Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 2 (12.1.1906)
- Date
- 1906-01-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 22 Dr. ®locb’9 MocbenscbrM. Nr. 2 die beide Eltern verloren, außerhalb Rußland in Humanitären Anstalten und bei Privaten, die sich bereits zahlreich erbötig gemacht haben, untergebracht wird. Bei dem Riesenumfange des Elends in Rußland und der unbeschreiblichen durch die Gemetzel geschaffenen Not muß noch weiter an das gute Herz aller Menschenfreunde in Europa appelliert werden, die Hilfsaktion durch ausgiebige Spenden zu fördern. Außer den Unterstützungen in Rußland verursacht das Hilfswerk für die in der Nähe der Grenze angesammelten Emigranten bedeutende Ausgaben. Seit mehreren Wochen werden für Rechnung der „Israelitischen Allianz zu Wien" über 500 Flüchtlinge in Krakau und mehrere hundert in Ezernowitz unterstützt. — Unter den ferner eingegangenen Sammlungsergebniffen sind zu nennen : Drohobyez, gesammelt durch ein Komitee unter Vorsitz des Herrn Dr. Marcel Fränkel K 10.470.60, Neu-Sandec K 2000—, Gaya K 634.60, Friedek-Mistek K 409.25, zusammen K 2409.25, Rakonitz K 400.—. Zu der im letzten Ausweise genannten Sammlung von Wieliczka und Krasno ist zu bemerken, daß an derselben in hervorragender Weise das Komiteemitglied Kultusvorsteher Herr Pinkas Zimmels beteiligt war. Trauerfeier für weil. Baurat Max Fleifcher. In solenner Weise wurde Sonntag abends in der Synagoge, VI., Schmalzhofgaffe, das Angedenken an den vor kurzem dahingefchiedenen Präsidenten des Bethausvereines für die beiden Gemeindebezirke Mariahilf und Neubau Baurat Max Fleischer geehrt; ein Trauergottesdienst, der die Pietät im schönsten Lichte erglänzen ließ, versuchte nochmals die Persönlichkeit, die mit dem Tode eines der Besten nun in die kühle Erde gebettet ist, vor unserem geistigen Auge erscheinen zu lassen. Das Gotteshaus, schwarz drapiert, war schon lange vor dem Beginne der Zeremonie mit Andächtigen dicht gefüllt, die herbeigekommen waren, dem Freunde Fleischer die letzte Ehre zu erweisen, und waren unter den Erschienenen zu bemerken: die Witwe mit den Angehörigen des Dahingeschiedenen; vom Vorstande der Kultusgemeinde die Vizepräsidenten Landesschulrat Dr. Gustav K o h n und kaiserlicher Rat Moriz Hirsch, die Mitglieder Salo Cohn, Dr. Alfred Berger, der erste Sekretär kaiserlicher Rat Dr. Theodor Lieben, zweiter Sekretär Dr. Emil Adler; vom Vorstande des Bethausvereines VI. und VII. der -geschäftsführende Präses Dr. Jakob Engel mit den Mitgliedern Leopold Bauer, Kommerzialrat Max E isenberger, Generalkonsul Bernhard Janowitzer, Hermann Liebermann. Friedrich P o l l ak und Karl Kraus, Bethausvorsteher S. A. Wasservogel, in Vertretung der „Gesellschaft für Sammlung und Konservierung der Kunst- und historischen Denkmäler des Judentums", sowie des „Vereines zur Unterstützung israelitischer Handwerker und Kleingewerbetreibender", in welch beiden Korporationen der Verblichene hervorragende Stellungen eingenommen hatte, die Herren Hofrat Siegmund T a u s s i g und Emil Jelinek, in Vertretung des „Vereines für Krankenpflege und Unterstützung Handlungsangehöriger Israeliten" das Präsidium S. H e i t und Armenvorsteher Josef Jelinek, für die Tempelvereine Wiens die Herren Hermann Beck, Gottlieb Bettelheim, S. Simon, Ad. Hoffm a n n, Architekt Modern; von der Chewra-Kadischa die Vorsteher S. Steiner, Jakob Kann und Simon, die Rabbiner Dr. M. B a u e r und Dr. K a m i n k a, die Direktoren Alex. Hecht vom Springerschen Knabenwaisenhaus, S. H e l l e r vom Blindeninstitute, viele Damen u. s. w. Nach dem vom Oberkantor Dünnmann unter Assistenz des Chorpersonales zum Vortrage gebrachten Trauerpsalm 49, der leider nur t e i lweise die herrliche Komposition Sulzers war, betrat Rabbiner Dr. T a g l i ch t die Kanzel, um ein Lebensbild des Verewigten zu entrollen. Dr. Taglicht, dessen Ausführungen vom