Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 50 (15.12.1905)
- Date
- 1905-12-15
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Sette 800 Dr. Mocb's MocbenscbriN. Nr. 50 Elsa Kobn wurde allgemein bewundert. Unter den Ehrenqästen sah» man Rabbiner Dr. Rosenmann samt Gemahlin. Die Präsidentin D Frau Henriette Grünw ald fand für den gelungenen Abend allseits« Anerkennung. J. Schw. Jubiläumsfeier des B B. Israelitischen Handwerkervereines in Bielitz. i Vor 25 Jahren hat der damalige hochverdiente Rabbiner von Bielitz, Herr Dr. L e s s e r im Verein mit den Herren Louis Sachs, Dr. Markusfeld und Rudolf Kestel den israelitischen Handwerkerverein ins Leben gerufen. In den ersten Vorstand wurden anher ihnen noch die Herren Adolf Schrenk, Leopold Freund und Max Pollitzer gewählt. Die Genannten bemühten sich alle in reichem Maße um das Gedeihen des humanitären Vereines, Herr Rudolf K e st e l, der fetzige Obmann, bis auf den heutigen Tag- Der Vereinszweck, armen jüdischen Knaben ein Handwerk lernen zu lassen und sie in einer guten Lehre unterzubringen, wurde immer im Auge behalten und erfüllt. So mancher Knabe, für den der Verein dem Lehrherrn oder in einer Werkmeisterschule jährliche Beträge von 100 K und mehr gezahlt hat, verdankte es dieser Unterstützung, daß er sich eine Position schaffen konnte. Der Verein bat auch einen Religionsunterricht für die Lehrlinge eingeführt und verteilt alljährlich im Dezember Kleidungsstücke an die Bedürftigsten. Die schönen Jubiläumsfeier, die im großen Saale des jüdischen Gemeindehauses stattfand, versammelte ein zahlreiches Publikum aus allen Kreisen der jüdischen Bevölkerung unserer Städte. Rabbiner Dr. Steiner hielt eine Ansprache, in welcher er des hochverdienten Gründers des Vereines und seiner schönen Intentionen gedachte. Die Arbeit sei es, welcher die gebührende Förderung und Anerkennung gezollt werden sollte, und in dieser Richtung habe der Vereiu viel Verdienstliches geschaffen. Herr Rudolf K e st e l gab hierauf einen Rückblick auf die Geschichte des Handwerkervereines und gedachte mit warmen Dankesworten der Unterstützung, die demselben immer zuteil ward. Der laute Beifall, mit dem die Rede des Herrn Kestel ausgenommen wurde, bewies ihm, daß man seine Verdienste zu würdigen weiß. In,Worten sprach dies auch Herr Tugendhat namens der israelitischen Kultusgemeinde aus, nach ihm einer der Lehrlinge. Es sprach noch Herr Rabbinowitz. der auf die Wichtigkeit jüdischer Organisationen hinwies. Einer von diesem Redner gegebenen Anregung, die Verteilung der Gaben unter Ausschluß der Oeffentlichkeit vorznnehmen, akkommodierte sich die Versammlung. Es erhielten an 20 Lehrlinge Kleidungsstücke und Schuhe. Mährisch-Ostrau (Wohl t ä 1 i g k e i t s f e st.) AusMährisch-Ostrau wird uns gemeldet: Ein aus Herrn Ignaz Karpel, Obmann, und den Herren Julius M. Lavier, Markus H. Löwy, Max Pinczewsky, Salamon Friedner, Ignaz Aufricht, Isidor Fischer, Beno Weiß" Emil Hermann, Josef Frank, Alfred Länderer, Oskar Kleebinder, Dawid Meisel, Leopold Lichtig, Bruno Reicher und Bernhard Zelinka bestehendes Komit e veranstaltete am Sonntag den 10. d. M. im „Deutschen Hause" in Mährisch-Ostrau einen Wohltätigkeits Familienabend, deffen Reinertrag