Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 50 (15.12.1905)
- Date
- 1905-12-15
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 798 Dr. Bloch's Wochenschrifl. Nr. 50 Vizepräsident Fairbanks spricht sein Mitgefühl mit den Israeliten in Rußland aus. In der „Sesqui-Centennial" Ausgabe des „Hebrew Standard" wird ein von dem Vizepräsidenten Charles V. Fairbanks an den Redakteur des Blattes geschriebener Brief zum Abdruck gebracht, der in den wärmsten Ausdrücken der Sympathie mit den schrecklichen Leiden, welchen die Israeliten in Rußland ausgesetzt sind, abgefaßt ist. Herr Fairbanks weist auf die Meldung der Tagespresse über die Abschlachtung von Tausenden unschuldiger Israeliten hin, welche fast zu schrecklich seien, um wahr sein zu können. Es sei geradezu unbegreiflich, daß derartige Greueltaten in irgend einem bekannten Teile der Erde Vorkommen könnten. Die Anschläge gegen Unschuldige, lediglich weil sie Israeliten seien, müsse die Sympathie aller Israeliten ebenso sehr wie aller Andersgläubigen erregen. Jeder, der an die Menschheit und ihren Fortschritt glaube, sollte seine Stimme zu einem lauten Proteste gegen Grausamkeit erheben, welche in den blutigsten Taten der Geschichte nicht ihresgleichen hätten. Niemand, der dazu in der Lage sei, sollte den infolgedessen Notleidenden seine Hilfe versagen. Der Schreiber weist dann auf den so oft bewiesenen Wohltätigkeitssinn der Israeliten hin, wecher nicht auf ihre Glaubensgenossen beschränkt bleibe, und sagt, die Israeliten seien unsere Brüder und man müsse ihnen in ihren Leiden die Bruderhand reichen. Mit dem Ausdrucke der Hoffnung, daß der sich in Rußland vollziehende Wechsel in der Verwaltung den Israeliten durch Gewährung ausreichenden Schutzes zum Vorteile gereichen und ihnen den Genuß der vollen Menschenrechte gewähren werde, und einigen Bemerkungen über die Segnungen der freiheitlichen Zustände in diesem Lande schließt der Brief. Dr. Peters' Culogie. In der Baptistenkirche am Madison Ave und 64. Str. hielt der Geistliche Dr. Madison C. Peters gestern einen Vortrag über das Thema „Was die Juden für Amerika getan haben". Er begann mit der Erwähnung der Tatsache, daß zwei reiche, spanische Kaufleute jüdischen Glaubens das Geld hergegeben hätten, um die Schiffe von Christopher Columbus auszurüsten, und wies dann die hervorragende Tätigkeit der Israeliten Amerikas auf allen Gebieten nach, wobei er besonders die perzentuell sehr große Beteiligung der jüdischen Bevölkerung des Landes an den Kriegen betonte. Zum Schluffe erklärte er, die Liebe zum Gelde hafte den Christen gerade so an wie den Israeliten, aber da letztere liberaler seien, finde man unter den 4000 amerikanischen Millionären nur 175 jüdischen Glaubens, aber unter den Lebensversicherungsschwindlern seien sie nicht zu finden. Kiew. Das hiesige Deutsche Konsulat befindet sich in der Ljachower-Gasse in dem Hause eines reichen Juden namens Epstein. Als der schreckliche' Pogrom begann, ging Epsteins Sohn, ein Student, zum Konsul und bat ihn, er möge Epsteins Hausgesinde gestatten, sich zum Schutze vor den Mördern in des Konsuls Kanzlei aufzuhalten. Der Konsul schlug diese Bitte ohne weiteres ab, — und als der junge Mann ihn bat, wenigstens telefonisch Militär zum Schutze des Hauses zu fordern, wie es auch der französische Konsul getan habe, antwortete der deutsche Konsul: „Für mich habe ich keine Angst, und Ihr g e h t m i ch n i ch t s a n." — In der Wohnung des Herrn Epstein befanden sich 53 Personen, da auch eine Anzahl seiner Bekannten, die im Hause des deutschen Konsuls vor den Mördern sicher zu sein glaubten, bei ihm Zuflucht gesucht hatten. Es blieb den Leuten nichts anderes übrig, als schnell bei mitleidigen Nachbarn sich zu verstecken, denn sonst wären sie des Todes gewesen; — ließen doch die Mordbanden in der Wohnung Epsteins keinen Stein auf dem anderen! Vermischtes. Kranzablösungsspendcn zugunsten der Chewra-Kadischa I., Seitenstettengaffe 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens der sel. Hermine R o s e n b a ch: Von Therese Kunewalder K 15.