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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-11-10 · 45 (10.11.1905) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
45 (10.11.1905)
Date
1905-11-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Nr. 45 Dr. Dlocb's Mlocbenscbrlrr. Seite 706 der Waffe in der Hand, viele ihrer Feinde mit sich ins Grab reißend. Auf den Schlachtfeldern der Mandschurei haben sie ihren Patriotismus bewiesen, auf den Kampfplätzen der Revolution haben sie ihre Freiheitsliebe gezeigt, auf den Würgstätten Südrußlauds bekunden sie ihren Heldenmut. Und wenn man wieder von jüdischer Feigheit spricht, so werden wir immer wieder mit wehmütigem Stolze auf unsere russischen Makkabäer hinweiseu, diese armen Blutzeugen der Autokratie, diese herrlichen Blutzeugen der Freiheit! Beweinen wir sie, aber schreiben wir ihre Namen auf die ehernen Gedenktafeln unserer Geschichte. Und beten wir zu Gott dem Allmächtigen, daß er der Opfer genug sein lasse und daß er den Ueberlebenden sein Antlitz, die Sonne der Freiheit, leuchten lasse! * * * Wir erhalten folgende Zuschrift: Mit verhängnisvoller Plötzlichkeit sind über unsere Brüder in Rußland, mitten in den Tagen der großen politischen Umwälzung, Schrecken hereingebrochen, welche nur in den düstersten Zeiten unserer Geschichte ihres Gleichen haben! In fast allen größeren jüdischen Zentren wurde der Pöbel systematisch zu bestialischem Treiben aufgestachelt und gegen die Juden gehetzt, als die einzigen, an welchen in diesen Tagen jedes Verbrechen verübt werden kann. Und es sind Massenverbrechen ohne Beispiel, vor denen die Phantasie zurückbleibt und das Blut erstarrt. Und täglich berichten die Zeitungen von Tausenden und Tausenden von Leichen und Verwundeten. Keine äußere Maßregel hall die Mörder auf, denn Militär und Polizei stehen untätig, wenn sie nicht selbst die Hetzen arrangieren und an ihnen teilnehmen. 50.000 sind ermordet, mehr als 100.000 sterben in den Spitälern verwundet. Unsere russischen Brüder sind vor Entsetzen gelähmt und haben sich Tage lang ihres Lebens zu erwehren. Nur die geheim organisierten Selbstschutzvereine schützen sie in manchen Städten vor gänzlicher Vernichtung, in anderen aber sind sie völlig wehrlos dem wütenden Treiben preisgegeben. Es wäre eine Schmach für die ganze Judenheit, wenn wir noch schweigen, Zeitung lesen und nur Geld für die Hinterbliebenen sammeln wollen in einem Augenblick, wo noch gemordet und geplündert wird. Geld kann kein Leben schützen und ftommes Mitleid wird ruchlos, wenn es aus Angst sich feige versteckt. Nur eines ist notwendig, das momentane, solidarische Zusammenwirken, der Empörungsschrei des ganzen Judentums, welche sich der tiefen Verhöhnung und Schändung ihrer selbst erwehrt. Darum ergeht an alle, noch nicht vor Trägheit und Stumpfheit herzlos gewordenen Juden der Ruf, sich an einem augenblicklichen umfaffenden Rettungswerke zu beteiligen und an, allerorten zu veranstaltenden Protestversammlungen ihre Entschlüffe zu fassen. Englische Stimmen über die' Judenrazzia. London, 7. November. Die hiesigen Blätter äußern sich voller Entrüstung über die an den Juden in Rußland begangenen Scheußlichkeiten. „Times" sagen: „Die Schlächtereien in Odessa übertreffen die vor Jahren von den Türken an den Armeniern begangenen Greuel". ^Telegraph" bemerkt: „Die Bluttaten in den russischen Städten stellen die Bartholomäusnacht und die Pariser Schreckensherrschaft in den Schatten." Oberrabbiner Adler erhielt von einem hervorragenden Mitglied der russischen Judenschaft folgendes Telegramm: Viele jüdische Gemeinden sind gänzlich vernichtet. Unmittelbare Hilfe, namentlich in kleinen Städten, ist erforderlich. Adler hat sich sofort mit den Führern der Londoner jüdischen Gemeinden in Verbindung gesetzt, die sofort einzugreifen versprachen. Adler fügt hinzu, er halte sich nicht berechtigt, mehr zu sagen. Die Juden fürchten offenbar, daß