zur Bekleidung und Bespeisung ortsarmer israelitischer Schulkinder und zu Gunsten der russischen Juden bestimmt wurde. Der Abend hatte einen sehr schönen Besuch aufzuweisen und nahm einen sehr gelungenen Verlauf. Das Arrangement lag in den Händen des Herrn Zelinka, der auch die Regie der DilettantenauMbrungen innehatte. Unter den aus Ostrau, Oderfurt, Witkowitz und aus der Umgebung zahlreich erschienenen Festgästen bemerkte man unter Anderen am Ehrentische: Herrn Dr. Alois Hilf, Präses der israelitischen Kultusgemeinde Mährisch-Ostrau, Herrn und Frau Dr. Reick, Herrn Gemeinderat Dr. Richter, Herrn und Frau Lycealdirektor Schwarz, Herrn und Frau Dr. Taub, Herrn Dr. Glücklich, Herrn Moriz K r a s n y, Frau Lina K r a s n y, Präsidentin des israelitischen Wohltätigkeitsvereins in Mährisch-Ostrau, Herrn und Frau Nathan Lichten st er n. Gemeinderat, Herrn Gemeinderat Hermann Friedlander, Herrn und Frau Ing. Buchs bäum, Herrn Ignatz Reiß, Herrn Dr. Schlesinger, Herrn und Frau Dr. Kulka, Herrn Gymnasialprofessor Frankl u. v. a. Das sebr reichhaltige Proaramm umfaßte: Konzert der Trovpauer Regimentskapelle „Kaiser" Nr. I, ferner die von tüchtigen Dilettanten sehr brav aufgefübrten zwei Einakterpossen „Ein ungeschliffener Diamant" und „Eine Vorlesung bei der Hausmeisterin", die sämtlichen Darstellern reichlichen und wohlverdienten Beifall brachten, sowie ein von Herrn Professor Paskowsky, Direktor der Oderfurter Musikschule, großartig gespieltes Kontrabaßsolo mit Klavierbegleitung. Herr Oberkantor Löwy brachte „Der Doppelgänger" und „Der Wanderer" von Schubert in vornehm-künstlerischer Weise zum Vortrage und erntete stürmischen Applaus, so daß er sich zu einer stimmungsvollen Zugabe („Asra") entschloß. Die Klavierbegleitung hiezu besorgte mit gewohnter künstlerischer Verve Fräulein Wally T h i e b e r ge r. Deplitz. (Konzessionsverleihung.) Der k. k. Landesschulrat hat im Grunde des Erlasses des k. k. Ministers für Kultus und Unterricht vom 11. August 1905, Z 26.429, mittelst Entscheidung vom 4. November 1905. Z 48772, dem hierorts bestehenden Mädchenpensionat Altschul die h. o. Konzes-. sion erteilt und die für die Anstalt entworfenen statutarischen Bestimmungen genehmigt. Die infolgedessen behördlicherseits angeordnete und am 27. November an Ort und Stelle stattgefundene kommissionelle Verhandlung hatte ein vollkommen befriedigendes Resultat. Mg Neuhaus. Nachdem der bisherige Knltusvorsteher Herr Leopold DF leischer wegen vorgeschrittenen Alters auf diese Ehrenstelle, welche Uer über z0 Jahre in musterhafter und uneigennützigster Weise be- U kleidete, resignierte und trotz eindringlichsten Ersuchens sämtlicher f Gemeindemitglieder nicht zu bewegen war, dieses Ehrenamt weiter zu f behalten, wurden am 3. d. M. Neuwahlen vorgenommeu worden und sind bei der Konstituierung des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde in Neuhaus (Böhmen) nachstehende Herren gewählt worden: Zum Kultusvorsteher Herr Sigmund Singer, Fabrikant; zum Kultusvorsteher-Stellvertreter Herr Dr. Ed. Lederer, Advokat; zum Kassier Herr Bernhard P e s ch e k, Privatier; zum Schriftführer Herr Adolf F a n t l, Kaufmann; zum Tempelvorsteher Herr Leopold Fleischer. Fabrikant. In den engeren Ausschuß