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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-01-12 · 2 (12.1.1906) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
2 (12.1.1906)
Date
1906-01-12
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 2 Dr. Dlocv's MlocdenscvrM. Seite 25 Ereignisse in einem Laude, das sich xn Europa rechnet, möglich sind. Als Vertreter des Christentums muß ich erklären, daß ich gans besonders empört darüber bin, daß die Verüber jener Grausamkeiten sich Christen nennen. Am bittersten aber schmerzt es mich als Bewohner von Stepney, daß solche Vorkommnisse die Juden betroffen haben. Die Inden bilden einen großen Teil der Bevölkerung von Stepney, und sie zeichnen sich durch ihre Loyalität, ihren Fleiß, ihre Mäßigkeit und Nüchternheit, sowie durch ihren Gehorsam gegen die Gesetze aus." Major Gordon und Sir Harry S. Samuel unterstützten die Resolution, letzterer, indem er als Jude seine Genugtuung aussprach, daß gerade aus seinem Wahlkreise ein so lauter Protest ertönt. Rektor Ring sührte aus: „Wenn ich das ganze jüdische Volk nach denjenigen Juden beurteilen soll, die in Stepney wohnen, so muß ich alle Juden als fleißig, friedliebend und nüchtern bezeichnen. Der einzige Trost, den die verfolgten Juden haben können und dürfen, ist die Gewißheit, daß Verfolgung auf Fäulnis basiert und Fäulnis früher oder später zu Grunde gehen muß." Nachdem noch Rev. Davis, Rektor von Spitalfield, dieselbe warm befürwortet hatte, wurde die Resolution unter lebhaften Beifalls-Kundgebungen einstimmig angenommen. Ein Brief Chamberlains über die Judenverfolgungen in Rußland. Mr. Oswald John Simon, einer der Einberufer der großen Protestversammlung gegen die Behandlung der Juden in Rußland, hatte sich um eine Aeußerung über die Judenfrage an Mr. Chamberlain gewendet. Dieser schrieb ihm unter dem 2. Jänner wie folgt: „Ich habe Ihren Brief vom 1. Jänner erhalten. Ich würde es kaum für notwendig gehalten haben, noch einmal meinem tiefen Mitgefühl mit dem jüdischen Volke in seinen augenblicklichen Drangsalen Ausdruck zu geben und mein Entsetzen über die Verbrechen auszusprechen, die gegen das jüdische Volk im Zusammenhang mit den Unruhen in Rußland verübt wurden. Diese sind ein nicht zu tilgender Flecken auf unserer christlichen Zivilisation und ich bin überzeugt davon, daß die Regierung die Unterstützung des Volkes dieses Landes finden wird, wenn sie in jeder nur möglichen Weise bei der russischen Regierung Vorstellungen erhebt, die vielleicht geeignet sein könnten, irgendwie eine Wiederholung derselben zu verhindern." Der Brief ist von Mr. I. Chamberlain persönlich unterzeichnet. Die Anwendung des Fremdengesetzes. Ueber die Härten bei Anwendung des neuen Fremdengesetzes haben wir bereits telegraphisch berichtet. Nach den nunmehr vorliegenden ausführlicheren Berichten scheint die Kontrolle der Einwanderer am schärfsten in Grimsby gewesen zu sein. Dort traf der Dampfer „City of Bradford" mit einer großen Auswandererschar ein. Die meisten dieser Auswanderer waren auf der Durchreise nach den Vereinigten Staaten und Kanada und kamen deshalb nicht in Betracht, aber 46 von ilmen wollten in England bleiben. Diese Leute, fast alle russische und polnische Juden, wurden von den Aerzten als gesund besunden. Nur eine Frau weigerte sich entschieden, sich untersuchen zu lassen. Als nach der ärztlichen Untersuchung die Beantwortung der Fragen begann, schienen die Auswanderer zunächst der Ansicht zu sein, daß es sich um eine leere Formalität handle. Als aber einer nach dem anderen zurücktreten mußte, weil er die Fragen des Inspektors nicht befriedigend zu beantworten vermochte, wurde den armen Leuten klar, daß ihre Lage ernster war, als sie angenommen hatten. Eine Frau, die nichts ihr eigen nannte als ein Bündel mit Kleidern und Lebensmitteln, weinte bitterlich, als sie hörte, daß sie zurücktransportiert werden solle. Auch ein polnischer Jude, der weder für sich die nötigen 5 Pfund Sterling noch für seine Familienmitglieder die verlangten 2 Pfund Sterling pro Kopf besaß, erhob laute Klage, als er entdeckte, daß