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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-03-23 · 12 (23.3.1906) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
12 (23.3.1906)
Date
1906-03-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sette 182 Dr. J3locb's Mlocbenscvritt. Sil. 12 Wunder den Adel für einen vermeintlichen Paria herbei. So entstanden feine Judenbilder. Zwei davon, hingebungsvoll durchgeführt, find in der Ausstellung zu sehen. Emen prachtvollen Rasseukopf mit vornehmem Ausdruck hat sein trauernder Jude, stunmungsvoll gehoben durch einen Vorhang in Goldton mit bewundernswerter Ornamentik. Auch der Belfer ist entzückend geraten. Ein Meisterstück der Technik lieferte Kaufmann noch in seinem „Eingang zur Betstube" mit dem Mauerwerk und den Flurziegelu. Wehmütig liegt es über dem kahlen Winkel, dessen Boden von unzähligen Betern in Rinnen getreten wurde, ohne daß sie das Schicksal aus ihrem scheuen Versteck herausließ. Ein ganzes Trifolium derselben Gattung folgt nun im Kataloge auf einander. Eine von David K o h n s berühmten Zeichnungen ist dem Volke des Buches gewidmet. Em „Grübler" scheint eben an eine schwierige Talmudstelle gekommen zu fein. An einem versteckten Platz im Stockwerk hängt das Werk des bescheidenen Künstlers, dessen virtuose Zeicheukuust gar vielen Malern die Grundlage gegeben hat. Nun zuLazarKrestin, der sich zu seiner großen Kunst mühselig durchgerungen hat, ohne den Schlagworten des Marktes zu lauschen oder innerlich und äußerlich seiner Natur und seinem Kunstideal untreu zu werden. In allen seinen Werken ist er ein unerschütterlicher Sklave der Wahrheit, der dem kleinsten Detail der Natur mit stupendem Fleiße gerecht wird und dessen Farben sich von keiner schwierigen Aufgabe unterkriegen lassen. Das bringt chm auch während der Saison viele Aufträge für Porträts. Im Sommer aber, weun er seiner Kunst und Fabulierkraft überlassen wird, da wendet er sich dem einen zu, das er in unzähligen Gestalten erfaßt hat und kennt: dem Judentum. Er ist aus seinen Zentren gekommen, aber er hats gemacht wie Morris Rosenfeld, ist bodenständig geblieben. Wohl hat er fleißig auch alles andere getrieben, aber seine Meisterwerke sind seine jüdischen Sachen geblieben. Ihre Reihe wurde nun durch ein Meisterwerk ergänzt: das Beth-ha-Midrasch. Eine hell erleuchtete Stube. Reizende Beleuchtuugseffekte der Sonne. Ein Rabbi im Vordergründe über ein helliges Buch gebückt. Um einen rohen Tisch herum aber eine Gruppe orthodoxer Juden. Mchts von Clichee dabei. Jeder Typus neu, prägnant, stumpfe und erleuchtete Gesichter, Leute aus dem Volke mit dem Aussehen von Handwerkern, der Rosch hakohol im teueren steifen Hut, so mengt es sich zu einem Ausschnitt aus dem jüdischen Leben des Geistes, in welchem die Miene jedes Einzelnen uns ergreift. Arme, die fromm sind mit Trauer und Bitten, Reiche mit zufriedenen Gesichtern, gleichgültige Heuchler, die Dankesopfer mit deu Lippen bringen, Gläubige aus Glauben sind vereinet zu einem wurzelechten Ganzen, das in Inhalt und Schönheit hinter keinem nationalen Motiv in der Ausstellung zurücksteht, an Lebenswahrheit jedes überbietet. Q u i t t n e r's tüchtige Landschaften haben einen alten Ruf. Die drei Ausstellungsstücke verraten die Fertigkeit eines hochqualifizierten Künstlers. Nun zu einem Porträtisten, der sich bereits in ganz Europa Namen gemacht hat. Es ist Viktor Schars, der Sohn eines ehemals in Wien bekannten Mannes, der in Paris lebt. Er hat zwei Porträts und ein Kücheninterieur geschickt. Der Ton seiner Bilder und seme Lieblingsobjekte lassen sich am besten in Beziehung bringen zu den dunkeln Zimmern alter, müder Geschlechter, in denen alles vcn BornehAhelt und Dekadence spricht. Bei Scharf steht alles im Hintergrund solcher abgeschlossener Räume, der Glanz seiner Farben ist mit zurückgehaltener Kraft aufgetragen und diese Diskretion erhöht noch den Eindruck seines enormen Könnens. Jung, aber groß im Ruhme ist Nikolaus S ch a t 1 e u st e i n, der am Eröffnungstage der Ausstellung zum zweitenmale