Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-11-24 · 47 (24.11.1905) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
47 (24.11.1905)
Date
1905-11-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021602-3021650--14962-3039702
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Ur. 47 Dr■ Bloch’s Jahrgang XXII. Zentralorgan für die gesamten Ilnteressen des Audentums. Wien, 24. November 1905. -Lrscbeint jeden Freitag. — Brief-Adresse: MUen, IX/1. Werggasse 39. Telegramm-Adresse: Wlocb's MiocbenscDritt, Miien. Inhalt: Aufruf. — Leitartikel: Ein Antrag des Ministerialrates Dr. Ballai in Budapest. — In rnemoriaw. — Trauerversammlung im Sofiensaale. — Zur Hilfsaktion. — Korrespondenzen: Ein Appell an die jüdischen Frauen und Mädchen Wiens. — Ueber die Stellung der ungarischen Regierung zur Judenfrage. „Du sollst nicht haben ein zwiefach Maß". Berlin, Riga. Kiew. Im heiligen Lande. Cincinnati. Oscar Straus plaidirt für die Juden in Rußland. Keine Hoffnung. Gompers depeschiert an Witte. — Vermischtes: Großes Wohltätigkeitskonzert für die Opfer der russischen Judenexzeffe. Sonnenthal-Vorlesung. Hofschauspieler für die russischen Juden. Wien. Kinderbekleidung des Vereines „Frauenhort". Jüdische Toynbeehalle. Straßnitz, Pribram, Troppau, Jamnitz, Liegnitz, Leipzig. — Feuilleton: Russische Judenlieder. — Briefkasten. — Inserate. Ä-—« K. ft. Postsparftaffen-Ami G l e a r i n g - 1t) e r ft e b r Mr. 810.976. Redaktion und Administration: w irn IX/i, Werggasse Nr. 39. Telefon Nr. 14.847. ©-et «-» Bezugspreis für Oesterreich: Halbjährig 8 Kronen. Einzeleremplare 50 Heller. Für's Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 „ Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petitzeile 24 Heller. £-£ Aufruf zugunsten der Opfer der russischen Judenexzesse. Eine neue furchtbare Katastrophe ist über unsere unglücklichen Glaubensgenoffen in Rußland hereingebrochen. Mit Entsetzen vernimmt die gesamte Kulturwelt die grauenhaften Nachrichten von den Maffenmorden und den verübten bestialischen Greueltalen. Unzählige Existenzen sind vernichtet worden, unermeßlich ist der durch die Verwüstung von Hab und Gut verursachte Schaden; Tausenden von Familien droht infolge dieser Ereigniffe der wirtschaftliche Untergang. Rasche und umfaffende Hilfe' ist unerläßlich. Wir wenden uns daher an alle Glaubensgenoffen und andere Menschenfreunde mit der innigen Bitte, an der von uns eingeleiteten Hilfsaktion zugunsten der beklagenswerten Opfer der Katastrophe durch Widmung von Beiträgen mitzuwirken. Geldsendungen werden an die Adresse unseres Bureaus Wien, I., Weihburggaffe 10, erbeten. Der Vorstand der „Israelitischen Allianz zu Wien''. Das Ergebnis der von der „Israelitischen Allianz zu Wien" zugunsten der Opfer der russischen Judenmassakres veranstalteten Spendensammlung betrug bis zum 22. d. zirka. 408.000 Kronen, in welcher Summe auch die vorläufigen Sammlungsergebnisse der Filialen der „Israelitischen Allianz" in Prag, Brünn, Bielitz und mehreren auswärtigen Kultusgemeinden enthalten sind. Die Sammlung wird mit größtem Eifer und auf der breitesten Basis fortgesetzt, damit die „Israelitische Allianz zu Wien" im Vereine mit den verwandten Organisationen in Deutschland, Frankreich, England und Amerika in der Lage sei, den nach vielen Tausenden zählenden Hinterbliebenen der Ermordeten ausgiebige Hilfe zu bieten und den ungezählten, in nahezu 100 russischen Städten wirtschaftlich zugrunde gerichteten Juden zur Wiederherstellung ihrer Existenz zu verhelfen. Gin Antrag des Ministerialrates Dr. Kallai in Kndapest. In Budapest hat sich Donnerstag Abend ein Hilfskomitee für die russischen Juden konstituiert. In diesem Komitee hielt der Präsident des Patentamtes im königlich ungarischen Handelsministerium, Ministerialrat Dr. Ludwig Ballai folgende Rede: „Es erleidet gar keinen Zweifel, daß, wenn die Sammlung richtig organisiert wird, die jüdische Opferwilligkeit, wie auch das Mitleidsgefühl eines jeden anständigen Menschen in großherziger Weise sich bekunden wird; aber wenn wir bedenken, daß diese Greueltaten unter dem Schutze der Behörden verübt wurden, so ruft uns das Andenken der massakrierten Juden zur Sühne auf. Und wahrlich das Gefühl der Gemeinschaft der zivilisierten Welt darf diese Greueltaten nicht ungesühnt lassen. Sie muß in geeigneter Weise nicht bloß Protest erheben gegen ein Vorgehen, das die elementarsten Begriffe der Menschenrechte mit Füßen tritt, sie muß diesen Protest auch praktisch zu betätigen wissen. Dieses erfolgreich durchzuführen, ist die Judenschaft nicht mehr auf sich allein angewiesen, denn die Frage ist nicht nur eine Judenfrage, sondern eine Frage der Gesittung. Auch die in der Judenschast sich bergende geistige Kraft kann, wenn die Gemeinschaft sich bestätigt. Ersprießliches zeitigen, denn sie kann erforderlichen Falles einen finanziellen und volkswirtschaftlichen Boykott durchsetzen. Wenn zum Beispiel die Börsen russische Werte nicht handeln, so wäre dies allein eine beträchtliche Schädigung für den russischen Staat. Jedenfalls muß etwas auf gesellschaftlichem Gebiete unternommen werden. Denn wer garantiert dafür, daß, wenn politische Zwecke wieder eine Judenmetzelei erheischen, die russischen Gewalthaber sich zurückhalten werden, wenn sie sehen, daß sie es ohne empfindlichen Schaden tun können? Nein! Da müssen geeignetere Mittel in Bewegung gesetzt und energisch in Angriff genommen werden. Unsere Aufgabe kann nicht darin erschöpft sein, bei periodisch wiederkehrenden Judenmetzeleien Sammlungen zu veranstalten. Das hieße unsere Kraft unterschätzen. Es wäre daher angezeigt, ein K o m i t e e zu entsenden, welches — unabhängig von der Hilfsaktion — sich mit den Koryphäen des In- und Auslandes ins Einvernehmen setzt und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.