein Kleid für ihre Frau mit 180 Franks bezahlen. In manchem Haushalt ißt man fich nicht satt, aber man empfängt in Spiegelsalons und kleidet sich nach der neuesten Mode. Es ist zu hoffen, daß auch hier das kommende Geschlecht klüger sein wird. Eine weitere Gefahr, die sogar recht bedenklich ist, liegt in der Beschränktheit der Mittel, die das Land liefert. Es gibt in Tunis kein ernsthaftes industrielles Unternehmen und es kann keins geben, da das Land hauptsächlich auf Landwirtschaft angewiesen ist. Infolgedessen ist es eine bereits beängstigende Frage geworden, welchen Beruf die 200 jungen Leute ergreifen sollen, die alljährlich die Allianz-Schule verlassen, da die verfügbaren Berufe doch schon beinahe überfüllt find. Gleichwohl ist es gestattet, hoffnungsfroh in die Zukunft zu sehen, aus den bereits erreichten Verbesserungen auf die weiteren Verbesserungen zu schließen, die die Zukunft bringen soll. London. Am 20. Mai fand im hiesigen Jewish College (Rabbiner-Seminars die alljährliche Preisverteilung statt, zu welcher sich Herr Oberrabiner Dr. Adler, die Mitglieder des Beth Din und zahlreiche andere Herren und Damen eingefunden hatten. Sir Edward Saffoon, Mitglied des Parlaments, führte den Vorsitz. Der Festakt begann mit einem Vortrag über die von Professor Flinders Petrie, welcher anwesend war, im vorigen Winter im Verlauf seiner Ausgrabungen entdeckte Lage des Onias-Tempels 0'3in rvn) in Egypten. Herr Professor Petrie selbst machte einige sehr interessante Mitteilungen über den Bau jenes Tempels. Die Tatsache, daß das College in kurzem den Jahrestag seines fünfzigjährigen Bestehens begehen wird, verlieh der gestrigen Feier ein ganz besonderes Interesse. In seiner Rede nahm der Vorsitzende Anlaß, einen Rückblick auf die Verhältnisse zu werfen, welche vor einem halben Jahrhundert, zur Zeit der Gründung dieser Anstalt, obwalteten. Damals war die bürgerliche Gleichberechtigung der Juden noch nicht zur Tatsache geworden. Sie war zwar in nahe Aussicht gestellr, aber es bedurfte doch noch der energischen und aufopfernden Anstrengungen liberaler Männer jener Periode, um ihre Verwirklichung zu beschleunigen. Sir Edward Saffoon, der selbst in politischer Hinsicht der konservativen Partei angehörte, nahm in seiner Rede Gelegenheit, der weitverbreiteten Ansicht entgegenzutreten, daß die Juden, aus Dankbarkeit für die ihnen früher von den Liberalen erwirkten Freiheiten sämtlich in der Politik dieser Partei sich anschließen müßten. Zum Schluß drückte Redner die Hoffnung aus, daß der echt jüdische Geist, der in der Anstalt waltet, ihr stets erhalten bleiben, daß der Unterricht auch in Zukunft im Sinne und Geiste der von unseren Vätern ererbten Lehren erteilt werden würde. vermischtes. Kranzablösungsspenden zugunsten der Chewra-Kadischa I., Seitenstettengafse 4 für arme kranke Glaubensgenoffen. Anläßlich des Ablebens des sel. Eduard Grünwalp: Von Familie Grünwald K 5.— . Anläßlich des Ablebens des sel. Ignaz Freund: Von Sigmund Kassel K 20.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Klara Schnitzer: Von Moriz Winter L 10.—, Jakob Winter 5.—, Sigmund Winter 5. , Julius Winter 8 5.—. Zusammen L 25.— . Anläßlich des Ablebens der sel. Regierungsrat Fanny G i n t l: Von Frau Dr. Berthold Reif K 50.—. Sette 361 Anläßlich des Ablebens des sel. Samuel Graetz: Bon Gustav und Hermine Sobotka K 20.—, Familie David Fanto 40.—, Heinrich Ornstein 10.—, Leopold Harpner 20.—, Salo und Camilla Cohn 50.—, Rudolf Pichler 30.—, Julius Schlesinger und Frau 30.—, Max Reichmann und Frau K 30.