Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 15 (13.4.1906)
- Date
- 1906-04-13
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 246 Dr. Mocb's Mocbenscbrltt< Nr. 18 berücksichtigt. Es wurde ein Komitee ernannt, das zusammen mit dem Konsistorium die Grundzüge für die künftige Gestaltung der Dinge feststellen soll. Eine Arbeiterbewegung zu Gunsten des Sabbaths in New-Aork. Im Osten von New-Iork spielt sich gegenwärtig ein im höchsten Maße interessanter Kampf ab. Seit kurzem ist dort eine Bewegung im Gauge, die auf die strenge Beobachtung des Sabbaths in den jüdischen Geschäften hinstrebt. An der Spitze dieser Bewegung, die mit jeder Woche an Ausdehnung gewinnt, steht die „Sabbath Cooperative Association" und der Verband der jüdischen .Handlungsgehilfen. Der Kampf richtet sich gegen die Ladenbesitzer des Ostens, die sich weigern, ihre Läden am Samstag zu schließen. Die Handlungsgehilfen, die bisher wie Sklaven sieben Tage in der Woche arbeiteten, ohne eine Zeit für Ruhe und Muße, geschweige denn für geistige Sammlung zu haben, verlangen einen Feiertag, und die gesetzestreuen Kreise, vor allem die „Sabbath Cooperative Association", ergreifen die Gelegenheit, den Handlungsgehilfen in ihrem verlangen nach einem Ruhetag zu Hilfe zu kommen, so daß man mit vereinten Kräften auf das gemeinsame Ziel hinarbeitet. Besonders bemerkenswert ist es, daß hier zum erstenmale die Rabbiner in enge Fühlung mit einer Gewerkschaft treten. Es ist zu hoffen, daß sie diese Beziehungen benutzen, um auch in anderen Angelegenheiten einen günstigen Einfluß auf die Arbeiterbevölkerung auszuüben. Die Misrachi-Vereine haben sich dem Kampfe für den Sabbath angeschlossen und eine Konferenz der jüdischen Organisationen einberufen, in der über die weitere Förderung der Bewegung beraten werden soll. Der Dichter Morris Rosenfeld liegt an den Folgen eines Schlaganfalles im New-Horker Phisical and Medical Hospital darnieder. Der Dichter kam, wie der „Nationalzeitung" aus New-Aork berichtet wird, vor einigen Tagen aus Baltimore zurück, wo er Freunden einen kurzen Besuch abstattete. Tags darauf fühlte er sich unwohl, die ganze rechte Seite des Körpers war gelähmt, so daß er weder zu sprechen, noch sich zu bewegen imstande war. Er wurde rasch ins Spital befördert. Der behandelnde Arzt ist der Ansicht, daß Monate vergehen werden, ehe der Dichter die Herrschaft über seine Gliedmaßen wiedererlangen wird. Inzwischen liegt er im Hospital und ist gezwungen, den schrecklichen Lärm anzuhören, den die Arbeiter der Zentralstation der New-Aorker Untergrundbahn bei ihren Arbeiten verursachen. Der Dichter wurde im verflossenen Jahre überhaupt vom Unglücke verfolgt. Sein einziger Sohn, ein außergewöhnlich talentierter Junge von 15 Jahren, starb nach kurzer Krankheit. Er selbst war monatelang auf einer Vortragsturnee, von Stadt zu Stadt wandernd, schrieb unterdessen viel für die jüdische Preffe und mußte während seiner Reisen verschiedentliche Unbilden ausstehen und manche seelische Bitternis ertragen. Erst das vor einigen Monaten erfolgte Erscheinen der radikalen Wochenschrift „Der Zeitgeist" bot ihm eine Stellung, in welcher er fich ftei bewegen und zum ersten Male ein halbwegs sorgloses Leben führen konnte. Und gerade jetzt, da er einem wirklich der Erholung und nicht beschwerlichen Reisen zu widmenden Sommer entgegen ging, wurde er aufs Krankenlager gestreckt. Rosenfeld liegt nun im Hospital, wo er von seiner ihn abgöttisch liebenden Frau gepflegt wird. Der unglückliche Dichter ist sehr unruhig, aufgeregt und stets deprimiert. Unaufhörlich jammert er: „Meine rechte Hand ist gelähmt, nun werde ich keine Gedichte mehr schreiben können!" Und als wollte er den Besucher überzeugen, daß er nicht übertreibe, macht er den Versuch, den rechten Arm emporzuheben, aber — es geht nicht . . . Trotzdem sein Körper steif und unbeweglich ist, rollen seine feurigen Augen umher, als wollten sie die Wände durchdringen, um zu erfahren, was draußen in der Welt vorgeht. Seit einigen Tagen befindet sich der Dichter auf dem Wege der allerdings sehr langsam fortschreitenden Rekonvaleszenz. Er spricht schon