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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-10-20 · 42 (20.10.1905) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
42 (20.10.1905)
Date
1905-10-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 42 Dr. Biocb’s MiocvenscbrM. Seite 663 Auf diesen Brief ist folgende Antwort eingegangen: 3. Hare Court, Temple, E. C. 22. September 1905. Sehr geehrter Herr! Ich bin sehr erfreut, eine so herzliche Sympathiezusicherung für die Jüdische Territortal-Organisation seitens des Großpräsidenten aller deutschen Logen des großen Ordens Bnei Berith zu erhalten. Ich verstehe vollkommen, daß Sie angesichts des Umstandes, daß vor nächstem Mai leider keine Sitzung der Großloge stattfinden kann, nur Ihren persönlichen Standpunkt ansdrücken können. Was aber Ihre Furcht bezüglich einer zionistischen Obstruktion gegen die erwünschte Kooperation Ihrer Logen mit der Jüdischen Territorial- Organisation betrifft, so ist diese grundlos, da die politischen Zionisten Deutschlands mir ihren Dank für meine „Tätigkeit seit dem Kongresse" telegraphiert haben. In der Tat habe ich festes Vertrauen, daß die gesamte Judenheit sich einig bereit finden wird, eine Aufgabe zu vollenden, welche die Lage unseres Volkes so notwendig und so dringend gemacht hat. Empfangen Sie, bitte meinen Dank sowohl für die Schnelligkeit, mit der Sie mir geschrieben, als auch für die freundlichen Gefühle mir und meiner Gattin gegenüber. Ihr sehr ergebener Israel Zangwill. P. S. Ich möchte noch betonen, daß, obgleich wir nicht nur eine philanthropische Kolonisation wünschen, wir doch die nationalen Empfindungen der Juden in den verschiedenen Staaten nicht stören. Unter Wunsch ist einfach, den jüdischen Auswanderern, welche dadurch, daß sie ihre Länder verlassen, jeder Untertanenschaft beraubt werden, ein neues Bürgerrecht, so unabhängig als möglich, in dem neuen Lande zu geben, das sie durch eigene Arbeit sich schaffen wollen. * * » Von Dr. Max Nordau erhielt Mr. Zangwill folgendes Schreiben: Paris, 8. Rue Leonie, Oktober I. 1905. Mein lieber Zangwill! In der letzten Woche hatte ich Gelegenheit, in Gegenwart von Mr. Greenberg und 50«) Pariser Zionisten meine Meinung über die Beziehungen von Territorialismus und Zionismus zu äußern — eine Meinung, die ich seitdeni in Briefen an die Vereinigung der rumänischen Zionisten und an Dr. Katzenelsohn, Libau (Rußland), wiederholt babe. Ich bleibe dabei, daß man zugleich ein Territoriailst und ein Zionist sein kann, indem der Territorialismus nur unmittelbare Hilfe bringen will, während der Zionismus die endgiltige Lösung des jüdischen Problems erstrebt,twelche meiner Ansicht nach nur in Palästina gefunden werden kann. Ich bin sehr glücklich, von Ihrer hoffnungsvollen Beurteilung der Aussichten des Territorialismus Kenntnis zu nehmen. Ich wünsche von ganzem Herzen. Gott sei mir Ihnen. Herzlichst Ihr M. Nordau. Hesrfriichtr. „Gegen Demosthenes war als Redner-Jntriguant bekanntlich insbesondere der an König Philipp verkaufte Aeschines tätig gewesen. ein begabter Schuft, so ein Mensch, der, falls er in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts gelebt hätte, ohne Zweifel den um den eisernen Stier des Erbfolgerechts hertosendenKankan der liberalen und reformjüdischen Realservilen mitgetanzt haben würde." Johannes Scherr: Allgemeine Geschichte der Literatur. H. 9./10. September—Oktober 1884. S. 421. „Als ein Opfer jüdischen Haffes wurde bald nach 1265 der Tod des geraubten Christenknaben Hugo« Lincoln (92 St. aaaa 8 Silb.) dargestellt, der von Juden geraubt, für 30 Silberlinge verhandelt, dann gekreuzigt und beerdigt galt, deffen gemarterter Leib aber aus dem Versteck wieder zum Vorschein kam, Wunder tat und die Entdeckung und Bestrafung der schuldigen Juden bewirkte. Bänkelsängerisch klingt das zum öffentlichen Vortrag bestimmte Gedicht darüber. Auf dem Kontinent bildet dazu ein Gegenstück die Klage um den Feuertod von 13 Juden von Trotzes vom Jahre 1288 (27 Str. aaaa; Vers 2), die hebräisch-französisch ausgezeichnet ist und der in der Hs. ein hebräisches Gedicht über das Geschehnis vorangeht." Grundriß der Romanischen Philologie, herausgegeben von Gustav Gröber, Bd. II. Abt. 1, Straßburg 1902. S. 889. _ lieber Moses Mendelssohn weiß sein Zeitgenosse