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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-11-10 · 45 (10.11.1905) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
45 (10.11.1905)
Date
1905-11-10
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Nr. 45 Sette 718 Dr. Dlocb's MocvenscbrM. Herr Dr. I. Kahan die Festrede. In besonderer Liebenswürdigkeit sang Frau Adrienne Spitzer mit ihrer schönen Stimme in den Chören mit, die dem gut geschulten Damenchor zum vollen Erfolge verhalf. Zum Schlüsse würdigte Herr Vorsteher H. Steiner die Verdienste des Vereines und der Präsidentin, gedachte in rührenden Worten zweier verdienstvoller verstorbener Vorstandsdamen, Frau Babette P i s k e r und seiner eigenen Gattin Frau Laura Steiner, welche durch viele. Jahre Schriftführerin des Vereines war. Seine Rede klang in ein Hoch auf unseren erhabenen Monarchen aus, worauf der Chor die Volkshymne sang. Es sei nur noch erwähnt, daß der Verein anläßlich des Jubiläums alle Armen der Gemeinde beteilte und 1000 Kronen stiftete, deren Zinsen alljährlich zur Bekleidung armer Schulkinder verwendet werden sollen. Rumburg. Der hiesige k. k. Bezirksschulrat hat Herrn Rabbiner Ignaz Popper zum Beirat des israelitischen Glaubensbekenntnisses im k. k. Bezirksschulräte in Rumburg gewählt. Agram. Die „Agramer Zeitung" meldet: „Die Agramer autonome israelitisch-orthodoxe Kultusgemeinde strebte schon seit längerer Zeit darnach, ein eigenes Bethaus zu errichten; nun wäre dies endlich zur Tat geworden. Zu diesem Zwecke kaufte die Gemeinde das zweistöckige Haus auf der Blutigen Brücke von Sr. Exzellenz Dr. Nikola v. Tomasic und wird ein Teil der Räumlichkeiten zu einem Bethause adaptiert. Nachdem diese Kultusgemeinde über sehr geringe Mittel verfügt, so fanden sich edle Menschen außerhalb der genannten Gemeinde, welche dieselbe durch Geldspenden im Bestreben der Gründung eines eigenen Bethauses unterstützten. Die Deputation der Kultusgemeinde machte vor einigen Tagen die Aufwartung bei Sr. Exzellenz dem Erzbischof Dr. Posilovic, welcher dieselbe huldvollst empfing und die Kultusgemeinde in ihrem Bestreben um Erhaltung ihrer Traditionen auch weiterhin nicht nur mit milden Worten, sondern auch mit einer bedeutenden Geldspende ermutigte. Ebenso haben Ihre Hochwürden die Bischöfe Dr. Krapac und Gugler mit bedeutender Geldunterstützung ihr Entgegenkommen der orthodoxen Gemeinde gegenüber bezeugt. Diesem schönen und edlen Beispiele folgten auch die Herren Domherren, wie auch andere Persönlichkeiten und wird allen diesen edlen Spendern die autonome israel. orthodoxe Kultusgemeinde seinerzeit ihren herzlichen Dank öffentlich ausdrücken. Wir wünschen unserer orthodoxen Gemeinde das beste Gedeihen." Jttebe. (T e m p e l w e i h e.) Am 25. September wurde der, dank der Opferwilligkeit unserer Glaubensgenossen in Nah und Fern, neuerbaute Tempel mit seltener Feierlichkeit die durch die Anwesenheit des Bezirksstuhlrichters Emerich Hertelendy in Vertretung des Obergespans, ferner des königl. Rates I e n o v a y, des röm.-kath. Dechanten I a n k o v i ch, der serbischen evangelisch reformierten und lutherischen Geistlichkeit nur noch erhöht wurde, eingeweiht. Nachdem Oberstuhlrichter Hertelendy die Tempelpforten erschlossen, erfolgte der übliche Umgang mit den Thorarollen, worauf der zur Einweihung berufene Nagybecskereker Rabbiner das ewige Licht in Begleitung einer gediegenen, sinnreichen Ansprache anzündete. Den Glanzpunkt der Feier bildete die Festrede des Großbecskereker Rabbiners Dr. Moritz Klein, die reich an Beziehungen und Hindeutungen auf die allgemeine Weltlage, insbesondere auf die desolaten, konfessionellen und gesellschaftlichen Verhältnisse unseres Vaterlandes von allen Anwesenden als ein Meisterwerk kirchlicher Beredtsamkeit gepriesen wurde. Mit dem Minchagebet endete die erhebende Feier. Fmme. (Konfirmation.) Samstag den 4. d. M. fand im hiesigen neuerbauten Tempel im Beisein eines zahlreichen distinguierten Publikums die Konfirmation des Nikolaus Sachs, Sohnes