ganz deutlich und unterhält sich mit seinen Besuchern. Er ist sich dessen bewußt, daß er vor Ablauf mehrerer Monate die Beweglichkeit des Körpers nicht zm ückerlangen werde. Das ist auch die Ansicht seiner Aerzte. Die Aussicht auf monatelange Untätigkeit drückt ihn sehr nieder. Er kann sich gar nicht in die Situation hineindenken, monatelang regungslos dazuliegen, während sich draußen alles fortbewegt, aber er weiß auch ganz genau, welche Vorschriften er zu befolgen hat, um die Besserung seines Zustandeszu beschleunigen; außerdem sorgt auch seine Frau dafür, daß alles in Ordnung gehe. Die älteste Judengemeinde der Welt. Aus London wird dem „Pester Lloyd" berichtet: Der englische Forschungsreisende Bainbridge teilt soeben über einen von ihm der ältesten Judengemeinde der Welt abgestatteten Besuch folgende interessante Einzelheiten mit: Gelegentlich einer kürzlich unternommenen Reise in China fand der Engländer, der in chinesischer Verkleidung mit einer Eskorte reiste, in Kai- Fong-Fu an der Vereinigung des alten und neuen Laufes des Gelben Flusses, 350 Meilen südlich von Peking, eine jener, man kann wohl sagen, vorgeschichtlichen Judengemeinden, deren Vorhandensein in China schon von älteren Forschern als zweifellos angenommen wurde. Mr. Bainbridge erzählt nun, daß die von ihm aufgefundene uralte, vermutlich schon 700 Jahre vor Christi Geburt in China eingewanderte Judengemeinde vollkommen gesondert in der Mitte der chinesischen Bevölkerung lebt und in ihrer Synagoge nach einem ganz eigenen Rituale den Gottesdienst geheim abhält. Vor Kurzem hat eine durch die Veränderungen im Laufe des Gelben Flusses hervorgerufene Ueberschwemmung den Tempel dieser Gemeinde zerstört und der englische Forscher wurde von den Vorständen der Kongregation beauftragt, bei den Stammesgenossen in Europa für den Wiederaufbau des Gotteshauses im Innersten Chinas Propaganda zu machen. Der Reisende hat Abschriften der Epitaphe mitgebracht, die er auf den Grabsteinen des ältesten aller jüdischen Friedhöfe fand. Aus dem Vorhandensein vieler altpersischer Wortelemente in der Sprache dieser Gemeinde wird geschlossen, daß ihre Vorfahren ungefähr 700 Jahre v. Chr. von den Persern in Gefangenschaft geführt wurden und später den Weg nach Ostasien gefunden haben, auf der alten transasiatischen Karawanenroute, den Oxus entlang, über den Pamir, am Rande der Großen Wüste hin zum Gelben Meere. Ein anderer englischer Forscher, der eine zweite dieser interessanten Judengemeinden fand, die von Christus überhaupt nichts wußte, berichtet über die ins Chinesische übertragenen biblischen Namen im Pentateuch dieser Juden. Abraham figuriert hier als Awoo-Lo-Hau, Moses als May-she und Ezra als Z)e-Tße-la. Die Elektrizität in Palästina. Der Sultan, dcr bis jetzt der Einführung der Elektrizität heftig widerstrebt hat, gibt, wie „The Nation" mitteilt, nunmehr nach und hat die Konzession zur elektrischen Beleuchtung Jerusalems und für ein Draisinen-System in der Umgebung gewährt, das sich zu einer Straßenbahn nach Bethlehem, Bethanien und wahrscheinlich auch nach Jericho und dem Mosesgrab auswachsen wird. Man plant sogar, die elektrische Linie bis Amman weiterzuführen. womit der Anschluß an die Linie Damaskus-Mekka erreicht wäre. Wie wichtig dieser Bahnbau für Pilger, Touristen und Archäologen wäre, braucht wohl nicht gesagt zu werden. Bon Amman fährt die Eisenbahn in 13 Stunden nach MLan, von wo man in sechsstündigem Ritt die grandiosen Ruinen von Petra erreicht, die bisher nur mit Schwierigkeiten und Gefahren besucht werden konnten. Auch Damaskus wird ein vollständiges elektrisches Straßenbahnsystem erhalten, wozu die Wasserkraft von dem historischen Abanaflüßchen, gewöhnlich Barada genannt, geliefert werden soll. Und Beyruth, die am weitesten vorgeschrittene und modernste Stadt Syriens, bewirbt sich ebenfalls um die Konzession für elektrische Beleuchtung und Straßenbahnen. Jerusalem. Infolge des in Rußland herrschenden Chaos hat sich eine ziemlich große Anzahl von Auswanderern auch nach Palästina gewandt. Von Jaffa wird gemeldet, daß dort fast jede Woche viele jüdische junge Leute und Mädchen,