Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 52 (29.12.1905)
- Date
- 1905-12-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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«f; s. xt#&iiKjrsst£**smar9 Nr. 52 Dr■ Bloch’s Jahrgang XXII. Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums. Wien, 29. Dezember 1905. Lrs <Leint jeden Freitag. Brief-Adresse: Mlen. IX 1. Werggasse 39. Teleqrcimm-Adresse: Wlocb's TlUo eben schritt, MUen. Inhalt: Leitartikel: An unsere Freunde und Gönner! — Vom Jahrmarkt des Lebens: Glossen zur Tagesgeschichte. — Jndisch-territorialistische Organisation. — Jud' Süß — Aus Heinrich Heines Jugendzeit 1805—1830. Korrespondenzen: Zur Wahlrechtsfrage. Trauerknndgebungen für unsere unglücklichen russischen Glaubensgenossen. Generaloersammlnng des Brigittenauer Tempelvereines. Israelitische Knltusgemeinde Floridsdorf. Baurat Max Fleischer. Israelitischer Franen-Wohltätigkeitsverein für Hansarme in Wien. Tarnow, Budapest. Zar spanisch-jüdischen Frage. Rußland. Bukarest. — Vermischtes: Kranzablösungsspenden zugunsten der Chewra-Kadischa in Wien. Wien, Channka-Festgottesdienst. Cbannkafei r in der israelitifcheu Versorgungsanstalt. Fünfundzwanzigjähriges Amtsjubiläum. Holleschau. Pohrlitz, Boskowitz, Marienbad, Klattau, Pakraz, Paris. — Feuilleton: Ein namenloses Kind eines vaterlandslosen Volkes. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Ä--& li. lr. Pi'ltl'parUaflri’n-'Htttf Äleartngverkebr Nr. 610.976. Bituhtion und Ndminipr.rlioni IS) t r u IX/l, Werggasse Nr. 39. Telefon Nr. 14.847. -& G-A Vc;uu»prri« für VrNerrrirlz: Halbjährig 8 Kronen. Einzeleremplare 50 Heller. Fiir's Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 „ Anzeigen: Tie 4mal gespaltene Pelitzeile 24 Heller. 8-S Wir ersuchen unsere geslüachien Abonnenten um rechtzeitige Einsendung der tausenden Abonnementsgebübr, damit die Zusendung des Blattes keine Unterbrechung erleide. Zur Einsendung der Beträge wolle man sich der beigelegien P@sies*Bagscheine bedienen. Die Administration der ..Oesterr. Wochenschrift.' An unsere Freunde und Gönner! Die „Oesterreichische Wochenschrift" tritt mit der kommenden Nummer in ihren dreiundzwanzigsten Jahrgang. Es sind Zeiten des Kampfes, auf die wir zurückblicken, eines heißen und mühevollen Kampfes für die Ehre und den Bestand des Judentums gegen einen übermächtigen, skrupellosen, mit den vergifteten Waffen der Lüge und Verleumdung kämpfenden Feind. Nicht einer flüchtigen Laune, nicht einem persönlichen Bedürfnisse verdankt die „Oesterreichische Wochenschrift" ihre Entstehung, sondern der harten Not, die vor zwei Jahrzehnten mit der antisemitischen Bewegung an unsere Glaubensgenossen herautrat. Der Herausgeber dieses Blattes hatte, entflammt vom heiligen Zorne gegen einen der gefährlichsten, weil gewissenlosesten Verkünder der neuen Lehre, gegen einen Fälscher und Meineidigen im Priestergewande die Waffen ergriffen, er allein, ohne Hilfe, ohne Bundesgenossen, ja selbst ohne jede andere Legitimation, als die seiner Kenntnis des jüdischen Schrifttums, das unsereFeinde zu einem Schwerte gegen uns selbst umschmieden wollten. Wer jene Zeit noch in Erinnerung hat, weiß, welche schier unüberwindliche Schwierigkeiten sich diesem Kampfe für die Wahrheit entgegenstellten. Lauheit und Indolenz in unseren eigenen Reihen, viefach mangelndes Interesse für den Preis, der dabei in Frage stand: die Ehre des jüdischen Volkes, die wir durch tausendjährige Verfolgungen rein und unbefleckt bewahrt hatten, auf der anderen Seite aber hohnlachende Geringschätzung des einzelnen Mannes, der die Tollkühnheit besaß, einer weltumspannenden Organisation Fehde anznsagen. Für die Streitschriften dieses Mannes fehlte es sogar an einem öffentlichen Organ. Es mußte gebettelt werden, damit dieselben von Zeitungen zweiten Ranges abgedruckt wurden. Sie übten dennoch ihre Wirkung und welche Wirkung! Der Prozeß Rohling- Bloch war eine Entscheidungsschlacht, die die Talmud- Verleumdungen mit einem Schlage ans der Welt schaffte. An ihre Stelle trat der politische und soziale Antisemitismus, der die tägliche, unermüdliche Kleinarbeit der Abwehr erforderte. Wir gestehen offen: es war kein angenehmes, kein säuberlicyes Geschäft, sich mit dem Gesindel herumzuraufen, aber die Arbeit mußte getan werden. Und um sie leisten zu können, mußte die „Oesterreichische Wochenschrift" gegründet werden; nicht länger durfte es von dir Gnade dieser oder jener Tageszeitung abhängen, ob den Verteidigern des bedrängten Judentums die erforderliche Publizität zur Verfügung stand oder nicht. Frei und unbehindert von allen Nebenrücksichten mußten sie ibre Streitaxt schwingen können und sie haben sie geschwungen, unverzagt, ohne Ermüdung, im Vertrauen auf Gott und unseren heiligen Glauben. Wohl wuchs die Zahl unserer Feinde wie der Saud am Meere, aber auch unsere Mitkämpfer mehrten sich. Die ehemals kalt und teilnahmslos seitab standen, die nur ungern an ihr Indent:m erinnert sein wollten, sie haben sich unter dem eherneu Zwange der gesellschaftlichen Scheidung zu uns gesellt, sie haben erkannt, daß sie die Achtung der Gegner nie gewinnen, die Achtung vor sich selbst aber nur dann bewahren können, wenn sie nicht länger gleichgiltig dem schweren Ringen ihrer Brüder zuschauen. In diesen 22 Jahr-n ist unser Blatt ein Waffeuplatz, ein Arsenal der Verteidigung geworden, aus dem sich Jedermann seine Streitkolben und Sperre zur Abwehr holt. Wer sich des Gegners erwehren, wer Schimpf und Unglimpf, Lüge und Verleumdung mit den Waffen der Wahrheit zurückweisen will, kommt zu uns und unsere Rüstkammer steht ihm zur Verfügung. Wir stehen, Gott sei Dank! — nicht mehr allein, und daß Andere neben und mit uns von gleicher Kampfesfrende, von gleichem Mute beseelt sind, daß