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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-10-27 · 43 (27.10.1905) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
43 (27.10.1905)
Date
1905-10-27
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 43 Dr. Llocb's Mocbenscbrm. Seite 685 Beratung. — Der Vorstand dieses Vereines fühlt sich jetzt bei Eintritt der kalten Jahreszeit bewogen, an edle Menschenfreunde die dringende Bitte zu richten, allerhand außer Brauch gesetzte Kleidung und Wäsche seinen Schützlingen zu widmen. Die kaum erlangte Gesundung wird gar oft durch unzulängliche, dürftige Bekleidung beim Verlassen der «Spitäler auf dem Heimwege wieder arg erschüttert und hat die Vereinsleitung oft diesbezüglich viel Sorge um Beschaffung schützender Kleidungsstücke für weitere Heimreisen. Spenden und Widmungen werden dankbar entgegengenommen oder abgeholt. Sammelstelle bei Frau Julie Schwarz, II., Schiffamtsgasse 10. Jetziger Sitz des Vereines I., Seitenstettengasse 2. Rosa S1 r a n s k y, Lea B o n d i, Präsidentinnen. Tefillath ha N’eorim. Jugendandacht! Ein hehrer Akt! Und wo immer sich die Kinder versammeln mögen zu gemeinsamer Erbauung, dort ist das Haus Gottes, die Pforte zum Himmel. Erfüllen wird sich an dieser frommen Jugend des Psalmiften Wort: „Aus der Kinder Mund hat Gott die Macht gegründet." Das sind die Gefühle, die uns bewegten, als wir an den hohen Feiertagen, sowie am Sukkothfeste die Stätten besuchten, woselbst der Verein „Jugendandacht" (Tefillath ha N’eorim) die Schüler und Studenten, die Lehrlinge und jungen Handelsbefllffenen zu einem ihnen angepaßten Gottesdienste versammelte. Vier sind es ihrer im I. und II., dann im VI. und XX. Bezirke. Mit anznsehe», mit welchem Eifer, mit welch kindlicher Inbrunst, mit welch lebhafter Teilnahme die einzelnen Phasen der Andacht seitens der jungen Leute begleitet werden, ist wahrlich in unserer gleichgiltigen Zeit von wohltuender Wirkung. Da ist noch die „Haghaha* (Erhebung der Thora) eine Haghaha für den jugendlichen Funktionär, das Oeffnen und Schließen der Bundeslade ein Ehrenamt, um das mit eifrigem Blicke geworben wird. Da rückt das Judentum mit Schofar und Zalab ans Herz und faßt es und wird es hoffentlich halten. Dank, herzlichen Dank, sei allen Denen, dre um dieses Werk der Zukunft sich benlühen und sich wahrhafte Verdienste erworben haben: vor allem den Herren Vorstehern der Schulsektion der Kultusgemeinde, welche dem Vereine Tefillath ha N’eorim generöse Förderung zuteil werden lassen; den Herren Lehrern, die in Ausübung kantoraler und exhortatorischer Funktionen sich mit Aufopferung der schönen Sache widmen. Nicht in minderem Maße sei der Herren gedacht, die in organisatorischer Hinsicht und im eifriger Vereinstätigkeit still und erfolgreich Mitwirken. Alle die Namen zu nennen, verbietet der Raum, verbietet die Bescheidenheit der Betreffenden, die Rücksicht darauf, daß das Werk rein sei und bleibe. Auch an Spendern hat es dem jungen Vereine diesmal nicht gefehlt; es haben die Herren Leopold Gollerstepper und Philipp Weiß die Andachtsstätte im VI. Bezirke je mit einem Paroches und einer silbernen Jad bedacht. So möge das Interesse für dieies gottgefällige Beginnen um sich greifen und feste Wurzel fassen, es möge die jüdische Jugend das Judentum kennen lernen, kennen und lieben! M. Teltsch. (Iubiläu m.) Am 21. d. M, Schemini Azereth, feierte eine der angesehensten Familien unserer Stadt, Herr Pinkas Stein und Frau, das Fest ihrer goldenen Hochzeit. Wiewohl die Feier nur einen rein humanitären Charakter trug, sind dem Brautpaar vielfache Beweise der Verehrung, sowie zahlreiche Glückwünsche zugekommen. In der Synagoge feierte Herr Dr. Josef Link in einer sehr gelungenen Rede das greise Jubelpaar. Prag. Bei der in Kuttenplan vorgenommenen Neuwahl der Vertretung der israelitischen Kultusgemeinde wurden die Herren: Albert Kraus, Alfred Fleischer, Gustav Stein, Karl Löwy und Siegmund Pollak zu Vorstandsmitgliedern, die Herren: k. k. Bezirksobertierarzt Hugo Münzer, Moriz Witz, Salomon Gutwillig und Philipp Hecht in den verstärkten Vorstand, die Herren: Max Scheuer und Sigmund Hecht zu