Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 43 (27.10.1905)
- Date
- 1905-10-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ur. 43 Dr. Bloch’s Jahrgang XXII. Lentralorgan kür die gesamten Ilnteressen des Zudentums. Wien, 27. Oktober 1905. LrsiLetnt jeden Freitag. Brief-Adresse: Mten. IX/1, Werggasse 39. Telegramm-Adresse: JBlocb’s TiHocbenscbdft, Wiien. B. ft. Postsparftassen-Nmt Clearing-VerKebr INr. 810.976. Redaktion und Administration: Wien IX/1, Werggasse IFU. 39. Telefon Nr. 14.847 ©-* S-» Sexugsprri» für Vesterreich: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für'« Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 „ Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petitzeile 24 Heller. 3- - - G Inhalt: Leitartikel: Zangwill an der Arbeit. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Glossen zur Tagesgeschichte. — Oesterreichisch- Jsraelitische Union. — Der Kampf der Inden um ihre Emanzipation in Baiern. — Der Prediger. — Das Alter der „Goldminen König Salomos". — Korrespondenzen: Generalmajor Ritter von Schweitzer. Biala-Leipnik. Budapest. Zweite israelitische Gesellschaftsreise nach dem Heiligen Lande. Ein Dreyfus als Abgeordneter. Der erste jüdische Privatdozent in — Rußland. Petersburg. — Vermischtes: Kranzablösungsspenden zu Gunsten der Chewra-Kadischa in Wien. Wien. Tefillath ha N’eorim. Teltsch, Prag, Karlsbad, Halberstadt. — Feuilleton: Das Fest der Thora. — Die sünzigjährrge Jubiläumsfeier der israelitischen deutschen Volksschule in Czernowitz. — Neue Bücher. — Briefkasten. — Inserate. Zangwill an der Arbeit. Mit unermüdlichem Eifer setzt Mr. Israel Zangwill die Agitation für die jüdische Territorial-Organisation fort. Am Samstag den 7. Oktober sprach er in London in dem vornehmen Makkabäer-Klub, der die Elite der englischen Juden umfaßt. Er entwickelte seine Ideen unter großem Beifall der Anwesenden. In der Diskussion sprachen u. a. Mr. Lucien Wolf für und Mr. Greenberg gegen die I. T.-O. Zahlreiche Anwesende schlossen sich der neuen Organisation an, darunter auch der Präsident des Klubs Mr. Spielmann. Ueber die Versammlung liegt folgender interessanter Bericht vor: Am Samstag den 7. Oktober, abends, veranstaltete der hiesige Verein „Maccabaeens" eine Mitgliederversammlung, in der Mr. Zangwill Gelegenheit gegeben wurde, über den Territorialismus zu referieren. Das Auditorium bestand zum größten Teil aus akademisch gebildeten Herren des Westends. Eingangs der Versammlung wurde ein Flugblatt verteilt, das die Gründe und Ziele der Jewish Territorial Organisation bekanntgab und in folgendem Programm Zangwills gipfelte: I. Das Ziel der Jewish Territorial Organisation ist, ein Territorium auf autonomer Basis für diejenigen Juden zu schaffen, die in ihren jetzigen Wohnsitzen nicht bleiben können oder wollen. II. Als Mittel, dieses Ziel zu erreichen, schlägt die Organisation vor: a) Den Zusammenschluß aller Juden, die mit diesem Ziele einverstanden find; b) in Unterhandlungen zu treten mit Regierungen, öffentlichen und privaten Unternehmungen; e) finanzielle Institutionen, Arbeits-Bureaus und andere Unternehmungen, die für notwendig befunden werden, ins Leben zu rufen. Herr Zangwill sprach über die von ihm ins Leben gerufene Bewegung. Er erzählte, daß in Rußland der Grundstein für die Entwicklung der Jewish Territorial Organisation (der JTO) gelegt sei und daß namhafte Männer (Dr. Jassinowsky, Dr. Mandelstamm) sich der Bewegung anzuschließen bereit seien. In Deutschland habe er mit hervorragenden Persönlichkeiten gesprochen und viel Sympathie gefunden. Er verlas einen Brief vom „Hilfsverein Deutscher Juden", der sich mit den Bestrebungen der 110 einverstanden erklärt und sogar Zusicherungen betreffs der zu leistenden Hilfe gibt. In England sei man schon mit dem Ausbau der Organisation beschäftigt, ein Bureau im Westen Londons sei installiert, eine Filiale in Manchester errichtet und die Arbeit in vollem Gange. „Ich hatte genug Kongreß und genug Geschwätz (aalking) ich will keine geschwätzige Bewegung", so sagte Mr. Zangwill. Als erster Diskussionsredner sprach Prof. Dr. Friedländer aus New-Aork. Er stellte den Zionismus hin als die Bewegung, die, getragen von einem hohen Ideal, begeisternde und agitatorische Kraft besitze. Während die 110 nur an die Taschen der Juden appelliert, wendet sich der Zionismus an das Herz der jüdischen Volkes. Eine große Volksbewegung muß auch groß sein in Idealen und kann nicht als Geschäftssache betrieben werden. Was der Territorialismus Gutes wolle, beabsichtigt der Zionismus ebenfalls. Auch dem Territorialismus werden bei der Verwirklichung seiner Ziele große Schwierigkeiten entgegentreten, die Mittel, solche zu beseitigen, besitzt aber nur der Zionismus kraft der in ihm wohnenden idealen Begeisterung. Darauf sprachen mehrere Herren teils für, teils gegen den Territorialismus. Während man auf der einen Seite hören konnte, daß die Juden national, wie durch ihre religiösen Bande zusammengehören, sprach man auf der anderen Seite davon, daß der Mehrzahl der Juden an der Religion überhaupt nichts läge, daß sie aber nationale Zusammengehörigkeit hätten, die ihrerseits aber nichts mit Zion zu tun habe und nichts zu tun haben dürfe. Der einzige Punkt, in dem die Versammlung einig zu sein schien, war, daß die Juden an verschiedenen Stellen der Erde stark verfolgt würden und daß es gut sei, wenn man dem abzuhelfen sucht. Eine Ansicht, die wohl den Stempel trauriger Wahrheit, nicht aber den besonderer Neuheit trägt. Herr Lucien Wolfs erklärte, ihm sei von Z a n g w i l l gesagt worden, der Zionismus sei so gut wie tot, man möge nur zusehen, daß man die Seele desselben, das Ideal der Maffen, auffängt, wenn sie den toten Körper verläßt und ehe sie verfliegt, für eine neue Bewegung verwertet. Diese neue Bewegung, die Bewegung der Tat, sei der Territorialismus. Es wäre allerdings nichts, sagte Herr Wolfs, daß man eine jüdische Autonomie haben wolle, auch jüdisch-nationale Gesinnung sei nur schädlich. Die ganze Bewegung müffe darauf ausgehen,