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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-05-04 · 18 (4.5.1906) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
18 (4.5.1906)
Date
1906-05-04
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 18 2)u Blocb’a Mocbenscbrttt Seite 299 rasHende Verfügung enthielt, seiner Frau und treuen Pflegerin sei nur eine kleine Barschaft, der Pflichtteil ausgefetzt, während das Haus und sonstige beträchtliche Vermögen der Gemeinde zufalle, um es als Stiftungshaus für arme Kranke oder erwerbsunfähige Gcmeindemitglieder zu benützen, damit diese Unglücklichen ihren Lebensabend ungetrübt von materieller Sorge genießen können. So auffallend dies jedem erschien, so wie jedermann über das vermeintliche Unrecht entrüstet war, welches der jungen Frau zugefügt wurde — diese selber und der Testamentsvollstrecker, der Rabbiner, waren mit dieser Bestimmung vollauf zufrieden. Letzterer hatte es in jener geheimen Unterredung bei dem sich lange sträubenden Hofmann durchgesetzt, daß dieser sein bereits zugunsten Rosas fertige Testament in diesem Sinne umändere. Nur unter dieser Bedingung versprach er, Rosa einst zu seiner Gattin zu machen. Er wußte wohl, welcher Verdächtigung er sich.durch seine Heirat aussetze; von dem Vorwurfe, in eigennütziger Weise gehandelt zu haben, wollte er wenigstens frei sein. Selbst die vorwurfsvollen Worte des alten Schamis; „Seien Sie mir hundertmal mochel, Herr Rabbinerleben, aber für das viele Geld ist wirklich schade, das hätte er der armen, jungen Frau doch vermachen sollen" — selbst dieser Vorwurf ließ ihn kalt. Nun hatte Doktor Adler es erreicht. So wie im siedenden Wasser die feindlichen Elemente, Feuer und Wasser, vereint sind und es als Symbol des Friedens und der Eintracht gelten kann,- so hat der Todesengel alle Differenzen beseitigt, die zwischen beiden Gegnern bestanden, und jetzt winkte dem so lange schuldlos Verfolgten ein Leben des friedlichen Wirkens in seiner Gemeinde und des häuslichen Glückes und der Liebe an der Seite seiner Frau. Neue Bücher. Dr. S. Gronemann, Landrabbiner zu Hannover. Predigten für alle Fe st e des Jahres. Verlag von I. Kaufs mann, Frankfurt a. M. 1906. I. Rabbinowicz. Fall undErhebung. Roman aus dem russischen Volksleben. Preis Mk. 2. . Die Hälfte des Reingewinnes ist zum Besten der russischen Juden bestimmt. E. Piersons Verlag in Dresden. Henriea Baronin Glaser. Wege ohne Umkehr. Kaiser!, und königl. Hof-Buchdruckerei und Hof-Verlags- Buchhandlung Karl Fromme, Wien, 1906. Ost und West. Illustrierte Monatsschrift für modernes Judentum. Verlag von „Ost und West", Berlin W. 8, Leipzigerstraße 31/32. VI. Jahrgang, Heft 3, März 1906. Inhalt: Die Alliance Jsraelite Universelle. Tabellen der von der Jsraelite Universelle erhaltenen bezw. subventionierten Schulen nach Ländern. Atlas der Institutionen der Alliance Jsraelite Universelle. Mathias Acher: Die ideale Organisation einer allgemeinen israelitischen Allianz. Prof. Dr. M. Philippson: Gabriel Riester. (Zu seinem 100. Geburtstag.) R. B r a u d e s: Wie der Pumpianer Rebbe die soziale Frage löst. — Der Parom (Die Fähre.) Jüdische Volksmelodie. (Noten.) Victor Klemperer: Die Fähre, (Dem Volkslied nachgebildet.) Das Landwirtschastswerk der Alliance. Statistik der Juden in den muhammedanischen Ländern, Aphorismen, Miscellen. Krreflrasten. A. Wir denken, Sie freuen sich zu früh. Karl der Gerechte hat noch nie daran gedacht, eines seiner Worte wahr zu machen und wird es auch diesmal nicht tun. „Wenn man für alle seine große Arbeit als Bürgermeister so wenig Anerkennung findet, wie ich, so könnte einem der Gusto vergehen . ." Das ist nur eine Aufforderung wie von einem Komödianten, ihm doch mehr Beifall zu klatschen, weil er ohne Applaus nicht leben kann. Leider wird der schöne Karl niemals den Gusto verlieren, weder er nach der Macht, noch seine Anhänger nach der Gemeindekrippe. Das beweisen sie schon durch die ewigen Manöver mit den Wählerlisten, in denen sie sich das Vertrauen der Bevölkerung zusammenstellen, bevor sie es kriegen. Wer weiß, was für einen Ausgang die Wahlen hätten, wenn sie an der Urne und nicht schon früher stattfänden. Denn die Wiener lassen es tatsächlich an Anerkennung für die