Herzen drangen, und aus diesem Grunde auch zu dem Herzen der tief ergriffenen Andächtigen ihren Weg fanden, schloß mit dem Wunsche, daß das Erbe des Verstorbenen von seinen Nachfolgern im Sinne desselben angetreten und stets fortgeführt werden möge. Nun folgte das Kaddisch und mit dem Absingen des Schiwissi wurde die schöne Feier, welche vermöge ihres Verlaufes nachhaltigen Eindruck auf die Anwesenden hervorrief, beendet. Für die jüdische Kurie. In Wien hat sich ein jüdisches Wahlrechtskomitee gebildet, das die Agitation für die Anerkennung der Judenschaft als politische Individualität gelegentlich der Wahlreform leitet. Sonntag den 7. d. fanden in Galizien mehr als 250 jüdische Versammlungen statt mit der Tagesordnung: „Die Wahlreform und die Juden." Am selben- Tage wurden zahlreiche, ähnliche Versammlungen in der Bukowina abgehalten. Abg. Dr. Byk veröffentlicht gegenüber dieser Agitation einen offenen Brief an die jüdischen Wähler Lembergs, in dem er die Judenkurie energisch bekämpft. „Arische Lehrer an jüdisch konfessionellen Wohltätigkeits-Instituten". Verehrliche Redaktion der „Oesterreichischen Wochenschrift" Wien. Die Nummer 1 Ihres Blattes vom 5. Jänner d. I. brachte eine unser Institut betreffende Zuschrift unter der Bezeichnung „Arische Lehrer an jüdisch-konfessionellen Wohltätigkeits- Instituten", auf welche wir uns behufs Aufklärung folgendes zu erwidern erlauben: Als im Jahre 1901 eine Lehrerstelle an unserem Institute zu besetzen war, wurde hiefür ein Konkurs — selbstverständlich nur für jüdische Bewerber — ausgeschrieben. Es meldeten sich bloß drei staatlich geprüfte Lehrer, wovon einer wegen Kränklichkeit, der zweite wegen vollständiger Unfähigkeit nicht in Betracht gezogen werden konnte. Der dritte Bewerber wurde akzeptiert, gab die Stelle aber nach kurzer Zeit wieder auf mit der Motivierung, daß er sich der Anstrengung als Blindenlehrer nicht gewachsen fühle. Eine zweite und dritte Konkurs- Ausschreibung blieb ganz -erfolglos, was sich daraus erklärt, daß sich infolge der herrschenden politischen Verhältnisse seit mehr als einem Jahrzehnt nur sehr wenige jüdische Jünglinge dem Lehrfach zuwenden. Es blieb sonach kein anderer Ausweg, als einen christlichen Lehrer anzustellen, welcher sich bisher in jeder Hinsicht aufs beste bewährt hat. Vollkommen unrichtig aber ist es, daß dieser auch die religiösen Uebungen zu überwachen hat. Diese Aufgabe obliegt und wird in gewissenhafter Weise erfüllt durch unfern Herrn Direktor Heller, sowie einem Lehrer und zwei Lehrerinnen, die sämtlich unserer Religion angehören. Die Besorgnis des Herrn Einsenders, als würde die religiöse Erziehung unserer Zöglinge nicht sorgsamst geleitet, ist demnach ebenso unbegründet wie der Anwurf, als würden durch das Vorgehen seitens des Unterzeichneten Kuratoriums allgemein jüdische Interessen verletzt. Das Kuratorium Wien, 7. Jänner 1906. des israel. Blinden-Jnstitutes W. K u f f n e r, Präsident. Berlin. Vor kurzem hielt die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums ihre zahlreich besuchte Generalversammlung in den Räumen des Brüder-Vereins Unter den Linden 4 a ab. Herr Professor Dr. Philippson erstattete den Jahresbericht, nachdem er in einem ehrenden Nachruf der verstorbenen Mitglieder, des Rabbiners Dr. Kayserling- Budapest und des Justizrats Meyer-Cohn, gedachte. Die Gesellschaft darf auf ihr vollendetes drittes Lebensjahr mit Genugtuung zurückblicken. Neben der „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums", die die Mitglieder erhielten, hat die Gesellschaft vier Schriften herausgegeben: 1. Böck, „Das Wesen des Judentums", 2. Eschelbacher, „Das Judentum und das Wesen des Christentums" und 3. Bloch, „Die Kabbala auf dem Höhepunkte ihrer Entwicklung und ihre Meister." In kurzem werden die „Gesammelten Schriften über Juden und Judentum" von Steinthal, herausgegehen von Karpeles, erscheinen.