Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 52 (29.12.1905)
- Date
- 1905-12-29
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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'. ^»Twsssafeaaf .- i*»**»». •j'f *%.:: - Nr. 52 Dr. Dlocv's MocvenscbrtN. Seite 839 im Stillen aber stich sie einen grimmigen Fluch gegen die Juden aus: Sie war rechtgläubig und haßte die Juden fanatisch. Am Abende jenes Tages, an dem Malke einem Söhuchen das Leben geschenkt und während die Freude ihres Mannes grenzenlos war, ging es in der Stadt sehr stürmisch zu. Jsak hörte und wußte von all dem nichts. Er saß in der Kammer, in welcher seine Fran mit dem Neugeborenen sich befand, und schrieb eifrig auf kleinen Pergamentstreisen Psalmen und andere hebräische Worte, um diese Streifen nachher zum Schutze gegen böse Geister oberhalb der Fenster und der Türe anzunageln. Als er mit dieser Beschäftigung fertig war, begann er das Geschriebene durchzulesen, ob ihm nicht etwa ein Fehler unterlaufen wäre. Und so las er Wort für Wort: Zuerst Psalm 121, der da lautet: „Stufenlied. Ich erhebe meine Augen zu jenen Bergen — woher wird mir Hilfe kommen? Hilfe kommt mir vom Ewigen, dem Schöpfer des Himmels und der Erde. Nicht wird er preisgeben dem Wanken deinen Fuß, nicht schlummert dein Behüter, siehe, nicht schlummert und nicht schläft der Behüter Israels. Der Ewige ist dein Behüter, der Ewige ist dein Schirm zu deiner rechten Hand. Bei Tag wird die Sonne dich nicht beschatten und der Mond nicht bei Nacht. Der Ewige wird dich behüten vor allem Bösen, er wird behüten dein Leben; der Ewige wird behüten deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit." — Er las auch die Worte, die dreimal in veränderter Wortstellung niedergeschrieben wurden und die dasselbe besagten: „Eine Hexe lasse nicht am Leben!" Er betrachtete den ausgezeichneten Stern auf dem Pergamente, welchen man Schild Davids nennt, er las die Worte rechts und links vom Sterne und das waren die Namen: Adam, Eva, Abraham, Sara, Jsak, Rebekka, Jakob und Lea. Ferner wiederholte er die Worte von mystischer Bedeutung, die den Zweck haben, die Lilith, jenen bösen Geist, der besonders kleine Kinder tötet, zu verscheuchen. Als er nun alles in Ordnung fand, stellte er sich auf einen Sessel, befestigte einen Streifen oberhalb des einen Fensters, dann auch oberhalb des anderen den zweiten, mehrere Streifen mit einer Nadel an den Bettvorhängen, hinter welchen die Wöchnerin mit dem neugeborenen Knäblein ruhte, und als er sich endlich anschickte, auch über der Türe ein Pergament zu befestigen, drang plötzlich an sein Ohr heftiges Poltern, gewaltige Stimmen erdröhnten, die Türe wurde heftig aufgerissen und die finstere Gestalt der Tatjana stand ihm gegenüber. Jsak Melamed, der in diesem Momente gerade an den bösen Geist dachte und den nur der eine Gedanke beschäftigte, sein Knäblein, den kostbarsten Schatz, den ihm die Vorsehung geschenkt, vor diesem zu schützen, glaubte die Lilith leibhaftig vor sich zu sehen. Er schrie aus, stieß nach dem furchtbaren Eindringling und rief wiederholt aus: „Fort Lilith! Fort Lilith!" Tatjana wurde durch den Stoß des Lehrers zu Boden geworfen. Da wurde aber der Arm Jsaks mit großer Wucht von einer eisernen Stange getroffen und lautlos sank er nieder. Rohe Männer drangen in die stille Kammer der Wöchnerin; die Frau, welche aus ihrem Schlummer aufgewacht war und sich mühevoll im Bette aufgerichtet hatte, wurde ebenfalls mit einigen Hieben getötet; die Mädchen, die aus Leibeskräften schrieen, wurden zu den Fenstern auf die Straße geschleudert, wo sie mit zerschmetterten Gliedern tot liegen blieben. Da in der Kammer nichts zu holen war, verließen die rohen Gesellen schleunigst dieses Gemach, um ihr schändliches Handwerk anderswo fortzusetzen, wo sie größeren Lohn erwarten durften. Inzwischen hatte sich auch Tatjana erholt und voll Entsetzen lief sie davon. Jetzt trat der Hausmeister, ein kinderloser, gutmütiger Mann, in Begleitung seines Weibes in die Behausung Jsak Melameds ein. Als sie das Unheil sahen, waren sie keineswegs überrascht, da sie ja Aehnliches erwartet hatten. Nichtsdestoweniger wollten sie sich überzeugen, ob die Erschlagenen bereits den letzten Atem ausgehaucht hätten oder ob noch Leben in ihnen wäre. Die Frau des Hausmeisters trat an das Bett der Wöchnerin; da fand sie das neugeborne Kind im Blute der Mutter schwimmen, aber noch am Leben. „Das arme Würmchen." sagte die Frau mitleidsvoll, „lebt noch." Iwan, wir könnten es taufen lassen und als unser eigenes erziehen, das wäre wohl ein gottgefälliges Werk." „Nein, Marianna, übergeben wir das Kind den Juden! Es ist ihnen ja ohnedies sehr viel genommen worden, so mögen sie das Kind als kleinen Ersatz erhalten. Wie mag denn nur das Kind heißen?" „Das Kind ist ja noch namenlos," erwiderte die