—, Salo und Camilla Cohn 30.—, Charlotte Klinger 50.—, Dr. Norbert Klinger und Frau 20.-,. Ernst Klinger und Frau 20.—, kaiserl. Rat Paul Lemberger und Frau 20.—, Oskar Strauß 20.—, Dr. Goldberger und Frau 20.—, Moriz von Engel und Frau 20.-. Zusammen: K 215.— . Anläßlich des Ablebens des sel. Sigmund Hell mann: Von Karoline Epstein K 10.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Babette Neuhauser: Von Rudolf Weltmann K 10. , Wilhelm Stern 10.—, Gustav Planer 5.— , Sigmund Baderle 5.—, Am. Neuhauser 5.—, N. Neuhauser 5.—, Richard Neuhauser 5.—. Zusammen: K 45—. Anläßlich des Ablebens des sel. Friedrich Löwinger: Von kaiserl. Rat Julius Stern K 20.—, Koloman Prager 20.—, Helene Stern 40.—, Moriz Zweig 20.—. Zusammen: K 100.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Hedwig Kornfeld: Von Josef und Julius Neumann K 20.—, Edmund und Sofie Weiß 10.—, Dr. C. Widium 10.—. Zusammen: K 40.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Ignaz L u st i g: Von Frau M. L. E 10. -. Anläßlich des Ablebens des sel. Leopold Sachs: Von Emil Goldschmid, Prag K 20.—, Isidor tzartstein 10.—, Richard Heller 30.—, Hedwig Kaufmann 15.—, Dr Samuel Sachs 20.-, E. Rosenberg, Aachen 10.-, Siegfried Schiff 10.—, Familie Friedrich Schüller 10.—, Dr. Leopold Kohu K 10.—. Zusammen K 135.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Amalie N i r e n st e i n: Von kais. Rat Benno Bächer K 20.-. Anläßlich des Ablebens des sel. Emerich Engländer: Von Sandor Isidor Löti K 20.—, Karl Mayer 20.—, Georg Weiß 20.—, S. Rathe K lo.—. Zusammen K 70.—. Vortragszyklus aus der Geschichte der Juden in Deutschland und Oesterreich. Donnerstag den 21. Dezember a. c., präzise V28 Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architekten-Vereines, I., Eschenbachgasse 9, ein Vortrag des Herrn Dr. M. Grün Wald statt. Thema: „Das Frankfurter Ghetto" (mit Vorführung von Lichtbildern). Eintritt frei. Wien. (Wohltä tigkeitskonzert.) Im großen Musikvereinssaale fand zugunsten der Hinterbliebenen der bei den russischen Massakres ums Leben gekommenen unglücklichen Opfer ein Wohltätigkeitskonzert statt, zu dem sich trotz des schlechten Wetters ein zahlreiches Publikum einfand. Das Konzert eröffnete Herr Oberkantor Bela Guttmann mit dem Vortrage des Prologes aus „Bajazzo". Herr Guttmann trug den Prolog mit schöner Baritonstimme sehr dramatisch vor. Noch mehr als nach diesem Vortrage applaudierte das Publikum dem Künstler, als er zum Schluffe des Abends Lieder sang. Sein weicher, modulationsfähiger Bariton kam hauptsächlich beim Sulzer'schen „Abendfriede" — die Violoncellbegleitung besorgte der Komponist selbst — zur Geltung. Dann folgte der bekannte Klaviervirtuose Herr Ignaz Brüll, der seinen japanischen Marsch aus op. 94, Chopins Trauermarsch und Schubert- Liszt „Erlkönig" mit brillanter Technik spielte. Als nächster sollte Adolf Sonnenthal auf dem Podium erscheinen. Der Künstler mußte jedoch wegen Unwohlseins in letzter Stunde absagen. An seiner Stelle trug Herr B i r r o n vom Deutschen Volkstheater Max Kalbecks „Not und Liebe" mit starker Wirkung vor. Fräulein v. S e e b ö ck von der Hofoper erntete für den Vortrag einer Arie aus „Troubadour" lebhaften Beifall; der Hofmusiker Professor Joseph S u l z e r spielte auf dem Cello in seelenvoller Weise Sulzers „Sommernacht" und Davidoffs „Am Springbrunnen" in künstlerischer Vollendung und mußte auf lebhaftes Verlangen noch einige Zugaben zum Vortrage bringen. Die Konzertsängerin Frau Raja Barber-Waldberg erzielte mit dem schönen Vortrage von Schuberts „Am Meer" und von Eykens „Judiths Siegeslied" großen Erfolg. Die Klavierbegleitung besorgte Herr Oskar Dachs in feinfühliger Art. Alle Vortragenden ernteten starken Applaus. — Das Ergebnis des Konzerts beträgt 2112 K, welcher Betrag der „Israelitischen Allianz" übergeben wurde.