Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 2 (12.1.1906)
- Date
- 1906-01-12
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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feg.gJI * iWiX*egW.m»jai**ZmatenS£t3L .-A^K. .?LkrMWLL/^L> Seite 28 Opfer der russischen Judenverfolgungen fand großen Besuch; Saal und Gallerien, die mit Guirlanden und Teppichen geschmackvoll dekoriert waren, sah man überfüllt. Das Programm, in seiner Reichhaltigkeit und Gediegenheit vielversprechend, wickelte sich iu genußreichen Stunden ab unter Mitwirkung bestbekannter Kunstkräste. Die verschiedenen Büfetts, die durch eine Schar junger Damen und durch mehrere Patronessen bedient wurden, hatten vielen Zuspruch. Als erfreuliche Neuheit ist zu vermerken, daß der Reichtum des Restaurationsbufetts mit Hilfe gesammelter Geldspenden gekauft war und so auch die Geschäftsleute statt der üblichen Brandschatzung eine Einnahme hatten. Der Ertrag des schönen Wohltätigkeits-Abends darf ziemlich hoch geschätzt werden. Feuilleton. Eine Hochzeit im Ghetto pt Uem-Uorlr. llcbersetzt öoii A melie St einbaus. Aus dem Englischen. (Fortsetzung.) Eine halbe Stunde später, als sie beide allein in Frau Volpianskis Besuchszimmer, das auch Goldes Schlafzimmer war, saßen, setzte sie sich hin und begann ihr Geld zu zählen. Sie tat es mit ernster, geschäftiger, verständnisvoller Art, während Nathan ihr neugierig und belustigt zuschaute. „Siehst Du", fing sie mit der Miene einer erfahrenen Person an, „in ein bis zwei Wochen werden wir fünfundsiebzig Dollars haben. Aber was sind 75 Dollars? Gar nichts! Wohl könnten wir dafür eine sehr einfache Einrichtung haben, aber dann bliebe für.die Hochzeit nichts übrig. Und wenn wir keine große Hochzeit haben, dann bekommen wir auch keine Hochzeitsgcschenke. Ist es nicht so?" Nathan nickte bejahend. „Und warum sollten wir auf diese verzichten? Es ist also viel besser, wenn wir unser ganzes Geld für eine schöne große Hochzeit ausgeben und eine Menge Einladungen versenden. Wird uns denn Onkel Leiser nicht die Besuchszimmer- Einrichtung oder den Teppich schenken? Und Tante Beile und der Cousin Shapiro und Charley und Meyerke und Wolfke und Bennie und Sore Gitke werden uns denn alle diese nicht etwas schenken, wie es unter besseren Leuten Brauch ist! Möge uns das Glück in allem so sicher sein, als uns jedes dieser Hochzeitsgeschenke sicher ist! Hat nicht Beilke auch einen schönen Teppich vom Onkel bekommen, als sie heiratete? Und ich bin mit ihm näher verwandt." Sie hielt inue und wartete aus ein zustimmendes Zeichen von seiner Seite, und nachdem sie ihr Haar zurückgestrichen, fuhr sie fort, alle ihre Bekannten aufzuzählen und die Geschenke, die von ihnen zu erwarten waren. „Nun siehst Du", sagte sie weiter, „wir werden beides haben: eine schöne Hochzeit, deren wir uns nie zu schämen haben werden und die schönsten Möbeln, die gewiß 200 Dollars wert sein werden. Was sagst Du jetzt, Nathan?" „Was soll ich sagen", erwiderte er zweifelnd. Das Projekt schien ja vernünftig genug, aber die Investierung ihres Kapitals kam ihm allzu kühn vor. Er bat sie. vorsichtig zu sein und es sich noch zu überlegen; aber da er keine richtigen Argumente vorzubringen wußte und sie mit der Kraft der Ueberzeugung sprach, trug sie bald den Sieg davon. „Es wird alles gut ausfallen, verlass' Dich darauf", sagte sie einschmeichelnd. „Ueberlaß alles mir. Sei nicht ängstlich, Nathan", fügte sie hinzu. „Wir sind beide Waisen und Gott vergißt eines Brautpaares nicht, das niemanden hat, der sich ihrer annehmen würde. Wenn mein Vater am Leben wäre, dann wäre alles anders", schloß sie in traurigem Tone. Eine wehmütige Pause folgte. Rr. 2 Und Tränen erglänzten in Goldes Augen. „Möge Deinem