der Prediger D. Jenisch an der Berliner Marienkirche in der Vorrede zu Müchlers Ausgabe der kleinen philosophischen Schriften Mendelssohns folgende artige Geschichte zu berichten: „Der große Friedrich ließ einst unseren Weltweisen nach Potsdam zu sich kommen. Da es eben Sabbath war. wo. wie bekannt, kein Jude reiten oder fahren darf, so mußte Mendelssohn zu Fuß durch das Tor in Potsdam hineiugehen. Ein Junker, der, wie natürlich, auf seiner Wachstube niemals den Phädon oder die Briefe über Empfindungen gelesen haben mochte, fragte ihn auf die Anzeige, daß er ein Jude mit Namen Mendelssohn wäre, unter einigen soldatischen Flüchen, wie er in aller Welt dazu käme, zum König gerufen zu werden, worauf ihm der Weltweise in der Angst die diogenische Antwort gab; ich spiele aus der Tasche! Das ist etwas anderes» sagte der Junker, und ließ den Taschenspieler Mendelssohn passieren, da er Mendelssohn, den Weltweisen, wer weiß wie lange noch inquiriert oder vielleicht auf die Wachstube gesetzt hätte, da bekanntermaßen mehr Taschenspieler als Weltweite durch die Tore hineiugehen. Auch diese Anekdote verdanke ich einigen Freunden des Weltweisen, denen er sie selbst erzählt hat." Meine Religion. Mein politischer Glaube. Vertrauliche Reden von I. W. v. G o e t h e. Zsgest. von Wilhelm Bode. 2. Aust. Berlin 1902. S. 96/97. „Und nun ein paar Worte über unsere Nachbarn daheim und außerhalb der Grenzen, über Katholiken und Juden, Franzosen und Engländer. Ich war gegen unser neues Judengesetz, das die Heirat zwischen beiden Glaubensverwandten gestattet; ich meine, der Generalsuperintendent müsse eher sein Amt niederlegen, als daß er die Trauung einer Jüdin im Namen der heiligen Dreieinigkeit dulde; jede Verachtung der religiösen Gefühle im Volke bringt Unheil. Aber ich hasse die Juden nicht. Was sich in meiner frühen Jugend als Abscheu gegen die Juden in mir regte, war mehr Scheu vor dem Rätselhaften, vor dem Unschönen. Meine Verachtung, die sich wohl zu regen pflegte, war mehr der Reflex der mich umgebenden christlichen Männer und Frauen. Erst später, als ich viele geistbegabte, feinfühlige Männer dieses Stammes kennen lernte, gesellte sich Achtung zu der Bewunderung, die ich für das bibelschöpferische Volk hege, und für den Dichter, der das hohe Liebeslied gesungen." Zentralblatt für Bibliothekswesen. Jahrg. l. 4. Aufl. Bd. 1. Stuttgart 1872. Seite 124. „Auch in Frankreich empfindet man das Unzureichende der bisherigen finanziellen Ausstattung der Bibliotheken, namentlich der Bibliotheque nationale: Ein Herr Drumont*) beklagt sich in der Liberts: „Für den Ankauf von Büchern, welche in ganz Europa erscheinen, sind 80.000 Francs bestimmt; was kann Herr Delisle, so erfahren und hingebend er auch in seinem Amte ist, mit einer solchen Summe machen? Kann er im Lesesaal doch nicht einmal von französischen Zeitschriften alle die zur Disposition stellen, welche ein wirkliches Interesse haben, z. B. den „Korrespondent" und die „Revue des Etudes Juives“. Was das depot legal anlange, an welches diese Zeitschriften allerdings abzugeben seien, so sei deffen Funktion sehr unregelmäßig und langsam. Die Jude» in Galizien. Als ich am 9. April 1853 bei —9° R. morgens in Lemberg eintraf, sollte ich zugleich einen Beweis von der Unentbehrlichkeit und Nützlichkeit der Juden in Galizien erhalten. Ein hochgestellter Beamter, welchen ich gebeten hatte, mir eine passende Wohnung auszumitteln, war sofort bei meiner Ankunft bei mir im Hotel erschienen, um mir ein Verzeichnis von Wohnungen vorzulegen. Ich beschloß, sogleich die Runde zu machen. Als ich unter das Haustor trat, grüßte mich ein jüdischer Faktor mit der Frage: „Suchen Euer Exzellenz eine Wohnung?" „Jawohl", war meine Antwort. Obschon mein Begleiter den Zudringlichen ärgerlich abwehrte, frug ich doch: „Hast Du welche?" Er sagte: „Ja, gleich hier unten an der Promenade, die Wohnung des Banquier H." Mein Begleiter entgegnete, diese sei ja nicht frei. „Aber sie wird es demnächst", versetzte der Jude. Nun denn, ich fuhr hin und siehe da, dieselbe wurde demnächst frei und war entsprechender als alle, welche mein Begleiter verzeichnet hatte; ich nahm sie und blieb darin durch *) Leider ist der Vorname des p. Drumont nicht angegebcn.

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