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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-05-04 · 18 (4.5.1906) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
18 (4.5.1906)
Date
1906-05-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
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«te li&r . «*Ä5c3iäS2j^ . 18 Dr. Bloch’s Jahrgang XX11I 4 Zentralorgan für die gesamten Ilnteressen des Judentums. Wien, 4. Mai 1906. LrsiDeLnt jeden Freitag. Brief-Adresse: Mtlen» IX/1, Lerggasse 39. Telegramm-Adresse: Vl0<D's MlocDenscbrttt, Mlren. Inhalt: Leitartikel: Das Ministerium Hohenlohe. — „Oesterreichisch-Jsraelitische Union". — Korrespondenzen: Die Wächter der Sittenreinheit. Generalversammlung des Vereines zur Hebung der Gewerbe in Wien. D.r Wert von Zeugenaussagen. Graf Dzieduszycki über den Zionismus. Budapest. Heine im Hebräischen und Jargon. Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler. Der Sturz Wittes. Das jüdische Viertel in San Franzisko vom Erdbeben zerstört. Casare Loiubioi'o. Die Ausweisungen in Deutschland. Pariser Juristenfükultät. London. Die Lage der Inden in Finnland. Ein Schreiber des Präsidenten Th. Roosevelt. — Vermischtes: Kranzablösungsspenden zugunsten der Chewra-Kadischa :n Wien. Wien. Adaß I srael. Verein Thora Ez Chaim. Schalem Alechem wieder in Wien! Die Uraufführung von Hermann Ziwis Tonbild. Hebräischer Klub. Akademischer Sportklub der jüdischen Studenten in Wien. Eibenschitz, Straßnitz, Aranyos-Maroth. München, Paris. — Feuilleton: Der Killetyrann. — Neue Bücher. — Briefkasten. — Inserate. «—-& A. ft. Postsparftsffrn-Amt Cleartng-Verkebr Mr. 610.976. Redaktion und Administration: Wien IX/l, Kerggasse Mr. 39. 'Telefon Nr. 14.847 ©-© «-* Vexugsprri« für Vestrrreilix: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 „ Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petitzeile 24 Heller. V-» Das Ministerium Hohenlohe. Der neue Frühling Oesterreichs hat wie jeder Frühling mit einem Sturm eingesetzt. Während es aber in der Natur immer von Süden weht, hat es in der Politik vom Nordosten geblasen und einen Stamm umgeworfen, der ein Riese schien. Kann man stärkere Wurzeln haben als das Vertrauen der Krone und die Zustimmung der weitaus größeren Hälfte der Bevölkerung? Freiherr v. Gautsch war nach dem Urteile aller Patrioten und freiheitlichen Denker im Begriffe, mit dem allgemeinen Wahlrecht Krone und Volk, Nationen nnd Natiönchen näher zusammenzuschließeu, das Juteresse aller Individuen am Staate wieder anzufachen, und hat doch erkennen müssen, daß Wahrheit und Fortschritt durchaus keine zuverlässigen Stützen des Politikers sind. Aber die richtigen Stützen der Politik sind sie doch und die konservativen Elemente konnten die Wahrheit auf ihrem Marsche nicht aufhalten, wenn sie auch deren Führer zu Falle brachten. Grollend erheben sich von allen Seiten die Stimmen der großen nationalen und gewaltigen sozialen Organisationen und kündigen vollste Kriegsbereitschaft an, wenn man ihren politischen Herzenswunsch nicht erfüllen werde. Man denkt auch gar nicht daran. Das System Gautsch hat die Amtsräume des Ministerpräsidiums gar nicht verlassen. Alles, was man geschehen ließ, ist, daß man zugunsten der friedlichen Entwicklung den Mann hat gehen lassen, der mit seinen Gegnern in einen fast persönlichen Streit gegangen ist. Seine Vorlagen an das Herrenhaus, den Polenklub und die Alldeutschen bleiben aber dieselben, wenn sie nun auch von einem liebenswürdigen Vertreter in Sammt eingeschlagen und mit feinen Handschuhen überreicht werden. Den festen Entschluß zu entschlossenem Festhalten hat die Krone mit der Berufung des Nachfolgers kundgetay, des Prinzen Konrad zu Hohenlohe-Schillingsfürst. Sein gerechtes moralisches Empfinden, seine Liebe zur Menschheit und seine streng fortschrittliche Empfindung sind eine Bürgschaft dafür, daß er die Lösung der brennendsten österreichischen Frage im volkstümlichen Sinne versuchen wird, und der warme Empfang in den weitesten Kreisen mag ihm zeigen,, daß er sich damit auf dem rechten Wege befindet. Auch wir Juden haben allen Grund zur Zufriedenheit, wenn die breite Grundlage der politischen Entwicklung nicht verlassen wird. Wir haben an dem jetzigen Parlamente nichts zu verlieren, in welchem die Rechte und das Recht unserer anderthalb Millionen vollständig unter den Tisch gefallen sind. Wenn wir klüger und zielbewußter find als in der letzten Wahlgeometrie-Stunde können wir nun auf Grund des allgemeinen Wahlrechtes ein paar tapfere Wortführer an die Stelle bekommen, wo sie am notwendigsten sind. Nur in einem Falle verwandelt sich der Vorteil in seinen Gegensatz. Wenn wir nämlich nicht energisch unseren Vorteil ausnützen, abhängige, schwachherzige Egoisten nicht davonjagen und nicht tüchtige, bewährte Nur-Juden zu unseren Vertrauensmännern machen. Denn der Spruch der großen Menge wird uns radikale, fanatische Gegner klerikaler und nationaler Richtung in großer Menge schicken. Ihnen gegenüber ist die bisherige, zum allergrößten Teil lauwarme und schwächliche Methode unserer letzten Fürsprecher unbrauchbar und machtlos. Wir können darauf rechnen, bei der neuen Regierung die Unterstützung für unsere gerechten Bestrebungen zu finden. Prinz Hohenlohe hat bewiesen, daß er all der dummdreisten Feindseligkeit gegen die durch Steuerleistung und Intelligenz hervorragende jüdische Bevölkerung vollkommen fernesteht. Es ist geradezu eiu Argument gegen den Antisemitismus, daß dies der Fall ist. Denn der neue Ministerpräsident hat Gelegenheit gehabt, sich an einem Brennpunkt des jüdischen Lebens von der Stichhältigkeit der uns gemachten Vorwürfe zu überzeugen. Er war Landespräsident der Bukowina und hat mit seinem gerühmten staatsmännischen Scharfblick in Czernowitz wohl gesehen, wie weit es mit dem „verhängnisvollen Einfluß", der „zersetzenden Tätigkeit", der „verwerflichen Moral", dem „revolutionären Geist" und mit den anderen Walzen her ist, welche die Judenhetzer in ihrem armseligen Leierkasten aufgezogen haben. Die Ueberzeugung an Ort und Stelle brachte ihn dazu, daß er mit' Juden in regem gesellschaftlichen Verkehr stand und ihrem öffentlichen Wirken und Auftreten wiederholt die vollste Anerkennung ausdrückte. Die Judenschaft der Bukowina vergalt diese Gerechtigkeit mit aufrichtiger Liebe und gab ihrem tiefen und aufrichtigen Bedauern Ausdruck, als

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