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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-02-16 · 7 (16.2.1906) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
7 (16.2.1906)
Date
1906-02-16
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 7 Dr. Dlocb's MocvenscbrtN. Seite 107 Albert Tandler, Karl Epstein; als Ersatzmänner: Simon Schubert, Josef Töpfer, Leo Albrecht; als Vertrauensmänner: Josef Heller, Ingenieur Alfred Pis?, Berthold Bäcker. Wohltätigkeitskonzert. Pohrlitz. Am 27. v. M. veranstaltete der hiesige Frauen- Wohltätigkeitsverein unter gef. Mitwirkung der Frau Ludmilla Schild, der Fräuleins Elsa Bader, Camilla Seidl, Johanna Wollner, Eugenie Haas und Bertha Buxbaum, sowie der Herren Hugo Bader, Siegfried Adler, Igo Berger und Sigmund Goldschmied im Restaurant Spitz einen Vortragsabend mit anschließendem Tanzkränzchen. Zur Aufführung gelangten mehrere Gesangs- und humoristische Vorträge, welche bei dem überaus zahlreich erschienenen Publikum reichen Beifall und Anerkennung fanden Dem überaus rührigen Komitee, allen voran der wegen ihres humanitären Wirkens allgemein beliebten Präsidentin Frau Rosa Bader, wie den übrigen Vorstandsdamen Frau Eugenie Ellinger, Bertha Wollner, Amalie Haas und Mathilde Dux gebührt Dank und Anerkennung, da hiedurch dem Vereinsfonde der namhafte Betrag von 230 Kronen als Reinerträgnis zugeführt wurde. Den Abend beschloß ein höchst animiertes Tanzkränzchen, bei welchem die. beliebte Pohrlitzer Stadtkapelle unter persönlicher Leitung des Kapellmeisters Herrn Franz Sellner die Musik besorgte. Jamnitz. Das Purimballkomitee in Jamnitz hat beschlossen im heurigen Jahre von der Abhaltung einer Purimunterhaltung aus folgendem Grunde Abstand zu nehmen: Das Jahr 5666 ist ein Trauerjahr für das jüdische Volk. In den ersten Tagen des Monates Cheschwan wurden Hunderttausende von unseren in Rußland lebenden Stammesgenossen zu Bettlern gemacht, Zehntausende verwundet und verkrüppelt und Tausende grausam hingemordet. Diese bestialischen Taten in unserem Zeitalter der Humanität und vorgeschrittenen Kultur stellen die finstersten Tage des Mittelalters weit in den Schatten und erfüllen uns mit großem Schmerze. Wir halten es daher als unsere Pflicht, zum Zeichen unseres aufrichtigen Mitgefühles mit unseren darbenden und ins namenlose Elend gestoßenen Brüdern und Schwestern und aus Pietät für unsere in kühler Erde ruhenden Märtyrer heuer keine Purimunterhaltung zu arrangieren. Statt dessen wagen wir es, an alle unsere Gönner mit der Bitte heranzutreten, einen Teil jenes Geldbetrages, den sie voraussichtlich für einen Ball verausgabt hätten, dem gefertigten Komitee zu wohltätigen Zwecken zur Verfügung stellen zu wollen. Mit stammesbrüderlichem Gruße das Purimballkomitee: R. Reich, Dr. Wertheimer, H. Kornstreicher, A. Spira, M. Appelfeld, E. Gutfreund, W. Orlik. Prag. Herr Leo K o r n i tz e r, Oberkantor in Saaz, wurde einstimmig zum Oberkantor des neuen, noch nicht vollendeten Kaiser Franz Josef-Jubiläumstempels in Prag (Jerusalemsgasse) ernannt. Nachod. In der Sitzung des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde von Nachod vom 5. Februar d. I. wurde Rabbiner Dr. Gustav Sicher zum Rabbiner von Nachod gewählt. Dortmund. Der neue Rabbiner, der von der hiesigen israelitischen Gemeinde erwählt ist, Herr Dr. Phil. Jakob aus Göttingen, der bisher dort in gleicher Stellung amtiert, wird sein hiesiges Amt am 1. März antreten. Feuilleton. Der Iargorrdichter Morris Rosenfeld. Vortrag, gehalten in der zionistischen Ortsgruppe zu Hamburg am 1. Februar 1906 von Frau Lisa T a r l a u. (Schluß.) Packend, Grauen einflößend vor dem Moloch, der in den Werkstätten an Menschenleibern zehrt und menschliche Gehirne schlürft, malt der Dichter das Los der Ausgebeuteten. Die Maschinen sausen und brausen um den Arbeiter, um ihm rauscht und schwirrt und surrt es, der