den Berliner Beer-Preis holte mit seinem „Sabemns papam“, der Massenszene aus der Peterskirche und den Pariser Skizzen. In der Ausstellung hängt eines seiner ftischen und lebenskräftigen Porträts und ein Bild, an welches er eine Paradeleistung wandte. Es ist eine spanische Tänzerin nach dem Fandango in ihrer finstern Garderobe. Die Hüllen sind nach der Hitze und Leidenschaft gefallen und nun leuchtet der weiße Leib durch die Finsternis hervor, während eine Menge feiner Details in den Schalten hineingemalt sind. Das zarte Inkarnat der Haut ist prachtvoll wiedergegeben. Schwarz (Adolf), ein Landschafter, dem man große Begabung zusprechen muß, macht in diesem Verzeichnis den Schluß. Möglich, daß jemand hier unrechtmäßig ausgeblieben ist, dessen Bekenntnis nicht festzusteÜen war. Aber es ist seine Schuld, wenn sich das Judentum bei ihm nicht meldet, weil er sich nicht beim Judentum gemeldet hat. _ I. Upri:nny. Zur Kotonisationvfrage der russischen Jude«. Don Dr. Leopold L o r ä n t, Fünfkirchen, h. Komitatsphysikus. II. Nord-Mesopotamien. Wenn wir von Alexandrette über Beilan beim Jfrim-chan den Fluß übersetzen, gelangen wir nach Termanin und nach weiteren 8 Stunden Rittes sind wir in Aleppo, nach Damaskus die größte Handelsstadt Syriens, der Stapelplatz für Kurdistan und Mesopotamien. Von Aleppo führt der eine Karawanenweg mitten durch Mesopotamien, den Euphrat entlang über D'eir bis el-Hitt und von hier in das Tiefland über Saklawieh und Ager-Kuuff nach Bagdad am Tigris; der andere geht, bei Biredsik den Euphrat überschreitend, nach Mardin—Dara—Nisibin- Djezireh—Mossul (Niniveh) über Erbil (Arbela und Gaugamela), Kerkuk und durch das Tiefland nach Bagdad am Tigris; und die dritte Karawanenstraße führt von Aleppo gegen Westen nach Diarbekir, der Hauptstadt Kurdistans, und von Diarbekir auf dem Tigrisflusse mittelst „Kellek", das ist ein aus aufgeblasenen Hammelfell-Schläuchen gebildetes Fahrzeug, an Djezireh-Mossul (Niniveh) vorbei über Kerkuk nach Bagdad. Mesopotamien, das weite Gebiet zwischen Tigris und Euphrat, welches zur Zeit Alexanders des Großen 20 Millionen Einwohner zählte, hat heute bis zum persischen Meerbusen kaum l'/z Millionen; ehemals die fruchtbarste Talebene, ist es heute nahezu verödet — eine Wüste, wo man zu Zeiten nach tagelangem Ritte kaum einem lebenden Wesen begegnet. Hie und da taucht wohl ein kleines Dorf mit Lehmhütten auf, dessen wenige Bewohner ein kümmerliches Dasein fristen, in der Umgebung des Dorfes etwas Durrha- und Gerstenkultur, sonst Alles öde und wüst, nur auf den Grasfeldern der vereinzelten Oasen sind zuweilen sichtbar die schwarzbraunen Zeltlager der Schemaar- und jenseits des Euphrat der Anezeh-Beduinen, deren zahlreiche Kameel-, Schaf- und Ziegenherden hier weiden. Das gesegnetste Land des Altertums ist heute Wüste,. trotz des alluvialen Ackerbodens, welcher bei geeigneter, zweckmäßiger Bewässerung auch heute zwei-, selbst dreimalige Ernte gibt, wie dies im Ueberschwemmungsrayon der Flüsse und wo Kanäle, teilweise noch Reste der großen Verbindungskanäle beider Flüsse noch von Alexander dem Großen angelegt, zur Bewässerung benutzt werden können. An solchen Stellen, es gibt noch viele solche kultivierbarer Gebiete, welche jetzt brach liegen, erntet der Araber seinen Weizen und Gerste schon Ende März, und wo Bewässerungsanlagen vorhanden, hat er reiche Ernte in Sesam, Reis und Baumwolle und einen reichen Ertrag von den Dattelpalmen. Zur Zeit der Schneeschmelze im Gebirge, dort wo der Tigris und Euphrat und die anderen großen Flüsse Mesopotamiens, der Zarb und Chabur-csaj ihr Quellgebiet haben und weun durch die ungemessenen Regenmengen die Flüsse anschwellen, überschwemmen sie oft auf ansehnliche Entfernung große Strecken der Täler, so daß die Bewohner, welche auf erhöhten Inseln wohnen, nur im Wasser, den aufgeblasenen Ziegenschlauch an die Brust befestigt, mit den Bewohnern der benachbarten Dörfer verkehren können. Wenn nun die Wässer abgeflossen, bleibt der an organischen

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