Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 42 (20.10.1905)
- Date
- 1905-10-20
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 42 2)i. Llocb's TKÜocbenscbrttt. Seite 671 und nach diesen Rittern Gottes koinnit der ewig lebende, in den unsterblichen Sätzen der heiligen Thora ewig gegenwärtige Geist Gottes selbst. „Und von Geschlecht zu Geschlecht standen sie auf, um uns zu Vernichten", und von Jahr zu Jahr zeigt uns die Synagoge das beste Mittel, wie wir mit denjenigen, die gegen uns ausstehen, kämpfen sollen. „Väter!" sagt die Prozession am „Simchas-Thora". „Ihr habt es zur Genüge bewiesen, daß ihr die Gesetze unserer heiligen Lehre zu befolgen fähig seid. Innig und fest drücktet ihr das göttliche Pergament an eure Brust, und trüget es unversehrt durch Abgründe von Unglück und Qualen, durch eine lange Reihe von Jahrhunderten, und eine Generation übergab es der anderen. Allein das genügt nicht. Ich, die Thora, verlange, daß man mich überall verehre, nicht nur euch mich zu verehren gestatte. So berechnet denn eure Kräfte und verteilet diese Aufgabe unter euch, und zwar so, daß Jedem eine seiner Fähigkeiten und Kräfte entsprechende Arbeit zugewiesen werde. Die Thora, das ist eure mächtige, unbezwingbare Festung, hinter deren Mauern ihr von feindlichen Ueberfällen geborgen seid; ist es aber eure Aufgabe, unter dem Schutze drohender Bastionen als ewig Belagerte euch zu verschanzen? . . . Nein, ihrmüßt kämpfen, müßt den Feind zwingen, die Waffen ruhen zu lassen und euch die gleiche Freiheit zu gewähren, deren er sich selbst erfreut. Und zu diesem Zwecke verwandle sich die Festung in einen Tempel und die Wälle in Altäre, auf denen man das allgemeine brüderliche Opfer von Liebe und Freundschaft darbringen wird. Um dies aber zu erreichen, legt die Standarten in die jugendlichen, kraftvollen Hände eurer Kinder. Mögen sie hinaustreten aus den Mauern eurer Festung und sich nähern der Feinde geschlossenen Scharen. . . . Wer wird es wagen, diesen sanften, schwachen Kindern nach dem Leben zu trachten? . . . Wer wird ihre Fahnen verletzen, diese Fahnen, auf denen die Liebe zur Freiheit, die stumme Bitte um das Licht des Wissens, das Verlangen eines vernunftgemäßen Lebens, einer zielbewußten, rechtschaffenen Arbeit, die Forderung allgemeiner Achtung und freundschaftlichen Mitgefühls, hoch in die Lüfte weht. . . . ,.086? dalim, hoschioh no! . ." Während langer Jahre ertönte an jedem „Simchas- Thora" eine Stimme. — der Ruf des göttlichen Geistes zu seinen sanften Heerscharen: „Entsendet euere Kinder außerhalb der alten Festungsmauern; sendet euere Söhne und Töchter in die Gymnasien, Universitäten, Lyceen und Akademien; sondert euch nicht ab, sondern gebet euch im Gegenteil Mühe, alles kennen zu lernen, was eure, euch umgebenden Brüder ihre Thora nennen, damit ihr auf die Frage eines Jeden, in dessen eigener Sprache anworten, ihn in seiner eigenen Sprache begrüßen, mit seiner eigenen Waffe mit ihm kämpfen könnt! . . ." Wie viel lichte Augenblicke hatte dieser große Zug der Kinder und Jünglinge unter dem Schutze ihrer uralten, vom Alter unberührten Fahnen! Eine wohltätige Hand stieß die Pforten der Festung aus und diese Hand — es war die erwachte Erkenntnis. Und Hunderte und Tausende der Kinder Israels eilten, ihre Fahnen hoch in die Lüfte schwingend, in die Mauern der Gymnasien und Universitäten. Diejenigen, die ehedem mit Worten des Zornes und Fluches an den düsteren, ewig verschlossenen Mauern unserer Festung vorübergingen, begannen die mutigen Jünglinge, die sich nach Freiheit, Ruhe, Licht und Wissen sehnten, wenn nicht mit Mitgefühl, so doch zum mindesten mit freundschaftlichem Interesse zu betrachten. . . . Ein neues Morgenrot erglänzte über den von Alter geschwärzten Türmen unserer alten, düsteren Festung, ein frischer