des Herr« Dr. Heinrich Sachs, Präses der israelitischen Kultusgemeinde, statt. Der Konfirmand las ergriffen mit klarer Stimme den Thora-Abschnitt. Der erst kürzlich installierte Rabbiner Dr. Josef Frank hielt eine eindrucksvolle Ansprache. Verschiedene Wohltätigkeitsvereine wurden mit bedeutenden Spenden bedacht. Feuilleton. Welkes Kauk. Erinnerung aus einem alten Stadtteil, von Felix Vrodowski. Autorisierte Uebersetzung aus dem Polnischen von Malwiua Blumberg. Auf der Erde liegt ein gelbes Blatt. Im zur Seite ein zweites, ein drittes und noch viele, viele mehr. Sie ruhen unter der Linde, die nicht nach ihnen fragt, sondern blühend und duftend der Sonne zulächelt. Einige Tage lang hat es geregnet, die Kühle der Morgenstunden hat viele Blätter getötet und vom Baum geschüttelt. Dafür haben es die anderen bequemer. Die anderen sind fröhlich. Sie treiben ein neckisches Spiel mit der Sonne, indem sie deren Strahlen auffangen und sie in dünnen Strähnen auf die Erde niederfließen lassen, gleich Kindern, die Wasser in die hohle Hand schöpfen; sie kichern, wenn der Wind sie berührt, stoßen einander wie scheue iunge Mädchen, und scheinbar drohen sie. Mit einem Wort: sie spielen. Manchmal, wenn sie sich neigen, erblicken sie unten gelbe, dunkle, unbewegliche, gleichsam an die Erde festgewachsene Punkte, die nur höchst selten, bei heftigem Winde wie schwache, leblose Wesen in der Luft hin und her getrieben werden. Wenn die lebenden Blätter jene schlafenden oder, sehnsüchtig zu ihnen emporblickenden bemerken, dann ist's, als ob sie, durch den Atem der Langeweile erstarrt, plötzlich ernst geworden wären und in lispelndem Tone mit einander redeten. „Wir sind auf unserem Platz, wir haben gesicherte Stellungen, die niemand uns streitig machen, einen Lebensweg, aus dem nichts uns entgleisen kann. Wir sind zur rechten Zeit geboren, zur rechten Zeit gereift und werden zur rechten Zeit sterben. Bei uns geschieht alles zur rechten Zeit. Unsere nicht zahlreichen Gedanken und unsere eintönigen Gefühle haben eine für sie bestimmte Zeit und bequeme Formen. Wir sind anständige Blätter." So flüsternd, beschwichtigen sie ihre trüben Ahnungen und die unberechtigte Angst, die sie einen Augenblick leicht erschauern ließ. Beruhigt kehren sie zurück zur Sonne und zum Winde und tun, als wären sie vornehme, mit Anmut sich fächelnde Damen. Sie spielen. Und jene schlaftrunkenen, obdachlosen, entgleisten, welcher Schuld halber wurden sie von den Zweigen geschüttelt? Ist es nicht fürchterlich, als Blalt zur Welt kommen, erfahren, daß man unnütz ist, und auf die Erde geworfen werden? Wie viel Kummer, welch grausame Vorwürfe, welch brennender Schmerz muß an diesen regungslosen, stummen Blättchen zehren. Kein Wunder, daß sie so rasch verdorren. Und mir ist, als sähe ich einen anderen Baum der, wie dieser mit Blättern, so dicht mit menschlichen Gedanken und Gefühlen bedeckt ist. In Folge kühlen Wetters und anhaltenden Regens verliert der Baum viele seiner Blätter. Sie schwirren um mein Haupt und fallen auf dasselbe mit ächzender Klage. Wenn ich sie aber genau betrachte, finde ich nicht, daß sie ärger als die anderen und zu nichts nutze sein sollten. So scheint mir denn, daß Jemand herrliche Kränze aus ihnen winden und dieselben dereinst auf das Grab des verdorrten Baumes legen wird, und die Menschen werden Mitleid haben mit den welken, verlorenen Blättern. In meiner Erinnerung steigt ein altes Haus auf und ein alter Mann. So lange sie lebten, lebten sie mitsammen und trennten sich niemals; zum Schluß gelangten sie Beide an dasselbe Tor und Beide blickten mit Beftiedigung auf die Inschrift, die für das Haus: Vernichtung lautete, und für den Mann: der Tod. Das Haus war nur mit einer Nummer bezeichnet, der Mann jedoch trug einen Namen: Baum, Netel Baum. Beide waren sie unnützes Gerümpel und gehörten zueinander. Aus Gewohnheit pflegte man zu sagen, das Haus sei Netel's Eigentum, richtiger wäre es, wenn man gesagt hätte, Netel sei das

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