Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 10 (9.3.1906)
- Date
- 1906-03-09
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 158 Dr. Dlocb s MlocbenscbrM. Nr. 10 träges geschehen. Mit den Improvisationen, Variationen, den stillosen und häufig ganz unpassenden „Verschönerungen",Koloraturen, Mordenten und anderem Unfuge dieser Art muß ein für allemal gebrochen werden. Der Gottesdienst soll keinen Raum bieten für persönliche Ambition und künstlerische Eitelkeit, für dilettantische Kompositionen und unzulängliches Virtuosentum. Es wäre hohe Zeit, Ordnung und Gleichmäßigkeit in den Wiener Bethäusern einzusühren, zunächst in denen, welche der Kultusgemeinde selbst gehören, aber auch in den Vereinsbethäusern, welche durch die Kultusgemeinde subventioniert werden. Nur sehe man zum rechten, ehe die Erinnerung an die Sulzersche Glanzzeit gänzlich in Vergessenheit geraten ist. LI. 8. Kteratur. Dr. M. Marge!: „Deutsch-Hebräisches Wörterbuch". XVI - 867. PoLega 1906. Das deutsch-hebräische Wörterbuch von Dr. M. Marge! hat soeben seinen Abschluß erhalten, in verhältnismäßig kurzer Zeit ist es zu einem stattlichen Bande geworden, der den gesamten hebräischen Sprachschatz dem Suchenden nicht bloß in der Weise vermittelt, daß er für den deutschen Ausdruck die entsprechenden hebräischen Wortäquivalente erhält, sondern ihn auch wirklich mit den Phrasen und Redewendungen vertraut macht, die dem hebräischen Sprachgciste eigen sind, und in den Stand setzt, eine ziemliche Sicherheit des Sprachgefühles zu gewinnen. Man erstaunt oft, wie sich ganz moderne Vergriffe und Ausdrücke des alltäglichen Lebens in gutes, klassisches Hebräisch umsetzen laffen. M a r g e l s Arbeit ist dadurch zu einem äußerst brauchbaren und schätzenswerten Hilfsmittel für den Semitologen, insbesondere für den Hebraisten, geworden, dessen er nicht wird cnttaten können. Res. hat das Wörterbuck schon große Dienste geleistet und hat ihn nie im Stiche gelosten Sollte das Werk bald eine Neuauflage erleben, was wir im Interesse der Wissenschaft und des fleißigen und vorwärtsstrebenden Verfassers vom Herzen wünschen, so möchten wir die Bitte ausiprcchen, die in beiden Talmuden und in der Midrasch-Literatur vorhandene Phraseologie noch mehr herein zu beziehen, als dies auf „Verlangen des Verlegers" bis jetzt geschehen, wir haben gerade daran ein ganz besonderes Interesse. Wir haben für Herrn Dr. Marge! sogar noch eine ganz spezielle Aufgabe, der er sich unterziehen sollte und die ebenfalls ein dringendes Bedürfnis ist; sie besteht in der Fertigstellung eines rein deutsch-aramäischen Wörterbuches, in den: nur der in den Targumim und in aramäischen Teilen der Talmude und Midraschim vorhandene Sprachschatz zur Verwendung kommt. Die Sprachforschung fordert in der gegenwärtigen Bewegung reinliche Scheidung zwischen dem aramäischen und neuhcbräischen Idiom. Vor der Hand aber sagen wir Herrn Dr. Marge! für die getane wistenschaftliche Leistung unsren Dank und wünschen ihm reichen Lohn für seinen emsigen Fleiß und große Mühe, die ihm dieselbe verursacht hat. Professor Dr. Aug. Wünsche. Neue Bücher. Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden. Herausgegeben vom Bureau für Statistik der Juden, Berlin-Halensee, Westfälische Straße 46. Redaktion: Dr. Arthur Ruppin. II. Jahrgang, Heft 2, Februar 1906. Inhalt: 1. Abhandlungen. 1. Dr. Arthur Ruppin, Berlin: Die russischen Juden nach der Volkszählung von 1897.11. 2. Ludwig Wassermann, München: Aufbau der jüdischen Bevölkerung in Baden. 3. Schulbesuch christlicher und jüdischer Kinder im Winterhalbjahr 1904 in Berlin. Statistisches Archiv. Konfession der Einkommensteuerpflichtigen in Berlin. Stipendien an preußischen Universitäten. Die Frequenz der Universität Czernowitz. Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben vom Verbände der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland. Neunter Band. Mit Beiträgen von W. B a ch e r, I. C o h n, K. E. F r a n z o s, G. K a r p e l e s. M. P h i l i p ps o h n, L. Rahm er, M. Schächter, L. Stein. Verlag von M. D o p p e l a u e r, Berlin, 1906. Dr. Theodor Kroner, Stadtrabbiner und Kirchenrat zu Stuttgart. Geschichte der Juden von Esra bis zur Jetztzeit für Volksschulen und höhere Lehranstalten. Verlag von I. Kauffmann, Frankfurt a. M. 1906. Unsere Hoffnung. Monatsschrift für die reifere jüdische Jugend, Redaktion Wien III,4 Untere Viaduktgasse 25, III. Jahrg., Heft Nr. 3, März 1906, Inhalt: I. Carn i ol: Unser Chamischo — ossor-Fest — („I ü d. Rund sch.") Der „Bund" und die jüdische Selbstwehr. .B e n Abraham: Der Prophet Eliah in der jüdischen Volkssage. Josef Lamm: Süßkind