Taumel verschlingt ihn, sein Ich geht unter, er selbst wird Maschine, Maschine, — nichts mehr. Tot jedes Gefühl, tot jeder Gedanke: Die blutig-grausame Arbeit erschlägt Das Edellte, Beste, das Reichste, das Höchste. Das Schönste, was Menschenherzen bewegt. Die Uhr in der Werkstatt, die steht nicht stille. Zeigt an und tickt und schlägt und weckt. Mir sagte einst Einer die eigne Bedeutung, Die in dem Ticken und Schlagen steckt. Fast traumhaft kommt mir ein seltsam Erinnern: Die Uhr weckt Geist und Lebensbegehr Und lehrt - doch was? — Ich Hab' es vergessen, O fragt nicht, — ich bin nur Maschine, — nichts mehr. Es tickt und schlägt, es kreisen die Zeiger. . . . Doch horch — was klingt dort her von der Wand? „Rege Dich!" ruft der ruhlose Pendel, „Rascher, rascher rühre die Hand!" Die Zeiger gleichen zwei bösen Augen, Die lauernd auf mich herunterseh'n, Und jeder Schlag ist wie Meisters Schelten: „Maschine", schreit es, „Du hast zu näh'n!" Das ist nur ein Teilchen, ein Akkord aus der Symphonie der Verzweiflung, die Morris Rosenfeld aus den bitteren Erfahrungen seines Lebens in dichterische Form gießt. Die Note erschütternden Jammers klingt noch oft genug, akkompagniert von trostlos wehmütiger Resignation. Wer könnte die tiefste Ergriffenheit abwehren, wenn der Mann im „Lied der Not" die Gedanken seines wunden Herzens vor uns enthüllt: Mein krankes Weib liegt im Bette Und schläfert den Kleinen ein. Sie summt ganz leise, leise Dem Kind eine Schlummerweise, Mein Husten klingt heiser darein. Ich denk' mir — und möchte weinen: Wenn beut' mich trifft der Tod, Was soll aus ihnen werden. Wen haben die Armen ans Erden, Wer schafft ihnen Bett und Brod? Die Beiden, wo nehmen sie morgen Auch nur das kleinste Geld, Wer wird ihnen leihen und borgen, Wer schützt sie vor Not und Sorgen, — Wer schert sich um sie in der Welt? Ich denke und denke, — da faßt mich Der Schlummer .... Ein kurzes Glück! . . . Im Osten lichtet 's sich wieder. Ich schleppe die zitternden Glieder Zur dumpfen Werkstatt zurück. Solche peinigende Gefühle der Abhängigkeit und Unfreiheit, das Bewußtsein, für karges Brod alle Menschenrechte verkauft oder doch in Miete gegeben zu haben, finden noch in gar manchem Gedichte bewegenden Ausdruck. Der Geliebten ruft der Dichter Gruß und Segen zu; er versichert sie, daß er sein Glück, seinen Trost, seinen goldenen Schein in ihr erblicke, daß er ohne sie wie tot sei; dennoch heißt er sie gehen, denn „Hand und Aug und Zeit und Kraft" find in der Werkstätte nicht sein. Erst wenn die Nacht herabgesunken, dann möge die Geliebte kommen, um feine Beichte zu hören: was ihm der Tag an Leid gebracht, dann will er ihr all sein Vermögen geben: seine Küsse, seiner Tränen heiße Flut und sein schönstes Lied, sein größtes Gut. Und noch tiefer ans Herz greift uns der Dichter, wenn er uns von seinem Kinde spricht (das Original: „Mei Jingel" ist ein Meisterstück würzigster Poesie), von dem süßen kleinen Knaben, der noch schläft, wenn Vater zur Arbeit geht und schon schlummert, wenn der müde Arbeiter heimkehrt. Dem „Pa" ist es versagt, seinem Kinde in die lieben Aeuglein zu schauen, und das Kind fragt vergeblich nach seinem „Pa". Wer fühlt nicht mit dem übervollen Vaterherzen, wenn es aufschreit: Mir ist so bitterweh zu Mut, So Weh, — mein Herz wird schwer: „Mein Kind, mein Kind, einst wachst Du auf Und findest Pa nicht mehr!"- Nicht minder ergreifend ist ein zweites Gedicht an, richtiger über sein Kind, das Feiwel in seine Sammlung leider nicht ausgenommen hat. Es heißt: Mit meinem Kind. Das Wetter ist lieblich, ich geh' in die Gaff' Mit mir geht mein Züngele kränklich und blaß. Beim Weg an der Ecke sieht er einen Stand Und fängt an zu weinen und streckt aus die Hand. Er zieht mich und drängt mich dorthin, wo die Frucht, Ein Aepflein, ein kleines hätt' gern er versucht.

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