Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 17 (27.4.1906)
- Date
- 1906-04-27
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021656-3021674--15371-3040133- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 17 Dr. Blocb's MocbenscdrM Sette ruhig über jeden Verdacht hinwegsetzen würde, darf ich als Rabbiner, als Führer einer Gemeinde das nicht wagen. Ich bin es meinem Stande schuldig, auch den Schein einer unehrenhaften Handlungsweise zu meiden. Und auch Sie müssen sich drein fügen, mich nicht mehr zu sprechen. Den Gedanken, durch Mangel fester Grundsätze einst Ihrer Achtung verlustig zu werden, den ertrage ich nicht." So schieden diejenigen auseinander, welche vom Schicksal dazu auserlesen schienen, sich einander anzugehören, durch ungünstige Verhältnisse jedoch, sowie das Dazwischentreten eines boshaften Menschen auf immer getrennt wurden. (Fortsetzung folgt.) Literatur. Hamlet im Jüdischen. Aus London wird in einer Zuschrift an den „Pester Lloyd" berichtet: Im East End, dem Hauptwohnsitze der jüdischen Bevölkerung der englischen Hauptstadt, wurde vor einigen Tagen Shakespeares „Hamlet" in einer lokalen Bearbeitung unter dem vielversprechenden Titel „Prinz Jsmael" aufgeführt. Das Werk des Schwanes von. Avon erhielt in der Adoptierung zugleich einen starken sozialistischen Einschlag. Die Handlung ist in die Zeit der babylonischen Gefangenschaft der Juden verlegt, und die Aehnlichkeit mit den gegenwärtigen Verhältnissen in Rußland wird in dem Drama stark betont. Der erste Akt entfernt sich fast gar nicht vom Original: Prinz Jsmael ist der Sohn des Königs eines noch nicht unterjochten jüdschen Stammes; der Vater Jsmael ist von feinem eigenen Bruder mit Hilfe der Mutter Jsmaels ermordet worden. Im zweiten Akte bemüht sich Jsmael, den Tod seines Vaters zu rächen und sein Volk aus der babylonischen Gefangenschaft zu befreien. Er zögerte lange, seinen Onkel beim Gebet zu töten, aber schließlich werden die meisten der handelnden Personen in irgend einer Form ins Jenseits befördert. Nur zwei der Akteure bleiben am Leben : der König und ein Prophet. Bemerkenswert ist, daß der berühmte Monolog „Sein oder Nichtsein" hier in eine die russischen Juden behandelnde politische Erörterung umgearbeitet wurde. Die Palmenftadt. Boskowitz. LöblicheRedaktion! Bezugnehmend auf den in der letzten Nummer Ihrer geschätzten Wochenschrift erschienenen Artikel über „Jericho und die Palmenstadt" von Herrn Rabbiner Stark erlaube ich mir zu bemerken, daß einerseits auch in Engedi oder Chazazon thamar die Balsamstaude neben der Dattelpalme in großem Maße kultiviert wurde (siehe Sabbath 26 a und ebenso bei Eusebius und Galen, vgl. Wiener Realwörterb. I, S. 132) und andererseits die Palmenkultur im Leben der Bewohner von Jericho noch z. Z. der Tanaim eine große Rolle gespielt hat. (S. d. Mischna-Pesachim IV, 8.) Auch sonst wird von den eigenartigen Palmen Jerichos öfter gesprochen. Vgl. z. B. die interessante Erzählung: „Eine Palme stand traurig da und wollte keine Früchte tragen, da ging ein weiser Mann vorüber und sprach: „Sie sehnt sich liebend nach einem Genossen, der in Jericho wächst, man vereinigte das Paar und die Palme ward fruchtbar." (S. Toseph. zu Menachoth 71a oben.) Richtig wird wohl sein, daß sich die Palmenwälder wie auch die Balsamplantagen von Engedi bis Jericho erstreckt haben und daher beide mit Recht als Palmenstädte bezeichnet worden sind. Hochachtungsvoll Fk. Briefkasten. Heil. Bescheidenheit ist eine Zier. Aber Schönerer ist offenbar gegen jede Zierlichkeit. Und so hat er einen deutschen Volkstag in Asch (200 Leute, die mühsam aus der ganzen Gegend zusammengetrommelt wurden) folgendes Telegramm geschickt: „Deutsches Volk der Ostmarkgauen, Schwere Zeiten sind verhängt. Ueberall, wohin wir schauen, Bist von Feinden du bedrängt. Deinen b e st e n Man n und Schätzer Hast mit Undank du belohnt. Während mancher falsche Schwätzer Geckenhaft als Götze thront. Heil Alldeutschland! Schönerer." Georg I. hat sich also unt Nachsicht aller Taxen und Fähigkeiten