von Trimberg. I. Dinesohn: Warum Motele nicht in den Cheder gehen will. E. O b e r n i k: Der Prager Judenfrkedhof. Bücherschau, Korrespondeuzen. Soeben erschienen: „Das Lied der Nachtigall". Erzählung von Taki ben Jo gli (Dr. Katzenelsohn) aus dem Hebräischen von Josef Meisel. Der hebräische Dichter behandelt in dieser Erzählung in künstlerischer Form das Problem der Rückkehr der Juden zum Ackerbau in Palästina. Zu Propagandazwecken sehr geeignet. Schön ausgestattet! Preis 60 Heller 50 Pfennige. Bei größeren Bestellungen Rabatt. Zn beziehen durch: „Unsere Hoffnung", Wien, Ill/2, Untere Viaduktgasse 25. Kriefkasterr. N. Friedmann, NewFjork. Der Vortrag Dr. Grunwalds: „Aus alten österreichischen Prozeßakten" ist nicht im Druck erschienen und dürfte erst mit der Herausgabe seiner gesamten Vorträge veröffentlicht werden. Wir sind darum nicht in der Lage, diesmal ihrem Wunsche zu entsprechen. Nobile par fratrum. Nachdem Hraba in die Beleuchtung des Gerichtssaales gerückt wurde, illuminieren ihn die Christlich-Sozialen. Jetzt gehört er erst ganz zu ihnen. Merkwürdige Privatgeschäfte, heuchlerische Gesinnung, Liebhaber von Alkohol — nichts von den hervorragendsten Eigenschaften eines Wiener Ainisemiten geht ihm ab. Er konnte daher mit Recht verlangen, daß trotz seiner moralischen Verurteilung seine politischen Freunderln nicht etwa nur schweigen — das wäre zu wenig gewesen — sondern ihn justament noch extra auf den schmutzigen Schild erheben. Eine besondere Hauptversammlung des Deutschmeisterschützenkorps drückte ihm die Hochachtung aus, nachdem ihm schon der Vorstand gehuldigt hat. Vielleicht stellt der löbliche Verein seinen „verdienstvollen Obmann" noch ein kleines Denkmalchen ans, nachdem er schon beim Monumentbauen ist? Wir schlagen als Standplatz das Wiener Brauhaus oder den Rathauskeller vor, zum Sockel könnte man die eiserne Stirne eines Rathausgewaltigen nehmen, als Material Weinstein und den Kopf könnte man mit Lorbeerblättern garnierest/Man könnte ihm darstcllen, wie er etwa im Lokale der Firma Landauer & Co. das Gemeindebudget der Stadt Wien verfaßt, oder wie er einen Artikel im deutschen Volksblatt gegen die Börse liest, oder einen flammenden Aufruf an das Publikum zur Ausnützung börsemäßiger Chancen durch das Bureau Landauer diktiert. Sein Bruderherz und ex oöo Verteidiger Bielohlawek, der ihn neulich in einer Wählerversammlung lobte, könnte die Muse vorstellen, die Hraba den Kranz reicht. Oh, es wäre sehr hübsch, wenn uns die beiden in Stein erhalten blieben! Politikus. Die einzige ersichtliche Folge der Konferenz in Algeciras ist, daß sich die Marokkaner bei der Rivalität der Mächte sehr wohl und ungebunden fühlen und ihr Räuberleben schrankenloser treiben. Selbstverständlich sind Juden die ersten Opfer und flüchten in Masse aus den kleineren Flecken in die großen Städte, wo sich die fremden Konsulen aus Menschlichkeit und aus dem Grunde ihrer annehmen, weil jede Macht jetzt gerne Anhänger erwirbt. Die Räubecelen der Araber und die Bedrückungen durch die Behörden dauern aber auch in den Städten fort. Frau M. Der christlichsoziale Frauenverein „Kaiserin Elisabetheim", Präsidentin Baronin Salzgeber, trat ans dem „Bund österreichischer Frauenvereine" aus, weil dieser auch jüdische Frauenvereine umfaßt. Geschah dies etwa wegen des Abstandes an Bildung? So wird denn der eine Teil zum Kampfe für Frauenrecht und Fortschritt marschieren, der andere unter den Klängen des Lueger-Marsches nach einem Wallfahrtsort. Will der oben erwähnte antisemitische Verein, um seine tüchtige Gesinnung noch besser zu beweise», nicht auch den unschuldig gequälten Herrn Hraba als Lehrer des feinen Tones engagieren? K. L. Nein, Gott behüte, nur kein Liberaler soll er werden, der Ahlwardt, der jetzt seinen Antisemitismus niedergelegt hat, um die Jesuiten zu bekämpfen. Die Antisemiten sind uns zwar als Feinde unangenehm, aber als Freunde wären sie uns noch viel fürchterlicher. Da ziehen wir es schon vor, weniger, aber kluge und ehrliche Leute zu Freunden zu haben. Frage. Der Obmann des zionistischen Landeskomitees, Doktor I. Schalit, wohnt Währingerstraße 3. S. Fried in P. 1. Ja. 2. Verschiedenheit der Ausdrücke bei Wiederholung desselben Gedankens ist ein ästhetisches Erfordernis. R. Die russische Judenfrage ist trotz aller Versprechungen Wittes auf demselben Punkte, wie sie immer war, und alles, was sich unseres Erachtens ändern kann, ist die dafür verantwortliche Stelle. Am 10. Mai nämlich wird der Reichstag, die Duma, zusammentreten und ihrer Entscheidung soll angeblich das Schicksal der Juden unterbreitet werden. Nun kann man sich wohl denken, wie die