England ihm die Ausnahme verweigerte. Ein russischer Deserteur mußte ebenfalls zurücktrelen. Drei Polen, gesunde starke Leute, die angeblich aus Rußland geflohen waren, um in England Arbeit zu finden, hatten nicht einen Pfennig in der Tasche und teilten das Geschick der Vorerwähnten. Es wurden im Ganzen von den 46 für England bestimmten Einwanderern 22 zurückgewiesen. Am Nachmittag trat das Appellationskomitee zusammen, um über den Appell der Zurückgewiesenen zu entscheiden. Einer der jüdischen Flüchtlinge erklärte, er habe zwar kein Bargeld, könne jedoch ein Aequivalent Vvrlegen. Dieses bestand in einem Besitztitel über ein Eigentum im Werte von 800 Pfund Sterling. Das Appellationskomitee wollte sich auf die Anerkennung des Aktenstückes : icht einlassen, telegraphierte jedoch an einen Freund des Juden in Liverpool, und dieser sendete telegraphisch die nötige Summe. Ein anderer Russe namens Hermann wurde trotz seiner Mittellosigkeit eingelassen, weil er erklärte, er sei zweimal aus der russischen Armee desertiert und werde sicherlich erschossen werden, wenn man ihn zurückschicke. Er bat, ihn lieber in England zu erschieß« n, als ihn zurückzusenden. In Dover wurden von den aus Calais und Ostende eingelaufenen Schiffen nur acht Passagiere dritter Klasse zu genauerer Examination festgehalten, später jedoch zugelassen. Die Leute, Franzosen, Deutsche und Amerikaner, hatten offenbar keine Ahnung von den neuen Bestimmungen und beschwerten sich sehr darüber, daß sie gezwungen wurden, bei der bitteren Kälte eine halbe Stunde lang im Freien zu stehen. Ein Amerikaner protestierte heftig gegen die Art und Weise der Untersuchung. Jüdische Kandidaten für die Wahlkampagne in England. Bei den in England stattfindenden Neuwahlen zum Parlament werden nicht weniger als 20 Juden sich um ein Mandat bewerben. Davon werden zwei als Tarifreformer der Chamberlainschen Schule, sieben als Unionisten, sieben als Liberale und vier als Konservative kandidieren. Von den Kandidaten sind 12 bereits Mitglieder des gegenwärtigen Unterhauses. Es sind das die Unionisten H. H. Marks, Captain Jessel, Walther Rothschild und Louis Sinelair, die Liberalen M. Lewy, Stuart M. Samuel, Rufus Jsaaes und Herbert Samuel, der neuernannte Unterstaatssekretär des Innern. Als Konservative sitzen im gegenwärtigen Unterhause der neue Sir Benjamin L. Cohen. Sir Harry S. Samuel, Colonel Lueas und Sir Edward Sassoon. Washington. Der Abgeordnete Goldiogle, Vertreter New-2)orks, brachte iul Kongreß einen Antrag ein, wonach das Haus und das Volk der Vereinigten Staaten ihren Abscheu über die Verfolgung und Niedermetzelung von Juden in Rußland ausspricht und den Präsidenten Roosevelt ersucht, seine freundschaftlichen Beziehungen zu Rußland zu benutzen, um die Wiederkehr solcher Ereignisse unmöglich zu machen. Der Beschlußantrag ging an den Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten. Vermischtes. Kranzudlösungsspenden zugunsten der Chewra-Kadischa Lcitenstettengafse 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens des fel. Leo Kohn: Bon Hugo Popper K io.— , Wiener Kaufmannshalle 20.— , Namenlos h.—, Namenlos 4.—, May'r und Möller t0.— , Eisenstädter und Konip. 15. -. Oskar Kemevyi 10.—, Tr. Moriz Schnabl L2o.—. Zusam. K 95.—, Anläßl-ch des Ablebens des fel. k.k. Baurat Max Fleischer: Von Moriz Fleischer K 40.— , Adolf Fleischer 20.—, S. Friedmann lo. , Salo Cohn 30.— , Arnold Adomus 20.- , Schur 20.— , kais. Rat Moriz Hirsch 20. — , Dicker und Olbrich 10.—, Julius Rosentbal 10.-, Dr Jakob Engel 10.—, Israel. Franenverein für den VI. und VII. Bezirk 20.—, S. Steiner 10. , Jakob Kann 10.—, S. Biod 10.—, Leo Bauer 20.- , kais. Rat Tr. Theodor Lieben im Namen der Beamten der israelitischen Kultusgemeinde 25.—, Friedrich Pollak 2o.—, Donat Zifferer 20—, Gottlieb Bettelheim 20.— , Josef und Julius Neumanu K 20. . Zusammen K 30?. -. Wien. Auf Grund des Statutes der Israelitischen Kulu'.-gemeiude Wien hat in der Plenarsitzung vom 7. Jänner 1006 die Wahl der Vizepräsidenten nnd der Vertreter statt-

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