Vater ein frohes Paradies beschieden sein", sagte Nathan gefühlvoll. „Aber weine nicht, Du kannst ihn nicht mehr ins Leben zurückbringen. Ich werde Dir ein Vater sein." „Möge es Gott gefallen", fiel sie ein! „Wäre wenigstens meine Mutter hundertundzwauzig Jahre soll sie leben — bei meiner Hochzeit anwesend. Arme Mutter, wie traurig wird sie darüber sein, daß es ihr nicht bestimmt war, mich unter den Baldachin zu führen." Wieder folgte eine traurige Pause, aber Golde unterbrach diese rasch. „Rate Nathan, was ich noch unternommen habe! Doch ich fürchte, Du wirst mich prahlerisch schelten und mich auslachen, aber ich mache mir nichts daraus", fügte sie hinzu und kramte aus ihrer Tasche ein Teppichmuster hervor. „Ich ging in ein Teppichgeschäft und bat um ein Muster; man gab mir ein dreimal so großes, als dieses ist. Dann schrieb ich meiner Mutter einen Brief und erzählte ihr, daß ein solcher Teppich meinen Boden bedecken wird, wenn ich verheiratet sein werde. Das Muster legte ich in den Brief hinein und sandle ihn nach Rußland ab." Nathan klatschte in die Hände und brach in Gelächter aus. „Aber wie kannst Du es im vorhinein wissen, daß man Dir gerade so einen Teppich schenken wird?" fragte er erstaunt und vergnügt. „Wie ich es weiß? Als ob es darauf ankäme, was für ein Teppich es ist! Ich kann mir lebhaft vorstellen, wie Mama in der Nachbarschaft herumlaufen wird, um den kostbaren Stoff zu zeigen, auf dem ihre Tochter herumstolziert. Wie glücklich wird sie dabei sein!" Ueber hundert goldgeränderte Einladungskarten — die elegantesten, die je in der Essex-Druckerei erzeugt worden sind — wurden für einen der ersten Apriltage ausgeschickt. Golde und Nathan hatten bereits seit einem Monat eine Wohnung gemietet, die aus drei kleinen Räumen bestand und im zweiten Stock eines großen Miethauses gelegen war. Golde schien der Wohnungszins besonders preiswürdig und die Zimmer waren, ihrer Ansicht nach, die schönsten des Westend. „Oh, was ich für herrliche Z'iumer habe," rief sie aus, indem sie dem persönlichen Fürworte besondere Betonung verlieh. Oder: „Sie sollten meine Zimmer sehen, wie viel zahlen Sie an Miete für die Ihrigen?" Oder auch: „Ich habe es mir überlegt und verlege das Besuchszimmer nach rückwärts. Es ist ebenso hell wie das vordere und ich brauche dieses als Küche. Was halten Sie davon?" Stundenlang sprach sie von nichts anderem als von Zimmern, Mietpreisen und Möbeln; jedes verheiratete Paar, das kürzlich umgezogen war oder die Absicht hatte, es zu tun, interessierte sie. Für sie war die Menschheit in zwei Gruppen eiugeteilt, in solche, die sich für Wohnungen, Möbeln und Miete interessierten, und solche, die dieses Interesse nicht hatten. Die erstere, zu denen sie gehörte, bildeten eine höhere Kategorie; und wenn sie andere Wohnungen ansah, empfand sie Aehnliches wie ein Künstler, der etwas seiner Kunst Verwandtes betrachtet. Es ist gebräuchlich, dem jungen Paare die größeren Hochzeitsgeschenke in die Wohnung zu schicken, und zwar einige Tage vor der Trauung. Die nächsten Verwandten nnd intimeren Freunde bestimmen gewöhnlich untereinander, wer das eine oder andere Möbelstück beizustellen habe. Golde hatte eine Woche vor dem großen Tage ihre Arbeit aufgegebeu, um beim Ankommen der Geschenke in der Wohnung zugegen zu sei«. Sie begab sich zeitlich morgens in die leere Wohnung und gab bis zum späten Abend acht, bis Nathan sie abholen kam. Ein Tag verging, ein zweiter, ein dritter, aber kein Dienstmann kam, um nach ihr zu fragen. Sie saß wartend da und lauschte aus die rauhe Stimme des Expreßboten, aber vergeblich. „Oh, es ist eben verfrüht. Ich war so dumm, mir einzubildcu, daß man die Geschenke so früh schicken wird," tröstete Dr. Dlocb's HAocbenscbrltt.