Stadtgewaltigen immer mehr fehlen. Tie Gemeinde steckt in Schulden, der Tramwayverkehr ist ein Skandal, die Straßen sehen aus wie eine antisemitische Kandidatenrede, das Leben wird immer kleinstädtischer — aber dem schönen Karl vergeht der Gusto auch dann nicht, wenn der Bevölkerung der Appetit vergeht. Lens. Nun zeigt sich im Kohlenbecken von Charleroi die Wahrheit über die Antisemiten, „die Stützen des Vaterlandes". Es zeigt sich, daß ihnen kein Mittel zu schlecht, das Vaterland gleichgiltig, das Gesetz eine leere Drohung ist, wenn sie nur ihren Vorteil wahren. Mit jesuitischer Kniffigkeit weist man immer auf die paar jüdischen Revolutionäre Rußlands hin, die sich gegen blutige Tyrannei erhoben haben. Die Antisemiten Frankreichs werden aber nicht bedroht, nicht geschädigt, man läßt sie einfach nicht zur Herrschaft und das genügt ihnen, um das zu machen, was sie den Juden fälschlich vorwerfcn: Sie sammeln Geld, setzen sich mit dem Ausland in Verbindung, untergraben die Furcht vor dem Gesetze bei Volk und Heer nnd verüben anarchistische Attentate. Wie weit sie wohl bei uns gegangen wären, wenn man ihnen ihren Lueger nicht bestätigt hätte, ernen Menschen der die Staatsgrundgesetze stündlich Übertritt? In der Hofburg waren sie schon, die Stiefelwichspatrioten, diese Vaterlandsretter, wenn sie an der Herrschaft sind, die Anarchisten, wenn es ihr schäbiger Vorteil verlangt. W. Also der Hraba hat doch eine Kandidatenrede gehalten. Warum auch nicht? Prozesse wie der seinige geben in der christlichsozialen Partei erst den richtigen Befähigungsnachweis. Das bürgerliche Gesetzbuch ist dort eine Stufe für den Aufstieg und das Denkmal für die beiden Parteigründer Schneider und Vergani wird in der Weise ansgeführt, daß auf einem Sockel aus Stellt a. D. Schneider auf die Obligationen Verganis eine Stampiglie aufdrückt. Lehrer. Was die Christlich-Sozialen einmal in Händen haben, geben sie wohl nicht wieder heraus. So dürfte denn der Direktorposten in der Werdertorgasse für die jüdischen Lehrer verloren sein. Bezeichnend ist nur, wie man das zuwege gebracht hat. Man hat ganz einfach so viele jüdische Kinder ansgeschult. bis die christliche Majorität vorhanden war. Dann erfolgte die Ernennung eines christlichen Direktors. Lueger antwortete auf eine Interpellation, es sei unmöglich gewesen, den fünfjährigen Durchschnitt von der Konfession der Schüler zu ermitteln. Tatsächlich ist das kinderleicht und wird den Herren mit der eisernen Stirne hoffentlich noch gesetzlich bewiesen werden. Sport. Der Wiener Otto Sheff, der in Athen bei den Olympischen Spielen die Meisterschaft im Schwimmen über 400 Meter in der Phaleron-Bucht vor den besten Meistern der Welt gewann, ist Jude. Er ist Gymnasiast, 16 Jahre alt und in der Leopoldstadt wohnhaft. Unter den für die Olympischen Spiele qualifizierten Oesterreichern waren noch einige Juden. K. F. in O. Sie ersehen das aus dem Bericht in dieser Nummer. Garantiert naturechtes feinstes Ss^Pflanzefc jJÜk. Fett. ischen kosnösfaru SPEISE: FETT Konkursausschreibung. Intolge Ablebens unseres langjährigen Rabbinners Adolf Diamant gelangt in der hiesigen Knltusgemeinde die Stelle eines ISabbineis zur Besetzung. Mit dieser Stelle ist gleichzeitig die Führung eines behördlich bewilligten Institutes verbunden. Jahresgehalt K 1800, Erträgnis der Stiftungen, Matrikenführnng, usw. sonstige Emolumente 600 K nebst freier Wohnung. Die Anstellung erfolgt vorläufig provisorisch und werden nur den akzeptierten Bewerber die Reisespesen vergütet. Bewerber um diese Stelle müssen Österreichische Staatsangehörige sein, haben ihre akademische und theologische Ausbildung nachzuweisen und haben ihre gehörig instruirten Bewerbungsgesuche, bis längstens 20 Mai a. <r. beim Unterzeichneten Kultnsvorstande einzubringen. Torstand der Israelitischen Kultusgemeinde Sciiaffa am, 24. April 1906. Der Vorsteher: Leopold Mandl. 10 Monate altes reizendes gesundes Mädchen (diskr. Geburt) wird von der aus guter Familie stammenden Mutter ohne Anspruch auf irgend eine Abfertigung an kinderloses israelitisches Ehepaar abzugeben gesucht. Gütige Zuschriften unter „Anspruchslos“ übernimmt aus Gell, die Administration des Blattes.

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