—. Zusammen K 230.—. Borstand der Wiener israelitischen Knltnsgemeinde Sonntag den 27. Mai 1906 fand eine Plenarfitzung des Kultusvorstandes statt, welche fich vorwiegend mit der Erledigung von Steuerrekursen beschäftigte. Im Einlaufe wurden bekanntgegeben: Ein Dankschreiben der Familie des verewigten Vizepräsidenten kais. Rates Moritz Hirsch für die dem Verewigten erwiesenen Ehrungen; weiters ein Dankschreiben des Herrn Salo Cohn für die ihm anläßlich der Vermählung sein Tochter übermittelten Glückwünsche des Kultusvorstandes. Herr Salo Cohn übersendete aus diesem Anlässe der Kultusgemeinde einen Check auf K 10.000.— mit der Bestimmung, hievon die seinerzeit für die innere Einrichtung des L. D. Königsberg'schen Institutes gewidmete Spende per K 4000.— zu entnehmen und K 6000.— an verschiedene von ihm namhaft gemachte Wohltätigkeitsvereine und einzelne Funktionäre zur Aufteilung zu bringen. — Dem Spender wird der Dank votiert. Tempelbau im ersten Bezirke. Hochgeehrter Herr Redakteur! Im Tempel in der Seitenstettengaffe sind die Zustände in sanitärer Beziehung und bezüglich der Sicherheit der Besucher geradezu himmelschreiend. Nachdem es nun ohnehin evident ist, daß der Tempel für die Innere Stadt viel zu Nein ist, und schon seit langem der Ruf nach einem zweiten Gotteshaus ertönt, so wäre es vielleicht am richtigsten, wenn an Stelle dieses und der angrenzenden Gebäude, welche ja ebenfalls der Kultusgemeinde gehören, ein stattlicher Neubau aufgeführt werden würde, der allen Anforderungen entspricht. Es wäre nämlich der Bauplatz in der Seitenstettengaffe der zweckmäßigste und der allerbilligste unter allen Plätzen, welche für einen Tempelbau in Betracht kommen können. Die Mittel hiezu ließen sich etwa durch Obligationen aufbringen, welche entweder eine mäßige Verzinsung oder die Anwartschaft auf einen Sitz im neuen Gebäude bieten. Es ist selbstverständlich, daß dieser Vorschlag erst sorgfältig dahin geprüft werden muß, ob der Ausführung keine Hinderniffe im Wege stehen, jedenfalls sollten die Mitglieder des Kultusvorstandes es als ihren Ehrgeiz ansehen, durch Erbauung eines allen hygienischen Anforderungen entsprechenden würdigen Tempels in der Inneren Stadt Wien ihren Namen in derGeschichte der israelitischen Kultusgemeinde zu verewigen. Albert Mandelbaum. Wien. Die 33. ordentliche Generalversammlung der „Israelitischen Allianz zu Wien" findet am Donnerstag den 7. Juni 1906 um 6 Uhr Abends im Saale der israelitischen Kultusgemeinde, I., Seitenstettengaffe 4, 2. Stock, statt. Tagesordnung : 1. Bericht über die Tätigkeit des Vereines im Jahre 1905. Bericht über die finanzielle Gebarung im Jahre 1905. 3. Genehmigung der Kooptation zweier Vorstandsmitglieder im Sinne des § 6, Alinea 3 der Statuten. 4. Wahl von fünf Vorstandsmitgliedern mit vierjähriger Funktionsdauer. 5. Etwaige Anträge der P. T. Mitglieder (§ 8 der Statuten). Der Eintritt in das Versammlungslokal ist nur gegen Vorweisung der auf Namen lautenden Einladung gestattet. Sonnerrlhal-Plaquette. Meister Sonnenthal feiert in den nächsten Tagen das seltene Jubiläum 50 jähriger Bühnenwirksamkeit am Wiener Hofburgtheater. Die zahlreiche Gemeinde begeisterter Verehrer Sonnentbals, welche zur würdigen Begehung dieser Feier schon emsig rüstet, dürste es gewiß sehr interessieren, daß das „Jüdische Museum" in Wien, deffen Vizepräsident der ausgezeichnete Künstler ist, vor einiger Zeit den Beschluß gefaßt hat. aus Anlaß des 70. Geburtstages Sonnenthals eine Plaquette zu stiften. Dr. Dlocb's Mocbenscbrm.