wurden gewählt die Herren: Eduard Hermann, Fabrikant; Salomon K o h n, Fabrikant; Julius Zimmer, Fabrikant, und Gustav P o k o r n y, Kaufmann. Loschitz. Anläßlich einer hier veranstalteten Gedächtnisfeier für die russischen Opfer wurde vom Herrn Rabbiner Dr. I. Günzig eine Sammlung eingeleitet, welche den Betrag von 204 Kronen ergab. Tacharr. Bei der am 1. November stattgefundenen Kultusgemeindewahl und der am 19. d. M. folgenden Konstituierung wurden Herr Siegmund Strauß zum Kultusvorsteher, Herr Nathan K o h n e r zum Vorsteher-Stellvertreter, Herr Heinrich Steiner zum Kassier, Herr Josef Klein zum Tempelvorsteher, Herr Max Kohner zum Rechnungsführer, Herr Bernhard Steiner zum Schulaufseher und Herr Max Popper als Vorstandsmitglied gewählt. In den erweiterten Vorstand wurden gewählt die Herren: Moses Salz, Nathan B l a u st e r n, JDr. Wilhelm L u r j e, JDr. Max Presser, Fillip W o l f n e r, Moritz Fische und Adolf Grünhut 86n. Troppan. Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde in T r o p p a u hat in seiner Sitzung vom 23. November l. I. nachstehende Entschließung gefaßt: „Von Tag zu Tag dringen aus dem benachbarten russischen Reiche Schreckensnachrichten des Inhaltes zu uns, daß dort zahllose Glaubensgenossen auf entsetzliche Weise von rohem Gesindel, oft unter Patronanz der Behörden und öfter sogar direkt von der Polizei und der Soldateska hingemordet werden, daß sich da, wo der größte Teil aller Juden der Welt wohnt, die Judenverfolgungen und Judenmassakres wiederholen, wie sie seit dem finstersten Mittelalter in der Welt nicht vorkamen. Wir wissen uns einig mit jedem Edeldenkenden, wenn wir unserem Gefühle tiefster Entrüstung, ja des Abscheues und Ekels über solche Brutalität Ausdruck geben und sprechen die Ueberzeugung aus, daß die ganze zivilisierte Welt mit uns diese Verbrechen der Russen verdammt. Wir hoffen und erwarten, daß alle jene, die den menschlichen Namen verdienen wollen, in Wort und Tat gegen diese Schande des XX. Jahrhunderts auftreten werden. Tempelgrundsteinlegung. Sofia. Hier erfolgte die feierliche Grundsteinlegung für den spaniolischen Zentraltempel, welcher als stylvoller maurischer Bau von größerem Umfange gedacht ist. Der Großrabbiner von Bulgarien, Herr Dr. M. Ehrenpreis, hielt tiefbewegt die Festrede, in der er unter gespannter Aufmerksamkeit des sehr zahlreichen Publikums darauf hinwies, daß dies die erste Zentralsynagoge in Sofia sein wird seit der vor nahezu tausend Jahren erfolgten Ansiedlung jüdischer Familien in dieser Stadt, und die Bedeutung eines modernen Tempels für die Modernisierung und Neubelebung des religiösen Lebens im Judentum auseinandersetzte. Zum Schluffe appellierte der Großrabbiner in herzlicher Weise an die Opferfreudigkeit der Gemeindemitglieder, damit das begonnene Werk vollendet werden könne. Die Rede schloß mit einem warmen Gebet für Se. königliche Hoheit den Fürsten. Hierauf verlasen der Stadtrabbiner D. Pipano und der Präsident der Kultusgemeinde Herr Esra Tagger die Urkunde der Grundsteinlegung in hebräischer und bulgarischer Sprache und unter Gebeten und Chorgesang erfolgten die Einkapselung der Urkunde und die üblichen Hammerschläge. Ein Chorgesang beschloß die seltene und ergreifende Feier.