Luftzug drang in ihre engen Mauern. Die nach ihren ftiedlichen Errungenschaften und unblutigen Schlachten in's alte Nest zurückkehrenden Kinder des Volkes brachten Licht und Mut, Kraft und Hoffnung mit sich. ... In Kunst, Wissen, Literatur begannen jüdische Namen aufzutauchen, umstrahlt von dem Genius ausdauernder Arbeit und edler Schaffenskraft. Es waren dies erst die ersten schwachen Pflänzchen auf dem Felde unseres Geistes, doch waren diese Pflänzchen gesund und lebensfähig und versprachen in Zukunft üppiges Wachstum und ergiebige Ernte. Erinnert ihr euch dieser Zeiten? . . . Erinnert ihr euch unserer strahlenden Träume, unserer hellen, in allen Tönen des Regenbogens glänzenden Hoffnungen? . . . _ (Fortsetzung folgt ) Briefkasten. „Gemar Ghassimo“. l. Drei Wochen. 2. Nein. 3. Ja. 4. Ja. 5. Ja. 6. Nein. „Liberal". Die Teilnahme einzelner Juden am Brunner Volkstag ist nicht nur an sich bedauerlich, sondern auch ein Zeugnis mangelnder Einsicht und geringen politischen Verständnisses. Die Dummen werden nicht alle. K. F. irr Brünn. Wundern Sie sich nicht über den Gerichtssekretär Dr. Eisler und sein Benehmen Juden gegenüber. Das „Charakter"-Bild des Renegaten hat sich im Laufe der Jahrtausende nicht geändert. R. Wenn ein antisemitischer Lehrer sich unqualifizierbare Aeußerungen gegen den jüdischen Schüler erlaubt, so sind die betreffenden Eltern verpflichtet die Konsequenzen zu ziehen, die Anzeige zu erstatten, eventuell die Klage zu überreichen Solche Schädlinge der Schule auszumerzen, ist allgemeine Pflicht. K. In Spanien hat sich zwar ein Propagandakomitee zu Gunsten der Einwanderung der Juden gebildet, und die spanische Regierung bat sich für den Plan mit großem Wohlwollen geäußert. Allein man darf nicht vergessen, daß vor allem eine Aenderung der spanischen Religions- und Kultusgesetzgebung nötig ist, sonst können die Juden ihre Religion nicht frei ausüben; daran ändert auch die Tatsache nichts, daß ein Schreiben der in München lebenden spanischen Infantin Donna Paz, Gemahlin des Prinzen Ferdinand von Bayern und Tante des Königs von Spanien, für die Rückwanderung der Juden nach Spanien warm sich aussprrcht. I. S. Für die Allgemeinheit ohne alles Interesse. M. O. Leipzig. Der zum Lektor der französischen Sprache an der Universität Leipzig ernannte Dr. phil. Gustav Cohen aus Saint Jossa-tru-Noode gehört der reformierten Kirche an. Seit wie lange dies der Fall ist, entzieht sich unserer Kenntnis. X. Die „Neue Freie Presse" vom Sonntag den 24. Septeniber bringt nachstehendes Inserat: Behufs Ehe wird für ein nach jeder Richtung tadelloses Mädchen, einziges Kind eines mehrfachen Millionärs von hoher sozialer Stellung, ein Großindustrieller oder Großgrundbesitzer von tadelloser Persönlichkeit, Bildung und Familie, bis 36 Jahre alt, gesucht. Derselbe soll Israelit oder getauft sein. Vorläufige Mitgift eine Million. Gefällige Zuschriften nur von direkter Seite oder Eltern, d:e auf Wunsch, retourniert werden, unter »Ideal 23« an das Ankündigungs-Bureau dieses Blattes. Nur gegen Schein. Also Arier ausgeschlossen. — Reinhaltung der Rasse dringend erwünscht. GaranHerr naiurechies feinstes PW’Flanzenj&Üfc. Fett. 3U8 frischend Kokosnüssen, Danksagung. Der Vorstand unseres Vereines fühlt sich angenehm verpflichtet, dem Herrn eaud. phil. und theolog. Arnold Frankfurter, Hörer des Rabbiner-Seminars in Wien, aus Anlaß der in unseren beiden Andachtsstätten am a-n m gehaltenen formvollendeten, inhaltsreichen, die Zuhörer feffelnden Predigten, seinen tiefempfundenen Dank auf diesem Wege zum Ausdruck zu bringen. vsr Vorstand des Leopold stadter Kranken-Unterstützungs- Vereines „Nächstenliebe". Der Schriftführer: Der Obmann: Adolf Reich. Moritz R o s e n b l a t t. “u.rLg'a.xisclie IKLosst B. Grosz, II., Kleine Pfarrgasse 9, II. Stock, Tür 10.