jede europäische Intervention neue Repressalien in Rußland gegenüber den Juden Hervorrufen würde. Der Gouverneur von Odessa hat die Zeitungen ersucht, nichts über die Odessaer Schreckenstage zu bringen, da sonst neue Ausbrüche gegen die Juden zu fürchten seien. Aus demselben Grunde scheint sich ein Rabbiner bereit gefunden zu haben, in Odessa Unterschriften zu einer Adresse an den Gouverneur zu sammeln, in der diesem der Dank der Juden fiir w AAHififirtpn Kibnk ausaeivrochen werden soll._ Ein Appell an Roosevelt. Washington, 6. November. Eine Versammlung von Juden richtete ein Telegramm an den Präsidenten Roosevelt mit der Bitte, sich bei der russischen Regierung dafür zu verwenden, daß den Judenmetzeleien in Rußland ein Ende bereitet werde. Präsident Roosevelt ist jedoch der Ansicht, daß zurzeit von der Regierung der Vereinigten Staaten kein Schritt unternommen werden könne, der von irgendwelchem Nutzen für die Juden in Rußland sein würde. Paris, 7. November. Die Judenmassakres in Rußland haben die öffentliche Meinung in den Vereinigten Staaten tief aufgeregt. Die israelitische Bevölkerung von Ncw-Iork hält Versammlungen in den Synagogen ab, um gegen die Haltung der mordsüchtigen Anhänger der russischen Autokratie und der sie beschützenden Behörden zu protestieren. Dem New-Iorker „Sun" wird von Washington gemeldet, daß Bankier Oskar Strauß von New-Iork heute von Roosevelt empfangen worden und ihm Vortrag über die Massakres in Rußland gehalten hat. Infolge des Besuches von Strauß im Weißen Hause wurde von der Präsidentschaft eine Erklärung publiziert, welche besagt, daß der Präsident die größte Sympathie für die unglücklichen Opfer der russischen Judenverfolgung empfinde, daß jedoch die amerikanische Regierung nichts zum Schutze der russischen Juden tun könne. London, 7. November. Graf Witte hat dem New- Iorker Bankier Herrn Jakob Schiff folgende Depesche geschickt: Die russische Regierung steht entsetzt vor diesen Ausschreitungen. Sie wissen, daß ich mit solchen wilden Ausbrüchen nicht sympathisiere. Alles, was ich tun kann, um die Unordnung zu inhibieren, ist geschehen, aber das Land ist in so ungeordneten Verhältnissen, daß die Ortsbehörden oft machtlos dastehen. Für die Opfer der russischen Judenhetzen. Aufruf zur Sammlung eines Unterstützungsfonds. London, 7. November. Im Hause des Lord Rothschild wurde nachmittags eine Versammlung der führenden Juden abgehalten und beschlossen, daß das russisch-jüdische Komitee einen Aufruf zur Sammlung eines Unterstützungsfonds für die den Verfolgungen in Rußland zum Opfer gefallenen Juden erlassen soll. Berlin, 7. November. Der Hilfsverein der deutschen Juden in Berlin erläßt in den verschiedenen deutschen Blättern einen großen Auftuf zur Sammlung von Beiträgen zugunsten der russischen Juden. New-Iork, 8. November. In einer großen Versammlung von Juden wurden 56.800 Dollars gezeichnet, die für eine Sammlung zur Unterstützung aller Opfer der Unruhen in Rußland bestimmt sind. Zum Vorsitzenden des Hilfsvereins, der sich gleichzeitig konstituierte, wurde Oskar Strauß, zum Schatzmeister Jakob Schiff gewählt. Eine Demonstration amerikanischer Juden. London, 7. November. Aus New-Wrk berichtet: Eine Massenversammlung jüdischer Bewohner New-Iorks beschloß, eine Deputation zu Roosevelt nach Washington zu senden und vor dem Weißen Hause einen demonstrativen Aufzug zu veranstalten, um Roosevelt zu einer formellen Intervention zu Gunsten der bedrohten Juden Rußlands zu bewegen. Die gesamte jüdische Bevölkerung der Vereinigten Staaten wird aufgefordert werden, am Tage der Demonstration die Arbeit einzustellen und einen Beitrag zu Gunsten der Witwen und Waisen der massakrierten Juden beizusteuern. Ein Proteftkomitee in Frankreich. Paris, 7. November. Vom Vorstande der Liga der Menschenrechte erhält Ihr Korrespondent folgende Mitteilung zur Veröffentlichung:__,

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