Frau, „es kam heute zur Welt. O, du namenloses Kind eines vaterlandslosen Volkes! Was wird wohl aus Dir werden, was Dein Schicksal sein?" Literatur. Ä. Suljbiut). Dichterklänge aus Spaniens besseren Tagen. Frankfurt a. M. I. Kauffmann, 1903. In schmuckem neuem Gewände stellt sich uns hier ein in dreißgjährigem Umgänge uns liebvertrauter Gast vor. Sulzbach, der seine musterhafte Uebersetzergabe inzwischen in seinem Beitrag zu Winter und Wünsches Chrestomathie von Neuem bekundet hat, erinnert uns durch die zum Bedürfnis gewordene Neuauflage seiner „Dichterklänge", daß wenn die Großen unserer Interpreten altjüdischer Dichtung genannt werden, ein Sachs, ein Geiger, ein Kämpf und Heller, auch seinem Namen neben den ihren der Platz gebührt. Ein Vergleich der beiden Vorreden, der von 1903 mit jener von 1873, muß in einen Preis auf den Fortschritt in der Kenntnis unserer Vergangenheit ausklingen. Mit welcher Ausführlichkeit wird in den Siebziger-Jahren des vorigen Jahrhunderts noch ein Ereignis geschildert, wie die Vertreibung der Juden von der pyrenäischen Halbinsel, eine Katastrophe, die heute jedem Schulkinde geläufig ist! Und jene „Dichterklänge", die damals wohl kaum weiter als im Kreise theologisch geschulter Leser verständnisvolle Resonanz gefunden, sie sind zum großen Teile durch zahllose Bücher, Zeitschriften und Vorträge in die breitesten Schichten des jüdischen Volkes getragen, um nicht mehr vergessen zu werden. Jehuda Halevi ist nicht mehr der unbekannte Ritter aus dem Genielande, Charisi, der hebräische Heine, und all die anderen von Sulzbach verdeutschten altjüdischen Dichter find längst auch in nichtjüdischen Kreisen eingesührt. Eine umso dankbarere Aufnahme wird darum Sulzbachs Büchlein finden. So hoffen und wünschen wir. X. Kriefkasterr. Dr. B. Die Aeußerung des Antisemiten Theodor Fritsch lautet: „Heute hält sich jeder unreife Bursche berufen, den antisemitischen Redakteur und Schriftsteller zu spielen, denn nach seiner Meinung gehört ja weiter nichts dazu, als daß man tüchtig auf die Juden schimpft. Dadurch ist der antijüdischen Sache der allergrößte Schaden zugefügt worden." R. F. Wie gründlich die Diagnose auf Judensünden oft fchlgeht, dafür las ich vor Kurzem ein lustiges Beispiel. Björnson, sonst ein großer Philosemit, entwickelte einmal seine Einwendungen gegen die Betätigung der Juden in Literatur und Publizistik: „sie machen aus allem eine Sensation", sagte er, „sie wollen um jeden Preis modern sein, hypermodern, nicht von heute, sondern von morgen, und verhindern dadurch jede gesunde Entwicklung". Gefragt, an welchem „Literaturjuden" er denn diese Eigenschaft konstatiert habe, antwortete er: „An Hermann Bahr zum Beispiel". Dieser Hermann Bahr aber ist urarischer Herkunft, aus einer oberösterreichischen Familie, und hat eine Zeit lang sogar als deutsch-nationaler Antisemit gewirkt. Ich bezweifle nicht, daß es Judensünden gibt, gegen die sollen wir uns wehren. Aber, aber — wir haben sie im eigenen Blute, und wenn wir nicht da mit dem Reinigungsprozeß anfangen, hat die ganze Anklage keinen Wert. N. Faust, Oberkantor, Belovar. Wir notieren Sabbat Eingang und Ausgang nach dem israelitischen Kalender der „Union". Notiz. Außerordentliche Generalversammlung der k. k. prio. allgemeinen österreichischen Boden - Kredit - Anstalt am 6. Februar 1906 t» Wien, I., Teinfaltstraße 8, vormittags 10 Uhr. Verhandlungsgegenstände: a) Beschlußfassung über Durchführung eines Uebcrbetrages per K 12,000.000 — vom außerordentlichen Reservefonde Las das Aktienkapital, über Liberierung der sohin mir K. 300- — eingezahlten Atrien, über Erhöhung des Aktienkapitals durch Neu-Ausgabe von 30.000 volleingezahlten Aktien und über die Modalitäten dieser Neu-Emission. b) Statutenänderungen. In dieser Generalversammlung sind jene Herren Aktionäre stimmberechtigt, welche mindestens einen Monat vor dem Zusammentreten derselben, daher bis längstens 6. Jänner 1906, fünfzig Atrien (Jnterimsfcheine) nebst Koupons im Sinne des Art. 34 der Statuten bei der Kasse der Gesellschaft in Wien (I., Teinfaltstraße 8) oder in Paris (Place Vendöme 16) deponieren. Verlosungsverlust. Im Monat Jänner finden die Ziehungen der Kredit-, Donau-Regulierungs-, II. Boden- und Salzburgerlose, sowie mehrerer anderer Lose und Obligationen statt, deren Verlosung mit dem kleinsten Treffer, beziehungsweise Nominalbetrags, bedeutende Verluste verursacht. Die Versicherung gegen diese Verluste übernehmen die Zentral-Depositenkasse und Wechselstube des Wiener Bankvereines, sowie dessen Filialen ui Prag, Graz, Brünn, Aussig an der Elbe, Budapest, Lemberg, Czernowitz, Bielitz-Biala, Klagenfurt, Pilsen, die Exposituren und Zweiganstalten in den Wiener Bezirken. Näheres im Inserat der genannten Wechselstube. GaranHertnaiu rechtes feinstes yyPflanzerv ääü^Fett. aus > Kokosnüssen.