zum „besten Mann" der Deutschen ernannt. Aus Freude über diese Ernennung hat er solange Kognak getrunken, bis er alles doppelt gesehen hat. Das ist nämlich im Hinblick auf die Zahl seiner Anhänger sehr notwendig. Bei der Verlesung des Telegramms haben die anwesenden Freialldeutschen kräftig gelacht. Sie dürften damit nicht vereinzelt bleiben. Wundert uns nur, daß Schönerer nicht auch auf seinen Versfüßen schwankt. K. L. In der ersten Herzensfreude über die geborgene Anleihe hat denn auch die russische Regierung unter dem Beifall Europas eine weitgehende Amnestie — pardon — die Vermehrung der Polizei um 55.000 Mann beschlossen. Rechnen Sie den einfachen Alaun mit folgenden Kosten an: 10 Rubel Gehalt, 20 Rubel Verpflegung monatlich, so erhalten Sie ungefähr 20 Millionen Rubel jährlich. Nun wissen Sie wenigstens, wo ein Teil der Anleihe hinkommt. Erst kürzlich stand in der Münchener Jugend ein Bild mit der Unterschrift „Das Frankreich der Menschenrechte reicht Rußland die Knute". Das war die beste Bezeichnung der neuen Anleihe. Wien. Wo Klerikale sind, sind die Weiber nicht weit. Der schöne Karl hat bereits die große Frühjahrsparade seines Heeres von holden, christjichsozialen Amazonen in der Volkshalle des Rathauses abgehalten. Alle Kapazitäten waren versammelt und der Loisl flötete die alten Gstanzeln an die hochverehrten Anwesenden. Armer Kerl! Solch ein großes Riechorgan als Mitglied einer Partei zu haben, wo es so — riecht. Zum Schluß proouzierte sich ER selber. Er sprach so platt wie ein Bügelbrett gegen die Ehereform und freie Schule. EinigeLeute waren versucht, statt des Luegermarsches „Stumpfsinn, du mein Vergnügen" zu singen. Aber bei der Masse fand Lueger rasenden Beifall. Der Mann weiß eben, daß der richtige Führer sich nicht klüger geben darf, als die Anhänger, sollten diese auch noch so blöd sein. 9t. Man darf eben auf keinen Fall im Kampfe gegen die Christlich-Sozialen schläfrig werden, wie es leider Gottes jetzt überall der Fall ist. Wenn auch der Abgeordnete Wrabetz dem Interviewer sagte, die Herrschaft der Christlich-Sozialen sei für lange Zeit hinaus gefestigt, so darf man nicht vergessen, wie diese selbst durch zielbewußte Tatkraft aus kleinen Anfängen zur Macht gekommen sind. Das sollte uns eine Lehre sein. Frankreich. Die Lage bei Lens ist ein politisches Paradoxon. Die Sozialisten sind unwillkürlich durch ihren bewaffneten Kampf gegen die Regierung Bundesgenossen der Nationalisten und Klerikalen geworden, deren Organe entzückt sind über den schweren Schaden des Vaterlandes, weil ihr eigener Weizen dabei blüht. F. S. Hoffentlich wird bald jemand uut einem Donnerwetter gegen diese Machinationen an der Schule in der Werderthorgasse einschreiten, die von rechtswegen einen jüdischen Direktor bekommen sollte. Man hat aber solange jüdische Kinder ausgeschlossen und katholische hineingenommen, bis die Mehrzahl der Schüler christlich war. Hoffentlich hört man bald etwas von dieser Angelegenheit. Notiz. 30.000 Kronen beträgt der Haupttreffer der Kaiserin E l i s a b e t h-H e i m-L o t t e r i e. Wir machen unsere geehrten Leser darauf aufmerksam, daß die Ziehung unwiderruflich am 17. M a i d. I. stattfindet,. und empfehlen angelegentlichst, dieses patriotische und humanitäre' Unternehmen durch Ankauf eines Loses zum Preise von nur 1 Krone zu unterstützen. Konkurs. Bei der Kultusgemeinde JamnltZ gelangt die Stelle eines Rabbiners zur Besetzung. Gehalt K1600, jährliche Stiftungsbezüge ungefähr K 300, überdies freie Wohnung und übliche Emolumente. Bewerber, welche österreichische Staatsbürger sind, wollen ihre Offerte bis längstens 18. Mal d. J. an den gefertigten Vorstand richten. Diejenigen, welche auch das Kantorat erforderlichenfalls versehen können, werden bevorzugt. Reisespesen werden nur dem Akzeptierten vergütet. yer verstand S. Kobn. Kunststickerei für Synagogen-Vorhänge, Baldachine, Thoramäntelchen u. s. w. -■■■- - Nur eigene Erzeugung. ■=■•■*** Restaurierungen von Stickereien, Gobelins etc. E. Hofbauer, Wlsn, VI/3. Scbmaizbofpasse 28.