Kassarevisoren, die Herren: JUDr. Ad. Fiedler, Ignaz Scheuer und Simon Steiner in die Umlagekommission, und die Herren: Richard Dittrich und Max Wiener als Ersatzmänner gewählt. Olmütz. Herr Leopold K u l k a und seine Gattin Florentine, geb. Mayer, feiern^ am 29. d. M. das Fest der silbernen Hochzeit. Karlsbad. (Trauung.) Donnerstag den 26. Oktober d. I. um 10 Uhr Vormittags findet im hiesigen israelitischen Tempel die Trauung des Fräuleins Hedwig S i n e k, Tochter des Herrn L. S i n e k, mit dem k. k. Baukommissär Herrn Ing. Dietrich-Sch leiser statt. Halberstadt. Herrn Benjamin Hirsch, Seniorchef der Firma Aron Hirsch u. Sohn, ist der Charakter als königlicher Kommerzienrat verliehen worden. Feuilleton. Das Fest der Thora. Von S. Frug. Ueberfetzt von Malwine B l u m b e r g. (Schluß.) „Oser äallm, hoschio no!!!“ In einer der ersten Reihen der Synagoge steht, an seinen Pult gelehnt, ein Mann mittleren Alters. Die Züge seines bleichen, intelligenten Gesichtes drücken Trauer aus. Sein zerstreuter Blick schweift über die bunte Schar der kindlichen Gestalten, die in Erwartung des ersten „Hakoffo" sich um das Tabernakel versammelt haben. Der bleiche, traurige Mann betrachtet die munteren, lebhaften Knaben und sein Blick wird noch trauriger, noch deutlicher das bittere Lächeln auf seinen bleichen Lippen und eine große, brennende Träne rollt langsam seine Wange entlang. Leise zittern die Kerzen in den alten, silbernen Leuchtern. . . Der bleiche Mann denkt an den kleinen hellen Raum, in welchem seine beiden Kinder schlafen, seine Kinder, für die er seit dem Augenblicke ihrer Geburt im Schweiße seines Angesichtes, aber mit Liebe und Freude im Herzen, gearbeitet hat. Was betrübt diesen Vater? Seine Kinder haben, Gott sei es gedankt, alle obligaten Kinderkrankheiten überstanden: Masern, Keuchhusten, Scharlach — mit einem Worte alles, was die sorgenden Eltern der Ruhe und des Schlafes beraubt, um endlich, wie ein quälender Traum zu verschwinden. Seine Kinder sind unter einem glücklichen Stern geboren; ihr Vater hat so viel gearbeitet, daß er ihnen eine strahlende Kindheit sichern konnte und eine sorgenlose Jugend, in der sowohl ihre physischen wie Geistesgaben zur vollen Entfaltung gelangen konnten. Seine Kinder hat die Natur mit einem zärtlichen, guten Charakter bedacht, und sie verbrachten die goldene Zeit ihrer unschuldigen Knabenspiele in ungetrübter Freundschaft und gegenseitiger, inniger Zuneigung. Warum also ist dieser Vater am „Simchas Thora", diesem Freudenfeste — so betrübt? „Ach, meine Freunde, erinnert ihr euch der düsteren Prophezeiung, betreffend die schreckliche, schwere Zeit, da laut den Worten des biblischen Propheten, „ein Bruder aufstehen wird und wider den anderen ..." Leise zitterten die Kerzen in den alten silbernen Kronleuchtern : . . Es mangelt mir an Worten, um das Entzücken zu schildern, welches die Seele des kleinen Kobi füllte, als er an einem sonnigen Maitage nach Hause eilte, um die wichtige Mähr zu verkünden, er habe über den ganzen Areopag der versammelten Weisen und Gelehrten einen großen Sieg davongetragen : Kobi hat die Prüfung zur ersten Gymnafialklasse glänzend bestanden! Und dabei hatten sich alle diese gelehrten Männer die größte Mühe gegeben, um ihn, Kobi, zu verwirren, ihn in seine eigenen Antworten zu verwickeln, ihn zu erschrecken . . . Unsinn! Nicht vergeblich hatte der Knabe so viele Nächte schlaflos zugebracht, so daß er ganz bleich geworden war, um sich die Menge wissenschaftlichen Stoffes, der zum Programm der ersten Klasse gehört, gründlich einzuprägen. Und er hatte gesiegt . . . „Eine Mütze, Papachen! Eine Mütze mit einem Stern mußt Du mir kaufen. Und eine Blouse Papachen! Und einen schwarzen Gürtel . . . Aber nur mit einer gelben Schnalle, denn einen anderen darf man nicht . . . Und einen Mantel, Papachen, einen Mantel, den mußt Du heute bestellen! . . , Alles gärte in dem kleinen, schwächlichen Knaben, der von Geburt an ein äußerst nervöses, gefühlvolles Kind war. Der Vater sagte, dies alles habe noch Zeit. Kobi jedoch beharrte dabei und nach Verlauf einer Woche stolzierte er schon

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